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08/04/1883 Zweites Blatt
 
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Erschoint täglich mit Ausnahme des «»«tag«.

Bureau r Schulstraße 7.

Gießen, 7. April.

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Nothstand, dem eben durch die Erhöhung des Am Donnerstag beschäftigte sich der Reichstag der Vorlage über die Steuervergütung für Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung

Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerKhn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 W.

preußische Vergewaltigung" zu schreiben haben.

Der bayerische Landtag ist am Donnerstag durch Prinz Luitpold in Vertretung des Königs eröffnet morden.

Der so plötzlich gegen den französischen Kriegsmini st er Thibaud in losgebrochene Sturm scheint einstweilen vorübergegangen zu sein, ohne den Kriegsminister von seinem Posten hinweggeweht zu haben. Wie wenigstens das JournalParis" zu melden weiß, ist am Mittwoch zwischen dem Minister-Präsidenten Ferry und General Thibaudin beschlossen worden, daß die großen Kavallerie-Manöver an der Ostgrenze wegen budgetmäßiger Be­denken unterbleiben sollen. Doch bleibt der Auftrag zur Abhaltung dieser Kavallerie-Manöver dem General Galliffet für nächsten Herbst vorbehalten. In dieser vielbesprochenen Angelegenheit hatte am Dienstag sogar ein Cabinetsrath stattgefunden, in welchem der Kriegsminister und mehrere seiner Collegen von entschieden Gambettistischer Richtung hart aneinander geriethen; die Gambetti- stische Fraktion des Ministeriums Ferry hat sich aus verschiedenen Gründen für die an der französischen Ostgrenze ursprünglich geplanten großen Kavallerie- Manöver außerordentlich erwärmt und ist nun gegen Thibaudin, durch dessen Erlaß die Manöver wieder abgesagt wurden, sehr verstimmt. In Gambettisti- schen Kreisen wirft man dem Kriegsminister Nachgiebigkeit gegen die Radikalen vor, welche von Anfang an gegen die Kavallerie-Manöver opponirt halten und man wird daher in jenen Kreisen die Manöver-Angelegenheit jedenfalls zum Ausgangspunkt einer lebhaften Agitation gegen Thibaudin machen.

Die am Dienstag in Kiel verhafteten Reichstags-Abgeordneten v. Vollmar und Frohme sind noch im Laufe des genannten Tages freigelaffen worden, so daß ein hierauf bezüglicher, von ihrem Gesinnungsgenossen Kayser in der Mittwochs-Sitzung des Reichstages in Aussicht gestellter Antrag als gegenstandslos erscheint, v. Vollmar und Frohme feinen, wie sie selbst angaben, aus Kopenhagen, wo vor einigen Tagen in aller Stille ein Congreß deutscher Socialisten stattgefunden hat. An demselben nahmen außer Herrn Bebel, dem bekannten Hauptführer der deutschen Socialdemokratie, sämmtliche socialdemo­kratische Mitglieder des gegenwärtigen Reichstages, sowie die früheren Abgg. Auer und Viereck Theil. Die Verhandlungen betrafen dem Vernehmen nach die Stellung der Partei zu den Reichstagswahlen im Jahre 1884.

In der Optantenfrage in Nordschleswig hat jetzt die preußische Negierung den ersten energischen Schritt gethan. In diesen Tagen sind 36 dänische Unterthanen aus Nordschleswig ausgemiesen worden, da sie der Aufforderung, sich in die Stammrollen eintragen zu lassen, nicht nachgekommen waren. Die dänischen Blätter werden da jedenfalls wieder viel über die

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Grünbergerstr.

Nach mehr als fechswöchentlicher Pause hat der Reichstag am Dienstag seine Verhandlungen wieder ausgenommen. Es ist kaum rwthrg, nochmals daraus hinzuweisen, daß der letzte Abschnitt der gegenwärtigen Rerchs- taqssession einer der bedeutungsvollsten in der ganzen Geschichte unteres obersten Parlamentes ist, namentlich durch die zu beralhenden wichtigen socialpolrtischen Vorlagen sowie durch einige andere Gesetzentwürfe von ebenfalls hoher Bedeu­tung wie die Holzzoll-Vorlage, die Novelle zur Gewerbeordnung und das Militär-Pensionsgesetz und inan sieht daher den diesmaligen Verhandlungen des Reichstages allseitig mit außergewöhnlichem Interesse entgegen. Den Haupt- aeqenstand der Discussion bildete anr Dienstag und Mittwoch die erste Be- rathunq der Holzzoll-Vorlage, welche eine theilweise sehr beträchtliche Erhöhung der Eingangszölle auf Bau- und Nutzhölzer vorschlägt. W,r nehmen das Resultat der zweitägigen Debatte gleich vorweg, welches darin bestand, daß vom Hause der von conservativer Seite gestellte Antrag, die Vorlage einer Commission von 21 Mitgliedern zu überweisen, mit 136 gegen 135 Stimmen angenommen wurde. Was die Debatte selbst anbelangt, so ließ dieselbe indessen jenes Jntereffe vermiffen, welches man von der Verhandlung über einen für unser volksivirthschaftliches Leben so wichtigen Gegenstand erwarten durfte, was vielleicht daher rühren mochte, daß man sich auf jeder Seite des Hau,es feine Meinung über die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit der Erhöhung der Holzzölle schon gebildet hatte. Am Dienstag sprach in einer sehr sachlich gehal­tenen Rede Bundes-Commissar Dr. Dankelmann (Director der Forst-Akademie in Reustadt-Eberswalde) für die Vorlage, während sich Abg. Oechelhäuser (nat.- liberal) dagegen erklärte; für die Vorlage plnidirte außerdem noch Abg. Frhr. v. Wendt. Am nächsten Tage sprachen von liberaler Seite noch Abg. Rickert gegen die Erhöhung der Holzzölle, welcher den schlechten Stand der deutschen Waldwirthfchaft entschieden bestritt, von conservativer Seite die Abgg. Leufchner und v. Diinnigerode, die dem genannten Project zustimniten. Außerdem traten Namens der Regierung der Minister für Landwirthschaft, Dr. Lucius und der preußische Finanzminister Scholz, sowie nochmals Bundescommissar^Dr. Dankel­mann für die Holzzoll-Vorlage ein. Aus den Darlegungen des Herrn Lucius verdient namentlich die Thaifache hervorgehoben zu werden, daß die deutsche Waldivirthschaft recht wohl im Stande sei, den heimischen Bedarf an Bauholz zu decken und wenn der deutsche Markt jetzt mit ausländischen Hölzern über­schwemmt werde, so fei dies ein v"" """"" S,Ä

Holzzolles begegnet werden müsse, zunächst mit der ersten Lesung Zucker, worauf er dann in die

Die angebliche deutsch-österreichisch-italienische Allianz wird noch immer in den Blättern eifrig erörtert, obwohl sich dieselbe schon langst als das Stückchen eines röniischen Correspondenten entpuppt hat, welches derselbe einem Londoner Blatte aufgehalst. Dem Dementi, welches diese Nach­richt von officiöser italienischer Seite erfahren hat, gesellt sich noch eine Mit- theilniig desDiritto", in welcher die angebliche ltalienisch-österreichisch-deutsche Trippel-Allianz nur als einer der Versuche bezeichnet wird, die Beziehungen zwischen Italien und den mitteleuropäischen Großmächten in einem andern Lichte darzustellen, als dies Kalnokp und Mancini gethan haben.

Im Czaarenreiche nimmt die bevorstehende Kaiserkrönung unausge- aesetzt das Hauptinteresse in Anspruch. Officiell sind bis jetzt zur Krönungsfeier folgende fürstliche Persönlichkeiten angemeldet: Der Herzog von Edmburg, Erz­herzog Karl Ludwig von Oesterreich, Kronprinz Oscar Gustav von Schweden, Prinz Waldemar von Dänemark, Prinz Arnulf von Bayern, Pnnz Wilhelm von Baden, Prinz Heinrich von Hessen, der Herzog von Montpensier (für das spanische Königshaus), Fürst Nikita von Montenegro, Fürst Alexander von Bulgarien und für Persien Jz-ed-Daule Abduffamev , Bruder des Schah von Persien; ob der Herzog von Aosta die italienifche Königsfamilie vertreten wird, scheint noch nicht festzustehen. Ueber das Datum der Krönung selbst coursiren noch immer verschiedene Gerüchte; nach einer Version würde die Krönung am 27. Mai, nach einem andern bereits am 15. Mai stattfinden. Jedenfalls ist es Zeit, daß der Krönungstermin endlich officiell bekannt gegeben werde, oder fürchtet man in Petersburg noch immer, daß'die Nihilisten einen Strich durch die Rechnung machen werden? L .

Die anarchistische Bewegung imLande der Kastanien Ivurt noch immer weiter. In der Umgebung von Gibraltar wurden in diefer Woche wieder 40 Anarchisten, angeblich ebenfalls Mitglieder der berüchtigtenSchwarzen Hand", verhaftet und nach San Roque gebracht, von wo aus die Gefangenen nach Sevilla transportirt werden sollen. Ueber Den Proceß gegen, die jüngst in Andalusien verhafteten Socialisten scheinen noch keine näheren Bestimmungen getroffen zu sein. L, .

Die Frage nach dem Termin für die Räumung Egyptens durch die englischen Truppen ist in jüngster Zeit öfters angeregt worden. Bis­her war man immer der Meinung, daß die englische Occupatwn eine perma­nente sein werde. Kürzlich hat nun aber Lord Dufferm auf eine Anzahl Petitionen einflußreicher europäischer Einwohner verschiedener egyptischen Städte um Beibehaltung der englischen Garnisonen erklärt, daß er in dieser Beziehung keine Hoffnungen machen könne, da eine zeitweise Verminderung der englischen Occupations-Armee die gänzliche Zurückziehung derselben nicht ausschließe.

SchiffSbericht. Mitgethetlt von dem Agenren des Norddeutschen Lloyd m Bremen, E W. Dietz Nachfolger, Gießen.

Bremen 4 April, [^er transatlantischen Telegraph^ Der Postdampf^ Werra C^vt^ Barre vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22 März von Bremen und am 26. März von Southampton avgegange , gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 5. April Der SRhein ®apt- 6- F°ynaber von

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S iS SA »»«»««>» volle Ladung. _ .

DerWifchtes.

Nom Rhein. Kein Hochwasser mehr. Die früher gehegte Furcht vor einer dritten Hochfluth des Rheins und des Mainz, ist jetzt geschwunden. Der Ostwind hat nicht bl/s den Schnee in den Niederungen, sondern selbst auf den Hohen verdunstet. Bon den Taunusbergen tragen nur noch der Altkönig, der große uno kleine Feldberg ihre rwiße Mülzen. Auck im öderen Maingebiete ist der Schnee geschwunden.

London 2. Aprll. Eine furchtbare Fluthwelle passirte in der Nacht von Frei­tag auf Samstag den Canal und der PostdampserAquila" wurde durch diesenAthem- x e§ atlantischen Oceans" beinahe zum Kentern gebracht- Die Stoß welle traf den Dam vier bei vollständig ruhiger See nnd klarem Himmel plötzlich: das Schiff krachte in allen fernen Fugen und neigte sich so stark zur Seite, daß die Raen das Äasf^r b-,übtten' Kaum «holten fick Passagiere und Mannfchast -an ihrem^ersten nia cin neuer noch gewaltigerer Stoß erfolgte. Das Bollwerk ging M Lrummer, die D-cks-nster wurden eingedrückt und das Wasser ergoß sich in Strömen in das innere des Schiffes. Aües stürzte aus den Betten auf Deck. Die Welle hatte arg V-rwüstuna-n angerichtet. Der wachhabende Matrose lag ganz erschöpft ami Badi n, er HMte ein Tau e atzt und nur die Todesangst gab ihm Kraft sich fesHinhalten um nf*t übet ®orb leiiffen tu werden. Der Capitän erklärte, daß noch eine Welle ge nkigt hätte, das Schiff zum Kentern zu bringen. Man fürchtet deßhalb auch, d B schwächere Schiffe zu Grunde gegangen sind.

** Liebig's Fleischextract ift «roar <«'w überflüssig

und dessen vorzügliche Elgenschaften an annt inbeffen ^nbet man nach längerem erscheinen konnte, desselben hier wieder zu g n $ ^ie auch für das größere

aufmerksamen Gebrauch doch immer w J> onbcrS 3gl9lt dies der großen Zahl von Publikum von Interesse stln düNten. i nicht vertragen könnrn und deshalb Magenleidenden, welchefeeSp w tt«°Supmn^n cp ^,-isch-

vom Arzte aus magere Ur nickt^los sehr wohlschmeckend, indem es den faden extract, welches fre von F t ; «{ c8 wtrtt auch wohlthuend kräftigend

Geschmack der Wassersuppen v sterr, Rückwirkung auf die Functionen aller besonders auf die Nerven indem s in jeiner^i.^ »Emungsorgane bewirkt. SU ei«V« ff««&VMfcU und8 dadurch eine kräftigere Arbeit des Magens veranlaßt und die Verdauung im Allgemeinen fördert.

Ex SO Zweites Blatt. Sonntag dm 8. April 1888,

Gießener Anzeiger

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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