wie bk8 meine« Wissens in keinem andern Bundesstaate der Fall ist, und die um so empfindlicher ist, als sie vielfach gegen Personen gerichtet erscheint, welche nicht etwa auS Oppositionslust sich im Widerspruche mit dem Jmpfgesetze befinden, sondern welche auf Grund ihrer Uederzeugung und in Folge schlimmer Erfahrungen das Impfen für gefährlich und schädlich halten und so aus Sorge für das Wohl ihrer Kinder dem jmpfgesetze gegenüber in eine förmliche Gewissensnoth verfitzt sind. — Während doch hierauf aus Gründen der Humanität in einem civiltsirten Staate einigermaßen Rücksicht zu nehmen wäre, findet eine solche Rücksichtnahme nirgends statt, wohl aber muß eine gewisse Willkür in der Handhabung des Jmpfgesetzes bezüglich der bald mehr, bald weniger raschen Aufeinanderfolge der Wiederholung der Strafbefehle constaiirt werden, welche bei den betreffenden Personen das Gefühl einer gewissen Rechtsunsicherheit Hervorrufen muß. — Der Unterzeichnete richtet an die Regierung die Frage: „Auf Grund welcher Principien und Reglements die betreffenden Behörden operiren?"
Kesternich.
Frohsdorf, 8. Juli. Die Beflerung im Befinden des Grasen Cham- bord ist eine sehr langsame, aber doch bis jetzt fortdauernde, derselbe empfing heute den Grafen Blacas und ließ sich auch aus den Zeitungen vorlesen. Demnächst soll eine weitere ärztliche Consultation stattfinden. — Die Prinzen von Orleans beabsichtigen, sich morgen zum Besuch des Herzogs von Koburg nach Pesth zu begeben und daraus auch dem Erzherzog Joseph einen Besuch abzustatten.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Birreair.
Berlin, 9. Juli. Der Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich ist im strengsten Inkognito zum Besuche der Hygieine,Ausstellung hier angekommen.
Kovlenz, 9. Juli. Seine Majestät der Kaiser ist heute Vormittag 8 Uhr mittelst ExtrazugeS über Mainz nach Karlsruhe abgereist; zur Verabschiedung waren auf dem Rheinbahnhofe die Spitzen der Behörden anwesend. Gestern hatte Seine Majestät der Theatervorstellung etwa eine Stunde lang beigewohnt.
— Die Königin von Rumänien hat sich gestern Abend über hier nach Nürnberg und Wien begeben.
Karlsruhe, 9. Juli. Seine Majestät der Kaiser ist heute Mittag nach V21 Uhr hier etngeiroffen und am Bahnhof von dem Großherzog und der Frau Großherzogin, dem Erbg'oßherzog und dem Prinzen Ludwig von Baden empfangen worden. Seitens der Bevölkerung wurde Se. Majestät enthasiastisch begrüßt. Die Stadt ist festlich geschmückt; um 2 Uhr findet eine Parade statt.
— Der zweite Sohn des Großherzogs, Prinz Ludwig Wilhelm, wurde beute Nachmittag von Sr. Majestät dem Kaiser als Scconde-Lieutenant in die erste Compagnie des vor dem Schlosse versammelten Badischen Leib - Grenadier - Regiments Nr. 109 eingestellt und ihm gleichzeitig der schwarze Adlerorden verliehen. Der Erbgroßherzog Friedrich Wilhelm wurde zum Hauptmann der zweiten Compagnie ernannt.
— Der Großherzog empfing gestern den russischen Gesandten v. Staal, welcher ein Beglaubigungsschreiben überreichte.
Nyiregyhaza, 9. Juli. sTisza-Eszlarer Proceß.j Die als Sachverständige berufenen Universitätsdocenlen Scheutheuer. Belky und Mihalkooics sind hier eingetroffen, dürften aber erst morgen vernommen werden, weil heute noch eine große Anzahl von Zeugen zu vernehmen ist. Der Kutscher des Comitats-Obernotars Ladislaus Mtklos, der in der Frage der Agnoscirung von der Vertheidigung als Zeuge ausersehen war, hat sich selbst enileibt.
— Der Präsident ermahnt das Publikum abermals zur Ruhe. Es sind die Universitäts-Sachverständigen erschienen. Der Staatsanwalt stellt denselben die Kiste mit den Leichenresten zur Verfügung. Die Sachverständigen werden beauftragt, die Leichenreste neuerdings daraufhin zu untersuchen, ob an der Leiche eine von einem Kuhtritt herrührende Narbe vorhanden sei und ob die Zehen verwachsen wären. Sodann wurde Frau Joseph Vamosi, die Mutter des Mädchens Julie Vamosi, welche ausgesagt hatte, daß sie die Esther Solymossy noch um 1 Uhr Mittags gesehen, vernommen. Zengin sagt heute: Ihre Tochter habe falsch geschworen, sie sei zu dem falschen Schwur nur durch die Geldoersprechungen von den Juden verleitet worden. Der Vertbeidiger macht darauf aufmerksam, daß auf dem Verbrechen, dessen die Mutter ihre Tochter zeiht, 5jähriges Zuchthaus steht. Darauf erscheint Julie Vamosi, welche im Gesicht rothe und blaue Flecke und verweinte Augen hat. Die Vertheidiger erwähnen dcs Gerüchts, daß Julie mißhandelt und geprügelt worden sei und verlangen eine ärztliche Untersuchung derselben, sowie die Vorladung ihres Vaters und des Eszlarer Richters. Die Anträge der Vertheidigung riefen eine scharfe Controverse zwischen dem Präsidenten und den Vertheidigern hervor. Der Gerichtshof beschließt, daß Julie ärztlich untersucht und ihr Vater vorgeladen werden solle. Alsdann wurde der Kutscher Hata- lowsky noch einmal vernommen, welcher ausgesagt hatte, daß er Nachmittags gehört habe, wie Frau Huri, die Dienstgeberin der Esther, letztere nach Farbe gesandt hätte. Gegen die Glaubwürdigkeit der Aussage des Hatalowski war nämlich mittlerweile eine Anzeige bei Gericht eingelauftn. Derselbe hält jedoch auch heute seine frühere Aussage aufrecht.
Triest, 9. Juli. Der Dampfer „Achille" ist mit 300 Passagieren aus Alexandrien hier angelangt und zur Quarantäne nach dem neuen Lazareth beordert worden.
Paris,. 9. Juli. Der „Agence Havas" wird aus Hongkong von heute gemeldet, daß in Swatow (China) Cholerafälle vorgekommen seien.
Kaschau, 9. Juli. Heute Morgen fand zwischen Mezökovesd und Füzes- abony ein Eisenbahn-Zusammenstoß statt. Eine Locomotive mit 35 Arbeitern ging nach dem Orte des Unglücks ab.
Alexandrien, 9. Juli. (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus.") Vom Samstag Abend 9 Uhr bis Sonntag Abend 9 Uhr sind in Damiette 88, in Mansurah 64, in Samanud 9 und in Shirbin 7 Personen an der Cholera gestorben. Hier erfolgte in dieser Zeit ein Todesfall an der Cholera, sämmt- liche bis jetzt hier vorgekommene Choleraerkrankungen beschränken sich auf das europäische Viertel.
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Darmstadt, 10. Juli. (Privat-Depesche.) Die erste Kammer genehmigte die Gesetzentwürfe wegen Erbauung von Secundärbahnen und Errichtung einer stehenden Brücke über den Main bei Kostheim.
Lokales.
Gießen, 10. Juli. Mit klingendem Spiel rückte heute Morgen der Stab und eine Batterie des reitenden Feld-Artillerie-Regiments Nr. 11 hier em. Die Mannschaften kamen von Griesheim und reiten morgen früh ihrer Garnison Cassel zu.
Vermischtes.
Mainz, 6. Juli. In der verflossenen Nacht sind aus dem hiesigen Gefängnisse vier Sträflinge ausgebrochen; die Vorbereitungen waren schon längst getroffen und heute Nacht während des Gewitters führten sie ihre Flucht glücklich aus. Sie hatten die Füllungen ihrer Zellenlhüre herausgeschnitten und den Schnitt mit nassem Brod verklebt. Heute Nachr nahmen sie die Thürfüllunp heraus, -begaben sich in den Abort, brachen das eiserne Güter heraus, das zu diesem Zwecke angefeilt war, und gelangten mittelst mehrerer zusammengeknüpfter Betttücher vom 2. Stockwerk ungefährdet auf die Straße. Einer der Entsprungenen, ein gewisser Gebhard, ist ein gefährlicher Einbrecher und war erst kürzlich zu einer längeren Zuchthausstrafe verurthettt worden.
Hanau 5. Juli. Heute Vormittag wurde auch die Leiche des seit November v. I. vermißten Maurerlehrlings Schilling von Oberrodenbach im Hause Mühlstraße 8 aufgefunden. Dieselbe lag in einem Loch in einer Ecke neben dem Pferdestall und einer Kalkgrube, das der Mörder zu ihrer Verbergung eigens angelegt und circa 1 Fuß hoch zugemauert hatte. Auch diese Leiche war mit Kalk und Cement bedeckt und deren Hände bereits obgefault, so daß der Schädel wohl allein noch einer Section unter - warfen werden kann. Sie hatte, wie die des Knoth, den Kopf mit einem Tuche umwickelt- Damit dürfte der Schleier über diese entsetzlichen Verbrechen endgültig gelüftet sein, da sich das Gerücht in Betreff des vor 5 Jahren verschwundenen Lehrlings, der übrigens bei einem Meister in Langenselbold beschäftigt war, glücklicherweise nicht bestätigt. Zur Charakteristik des erst circa 30 Jahre alten kaltblütigen Mörders dürfte noch anzuführen sein, daß derselbe sich am vorigen Sonntag mit seiner jungen Frau nach seinem Hetmathsorte Kälberau begeben hatte, dort an einer Procession theilnahm und dabei durch sein lautes Singen ausfiel, sowie später sich im Wirthshaus belustigte. Die Grausamkeit, Raffinirtheit und Frechheit, mit der beide Mordihaten an Hellem lichten Tage und in einem sehr belebten Hause vollbracht und ihre Spuren verborgen wurden, zeigen ebenfalls, wie entsetzlich gewissenlos und gemüthsroh das Scheusal gewesen und daß es mit voller Ueberlegung und mit Vorbedacht die schrecklichen Thaten geringen elenden Mammons wegen begangen hat.
Kandel und Verkehr.
Gießen, den 10. Juli. Auf dem heutigen Martt kostete: Butter per Pfund JL 0.90—j.15, Hühnereier per Stück 5—6 Käse Stück 5—8 ^5>, Käsematte 3 Erbsen per Liter 24 H, Linsen 32 Tauben per Paar 70—90 H, Hühner per Stück .X 0.70—l.Oi', Hahnen per Stück <X 0.65—1.20, Enten pr. St. X 1.30—1.70, Ochsenfleisch per Pfund 70 Kuh- und Rindfleisch 56—60 Kalbfleisch 45 bis 50 S), Schweinefleisch 60—64 H, Hammelfleisch 62—70 Kartoffeln per 100 Kilo JL 10.00—11, Kirschen per Pfd. 9—14 H, Milch per Liter 13—18 H. Gänsepr. St. 0 JL
Frankfurt, 9. Juli. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer «X 19—19 y4, fremder «X 18—22, Roggen cff. hi es. <X 14—15, fremder JL 14—16, Gerste cffectio hiesige und Wetterauer <X —, fremde JL —, Hafer eff. hiesiger «X 13—13‘/2, fremder <X 13—14. Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. <X 37. Branntwein eff. ohne Faß -X 46.
Frankfurt, 9. Juli. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 380 Ochsen, 25 Bullen, ca. 300 Kühe und Rinder, ca. 260 Kälber- Die Preise stellten sich: Ochsen I.Oual. «X 70, 2. Qual. JL 64—66, Kühe und Rinder 1. Qual. <X 58—61, 2. Qual. <X 49—54, Kälber 1. Qual. «X 65, 2. Qual. A 55 per 100 Pfund Schlachtgewicht.
— Die poftseitig bislang an das Publikum verkauften Streifbänder mit eingeprägtem Werthstempel (zu drei Pfennig), welche zum Versandt von Drucksachen dienen, werden vorn August er. ab in neuer Form zum Verkauf kommen und zwar werden künftig sämmtliche Postämter erster und zweiter Classe, sowie u. a. auch geeignete größere Postämter dritter Classe und Postagenturen damit ausgerüstet werden, während die Streifbänder bisher nur von den größten Postämtern erster Classe gefühn wurden und alle anderen Anstalten sie im Bedarfsfälle erst daher zu reclarniren hatten. — Die neue Form der Streifbänder berücksichtigt besonders den thunlickst festen Umschlag um die Drucksache, damit die Briefoerschiebungen in dieselbe möglichst vermieden w rden.
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in einy oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn mau von der Annoncen - Expedition -von H AASER STERIV <fe VOGtKjEK in Frankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinaichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Witterungskunde.*)
11. Juli. Mittwoch. Bei Sonnenaufgang dunstig, auf Westen und Nordwesten zu trüb, dann besser; auf Mittag zu sckleierig bis ballig; Nachmittags aufgeheitert dis schön, stellenweise Morgens früh und Abends gewitterhaft.
12. Juli. Donnerstag. Frühmorgens dunstig dis gewitterhaft bedeckt, Morgens heiter, auf Mittag zu Schleier bis Ballen, Nachmittags schön. Nach Westen und Nordwesten zu Morgens mehr bedeckt, doch auch hier später Ballen, Nachmittags besser dis schön und trocken.
*) Aus vr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juli, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M- Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 <X). — Nachdruck verboten.
Wafferwärwe der Lahn.
Am 10. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: 4- 19° R-, ßuftrofirme 4- 18V2° $•
L. Chr. RÜbsamcn.
r Anzeiger.
Heu! Heu!
Hoch"
ne* M.iichrnn-Geschirre
D.-R.-Patent 7569 von
Fleiünann & Witte in Iserlohn.
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