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UnserEingesandt" zur Lutherfeter ist tn der gestrigen Nummer d. B!. einer Kritik unterzogen worden, die vo-r einem so vollständigen Mißverstäirdnlß unserer Absichten zeugt, daß wir uns genöthigt seden, nochmals das Wort zu ergreifen. Unser verehrter Gegner scheint uns für einen Katholiken zu halten, daraus deuten seine Aus­führungen überdie römisch-katholische Christenheit" Wir können ihn darüber be­ruhigen und ihn versichern, daß auch wir durch Taufschein und Gesinnungen zur evangelischen Kirche gehören. Deshalb ersparen wir uns ein Eingehen auf feine statistischen Angaben, wie wir auchdavon absehen", ihn über Luthers weltgeschichtliche und nationale Bedeutung aufzuklären, Indem wir annehmen, daß er sich durch den Vortrag von Herrn Professor Oncken eines Bessern habe belehren lassen. Wir möchten uns nur entschieden dagegen wenden, daß er unsere durchaus sachlichen Erörterungen auf das G-biet des Persönlichen hinüber gezogen hat. Wir hatten ausgesührt, daß die confesfionelle Seite der Feier tn den Gottesdiensten an den beiden Sonntagen ge­bührenden Ausdruck fände und hatten den Wunsch ausgesprochen, daß die samstägliche Feier zu einer allgemeinen nationalen würde, an der sich Katholik-n und Juden ebenso gut bethetligm könnten, wie wir daS mit Freuden bei der gestrigen Feier bemerkt haben, kurz, daß die Pflanzung der Luthe,linde keine Feier einer Confession, sondern eine Feier der ganzen Stadt würde. Daß aber, um diesem Gedanken Ausdruck zu gebea, der Vertreter der Stadt gemeinde besser geeignet ist, rein sachlich betrachtet, als der Vertreter der Kirchengemeinde, wird unS der geehrte Gegner jetzt, nachdem er die in Frage kommenden Momente wirklich kennt", gewiß zugeben. Gegen die persön­liche Befähigung des jetzigen Redners haben wir durchaus nichts einzuwcnden gehabt, wir glauben tm Gegentheil. daß auch er es verstehen wird, der Feier diesen nationalen Charakter zu geben, nur fürchteten wir, daß durch feine Stellung viele unserer anders­gläubigen Mitbürger veranlaßt werden würden, sich von der Feier zurückzuziehm, indem sie dieselbe für eine confesfionelle ansehen würden. Das mar e8, was wir durch unserEingesandt" verhüten wollten. E.

Zu dem am Samstag den 10. November er. stattfindenden Fest' zug findet die Zusammenkunft um ^2 ltl)t im Vereins o a (Restauration Schnell) statt. Der Dorstand.

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Vermischtes.

Allertshausen, 7. November. Bei der heute dahier abgehaltenen Bürger­meisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Joh. Römer einstimmig wieder- gewählt, gewiß für denselben ein Zeichen der treuen Anhänglichkeit seiner Mitbürger und für die Gemeinde Allertshausen lobend, welche sich rühmen kann, von allen Parteien freien flin. ^ei der heute dahier stattgehabten Bürgermeister­

wahl wurde der seitherige Bürgermeister Martin Knöpper mit großer Stimmen­mehrheit wiedergewählt. Möge es demselben beschteden fein, noch lange zum Segen der Gemeinde zu wirke».

Stuttgart, 7. November. sAllgem. deutscher Versicherungs-Verein.) Im Monat October 1883 wurden 291 SÄadenfälle angemeldet und zwar 273 äußere Ver­letzungen und 18 innerliche Erkrankungen. Von den Unfällen hatten vier den sofortigen Tod und 22 eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbekasse starben im Monat October 17. Neu aufgenommen in den Verein wurden in diesem Monate 1797 Personen. Alle vor dem 1. Septbr. 1883 ein getretenen Schäden incl. der Todes- und Jnvaliditätssälle sind bis auf die von 28 noch nicht genesenen Personen vollständig regulirt- 7464

Das Niederwaldfest wurde von den Gasten der Northern-Paciflcbahn in Bismarck (Dakota) festlich begangen. Dr. von Schauß brachte den Trinkspruch auf den deutschen Kaiser aus und der deutsche Gesandte redigirte ein Telegramm, das in folgender Fassung abgesandt wurde:An des Kaisers Majestät. Niederwald, Germany. Die deutschen Gäste der Northern-Pacisic-Eisenbahn feiern in Bismarck, Dakota, Kaiser, Reich und Armee in treuer Gesinnung."

iEi ja m'r Sachsen sain h-lle!j Ei» kürzlich in Newyork eingewanderter Leebziger" wurde bei feinem ersten Spaziergänge aus dem Broadway von einem vor-

übergehenden Fremden mit den Worten:Guten Morgen, Herr Schulzei" bearf.6t Der gute Schulze sinnt eine Weile nach, kann sich aber nicht erinnern, den Mensen jemals zuvor gesehen zu haben.Aha!" denkt er,bas iS mich sicher Eener von b, Ludersch, von die sogenannteBauernfänger", da heeßl's: fein uffgepaßt!" Ja Meinung wurde das LeipzigerGrünhorn" nur noch b-stärkt, als der Fremde narh einigen Schritten wieder umkehrend, höflich fragte:Sie verzeihen schon! Habe mich nicht geirrt? Smb Sie nicht Herr Schulze aus . . habet schnalzte er mit den Fingern, als ob ihm der Heiwaihsort des Angercdeten nicht einfallen wollte. sne, Sie irren sich, mein kutester Herr, ich hieße Se nicht Schulze, sondern Lehman," uff' zuwarten, ja!" D-r Fremde entschuldigte sich hierauf und ging seines Wegs Minuten darauf trat ein Anderer, dem Sachfcn ebenfalls Unbekannter, auf uns-ren Freund zu und als ob er einen alten Bekannten begrüßte, klopft er ihm auf die Schuller und ri:f freudig überrascht:Halloh, Lehmann, olck boy, wie geht's denn?" Dies­mal war der vorsichtiae Leipziger seiner Sache ganz sicher und mit einem mumi heutigen schlauen Zwickern des linken Auges antwortete er dem Fremden:Nee mel kut'stes Tbierch-n Se imn sich: mei Name iS Se nämlich gar nich Lehmünn - ich heeß; Se Schulze! Ei ja, fragen Se gittgft blos ihren Fremd, der dort an btt Ecke lauert!" Nachdem sich auch dieser Konfio-nzschwlndler schleunigst verzogen batte blickte ihm der schlaue Sachse höhnisch lachend noch und rief:M'r Leepz'ger'sain nich so dumm! Eegentlich heeß ich Se weder Schulze noch Lehmann, sondern- We-tschche!"__

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Gießen, 9. November. Für den morgen Vormittag 11 Uhr in der großen Aula nnwersität statthabenden Festaclus ist nachstehendes Programm festgesetzt:

1 Ouvertüre, Chor und Choral ansPaulus" von F. Mendelssohn- Bartholdy.

o Seftrebe von Professor Dr. HarNack

3. Kirchliche Festouoerture über den ChoralEin' feste Burg rc." für Chor und Orchester von Otto Nicolai.

sTbterschutz-Veretu.j In der Ausschußsitzung vom 5. d. Mts. wurde beschlossen, an drei Gendarmen, 7 Schutzleute und 1 Briefträger, die sich im ver- aanaenen ^ahre in hiesiger Stadt und Umgebung besonders um den Thierschutz verdient gemacht" haben, 'Prämien auszuzahlen, sodann wurde eine List-von 10 Dienstboten festgestellt, die sich durch gute Pflege und Behandlung der ihnen anvertrauten Tyiere ängere Jahre als zuverlässig und schonend erwiesen und das Vertrauen ihrer D enft- berrschaft erworben haben. Auch diesen werden Prämien bewilligt und sollen, wie tm lebten Jahre, sämintllÄ- Prämien mit einem hübsch ausgestatteten Anerkennungs- Schreiben an Weihnachten ausgehändigt werden. Der von Herrn Rübs amen. an- geschoffte vierräderige Kippwagen nach dem Modell Hübner u. Schlesinger hat sich als vracti ch bewährt und wird demselb-n als Anerkennung feiner Bestrebungen, die Zwecke des Vereins zu fördern und den von demselben empfohlenen Wagen hier zur Ein­führung zu bringen, eine Prämie bewilligt. ,.

Hieraus wird übet die Frage wegen Abschaffung des Doppelf ochs beim Zug­vieh berathen Zunächst wird die im Kreis Lauterbach erlassene Poltzeiverordnung, die das Dovp'eljoch verbietet, nebst den Motiven zu dieser Verordnung verlesen. Hieraus träat Herr Viofeffor Dr Pflug ein längeres, eingehendes Gutachten vor, in dem er die verschiedenen Anspannungsweisen beim Rindvieh vorführt und die Schädlichkeit und Verwerflichkeit des Doppeljochs, beffen Gebrauch zweifellos eine Thierquälerei ist, näher beleuchtet. Es wird beschlossen, eine Eingabe an das Großh. Kreis amt Gießen, der das Gutachten beizulegen ist, zu macken, in der um Erlaß einer Polizeiverordnung m>e tm Kreis Lauterbach gebeten wird. Sodann soll das Gutachten des Herrn Professor Dr Pflug durch Abdruck in der Zeitschrift und in den Localblättern möglichst ver­breitet werden. Auf Antrag des Herrn Oberamtsrichter Langsdorfs soll m einer ber nächsten Sitzungen über die beste Schlacht-Methode und die Schußmaske berathen werden.

Gießen, 8. November. (Lut her ab end.) Um die Gemüther unserer evangeli­schen Gemeindeglieder auf die hohe Bedeutung der Gedachtntßfeier her vierhunheit- jährigen Wiederkehr bes Geburtstags Dr. Martin Luther's würdig vorzubereiten war nach dem Vorgänge vieler Städte auch hier ein Vortrag tn der Kirche tn Aussicht genommen. Herr Professor Dr. Oncken hatte sich her Slufgabe un.erzogen, über Luther's Fortleben in der deutschen Nation" zu sprechen und loste diese Aufgabe in einer einstündigen, fesselnden, oft zündenden Rede. Luther s Gedächtniß, so führte ber Reimer aus, lebt in uns fort, wenn wir einen Blick auf bte mächtige Gestalt bes Bekenners werfen, auf denLuther in Worms", wie er ohne Furcht, voll kühnen Kampsesmuthes, die Wahrheit mehr lteb-nd als das Leben, vor Kaiser und Reick stand. Wir gedenken seiner ferner als Reformators ber deutschen Sprache, Schöpfers des evangelischen Kirchenliedes. Dolmetschers her Bibel An dem Segen seines reformatorischen Wirkens nehmen mir Alle Thell, bte einen bewußt, die anbern unbewußt die einen voll Dank, die andern ohne Dank. Die allgemeine Schulpflicht, die Neugestaltung unserer gelehrten Mittelschulen und Universitäten, das Princip, daß alles Blldungswesen in den Händen des Staates liegen müsse, ja, die ganje moberne (Sutiurentmitfelung verdanken den genialen reformatorischen Gedanken Luther s ihre ersten Impulse. Endlich wird auch der Wahrheitssinn und der Bekennermmh des Profelsors Luther all«t akademischen Lehrern ein leuchtendes Vorbild bleiben

Der Vortrag hatte eine fo zahlreiche Zuhörerschaft herbeigeführt, daß bereits vor Beginn desselben die geräumige Kirche vollständig gefüllt war. Unserem Empfinden nach hätte die Feier, der Bedeutung des Festes entsprechend, noch einen tieferen Ein­druck hinterlassen, wenn sie durch geeignete Gesänge eingerahmt gewesen wäre.

Gießen, 9. November Wir machen unsere geehrten Leser auf den im heutigen Familienblatt enthaltenen Artikel:Fran Käthe Luthe rin", als ein Gedenkblatt zur Lutherfeier, hiermit aufmerksam.

Am Dienstag Nachmittag mie'hete ein Mann, anscheinend in ben breiiger Jahren ein angeblicher Locomotivfübrer, in einem Hause am Neuenweg ein möblirtes Zimmer. Er dortselbst zu Nacht und nachdem er seine Hauswirthm gebeten, ibn am andern Morgen zeitig zu wecken, da er an der Bahn in Dienst treten müsse, legte er sich anscheinend zur Ruhe. Mittwoch Morgen wollten die Hausleute den Miether wecken dieser ließ jedoch nichts von sich hören und bei näherem Zusehen gewahrte man, daß der angebliche Locomotivführer das ganze Bett gestohlen hatte, außerdem auch ein im Zimmer liegendes goldnes Medaillon. Das Gestohlene hat einen Werth non ca 70 Bei einem hiesigen Trödler wurde am Dienstag Nachmittag der

Beschreibung nach von demselben Dieb ein vollständiges Bettwerk für ein geringes Gelb verkauft. Nach einem heute Hierselbst eingetroffenen Ausschreiben von Mas n z ist das hier verkaufte Bettwerk dortselbst gestohlen. Es scheint also em gewerbsmäßiger Gauner zu fein, welcher auf vorbefchriebene Weise Diebstähle ausführt und möge das Miigetheilte zur Warnung für diejenigen dienen, welche an Fremde Zimmer Der» m leihen. _

Witterungskunde.')

10. November. Samstag. Meist wolkig bis trüb. Morgens Neigung zur Auf­besserung, ans Mittag zu wolkig, Nachmittags aufgeheitert, Abends bedeckt. Wind zeitlich auffrischend bis lebhaft, an bin Küsten heute ober morgen stürmisch.

11. November. Sonntag. Umschlag zur Aufbesserung, wenn auch anfangs noch trüb unb unruhig. Frühmorgens bedeckt, dann ausgebesseit, Mittag? trüb, Nach­mittags bis zum Abend ausgebessert, spätabends bedeckt, Wind lebhaft, an den Küsten stürmisch.

*) AuS Dr. L. Overzier's SBettcr»SBrognofe (Verlag ber SDJ.ßcngftlb» scheu Buchhandlung in Köln, Preis 1 J£). Nachdruck verboten.

ä. SB., 9. Novbr., Nachmittag? 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 234, Staatsbahnactien 2645/b, Galizier 240, Lombarden 117, Nord- westbahnactieu 1573/g, Gotthardbahnactien 92'/«, Darmstädter - Bankactien 150%, Disconto Commandit 182, Oesterr. Silberrente 663/«, 4% Ungar. Goldrente 73*/e, 40/0 1880er Russen 70'/-, 5% 1877r Russen 89'/2, 2. Orient-Anleihe -, 4°,» Spanier, 5% Rumänische Rente 93*/2, 4"/« Unisic. Egypter 69*/ie. 5% Türken , Marienburger 92^«. Hess. Ludwigsbahnact. 1047/w- Tenden,: schwach.

MechZichL Anzeigen dee Steedt GieKen.

Evangelische G e m e i n d e.

^otteSdieuK:

Sonntag den 11. November (25. nach Trinitatis).

Kirchliche Feier des Lutherfestes.

Vormittags 9'/- Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 5 Uhr: liturgischer Gottesdienst: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten wird eine Kollekte erhoben, die nickst, rote früher angekündigt wurde, für unseren Kirchenbaufonds, sondern auf Wunsch be§. ~)ler' consistoriums für die durch die hessische Landessynode neu begründete Lutherststtuns zur Unterstützung von Studirenden der evang. Theologie, vorzugsweise in Gießen, bestimmt ist. ,,

Kinderkirche: Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Montag, den 12. November, Abends 8 Uhr, in derKlemkinderschule: Bi bei- stunde, Apostelgesch. 2,4147, Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag, den 18. ds. Mts., findet die Feier des heiligen Abend­mahls, und zwar im Abendgottesdienst, statt; die Beichte wird un Anschluß an das Abendmahl selbst unmittelbar vor demselben gehalten werden.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 11. bis 17. November besorg Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

26. Sonntag nach Pfingsten.

Von 7 Uhr an: Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Coinmunton. '/210 Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 4-° Uhr, Samstag Morgen 8-°Uhr, Samstag Mittag 3 M Samstag Abend 515 Uhr.