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Hs. 2GZ. Samstag den 10. November L88T.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

s«reaur Schulstraße 7.

werden, um Höchstdenselben nach Spanien zu

Bei den Stadtrathswahlen der 2. Abtheilung Canvidaten.

zwischen dem 12. und 15. d. deutsche Kriegsschiffe anlangen geleiten.

Trier, 8. November.

Telegraphische Depeschen.

Wslff's trlegr. Csrrsspstrdenr-Burea«.

Berlin, 8. November. Nach einer Bekanntmachung des Reichskanzlers sind auch die im Gebiete von britisch Birma (Hinter-Jndien) belegenen Hafen-

Politische Ueberficht.

Meßen, 9. November.

Die gesammte protestantische Welt begeht in diesen Tagen die Feier des 400jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers und besonders bei uns in Deutschland, der Wiege des Protestantismus, sind umfassende Vorberei­tungen zu einer würdigen Feier dieses bedeutungsvollen Tages getroffen worden. Auf evangelischer Seite ist man eifrig bestrebt gewesen, das Lutherfest jedes herausfordernden Charakters gegen die Katholiken zu entkleiden und in allen vorurtheilslosen katholischen Kreisen wird dieses Bestreben vollauf gewürdigt, indem man sich hier mehr oder weniger an den bevorjtehenden Feierlichkeiten zu betheiligen gedenkt. Die Lutherfeier gewinnt somit die Bedeutung eines nationalen Festes und der Verlauf deffelben wird hoffentlich beweisen, daß bei uns die confessionellen Gegensätze glücklicherweise noch nicht so ausgeprägt sind, um es Protestanten und Katholiken unmöglich zu machen, das Andenken an den großen Reformator und ächten deutschen Volksmann gemeinsam zu feiern.

Der erste langjährige Beamte des kaiserlichen Hofstaates, Oberst­kämmerer Wilhelm Graf von Redern, ist am 5. November in Berlin verschieden.

In den nationalen Parteikämpfen, welche dem politischen Leben des österreichischen Kaiserstaates einen so prägnanten Charakter verleihen, ist jetzt eine Zeit verhältnißmäßiger Ruhe eingetreten. Dieselbe kommt vor Allem den Verhandlungen der gemeinsamen Delegationen zu Gute, deren Arbeiten einen recht glatten Verlauf nehmen. Der Schwerpunkt der Verhandlungen ruht noch in den beiderseitigen Ausschüffen, von denen bis jetzt die Etats des Mini­steriums des Auswärtigen und des Reichs - Kriegsministeriums anstandslos erledigt wurden. Am Dienstag verhandelte Der Vierer-Ausschuß der ungarischen Delegation über das bosnische Budget, welches der Reichsfinanzminister Kallay begründete. Derselbe gab über die administrative und finanzielle Lage der occupirten Provinzen ein recht befriedigendes Bild und erklärt sich bereit, auf eventuelle Fragen Seitens der Ausschuß-Mitglieder weitere Ausklärungen zu geben.

Nachdem die französischen Radikalen mit ihrem parlamentari- ichen Ansturm auf die Stellung des Cabinets Ferri) bezüglich der Tongking- Frage abgewiesen worden sind, versuchen sie es jetzt, dem Ministerium auf dem Gebiete der inneren Politik Schwierigkeiten zu bereiten. Eine geeignete Hand­habe hierzu scheint ihnen das Municipalgesetz zu sein, mit welchem sich die Deputirtenkammer zur Zeit vorwiegend beschäftigt und das sich auf die Ver­waltung der größeren Stadtgemeinden bezieht. Die Radikalen haben hierzu eine Reihe von Amendements eingebracht, welche auf die communale Autonomie von Paris abzielen und die Errichtung einer Centralmairie für die französische Hauptstadt verlangen. In der Dienstags-Sitzung der Deputirtenkammer ver- lheidigte der radikale Deputirte Lacroix diese Amendements, gegen welche sich bas Ministerium von vornherein entschieden ausgesprochen hat und die fran­zösische Deputirtenkammer hat bei der unmittelbar bevorstehenden Abstimmung über die radikalen Amendements abermals Gelegenheit, dem Ministerium ihr Vertrauen auszudrücken. Die aus Tongking eiugetroffenen Depeschen oestätigen den günstigen Fortgang, den die militärischen Operationen der Fran­zosen dort machen; letztere befestigen ihre Stellung im Delta des Rothen Flusses immer mehr und haben neuerdings auch die Städte Ningbing und Knangyen Eingenommen.

In England steht man noch immer unter dem Eindrücke der fenischen Attentate auf der Londoner unterirdischen Eisenbahn, deren Urheber die Polizei trotz der angestrengtesten Thätigkeit noch nicht eruirt hat. Es ist ein deprimi- rendes Gefühl für die ganze englische Gesellschaft, sich fortwährend von einer im Finstern schleichenden Rotte von Bösewichtern bedroht zu wissen, ohne sich gegen deren verbrecherische Pläne wirksam schützen zu können und diesem Ge- iühle haben die großen Londoner Tagesblätter schon wiederholt Ausdruck ver­liehen. Auch in einer der überseeischen Besitzungen Englands macht sich jetzt die fenische Umsturzpartei bemerklich; dem General-Gouverneur von Canada, Marquis Landsdown, sind mehrere Drohbriefe zugegangen, deren seuischer Ur­sprung sich kaum bezweifeln läßt.

Das Königreich Serbien befindet fich gegenwärtig in einer ernsten Krisis. Im Süden des Landes ist eine revolutionäre Bewegung ausgebrocheu, welche darauf zurückgeführt wird, daß die serbische National-Miliz zur Abgabe ihrer Waffen angehalten worden ist, welche Maßregel namentlich in der länd­lichen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen hat. Von der Belgrader Regierung sind bereits umfassende Vorkehrungen zur Niederwerfung der Revolte getroffen worden, indem die Preßfreiheit aufgehoben unv das Vereins- und Versammlungsrecht suspendirt, sowie der Belagerungszustand über die betreffen­den Bezirke verhängt worden ist. General Nieolie ist mit 3000 Mann nach denselben entsendet worden und hofft man, daß es ihm gelingen wird, die Ruhe baldigst wieder herzustellen.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Frankreich haben durch die Ernennung des Marschalls Serrano zum spani­schen Botschafter in Paris nunmehr wieder eine festere Gestalt gewonnen. Der bisherige Vertreter der spanischen Regierung in Paris, der Herzog von Fernan Runez, hatte bekanntlich in Folge des Ministerwechsels in Madrid seine De­mission genommen; sein Nachfolger hat nun die ziemlich schmierige Aufgabe, die Beziehungen Spaniens zu Frankreich, die unter dein Eindruck der Znsulten,

aufgehoben worden. o mv

Wien, 8 November. Em Telegramm derPolit. Corresp. au8 Belgrad ver­sickert auf das Bestimmteste, daß sich die Ruhestörungen auf dte zwei bekannten Be­zirke beschranken und alle Meldungen von einer weiteren Ausbreitung derselben unbe­gründet sind. In den übrigen Theilen Serbiens herrscht vollkommene Ordnung.

Dieselbe Correspondenz bezeichnet es ferner als unrichtrg, daß einer der gestern verhafteten Aufständischen bereits htngerichtet sei. m . .

Am 3. ds. Mts. richtete der serbische Minister des Auswärtigen, Bogicemc, ein Rundschreiben an die Vertreter Serbiens tm Auslande, in welchem diese von der aufständischen Bewegung, sowie von den zur Unterdrückung derselben getroffenen Maß­regeln in Kenntniß gesetzt werden. , . o . ,

L ondon, 8. November. Bis gestern Abend waren bte Leichen von etwa 50 der in der Grube Monkfield verunglückten Bergleute aufgefunden, die Zahl der Todten wird auf mehr als 60 geschätzt.

B elgrad, 8. November. Eine serbische Truppenabthellung streß auf dem Marsche in der Nähe von Banja auf die Aufständffchen und gab Feuer auf diefelben. Die Aufständischen verloren 6 Mann an Todten, hißten sofort die Parlamentär-Flagge auf, boten ihre Ergebung an und baten um Amnestie.

Christiania, 8. November. Zn dem Staatsproeesse vor dem Reichs­gerichte beantragte heute der öffentliche Ankläger gegen den angeklagten Staats- minister Selmar zu ernennen, daß derselbe sein Amt als Ltaatsrninister und Mitglied des königlichen Rathes verwirkt habe, ihn ferner für unfähig zu erklä­ren, in Zukunft ein Amt ober öffentliche Functionen zu bekleiden unv ihn in die nach dem Reglement des Reichsgerichts ihm zufallenden Proceßkosten, ipeciell in die Kosten der Vertheidigung und der Anklage, u. A. besonders zur Zahlung von 1363 Kronen als Ersatz für die vom Ankläger vorgestreckteil Ausgaben zu verurtheilen. Der Vertheidiger begann alsdann das Plaidoyer, welches auf die Geschichte des constitutionellen Streites riäher einging und die Aufgabe des Reichsgerichtes einer Untersuchung unterzog.

siegten gleichfalls zwei liberale -------

München, 8. November. Die anläßlich des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche über den hiesigen Viehhof verhängte Sperre ist, nachdem sämmtliche verseuchte Stallungen gereinigt und geräumt worden sind, mieber

plätze als choleraverdächtig anzusehen.

DerDeutsche Reichs-Anz." veröffentlicht eine königliche Verordnung, durch welche der Landtag zum 20. November einberufen wird.

Ein Generaladjutant Sr. Maj. des Kaisers ist gestern Abend nach Madrid abgereist mit einem Allerhöchsten Handschreiben, in welchem der Gegen­besuch Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen als Vertreters Sr. Maj. des Kaisers bei dem König Alfons angesagt wird. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz wird ' " ' Mts. in Genua eintreffen, wo inzwischen drei

welche dem König Alfonso in Paris zugefügt worden sind, augenscheinlich ge­litten haben, wieder in das alte Geleis zu bringen.

In der nordamerikanischen Union finden gegenwärtig die Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften für die einzelnen Staaten statt. Es pflegt bei denselben nicht an tumultuösen Vorfällen zu fehlen und in der Stadt Dan- ville «'Virginia) hat es sogar einen blutigen Zusammenstoß zwischen Weißen und Negern gegeben. Man befürchtet daselbst eine Wiederholung der Unruhen.

Berlin, 7. November. Die Angabe, daß das Frankfurter Dynamit- Attentat zur Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Frankfurt a. M. führen werde, wird noch immer in einzelnen Blättern festgehalten. Nach genauen Erkundigungen ist an den entscheidenden Stellen diese Frage noch nicht erwogen worden, zumal da alle Bemühungen, den Urheber des Verbrechens zu ermitteln, bis jetzt fruchtlos geblieben sind. Die Socialdemokraten in Frankfurt und Um­gegend bieten Alles auf, den Verdacht der Thäterschaft von sich und ihrer Partei abzuwälzen.

Es darf als sicher angesehen werden, daß die nächste Reichstags- Session von Etatsdebatten, und zwar auf den wichtigsten Verwaltungs-Gebieten des Heeres und der Marine nicht frei bleiben wird. Es handelt sich dabei weniger um das laufende Etatsjahr, als um das nächste Rechnungsjahr (1884/85), und zwar wird es sich keineswegs, wie jetzt vielfach verlautet, ausschließlich oder auch nur wesentlich um Kosten für die Truppen-Dislocationen handeln.

Der Minister für öffentliche Arbeiten hat neuerdings die Eisenbahn- Directionen aufgefordert, Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der durch Belegen der Fahrgeleise hervorgerufenen Unfälle zu treffen. In der dieferhalb ergange­nen Verfügung wird namentlich betont, daß einerseits aus eine erhöhte Acht­samkeit der Bahnbeamten hingewirkt werden solle und andererseits die Schwellen und Schienen, welche zur Reparatur der Fahrgeleise nöthig sind, in der Nähe der Bahnwärterhäuser abgelagert werden sollen, damit die Gelegenheit, zum Frevel so viel als möglich beschränkt wird. Sollten trotzdem noch Bahnsrevel durch Belegen der Fahrgeleise vorkommen, so wird nunmehr gestattet, zur Er­greifung der Thäter nöthigenfalls auch Prämien über 300 «A auszusetzen.