Darmstadt, 5. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:
Am 28. März den ordentlichen Professor in der medicinischen Fakultät Großh. Landes-Universität und Director der Entbindungsanstalt zu Gießen Dr. Friedrich Ahlfeld aus sein Nachsuchen von seiner Dienststelle mit Wirkung vom 15. April d. Js. an zu entlassen;
am 31. März den Großh. Gymnasiallehrer Dr. Heinrich Weyer- Häuser zu Darmstadt zum Lehrer am Großh. Gymnasium zu Bensheim, — an dems. Tage den Gymnasial- und Realschul-Lehramts-Aspiranten Franz Joseph Helm aus Bensheim zum Lehrer am Großh. Ludmigs-Georgs-Gym- nasium zu Darmstadt, den Gymnasial- und Realschul-Lehramts-Aspiranten Dr. Hermann Balser von Darmstadt zum Lehrer an Großh. Gymnasium zu Mainz, den Gymnasial- und Realichul-LehramtS-Aspiranten Eduard Härter zu Alsseld zum Lehrer an der Großh. Realschule zu Alsfeld — zu ernennen.
Berlin, 4. April, lieber die Vorgänge in Kiel geht dem „Frkf. Journ." folgende authentische Mittheilung zu: Am Montag kamen Herr Frohme und drei andere soctaldemokratische Vertrauensmänner von dem Kopenhagener Congreß zurück- Man nahm sie fest, um bei ihnen eventuell kompromtttirende Papiere über die soct- altstische Bewegung abzufassen. Es wurde nichts entdeckt; die Herren aber wurden in Haft behalten, damit sie nicht ihre nachfolgenden Genossen benachrichtigen könnten. Am Dienstag Morgen langten Herr v. Vollmar und Herr Viereck mit dem Dampfer an; sie wurden auf dem Landungsplatz festgenommen. Herr o. Vollmar depeschirte nach Berlin an den Retchstagspräsidenten. Man fand bei keinem der Herren solche Papiere vor, wie man erwartete. Der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter ließen deß- halb sämmtliche Herren frei. Nicht nur die beiden Abgeordneten, sondern alle Verhafteten wurden freigelasien, so daß nicht die Immunität des Volksvertreters, sondern die Erklärung des Untersuchungsrichters, der keinen Grund zur Aufrechterhaltung der Haft ersah, die Befreiung erwirkte. Der Abgeordnete Frohme war 22, der Abgeordnete v. Vollmar 8 Stunden lang verhaftet.
Dem „Tageblatt" wird aus Neumünster in Holstein gegentbeilig telegraphiit: Heute Morgen wurden auf dem hiesigen Bahnhofe die von Kopenhagen kommenden Socialdemokraten Bebel, Dietz und Auer durch drei Berliner Crtminalbeamte verhaftet. Nach einstündigem Verhör, in welchem sie alle Aussagen über den Zweck der Zusammenkunft in Kopenhagen verweigerten, und nach Confiscation diverser Drucksachen und Schriftstücke, wurden die Verhafteten wieder auf freien Fuß gesetzt. Bebel fuhr sofort nach Kiel. 4 '
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Corresporrdenr-Birreau.
,.. Berlin, 5. April. Der Reichstag verwies die Zuckelsteuervorlage nach erheblicher Debatte an e.ne Commission von 21 Mitgliedern. Em Schreiben des Reichs- kanzlers benachrichtigt den Reichstag von der Verhaftung und Wiederfreilassung der Abgeordneten Vollmar und Frohme.
, Der Reichstag begann dann b'e zweite Berathung bcr Gewerbeordnungsnovelle. Richter begründete Baambach's Antrag auf Beschränkung der Concurrenz der Militär- Handwerker und des Kantinenwesens. Der Kriegsminister bittet, den Antrag abzu- zulehncn, weil er einen Ausnahmezustand zu Ungunsten der Armeeanglhörigen schaffen wolle, den Mißbrauchen des Kantinenwesens könne ohne neue gesetzliche Bestimmungen abgeholfen werden, v. Köller und Bundeskommissar Bötticher bekämpfen den Antrag. Gagern empfiehlt den diesbezüglichen von ihm gestellten Antrag und wünscht die Ver- westuvg seines und des Baumbach'schen Antrages an die Gcwcrbe Commission, wofür auch Blum, Baumbach und Richter sich ei Hären. Der Kriegsminister betont nochmals er wünsche kein Privileg, sondern nur diejenigen Rechte für die M'litärhandwerker in Anspruch zu nehmen, welche auf Grund der Gewerbefreiheit allen übrigen Handwerkern Zustehen. Auch v. Kleist-Retzow bekämpfte den Antrag Baumbach. Nach weiteren Bei.' mer kungen Majunke's und des Kriegsministers werden die Anträge Gagern und Baumbach an die GewerbeordnungS-Commission verwiesen. Die Paragraphen 1 und 1 a werben angenommen. Der Artikel 2, beffen Streichung Richter beantragte, wurde nach unwesentlichen Aenberungen mit 149 gegen 103 in namentlicher Abstimmung angenommen. ' y
Fortsetzung morgen.
~ ®on bcn dem Reichstag vorhandenen Geldern zu Gunsten der lieber; L(?/?,^xmten °on ca. «X 460,000 gelangen nach einem heute gesoßten Beschlüsse sofort 350,000 zur Vertheilung, wovon das Donaugebiet 10, Elsaß 2Vs. Hessen 20 Ur ter; franren 10 «aben 20, bte Rhe.nprovinr 15, bte Pfalz 15, Mürttembe.g ?V2 P ocent erhalten. Denr Eifelgebiete werden 65000, dem Donaumoos 5000, bcm pi cvßischen Rhongebrete 1000 JL überwiesen, der verbleibende Rest bleibt in Reserve.
. ... . Der UnftrftaatSfecretär Busch, her einen vtenvöchentlichen Erholungsurlaub
antritt, wird durch den Direktor des auswärtigen Amtes, v. Bojanowski, vertret-n. RAHkoTaZi»«.* C » m l D05 ver betc<t8 erfolgten Unterzeichnung des deutschspanischen Handelsvertrages ist unbep-ftnhef.
r, d^ünchen, 5. April. Der Landtag ist heute durch den Prinzen Luitpold nu Auftrage des Königs in der gewohnten feierlichen Weise eröffnet worden. . 4 5. April. Heute hat hier die feierliche Enthülluna des Spohr-
denkmals stattgefunden. Der Director des Museums, Dr. Pinder, hielt die Festrede, der Oberpräfident Gras Eulenburg übergab das Denkmal Namens des geftconuW der Stadt, für welche es der Oberbürgermeister Weise dankbar in Empfang nahm.
. Hamburg, 5. April. Der Hamburger Postdampfer „Rio" ist auf der Reise von Hamburg nach La Plata mit gebrochenem Schraubenschaft in St. Btncent embugstrt worden, ein Theil der Ladung wurde aus dem Hinterraum geworfen.
, „Pest, 5. April. Abgeordnetenhaus. Bezüglich d-S von dem Depulirten Madorasz Antrags wonach vom Jahre 1887 ad die ungarische Sprache an sämmtlichen Mittelschulen zur Bor ragssprache erhoben werden soll-, erklärte der Ministerpräsident ^.tsza, er müsse den Antrag ablehnen, da cs unstatthaft sei, weiter zu neben als das 3nt^e„b'® unbedingt erheische. Den Schülern consessioneller Mittelschulen o,e Moglichkest zu benehmen, ihre Studie« tn der Mutterspraebe sortzusehen müsse als angar,scher Chauvinismus bezeichnet werden. Dies hieße mehr forderna"s wo n der berechtigt sei und würde auch nicht zu dem erstrebten Ziele süh"n. (Lebhafter
London, 5. April. In vergangener Nacht wurde hier ein Mann verkästet, der von Manchester hier angekommen war und eine Büchse mit Dunamit mit sich führte. Dem Verhafteten, den man für einen Irländer hält waren von Manchester aus Beamte der geheimen Polizei hierher gefolgt
Birmingham, 5- April. Die Polizei entdeckte bet einer heute frßb vorae- nommencn Haussuchung eine große Menge Nitrogltcerin. D>e Borderscste des Ranies batte das Aussehen eines Perka.ussladens. Ein Mann Namens Whttebeaa wurde habet von der Polizei festgenommen 4
Paris, 5. April. Gutem Vernehmen nach wird der Herzog von Aumale am 9. d. M- dem Grafen von Paris nach Italien abreisen und, wie es beißt Ende Mat zurückkehren. 4 B ’
_ , ,77 General Gallifet erklärt in einem Schreiben die ihm von dem Journal „Solei! zugeschriebenen Aeußerungen über den Krtegsminister für unbegründet
•x Der Kriegsminister hat unter dem 4 b. ein Rundschreiben erlassen in melckem mttgetheilt wird, daß die Manöver der zweiten Cavallerie-Dwision unb die^Recoanosci- runö§öbunöen tnie sie durch das Rundschreiben vom 12. März angeorbnet warennickt stattftnden werdm. Ul“'
von
Verwischte
B erktn, 4 April. sDer Brand bes Nationaltheaters/s Das Nationaltheater ist heute Mittag in ber Zeit von etwa 12 bis 2 Uhr ein Raub der Flammen geworden. Es ist im Innern vollständig ausgebrannt, nur die Umfassungsmauern stehen noch, so- wie einzelne von den Corridoren, welche den Zuschauerraum rings umgeben. Em Menschenleben ist, wie wir glttch vorweg bemerken wollen, nicht zu beklagen. Die kurz nach 12Vr Uhr allarmirte Feuerwehr war rasch in ganzer Stärke zur Strlle und als- balv fannten drei Dampfspntzen ungeheure Wassermassen in das brennende Haus. Nach außen hin trat das Feuer weniger in Erscheinung, nur eine dichte Rauchwolke lagerte über dem Theater. Die Feuerwehr fand wenig oder nichts mehr zu ritten; der ßan^' aus Holz und Fachwerk bestehende Jnnenraum war bereits vollständig ausgebrannt, ebenso das Dacbgebälk.
lieber die Entstehungsursache ist noch nichts Sicheres zu ermitteln und es bleibt überhaupt fraglich, ob bei der total n Ze.störung des ganzen Jnnenraumes je mit Be- U'.mmtheit die eigentftche Ursache zu ermitteln sein wird. Man weiß nur so viel, daß das Feuer auf dem Schnürboden ausgebiochen sein muß, denn von dorther wurde zu- erfi nach oben hin Rauch unb Flamme wahrgenommen unb es stürzte bald darauf der burcbgebrannte Schnürboden auf die Bühne. Von 10 bis 11% Uhr war Probe ge; wesen und die auf derselben beschäftigten Schauspieler nahmen nichts Verdächtiges wopr. Es brannte wie gewöhnlich aur eine Rampe von sechs mit Drahtgitter umhüllten Gasflammen unb nach ber Probe würben diese Flammen ordnunasmäßia ausgeloscht. '
Im Theaterinnenraume war in dem Augenblicke, da man das Feuer gewahr wurde, jemand anwesend. Einzelne Künstler unb Künstlerinnen saßen noch im Parterre.Nestauraiionsraum unb bitfen fi l plötzlich ein brandiger Geruch auf. Ais sie die Thüre zum Jnnenraume des Theaters aufriffen, kam ihnen bereits e-stickender Quilm entgegen unb kaum fünf Minuten später war das Innere des Theaters ein einziges Flammenmeer. Die Augenzeugen versichern, daß die Rapidität, mit der das oerheerenoe Element um sich griff, jeder Beschreibung spottet. Erklärlich genug, denn bas Innere bes Nationaltheaters befianb ausschließlich aus dürren Holzsparren und Fachw if, Leinwanb unb anberen leicht brennbaren Stoffen. Die sofort angestellten Bergungsversuchc mußten sich auf einiges Inventar ber Restauration, etwas Restau- rationswäfche, einiges Thcatermobiliar unb einen Theil der Garderobe der eben an= weftnden Theatermitgl-eder beschränken. Die Bergung ber Garberobe war schon tn-t einiger Gefahr oerbunbcn.
Der derzeitige Eigenthümer des Theaters, Herr v. Donat, war zur Zeit, als das Feuer ausbrack, im Haufe nicht anrotfenb, sondern erschien erst nach 1 Uhr auf be öranbnatte. Die nun brodlos geworbene Künstlerschaar umstand den qualmenbett krümmerbaufen, bie Herren refipnirenb apathisch, die Damen meist laut i immcmb. (gegen 2 Uhr erschien auch der Commandani von Berlin Generalmajor v. Oppeln<
1 unb darauf ber Oberfilieutenant und Adjutant Sr. Maj. des Kaisers, v. Brostgke, bcr sich im Auftrage bes Monarchen nach dem Schicksal des Theaters erkunbigte.
Eine ungeheure Korona von Zuscnauern bes nach außen hin allerbings wenig bemerkbaren Zerstörungswerkes hielt, von einer Kette von Schutzmannsposten m angemessener Entfernung gehalten, den Weiuvergsweg unb ben Kreuzungspunkt ber Roser - ^5- und Lothiingersttaße besetzt. Das, wie schon Einganas bemerkt, vollständig zerstörte Theater war das größte Berlins, cs faßt- circa 3000 Personen *
Die Geschworenen erklärten ben Horue bes Tobtschlagsversuchs unter Zuerkennung . _ °Ill^er”bcn Umstanden für schuldig, woraus derselbe in eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr 9 Monaten verurtheilt wurde.
a. M., 6. April, Nachmittags 3 Uhr — Min. sTelearanbisebei- ^^^ncht- Mrtgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gieß?n.) Creditactien 272/«, Staatsbahnactren 292, Galizier 265, Lombarden 129*/° g»orb- westbahnactten 1^/4, Gotthardbahnactien 125, Darmftädter-Bankactten 1553/'
Gingesandt.
Der ausgezeichnete Klavier^ unb Orgelspieler, Lehrer und Organist E A. Kern Au Laub ad), welcher als Gesang- unb Orgekompontft einen sehr oortbeilbaften Ruf ■ m L!leU , :nfl§ ouch als Klaviercompomst unb zwar in reckt glücklicher Weise aur Nachdem im vorigen Jahr sein Op. 49 „Am Strande" und Op 50 „Ulanenrttr erfd) enen hat uns dieses Jahr zwei neue Werke des so rasch beliebt gewordenen Compomsten gebracht, welche überall, ws sie gespielt werden, zündend wirken. Es ’V bt/.§ allerie-Attaque" Op. 51 und „Z' Lauterbach", Klavierstück OpV 54 <?__befdnnfc Volksweise ,,Z' Lauterbach hab' ich mein’n Strumpf verlor'n" T')i,nft^,irfrnmU?nnk2':r»r'aDlC«”fele.nben S*3“Btitum durch dies- Mittheilung einer
Ü zu tbun in der sich-ren Erwartung, daß man uns nach Anhörung der außi,- ordentlich eff.-ctvollen Klavierstücke Dank wissen wird. — Sämmtliche Werke sind in der Rudolph,chen Musikalienhandlung dahier vorräthig. 2431
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag den 8 April (Misericordias Domini).
Vormittags 9V2 lMr: Pfarrer Dr. Naumann.
ST.r. n ^L^l"ags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Beichte wird am Samstag zuvor Nackmittaas 9 "A " Abendmahls. Die
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Horne war beschuldigt:
daß er am 4. Februar I. I. zu Schotten ben Entschluß, den Gendarmen Dillenburger von da zu iödttn, dmch Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung dieses Verbrechens enthalten, betätigt habe.
Eventuell:
daß er am 4. Februar I. I. zu Schotten einen zur Vollstreckung von Gesetzen, sowie von Befehlen und Anordnungen der Verwaltungsbehörden berufenen Beamten, nämlich dem Gendarmen Dillenburger von «Lchotten, in ber rechtsmäßigen Amtsausübung durch Gewalt und Drohungen Widerstand geleistet habe.
Untljolische Gerneinde.
2' S on n t a g nach Ostern (Misericordia Domini).
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m . c f Gottesdienst in Grünberg. Begum desselben um V2W Uhr.
Gottesdienst in der Synagoge.
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