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287 Zweites Blatt Sonntag bett 9. December 1883.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.
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Wochenschau.
Gießen, 8. December.
Die schönen Tage von Madrid sind nun zu Ende, denn Kronprinz Friedrich Wilhelm hat jetzt die gastliche Hauptstadt Spaniens verlaffen, um noch einige Tage in dem sonnigen Süden, in Andalusien, zuzubringen; im Laufe dieses Samstags sieht man seinem Eintreffen in Sevilla, der prächtigen Hauptstadt Andalusiens, entgegen. Man darf wohl nicht bezweifeln, daß der deutsche Kaisersohn, der sich die Herzen der sonst nicht so leicht zu gewinnenden Madrider wie im Fluge erobert hat, auch an den Ufern des Guadalquivir eine herzliche Ausnahme finden wird, ja sie dürfte sich hier, unter der leicht erreg, baren Bevölkerung des Südens, noch begeisterter gestalten, als in der Hauptstadt selbst. Von Andalusien aus wird sich der Kronprinz wohl direct nach Barcelona begeben, wo der „Prinz Adalbert" und die „Sophie" schon bereit liegen, um den hohen Herrn wieder nach Genua überzuführen.
Im preußischen Abgeordnetenhause hat in dieser Woche die Specialberathung des Etats begonnen, die aber sehr umständlich zu werden droht, da allein die Debatte über die Domänen-Verwaltung zwei Tage in Anspruch genommen hat. Es ist in die Verhandlungen über diesen Gegenstand so Manches hineingezogen worden, was gerade nicht hineingehörte, ja, sogar die Judenfrage mußte herhalten und führte dieselbe am Dienstag zu recht lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Rednern der Rechten und der Linken. Hervorzuheben ist, daß sämmtliche Redner die in den landwirtschaftlichen Verhältnissen eingetretene Besserung anerkannten, wenn auch sonst die Anschauungen über die wirthschaftliche Lage und speciell über das Vortheilhaste oder Nachtheilige einer vermehrten Domänen - Parcellirung weit auseinandergingen. Am Mittwoch hatte sich das Abgeordnetenhaus mit dem Anträge des „Demokraten des Hauses", Abg. Dr. Stern, auf Einführung des geheimen Wahlmovus bei den Lanotagöwahlen zu befassen. Der Antrag rief eine äußerst animirte Debatte hervor, welche auch am Mittwoch nicht zu Ende geführt werden konnte. Als Hauptgrund für seinen Antrag machte Stern die Wahlbeeinflussung der Regierung, des Kapitals und des Großgrundbesitzes geltend, durch welche es unmöglich werde, bei den Wahlen den wahren Ausdruck der Volksmeinung zu erkennen Aus das Nachdrücklichste bekämpfte den Antrag der Minister des Innern v Puttkamer, welcher den Vorwurf der Beamtenbeeinflussung entschie- den zurückwies und vielmehr der Fortschrittspartei den Vorwurf machte, sie habe bei den letzten Berliner Communalwahlen die größte Beeinflussung geübt. Die an die geheime Reichstagswahl geknüpften Erwartungen hätten sich nicht erfüllt und werde sich die Regierung wohl überlegen, ob sie nicht beim Bundes- Tßt()e auf Abschaffung der geheimen R-ichrtagSwahl hinwirken werde. Namens der Conlervativen erklärte jich Abg. v. Hammerstein und Namens der National- liberalen Abg Gneist gegen den Antrag, während der Redner der CentrumS- 'patteh Abg Reichensperger (Olpe) für denselben sprach. Selbstverständlich ver- wendeten sich auch die fortschrittlichen Redner Virchow und Hauet sur den Antrag wobei ersterer besonders die Angriff- Puttkamer'S auf die Fortschritts- vartei berüalich der Berliner Coinmunalwahlen zurückwies, wahrend Hänel IN feinen Ausführungen allgemeiner war und u. A. betonte, daß die Abschaffung des aebeimen Wahlmodus den Partikularismus begünstigen und die wesentlichste Stütze der Reichsverfaffung beseitigen würde, was Herr v. Puttkamer bestritt. Der Antrag wurde in der Donnerstags-Sitzung mit 202 gegen 163 Stimmen
abgelehntt Donau-Kaiserreich laborirt noch immer an der altenFinanz- „nir. mie dem Erpojs hervorgeht, mit welchem Finanzminister v. Duna- st Ski d u österreichischen Reichsrath eröffnete. Beinahe 38 Millionen beträgt dös Deficit pro 1884, über dessen Deckung sich der Finanzminister nur im Allaemeinen ausgelassen hat, jedenfalls wird die Steuerschraube in ^^ithanien KSerS«eiben müssen, um die normalen Bedürfnisse des Etats zu befriedigen. Er reulicher klingt dagegen aber die Nachricht, daß unter den Vorlagen welche dem Ncichsralhe bereits zugegangen find, sich auch em Gesetz- ußpr w-> Unfallversicherung der Arbeiter befindet, ivaS beweist, daß auch die^öffterreiösifche^ Regierung jetzt entschlossen ist, den socialen Mißständen nach Kräften °bzuhelfen ,Qbfotiict gegenwärtig die Tongking-Affaire alles andere Interesse" Am Mittwoch ist das Gelbbuch in dec Kammer zur Ver h°i- anvere ^merene. Ursprung und Verlauf des französisch- chinesischen
lung gelangt, wch Mittbeilunaen enthält. Unter Anderem theilt das
v m lammui^L rnnrhert sind und begründet auch ausführlich die An- ,UnbKUÄ Proteetorat über China. Es wird
sich fldeiffalls hkran und über tue Kredit-Vorlage für Tongking in der Kammer Ncy leoeiifQus gitiuii ^ren Ausgang die weitere Existenz des
■ ^aftea nbbS =8 iS Wn sehr unwahrscheinlich, daß der von
nut S-MM erwarten ^cmny^ ^n Chinesen geräumt worden sein, LSLÄ Franzastn noch nicht bis dorthin vorgedrungen zu s-m.
s»iffifnnh macht gegenwärtig durch die laut kaiserlichen lkkases verfügte Emission einer immerwährenden Staatsrente von 50 Millionen Rübe
Verkäufe und Verpachtungen, Betheiligungen, Stellen-Vakanzen etc. werben am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten im Original zugesandt. Nähere Auskunft ertheilt die Annoncen-Erpedition von Rudolf Moffe, Frankfurt a. M-, Roßmarkt Nr- 3- 7810
Gold von sich reden. Die ganze Vörsenwelt ist darob in Erregung versetzt und kauft „Russen"; über die Bedeutung und den Erfolg dieser finanziellen Operation wird sich indessen erst später reden lassen. Fast noch mehr Aussehen machte das Gerücht, daß Kaiser Alexander seinem Reiche eine Verfassung zu geben beabsichtige und daß zur Prüfung dieses Projectes bereits eine Commission niedergesetzt worden sei. Jetzt kommt aber das osficiöse „Journal de St. Peteröbourg" mit einem energischen Dementi dieses Gerüchtes, so daß es also mit einer Verfassung für das Czarenreich einstweilen noch seinen guten Weg haben wird. t
Die Reihe der Festlichkeiten in Madrid zu Ehren des deutschen Kronprinzen ist in dieser Woche abgeschlossen worden. Am Mittwoch fand noch in der Umgebung von Madrid, bei Carabanchel, ein größeres Manöver statt, dem der König und der deutsche Kronprinz beiwohnten. An der militärischen Uebung nahmen 3 Brigaden Infanterie und Cavallerie, sowie eine Abtheilung reitender Artillerie und ein Detachement Gebirgsartillerie Thcü. Ganz besonders zeichneten sich die Jäger aus, denen der Kronprinz auch seine besondere Anerkennung aussprach. Die Cavallerie, machte drei brillante Attaquen, das Exerciren sämmtlicher Truppen erfolgte im Feuer. Auch Königin Christine wohnte dem Manöver zu Pferde bei. _ Das Manöver endete mit einem Vorbeimarsch in Compagnie-, resp. E^cadronfront. .
In Sidney (Australien) hat am Mittwoch eine Conferenz von Vertretern aller englischen Colonien in Australien stattgesunden. In derselben wurden Resolutionen angenommen zu Gunsten der Annectirung derjenigen Theile von Neu-Guinea, welche noch nicht von der holländischen Regierung beansprucht worden sind, sowie zu Gunsten einer gemeinsamen Action behufs .Herbeiführung der Annectirung und Beschaffung der dazu nothwendigen Geldmittel. Gleichzeitig wurde ein Protest gegen die Deportation franzöftscher Verbrecher nach den Inseln des Stillen Oceans beschlossen. ,
Der drohende Krieg zwischen Frankreich und China hat unter den übrigen Mächten dem Vernehmen nach zu diplomatischen Erörterungen über die Maßregeln geführt, welche für diesen Fall zum Schutze der in China lebenden Ausländer nothwendig sein würden. Es heißt, daß zunächst eine gemeinsame Flotille von Kanonenbooten in den chinesischen, Gewässern statiomrt werden würde, doch liegt eine Bestätigung dieser Mittheilung noch nicht vor. An die Angehörigen der fremden Staaten hat der in Kanton commandirende chinesische General Pong ein Manifest gerichtet, in welchem er erklärt, falls in einem Kriege mit China Eigenthümer fremder Schiffe und Maaren Schaden erleiden sollten, sie sich mit ihren Entschädigungsansprüchen an Frankreich zu wenden hätten. _ ... , ,
In dieser Woche — und zwar am Montag — ist auch der amerikanische Congreß zu seiner Wintersession in Washington zusammengetreten. Die ursprünglich vom Telegraphen gebrachte Nachricht, der Congreß sei ohne die übliche Botschaft des Präsidenten eröffnet worden, hat sich nicht bestätigt, da dem Congreß eine längere Botschaft von Mr. Arthur zugegangen ist. Dieselbe bezeichnet die Beziehungen der Union zu den auswärtigen Mächten als durchaus freundschaftliche und hofft auch, daß die Schwierigkeiten mit Spanien wegen Cubas und PortoricoL eine günstige Lösung erfahren würden. Die Botschaft verbreitet sich dann über die finanziellen und handelspolitischen Fragen, welche die Union bewegen und deutet dann aus die Nothwendigkeit hin, die Flotte zu reorganisiren. Die Union beabsichtige keine Eroberungen im Auslande, muffe aber eine Flotte haben, welche zur Vertheidigung der Häsen, zum Schutz des Handels und der nationalen Ehre sähig sei.
_ Der für die V-rloosung des Vereins für Kinderheilstätte« an de« deutschen Seeküsten unter vielen Anderen angrkaufie Tlisctaunotz tm W-rihe von 5000 M. ist in den Werkstätten der Hofoolds-bmied- Semei. des Kallers SD. VoUgold u. Sohn in Berlin gefertigt und z-I-hn-t sich durch Solidilot sowohl a» auch durch Schönheit der Foruun aus. Der Aussatz im reichsten Rococonyl tu lllötb'acm Silber ausgesübrt, erreicht mit dem Sockel bei einer Hohe von 96 Ctm. ein Gllammigewiätt von 50 Zollviund. Anknüpfend an den Zwecksd-r Verloo ung, auch ber ärmeren Jugend bfc heilkräftige Wirkung der See zu Theil werden zu lasftn. war es dem Künstler Aufgabe, die Segnungen des Meeres symbolisch barzufteüeu. Auf bfm mächtigen Fuß. dessen schon geschwungenen Nococoformen aus den Beschauer anziehend wirken, erhebt sich eine kunstvoll getriebene Muschttschale n welcher auf woamumbrauftem Felsenriff ein Neptun thront. Die kraftvolle Gestalt des Juittm- oottes den Dreizack in der Linken, streckt segnend seine Rechte über die an den Muschelrändern auftauchenden Nojaden aus, welche mit beiden Händen die (^zeugniffe ihres Elements emporreichen. Die Verbindung zwischen Schale und Fuß wird dmch kübn emporstetgendes, nach oben weit ausladendes Schilf und Blätterornament
Verkauf der Loos- » 1 M. iu dt-f-r fast in ganz Deutschland cou- cessionirten Lottere ist dem Bankhause Earl Heintze rn Berlin W., Unter dcn Lmb.n s» und dessen Filialen in Hamburg und in Bremen übertragen.


