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Reich-Hauptstadt in Folge eines Beschlusses über die czechische Schule vor der Eventualität der Auflösung steht, spiegelt sich die ganze innere Situation Öster­reichs wieder.

Paris ist in Trauer um den großen Todten von Lahors und diese Trauer drückte sich schon in der förmlichen Wallfahrt aus, welche in den letzten Tagen nach dem Trauerhause in Bille d'Avrey stattfand. ')kachrufe und Lom- mentare über den Tod Gambetta's füllen natürlich noch immer die Pariser Presse, aus den n wir nur hervorhedeu wollen, daß die Monarchisten nunmehr das Ende der Republik nahe glaubem Die fast durchgängig die Verdienste und Leistungen Gambetta's anerkennenden Aeußerungen der fremden Presse werden in Paris sehr bemerkt. DerTempü" schreibt zu dem Artikel derRordd. Alla. Ztg." :Diese Anerkennung ehrt in gleicher Weise den Patrioten und großes Staatsmann, der sich sagen dürfte, daß seit Ende des letzten Jahres kein Staatsmann sich mehr auf dem Continent befindet, dessen Genie würdig wäre, sich mit dem feinigen zu messen." lieber die Vermögensverhältnisse Gambetta's sind zwei Lesarten verbreitet. Nach der einen hinterließe Garn- betta ein ungeheures Vermögen, welches nach vielen Millionen zähle, die er durch seine Teilnahme mi Den Geschäften Levy-Cremieux (Egyptische Bank) und des CH. Porges gewonnen hätte. Die zweite Annahme dürfte richtiger fein, daß Gambetta niemals mehr als 6* bis 700,000 Frcs. besessen habe. Von der großentRcpublique sram,'aise" bezog er 24,000 Frcs., Die kleine Röpublique" dagegen trug ihm viele Jahre hindurch ca. 90,000 Frcs. ein. Als Deputirter bezog Gambetta 9000 Frcs. und als Kammerpräsident einen Gehalt von 60,000 Frcs. Während er Kammerpräsident war, gab er 400,000 Frcs. für Diners, Pferde und Feste aus, so daß ihm nicht viel übrig geblieben fein kann.

Uetier die Verhandlungen zwischen England und Frank­reich bezüglich der egpptischen Frage liegt noch immer nichts Entscheidendes vor. Lord Granville, der englische Minister des Auswärtigen, soll die jüngste Wott des französischen Ministerpräsidenten Duclerc dahin beantwortet haben, daß die englische Regierung in der Angelegenheit der egyptischen Gontrole keine neuen Vorschläge zu machen habe. Die diplomatische Verhandlung über diesen Punkt sei daher als beendet anzusehen, unter sehr verbindlichen Bedingungen lasse sie aber, wie hierüber aus London gemeldet wird, die Möglichkeit zu einer Verständigung über andere Punkte.

In Italien weckt die Hinrichtung Oberdank's, welcher von den italie­nischen Radikalen förmlich als ein Märtyrer für die Sache desUnerlösten Italien" gefeiert wird, eigcnthümliche Echos. Kaum sind Die anti-österreichischen Demonstrationen, welche in verschiedenen Städten Italiens anläßlich des erwähnten Ereignisses stattfanden, zu Etide gegangen, als schon wieder Die Kunde von einem gegen Oesterreich gerichteten Akte kommt. Am Morgen des 4. Januar feuerte der Buchdrucker Eugen Rigatiori, aus Reggio in der Emilia gebürtig, vier Revoloerfchusse auf das venetianische Palais in Rom ab, in welchem sich Die österreichisch-ungarische Botschaft beim Vatikan befindet. Von Den Schüssen wurde Niemand verletzt; der Thater ist sofort verhaftet und Der von ihm ge­brauchte Revolver mit Beschlag belegt worden. Die italienische Regierung ist natürlich von diesem Vorfall peinlich berührt, wenngleich es sich hierbei um die österreichische Botschaft beim Vatikan handelt Wie aus Rom unter dem 5. d. Mts. gemeldet wird, hat die Regierung die Präfekten angewiesen -läib zwar auf das Strengste und Bündigste jedwede Agitationen, welche die guten Beziehungen Italiens zu Oesterreich stören könnten, energisch zu verhin­dern und zu unterdrücken. Die Thal Rigatiori's ist ein entschiedener Beweis für die Nothwendigkeit des erwähnten Erlasses.

Die amerikanische Repräsentanten-Kammer nahm in der Sitzung vom 4. Januar bie Vorlage, betr. die Reform des Civildienstes, mit großer Majorität an. Ob hiermit der Stellenjägerei in den Staatsamtern der Union, bi- namentlich unter Präsident Hayes jo bedenkliche Dimensionen annahm, ihr Ende erreichen wird, ist freilich noch ungewiß.

Peutschlaud.

Darmstadt, 6. Januar. Unsägliches Elend ist über verschiedene Theile unseres Vaterlandes heremgebrochen. Millionen reichen nicht aus, um den Schaden zu decken, den die Fluthen des Rheins und seiner Rebenströme ange- riebtet haben; Der Fleiß von Jahren, bie Ersparnisse von Jahrzehnten sind ver­nichtet und jammernd und händeringend stehen Tausende an dem nassen Grade ihrer Habe.

Da ist es sicher die Pflicht des Staates, helfend einzugreifen und wir kennen keine dringendere Aufgabe für unseren Landtag, der schleunigst zu­sammenberufen norden sollte, als, die Mütel zu beschaffen, damit von Staatü- wegen den unglücklichen Bewohnern des überschwemmten Gebietes unseres Vaterlandes geholfen werde. Eine Rothstands-Anleihe erscheint uns so dringend .oie jemals erforderlich. Der Staat darf hier nicht säumen, mit seinen Mitteln d. h. mit den Mitteln Aller einzutreten, wo so großes, unab­sehbares Unheil bie materielle Existenz der Einzelnen vernichtet hat. Wir zweifeln nicht daran, daß eine solche Vorlage zu erwarten steht.

Aber ebenso hülsreich wie der Staat müßten die Einzelnen sich regen. Größer ist das Unheil, als es jemals gewesen, schrecklicher ist es zurückgekehrt, entsetzlicher ist Die Roth geworden, als sie bei Der ersten Überschwemmung gewesen ist. Und darum bringe ein Jeder sein Scherflein dar, daher Helse Jeder, wie er kann denn wenn jemals, so ist es hier Menschen pflicht zu thun, was sich thun läßt, zu geben, was man zu geben vermag. (R.H.V.)

Darmstadt, 5. Januar. Das Ministerium deS Innern und der Just z hat an die betreffenden IkreiSämter daS folgende Ausfchreiben gerichtet:

Zur vorübergehenden Unterbringung von obdachlosen Menschen und von Vieh auS den dermalen überschwemmten Ortschaften deS Rieds sind von dem königlich Preußischen General-Commando in Kastel einstweilen die Königlich Preußischen Mili- tärbaracken auf dem Artillerte-Schußplatz bei GrteSheim zur Verfügung gestellt und bereits theilweife belegt worden.

Bei dem autzrroldentlichen Umfange deS gegenwärtigen RothstondeS und bet der voraussichtlichen geraumen Zeit, welche bttz zu besten vollständiger Beseitigung durch Wted'.-rherftellung der allerwärtS gebrochenen Nheindämme, sowie der eingestürzten oder durch Beschädigung zunächst unbewohnbar gewordenen Gebäude nothwendig verstreichen wird, erscheinen jedoch unzweifelhaft umfassendere Maßregeln zur Beschaffung von Unterkunft und zwar solche, welche den verschiedenen Bezirken deS UeberfluthungSgebietS zu gute kommen, geboten Zu diesem Zwecke wird eS sich empfehlen, unter Anderem die Errichtung von transitorischen Wohnbaracken zur Aufnahme der obdachlosen Einzelnen und Familien, sowie thunlichft auch ihre« Viehes und ihrer sonstigen, einer vorübergehenden Aufbewahrung bedürfenden Habseligkeiten in'S Auge zu fassen. Ob diese Noihgedäude in der Nähe der betroffenen Gemeinden zu errichten wären, dteS selbstverständlich in einer Lage, welche entweder durch die Natur oder durch bauliche

Untciconfhudton gegen wieder kehrendes Hochwasser geschützt ist, oder ob die Aufstellung von solchen Barackenasylen außerhalb des UeberfluihungSgebietes also in gesicherterer Lage zwar, aber in werterer Entfernung von den Heimathortcn der Obdachlosen daS Zwcckmäß gerc ist, die Enischeidu-'g hierüber wird noch von weiterer Erwägung ab­hängig zu machen sein und sich vielleicht auch nach Verschiedenheit der Verhältnisse für die verschiedenen Gemeinden verschiedene tig gestalten.

Wir haben, um die Arbeiten zur Hebung jenes dringendsten Nothstandes thun- lichst zu beschleunigen, im Anschlüsse an die im KriegSjahr 1870 mit dem Bau von Wohnbaracken gemachten Ersah»ungen, die Bearbeitung von Normalbauplänen für Errichtung solcher Baracken m verschiedenen Größen bereits in Angriff nehmen lassen und w r den Ihnen solche, nebst zugehöriger technischer Anleitung für bauliche re Details und Voranschlägen, in den allernachilen Tagen zur Kenntnißnahme und alS Anhalts­punkt für Herstellung solcher Bauten mittheilen und alsdann zugleich Ihre wetteren Vorschläge darüber ersordcrn, ob und wo in Ihrem Kreise Asyle jener Art zu errichten sein werden.

WaS die für dieselben noihwendigen finanziellen Mittel betrifft, so geht unsere Absicht dahin, deren Uebernahme auf die Staatskasse den Ständen des Großherzogthums anzusinnen

Damit Sic über die Lage der Frage unterrichtet sind und Ihrerseits schon jetzt die Materialien für die Beantwortung der tn Aussicht gestellten Frage sammeln und letztere darausdtn schon inzwischen tn Erwägung ziehen können, haben w-r Ihnen die gegenwärtige vorläufige Mitthctlung machen wollen.

Berlin. DieB P, R." schreiben: Die Wassersnoth im Nheinthale, von der mehr noch als die preußischen Landesibeile Die hesssich-n, badischen und bayerischen Distrikte aus der Strecke von Mainz bis Mannheim in Mitleidenschaft gezogen worden, bat, soweit Preußen in Betracht kommt, bereits nach zwei Richtungen eine umfassende Thäligkeit des Staates und seiner Organe hervorgerusni, zur Linderung der augen­blicklichen Rotdstände tn den Jnundationsbezirken und zur Beseitigung der aus der Überschwemmung sich ergebenden dauernden Nachtheile und Uebelstände.

Ader noch nach einer Dritten Seite w rden, wenn auch nicht im Augenblicke, sondern erst nach der Wiederkehr normaler Wasserstände, Erörterungen und demnächstige praktische Maßnahmen nothwendig werden, nämlich nach der Richtung, welche Vor- kedrungen zu treffen sind um der W ederkchr ähnlicher (Kalamitäten thunlichst vor- zudeugcn Rach dieser Richtung wird in erster L nie auch die Frage nach der zweck- mäß'gsten Rcgulirung des RbeinstromeS selbst und seiner wichtigsten Nebenflüsse, des DeichwtsenS rc in Betracht kommen, und zwar wird diese Frage sich nicht territorial nach dem Gebiete der verschiedenen an den Rhein grenzenden Bundesstaaten bzl Ge­bieten begrenzen lassen sondern einheitlich für den ganzen Rhein vom Bodensee dis zur niedeiländtschen Grenze zu prüfen und entscheiden fein. Die natürliche Folge aus diesem Vorsätze ist die, duß die Untersuchung nicht von Staats-, sondern von ReichS- wegen geführt, die ganze Maßnahme vom Reich tn die Hand genommen werden muß. S 1 der Reichsoerfassung bietet hierzu die gesetzliche Handhabe, daS erfolgreiche Ein- i(breiten des Reichs bezüglich der Regulirung des Rheins auf der Strecke von Mainz biS Bingen einen beachtenswerthen Vorgang, während die mit Hessen verabredeten Bestimmungen über die Mitwirkung deS R «chs sowohl bei der Ausführung der be­schlossenen planmäßigen Correction ( n r Rhcinstrecke als bei der Unterhaltung und weiteren Entwickelung in zweckmäßiger Weise zum Vorbild dafür dienen können, wie 'N der Folge die verfassungsmäßige Aufsicht des Reich« über den ganzen Rheinstrom sich wirksam würde einrichten lassen

Mit vollem Recht ist daher bei Berathung des preußischen EtatS von dem StaatSrath o Bötticher auf die große, über Den fpec'ellen Fall hinausgehenDe BeDeutung jener Vereinbarungen mit Hessen hingewtesen worden, welche den ersten Schritt zur Uebersührung der bisher beinahe nur auf Dem Papier bestehenDen Aufsichtsrechte DeS Reichs üb.r bie Das Gebiet mehrerer L undeSstaatrn berührenden Ströme in Das prak­tische Leden unD Die Bildung der zur Ausübung jener Rechte erforderlichen Organe DarfteUen. Noch sind jene Vereinbarungen nicht pertekt unD schon tritt aufs Neue und tn ungleich erweitertem Umfange die Nothwendigkeit für das Reich hervor, im allseitigen Interesse Der Interessenten an dem mehr und mehr sich hebenden HandelSverkrhr so­wohl als der Uferanlieger von seinen verfassungsmäßigen Aufsichtsrechten kräftigen Gebrauch zu machen.

Karlsruhe, 6. Januar. Heute Nachmittag begaben sich der Großherzog und die Frau Großherzogin nach Neuburgweier, um die Vorkehrungen zur Wiederbewohnbarrnachung des Überflutbeten Ortes in Augenschein zu nehmen. Die Sammlungen für die Ueberschwemmten nehmen erfreulichen Fortgang; anf.'hnliche Summen sind sogar aus Nordamerika zugesagt.

Mannbeiw, 6. Januar. Von heute an verkehren wieder sämmtliche Züge zwischen Ludwigshafen und 'Neustadt; zwischen Frankenthal und Worms verkehren 3 Personenzüge in beiderlei Richtung.

Arunürcich.

Paris, 6. Januar. sLeichenfeier Gambetta'sf Der sechsspännige Leichenwagen traf um 9'/, Uhr auf dem Quai gegenüber dem Säulengsnge des Palais Bourbon ein demselben ritten 6 in Trauer gekleidete Vorrcster voraus, an den 4 Ecken befinden sich Weihrauchsbecken. Der Sarg ist mit einer schwarzen Sarnrnetdraperte bedeckt. Auf derselben befindet sich eine mit Flor umhüllte Trikolore und Draperie, sowie zwei frische Palmen M't rothen Jmortellenkränzen. Die Plattform ist ganz mit Blumen bedeckt. Drei große Wagen mit Kränzen fahren dem Leichenwagen voraus. Die Fahnen aller Regimenter sind nnt Flor umhüllt. Um 10 Uhr 20 Minuten wurde der Sarg unter dem Donner Der Kanonen auf Den Leichenwagen gehoben. Die Truppen präfentirten, die Fahn n senkten sich, währenD d'e Tambours anschlugen unD Die Musik iu spielen begann D'e aus Der rechten unD linken Seite Des Leichenwagens gehenDen Träger hatten Stäbe mit Kränz n auf den Schultern. Um 10% Uhr setzte sich Der Zug in Bewegung. Auf die Verwandten und Freunde Gambetta's folgten im Zuge der Präsident Grevy, dann die Minister und Generäle, Darunter auch General Galliset, hierauf die Senatoren und Deputirten, unter letzteren auch Clemenceau unD Die übrigen Mitglieder der äußersten Linken. An Der Spitze DeS Senat- unD Der Kammer befanden sich Peyrat und Brisson. Der Zug, tn welchem man etwa 2000 Offictere unD circa 1000 Delegirte verschiedener Gesellschaften bemerkte, bewegte sich in der größten Ordnung Über den Place de la Concorde, durch die Rue Rivoli unD Den Boulevard Sebastopol. Der Zug gewährte einen imposanten Anblick und war von einer Aus­dehnung, wie sie ber noch nicht gesehen wurde. Mit Ausnahme derjenigen Straßen, welche der !Zug passirte, waren die Straßen fast menschenleer.

Die Spitze de« Trauerzug« langte um 12«/z Uhr auf dem Boulevard Sebastopol an, während auf Der Invaliden-ESplanade noch eine große Anzahl von Delegationen den 3ufl erwartete, um sich demselben anzuschließen Der Leichenwagen wird voraus' sichtÜch schon auf dem Pere Lachaise eingetrosfen sein, bevor die letzten ße'btragenben daS Palais Bourbon verlassen haben. Außer den Militärmusikkorps befinden sich noch zahlreiche Musikkapellen von Vereinen und Gesellschaften im Zuge, welche Trauer­weisen spielten.

Den Leichenzug begleiteten auf Dem ganzen Wege die Zurufe:Es lebe Frank­reich! ES lebe die Republik! Die Elsaß-Lothringische Delegation wurde mit sym­pathischen Kundgebungen empfangen. Um V/x Uhr traf der Leichenwagen bei dem Pere Lachaise ein, am Eingänge deS Friedhofs ergriff der Justizminister Deves Da« Wort unD begrüßte NamenS Der Regierung Die sterbliche Hülle Des großen Bürger«. Chauffeur hielt im Namen Der elsaß-lothringischen Gesellschaften in Paris eine Rede. Falateus sprach am Eingänge deS Friedhofes im Namen deS Barreau.

Der Zug der Leichenfolge und Der Menschenmenge bis zum Eintritt in Den Friedhof dauerte drei Stunden unb umfaßte an 200,000 biS 300,000 Menschen. Der Leichnam wurde in dem provisorischen Grabgewölbe beigesetzt. Nur die Verwandten und Freunde Gambetta's hatten Zutritt zum Friedhöfe. Der Leichnam wird morgen oder Montag nach Nizza gebracht werden. Die Beerdigung Chanzy'S in ChalonS wird einer Entschließung der Regierung zufolge ebenfalls auf Staatskosten erfolgen.

ftegypten.

Alexandrien, 6. Januar. Gestern Abend fand hier zwischen türkischen und europäischen Polizeibeamten ein thätlicher Zusammenstoß statt, wobei es mehrere Todte und Verwundete gab; den Anlaß sollen die türkischen Polizci- beamten gegeben haben, welche betrunken waren.