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Sonntag den 7. October
1888
Erstes Blatt.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags
Bureaur Schulstraße 7
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Haubach, West-
Deutschland.
Leipzig, 4. October. Das hiesige „Tageblatt" meldet, daß gegen den Thierarzt Antoine in Mctz vom Retchsanwalt auf Grund des vorliegenden Belastungsmaterials Pie Einleitung der Voruntersuchung angeo^dnet sei und daß die Verhaftung desselben rom Untersuchungsrichter in Metz verfügt wurde. Ueber die von Antoine gegen die Verhaftung erhobene Beschwerde werde das Reichsgericht zu entscheiden haben.
Hesterreich.
Pesth, 4. October. In der heutigen Conferenz der Unabhangigkeitspartei wurde beschlossen, nne Resolution etnzubringen, tn welcher das Vorgehen der Regierung tn der kroatischen Frage entschieden genußbilligt wird.
KranKreich.
Paris, 4. October. Die ottomantsche Gesandtschaft dementirt'die Gerüchte, betr. ble Erkrankung des Sultans.
— Der Minister des Innern bereitet einen Gesetzentwurf vor, durch welchen Zeitungsverkäufern verboten werden soll, etwas anderes als den Titel der betreffenden Zettungen auszurufen.
Spanien.
Madrid, 4. October. Dem König und der Königin wurden heute beim Eintritt m die Oper und beim Verlassen derselben abermals begeisterte Ovationen lmgebracht-
— Der Ministerrath trat unter dem Vorsitze des Königs zusammen, um die Frage wegen der Zwischenfälle auf der Durchreise des Königs durch Paris zu erörtern, faßte aber, wie verlautet, keinen definitiven Beschluß.
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Außkand.
Petersburg, 4. October. Bei dem asiatischen Departement des auswärtigen Amtes sind Umernchtskurse in den oriental'schen Sprachen für Officiere errichtet worden. Die Kurse sind dreijährig; die Officiere, welche an denselben theilnehmen, find verpflichtet, mindestens drei Jahre in den asiatischen Militärbezirken Rußlands M dienen.
Aegypten.
Alexandrien, 4. October. Wie die einheimischen Journale melden, hat der Sultan einen Commiffar nach dem Sudan gesandt, um über die Lage dieser Provinz Bericht zu erstatten. Nachrichten aus Konstantinopel zufolge soll die Pforte beabsichtigen, einen kaiserlichen Commifsar nach Egypten zu senden.
Telegraphische Depeschen.
Wolst's telegr. Correspondenz-Bnrean.
Berlin, 5. October. Wie der „Deutsche Reichs-Anz." meldet, hat die Neichscommission für das Socialistengesetz das Verbot der Regierung zu Merseburg gegen die Druckschrift „Verhandlungen des Reichstages über den Antrag be§ Abgeordneten Liebknecht auf Aufhebung sämmtlicher Ausnahmegesetze" — aufgehoben.
Karlsruhe, 5. October. Bei den heutigen Wahlen zur zweiten Kammer gewannen die Liberalen 4 Sitze.
Dresden, 5. October. Die Versammlung des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeü ist heute hier in Gegenwart des Kreishaupt- marms eröffnet worden. Namens der Stadt wurde die Versammlung, welche zahlreich besucht ist, von dem Oberbürgermeister bewillkommnet.
Paris, 5. October. Challemel-Lacour erhielt von dem spanischen Botschafter gestern keine Note, dagegen soll der Botschafter mündliche Vorstellungen erhoben haben, die sich dem „Temps" zufolge namentlich darauf bezogen, daß keine gerichtliche Verfolgung gegen die Urheber der Kundgebung gegen Alfonso emgeleitet sei, und daß das „Journal officiel" nicht den vollen Wortlaut der Erklärungen zwischen Alfonso und Grövy veröffentlicht. Betreffs dieser beiden Punkte erscheine die Antwort der französischen Negierung jetzt geeignet, eine Verkündigung herbeizuführen.
— Dem „Temps" zufolge wäre das Kriegsministerium dem General haussier angeboten.
— Das Demissionsgesuch Thibaudin's lautet der „France" zufolge: „Ob- Ichon mich meine politischen Feinde während der Ferien des Parlaments in eine von ihnen berechnete Ohnmacht haben versetzen wollen, meine Handlungen; dem Ürtheile der Vertreter des Landes zu unterwerfen, zögere ich doch nicht, meine Demission zu geben, mit der nämlichen Ergebenheit gegen Ihre Person und die Republik, die ich am Tage hegte, wo ich es als meine Pflicht betrachtete, der 2 meinen Patriotismus gerichteten Aufforderung durch die Uebernahme des Portefeuilles zu entsprechen.
Paris, 5. October. Telegramm der „Agence Havas." Es bestätigt M daß der Kriegsminister seine Entlassung gegeben und daß Präsident Gr6vy Mßlbe angenommen hat.
Madrid, 5. October. Das Journal „Correo" theilt mit, der spanische Botschafter Herzog Fernan - Nunez werde auf seinem Posten in Paris verbleiben.
— Gerüchtweise verlautet, die Regierung verzichte darauf, eine Rote an Frankreich zu richten, werde sich vielmehr darauf beschränken, mündlich eme Darstellung der zwischen dem König Alfonso und Grövy stattgehabten Unter* ^ung zu verlangen, welche Gegenstand der officiellen Publication gewesen ist. zahlreiche in Spanien lebende Franzosen unterzeichnen Protest-Erklärungen gegen le Anstifter der in Paris stattgehabten Auftritte ,
Christiania, 5. October. In der heutigen Sitzung des Reichsgerichts
wurde auf Bedangen des Anklägers die weitere Verhandlung gegen den Staats- Minister Kieruls auf den 1. December verschoben.
Stockholm, 5. October. Der Staatsminister Thyselius ist anstatt des zum Landeshauptmann zu Westeräs ernannten Staatsrathes Hederflierna zum Minister des Innern ernannt. Krusenstierna wurde zum beratenden Staatsrath ernannt.
Konstantinopel, 5. October. Wie officiell versichert wird, wäre Lord Dufferin, welchen der Sultan heute in Audienz empfängt, mit keiner eine Specialfrage betreffenden Mission betraut. Die Pforte sendet heute die Eisenbahn-Anschluß-Ratification nach Wien.
Alexandrien, 5. October. Eine Deputation von hier ansässigen Engländern hatte heute eine Unterredung mit dem englischen Generalconsul Major Baring und stellte an ihn die Frage, ob er ungefähr den Zeitpunkt angeben könne, wenn die Entschädigungen für die Verluste an Eigenthum ausgezahlt würden. Baring verneinte die Frage, bemerkte über, die Angelegenheit unterliege der Erwägung der Regierung. Gleichzeitig wies Baring auf die Anomalie von Seiten der hier wohnhaften Ausländer hin, welche darin liege, daß sie die egyptische Negierung verantwortlich für die Zerstörung ihres Eigenthums machten und Entschädigung verlangten, während sie von jeder Steuer befreit gewesen seien und nichts zu den Kosten des Schutzes für das Eigenthum beigetragen hätten. Baring fügte noch hinzu, es habe gar keinen Grund vorgelegen, einen übermäßigen Druck auf die Regierung auszuüben, dieselbe werde jedoch nach besten Kräften die Auszahlung der Entschädigungs-Summen beschleunigen.
Lokale-,
Gießen, 6. October. (Sitzung der Stadtverordneten vom 4. Oktobers Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Bai st, Diery, Hanstetn, HoÄ, Homber ger, Kauf, Lüdektng, Aug. Noll, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wortmann. — Herr Bürgermeister 93ramm theilt mit, daß die Wahl für die ausscheidenden Mitglieder zur Stadtverordneten-Versammlung auf den >5. Oct ob er anberaumt ist, ferner, daß Herr Stadtverordneter Pfannmüller infolge seiner Ernennung zum Oberlandesgerichtsrath demnächst die Stadt verläßt, so daß sich infolge dessen die Wabl von 7 Stadtverordneten nöthig macht Herr Stadtverordneter Pfannmüller legt hierauf unter dem Ausdrucke des Dankes für das ihm gewordene Vertrauen und des Wunsches für das fernere Gedeihen der Stadt aus den Beschlüssen der Stadtvcrordneten-Ver sammlung sein Mandat nieder. Herr Bürgermeister Bramm sprach herauf Namens der Versammlung dem Scheidenden die ehrende Anerkennung für dessen der Stadt und dem Gemeinwohl geleisteten Dienste aus. — Das engere Comiiö für die Lutberfeicr am 10. November hat beschlossen, einen festlichen Zug zu veranstalten, worauf auf dem Ludwigsplatz eine Lutherlmde gepflanzt werden soll. Die Versammlung tritt dem Anträge auf Bewilligung der Kosten für diese Festlichkeit bet. — Der Beschluß der vorigen Versammlung, in der Plockstraße einen Ventilbrunnen aufzustellen und zwar am Hause des Herrn Rechtsanwalt Labroisse, hat Letzteren veranlaßt, hiergegen Verwahrung einzulegen und die Versetzung dieses Brunnens bis hinter das Hofthor an der Plockstraße anzustreben, event. anderweitige Bestimmung eines Platzes herbeizuführen Vor Fassung weiteren Beschlusses hierüber soll Einsicht an Ort und Stelle genommen werden; gleiches soll bezüglich des Brunnens geschehen, als dessen Standort die Mitte des Kreuzplatzes vorgesehen war und dessen Versetzung an die Laterne am Busch'schen Hause in einem diesbezüglichen Gesuche betrieben wird. — Auf die gegen die in auswärtigen Zeitungen tn Betreff der Wasserleitung erschienenen Artikel erlassene Berichtigung ist ein weiterer Artikel in der „Frankfurter Zeitung" erschienen, in welchem die ergangene Berichtigung abzufchwächen versucht wird. Es wird beschlossen, auf alle ferneren Angriffe in dieser Angelegenheit nicht einzugehen, sondern die erzielten Resultate nach Fertigstellung der Wasserleitung entsprechend zu veröffentlichen. — Betr. Rückvergütung von Octroi an das Militär, hier Wetn-Octroi, wird beschlossen, für Wein den vollen Betrag des Octrois zurückzuerstatten, wie solches auch in Mainz und Offenbach geschieht, während Darmstadt 1,90 «X von dem entrichteten Betrage von 2,15 per Hrctolster zurückoergütet. — Für die Bedienung der beiden neuen Peiroleumlaternen an der Frankfurterstraße werden je 50 JL. per Jahr bewilligt. — Tie Octroierhebestelle am Seltersweg soll wieder in das westliche Thor- Haus verlegt wtrden, nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz auf das Gesuch der Stadt um käufliche Ueberlassung des Thorhauses derselben ein PE^rnr- hältniß offertrt hat und zwar gegen Entrichtung einer jährlichen Mieihe von 500 JL Nachdem hierüber Entscheid getroffen, war die Frage zu behandeln, ob auch an der Bahnhofstraße (am Dr. Kübel'schen Hause) eine Octroierhebeftelle zu entrechten sei. Die Versammlung beschloß indcß, vorläufig hiervon abzusehen. — Das Gesuch des Herrn Justus Lenz von Gießen um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes wird abgelehnt, da Gefuchsteller sich zur Zahlung des geforderten Preises von 10 pro üjMeter nicht versteht. — Das Baugefuch des Buchdruckereibesitzers Gv. Münchow wird befürwortet unter Genehmigung einer Frist von 5 Jahren zur Abnuung eines Vorderhauses zu dem projectirten Hlniergebäutxe an der verlängerten Bttichstraße. — Auf Grund gepflogener Verhandlungen über Erwerb des ^nr Fortsetzung der Bleichstraße über die Wicseck nach der Ludwigsstraße benothigten Geländes wird der geforderte Preis von 7 X pro klafter bewilligt. - Dem Gesuch des Metzgermeisters Hermann Euler um Umpflasterung der Straßenrinne an Der Dreihauser gaffe soll durch Einbiegung der Trottoirwangen in diese Gasse entsprochen werden. — Der Voranschlag Über verschiedene Herstellungsarbeiten auf dem Viehmarktplatze wird genehmigt. - Dem Gesuche des Rentners Georg Ferdinand Gail um Erlaubniß zur Anlegung einer UeberbrÜckung wird stattgegeben.
Gießen, 6. October. sTheater.) Der Mennonit, Trauerspiel in 4 Akten von Ernst von Wildenbruch.
Eine würdige Jnscenirnng einer Tragödie aus einer kleinen Bühne hat ihre großen Schwierigkeiten und es erschien uns als ein Wagniß der Direktion, uns eine solche vorzuführen. Eine falsche Betonung, eine unrichtige Geberde, und der oft nur kleine Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen ist geschehen. Aber das Wagniß ist wider Erwarten gelungen, vollkommen gelungen. *Der Mennonit hat, einige kleine Unebenheiten abgerechnet, eine große einheitliche Wirkung erzielt. In der ganzen Haltung dcs Zusammenspiels trat uns etwas von jener verständig vornehmen Zurückhaltung entgegen, die man an bessern Theatern zu treffen gewöhnt ist, und die wir gewiß nicht mit Unrecht zum größten Theil der Regie auf Rechnung stellen dürfen.
Herr Schölermann gab die Titelrolle mit maßvoller Zurückhaltung und doch warmem männlichen Herzenstone. Fräulein Kohrfen I. (Maria) manifestirte sich


