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Dienstag den 9. Januar 1883.

ießener Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montagö.

sDiüijlieber bed Ausschusses.

Preis vierteljäbrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

V'irean: Echulstraße 7.

Aufruf.

Gememben auf s Neue uberfluthet, eine ganze Reihe von anderen Orten wurde Iheilweise vollständig, thellweise bis auf wenige Häuser unter Wasser gesetzt hunderte von Wohnhäusern wurden vernichtet oder auf lange Zeit unbewohnbar gemacht, Mobiliar und Vorräthe sind ;u Grunde gegangen der Viehstand' ha bedeutende Ginbußen erfahren. Noch lagt «ich der neu erlittene Schaden auch nicht annähernd in Ziffern ermessen, aber die Thatsachen daß die Fluthen iD^ntoen Leth r?rf9r°6in ""b ben linksseitigen Höhenzügen liegenden fruchtbaren Ebene bedecken, daß Tausende von

Menschen ihr Obdach fern ihrer bisherigen Wohngatte iuchen müssen, lassen die enorme Höhe der Roth klar genug erkennen. Nunmehr ist die Pflicht an heU l,nfrer?nlt ber Vic(eu auS il,mi Wohnungen vertriebenen Personen, ftir ihre Reibung und Bettung und füAie Ernährung des 9Xn in baf1lugV3?fafferiaU6C " ' 9 ^in9 ent't£n,bcnen Schäden und die Lösung vieler anderer damit in Zusammenhang stehender Auf-

mi. . ..®lC bL'm Ln'chescomite zur Verfügung stehenden Mittel reichen aber hierzu auch nicht annähernd aus, und müssen wir daher von Neuem die Opfer« Mltbüra« im beuHd,JT'T? 's TT T T'"'.T ®ate" 3<5uwenöcn. Zugleich aber richten wir an alle unsere

S X 2 Ä Vaterland insowe.t Y- n.cht selbst beschädigt find, die Ditte, ihre Kerzen den. Unglück, da» über die Hessische Nhernnlederung heretngebrochen, nicht zu verschließen. ö

. '9lnrripbltttn a('CV.QUd)ra?C ®al)Csr biC ir bC "Meidenden Angehörigen des Großherzogthums bestimmt sind, dem Landescomitö zur Verfügung h wT .Üe\ T "9 ""er Mittel gesichert werde und es nicht dem Zufall überlassen bleibt, wenn eine Gegend reichlich

bhbacht wirb, anbere ebenso beburftige Gegenden aber unberücksichtigt bleiben.

px.,, ^littheilungen bitten wir an unseren Vorsitzenden zu richten, Gelder, die übrigens auch jeder der Unterzeichneten annimmt, unserem

7rX5Z h.ttU r 'L TTT ^lewungsstücken, von denen namentlich Fußbekleidung, Strümpfe und wollene Unterkleider besonders erwünsck.t erscheinen, Mtten wir an <saa bau-Jn pector Velten dahier zu adressiren; Gaben von Lebensmitteln aber bitten wir unserem Vorsitzenden zuvor anzuieigen damit |ie seitens des Conutv's an die gerade solcher Unterstützung bedürftigen Orte dirigirl werden. ' 9 '

..Die Vertreter nothleidender Orte aber und die Behörden ersuchen wir, ihre Boten um Mittel zum llnterhalt der Bedürftigen, zur Bekleidung der- leiben, zur Ernährung des Viehes an den Vorsitzenden des Comitö's zu richten. 5 9 öer

Darmstadt, den 5. Januar 1883. r *

sw r h^*19 ^und-scowit« jur Unterstützung der Wafserbescdadigten im Großherjogthum Kessen.

Mmitenalrath Jaup Vorsitzender. Geheimerath Welcker.

Oberbürgermeister Ohly, Stellvertreter bes Vorsitzeiiben. Rentner Enaelhardt.

Hauptstaatskassebirector Mich.ll, Schatzmeister. Stadtverordnete, NuthS.

Regierungsrath Bopp, Seeretür.

wiederholt bereit, Gaben in Empfang zu

Unter Bezugnahme auf obigen Aufruf unb ihren Aufruf vom I. v. Mts. erklären sich bie Unterzeichneten nehmen und an die Sammelstelle in Gießen weiter zu befördern.

Von einer Wiederholung der Hauscollecte soll abgesehen werben.

» pxjj0U TT-n St?iirn;ÄartOffd"' 5rUd)t unb fonfti0en ^latnralien haben sich bie Herren Ohler aus dem Seltersberg, I. M. Schulhof m der Markt,trasse und L. Meyerseld am Walllhor in dankenswerther Weise bereit erklärt.

Gießen, am 8. Januar 1883.

Woui^uil-Oirector. «ramm, Bürgermeister. Dr. Baur, Arzt. Dr. Engelmann, Redacteur. «tzisch, lAuerraU). (bad, rtcrb. Dr. Garet», Professor. Dr. Gutfleisch, Reichstagsabgeordneter. Haustein, LandtagSab. Dr W m ?*m tie,^orb,,ckter- ft"Ucr' Beigeordneter. Änorr, Präsident. Langsdorff, Oberamtsrichter. Dr Levy, Rabbiner. SU"dl^audtags-Abgeordneter. Naumann, Pfarrer. Noll, Commerzienrath. Nady, Pfarrer. Dr.Riegel, Professor. Schirmer, iZabriUint. ^cheyda, Redacteur. Soldan, Realfchul-Director. Dr. Stade, Rector der Landes-Universität. Dr. Streng, Professor Wafferschlebcn, Fabrikant. Zimmermann, Erster Staatsanwall.

5ur Grütiberg^Fritz, Oberamtsrichter, Limpert, Steuerrath, Pracht, Bürgermeister, Schäfer, Rechner.

T Sj3Ue TL '8cubet- Bürgermeister. Buch, Gemeinberalh. Dewme. ttammerrath. May, Oberamtsrichter.

Fli^Lich^ t le mm, Dekan. Kutsch, tkammerbirector. Langermann, Oberamtsrichter. Walz, Bürgermeister.

Politische Ueberstcht.

Gießen, 8. Januar.

politischem Stoss liegt, was Deutschlanb Qiibelanqt, noch nnnier nichts Neues vor, so baß erst ber Wiederzusammentritt bes Reichstages "uo des preußischen Lanbtageü unserem politischen Stillleben ein Ziel setzen t v Q!l!entarif^n ^iöpüfitionen anbelangt, so scheint es, als ob an maß-

gebenber Stelle hierüber noch nichts Enbgiltiges beschlossen worben ist, jebenfalls werben aber bie vorgenannten parlamentarischen Körperschaften noch geraume Zeit nebeneinander tagen müssen, wenn sie bas ihnen vorliegenbe Arbeitspensum blß jun!. bewältigen wollen. Im Reichstage finb es vor Allem bie locialpolitischen entwürfe, weldje dessen Thätigkeit noch längere Zeit in Anspruch nehmen werben. 'Bekanntlich unterliegen dieselben zur Zeit noch den CommissionS- Zerathungen unb es lasst stch nicht genau ermessen, warnt sie dem Plenum des ieichstages zugehen werben. Aber auch im preußischen Abgeorbnetenhause »arren, abgesehen vom Uat, fo zahlreiche bereits eingegangene unb angemeldete Entwürfe der Erledigung, baß nicht abzusehen ist, wie sich das Abgeordneten- Haus eine Pause gönnen soll, ohne seine Geschäfte zu gefährben. Die Präsidien beider Häuser werben hoffentlich bie vorhandenen großen Schwierigkeiten bnrd) '!egenjeltiges Entgegenkommen soweit als möglich anszngleichen suchen.

Die Nachrichten aus bem Ueberschwemmungs-Gebiete des Rheins lauten insofern etwas günstiger, als überall ein Fallen ber Gewässer

gemeldet wirb, dagegen lauten bie Müthellungen über bas Unheil, welches bie entsesselten Finthen angerichtet haben, höchst betrübend. Das Hülfseomsto von Ludwigshafen hat einen Aufruf erlassen, in welchem mitgelhellt wird, daß für nahezu 2500 obdachlose, meistentheils dem Arbeiterstande angehörende Personen, welche in Ludwigshafen und auf dem Hemühofe untergebracht worben finb, gesorgt werben müsse unb daß Hülfe noth thne. Der öffentlichen Mildtbätigkeit ist bas Großherzogliche Paar von Baden mit gutem Beispiel vorangegangen, indem dasselbe für bie durch das Hochwasser geschädigten Bewohner des Landes einen Betrag von 10,000 jl spendete. Auch ber Erbgroßherzog von Baden hat zu demselben Zwecke 2000 dl angewiesen.

Die Angelegenheit der czechischeu Schule in Wien zieht immer weitere Kreise. In einer jüngst abgehaltenen Sitzung hat auch der Ge- meinderath der Stadt Wien gegen bie Errichtung einer czechischen Schule in Wien roteftirt, welcher Protest möglicherweise bie Existenz ber gegenwärtigen Gemeindevertretung ber österreichischen Hauptstadt in Frage stellen kann. Die Wichtigkeit des geschehenen Schrittes wird beim auch in ben Wiener Gemeinde rathskreisen lebhaft empfnuden. Der Oberbürgermeister bat bereits, als erste Folge des Protestes, das Rechtüburean des Wiener Nlagistrats beauftragt, ein umfassendes Rechtsgnlachten über bie ganze Frage ber czechischen Schule unb den voraussichllicheii Erfolg weiterer gesetzlicher Schritte anSznarbeiten. Die Angelegenheit soll auch dem Stabtanwalt Dr. Kratkp zur Begutachtung vorge- legt werben. In ber Thatjache, baß ber Gemeinderath der österreichischen