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Dankesworten über die ihm kundgegebene anhängliche und theilnehmende Ge­sinnung versichert Se. K. K. Hoheit die Bürgerschaft von Kassel nach wie vor seines besonderen Wohlwollens.

Stettin, 3. November. Heute früh explodirte im Hafen der kleine Kessel des DampfersSecunda" von Flensburg, wodurch der Maschinist, der Heizer und ein Zollwächter gelobtet worden.

Glogau, 3. November. Im Proceß gegen Commerzienrath Förster und Genossen wurde Friedrich Förster wegen einfachen Bankruts zu achtzehn­tägiger Gefängnißstrafe verurtheilt, die durch die Untersuchungshaft als ver­büßt zu betrachten ist, alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die erwachsenen baaren Kosten und Auslagen hat die Staatskasse zu tragen, ebenso auch einen Theil der in der Voruntersuchung gegen Friedr. Förster erwachsenen.

München, 3. November. Vom Magistrat ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in mehreren Stallungen des hiesigen Viehhofs die Verkehrssperre für letzteren angeordnet und der Abtrieb lebenden Viehs vom Viehhofe verboten worden.

Oesterreich.

Wien, 3. November. Das kconprinziiche Paar besichtigte die elektrische Aus­stellung, welche morgen geschlossen werden soll, heute zum letzten Male. Der Kron­prinz richtete eine Ansprache an die versammelre Ausstellungs-Commission, in welcher er aussührte, daß die kühnsten Erwariungen, welche an dieselbe geknüpft wurden, weit übertroffen und große Erfolge erzielt worden feien. Für die Industrie sei ein neues Feld der Thätigkeil durch die Ausstellung erschlossen und das emsige Schaffen der wissenschaftlichen Commission biete eine Garantie dafür, daß die auf dem fruchtbaren Boden dieser Ausstellung sich entwickelnden Keime noch reiche Früchte tragen würden. Der Kronprinz sprach sodann allen Beiheiligten der AusstellungS-Commission und den Ausstellern, welche durch ihre Leistungen den Erfolg ermöglichten, seinen wärmsten Dank aus.Mit S olz erfülle es uns, die Hülfe aller befreundeten Staaten und.viel­leicht ihrer bewährtesten Männer an unserer Sette zu sehen. Das zahlreich erschienene Publikum bewies, wie sehr es alle fortschrittlichen kulturellen und wissenschaftlichen Bestrebungen zu würdigen und zu schätzen weiß. Mit dem Gefühle können wir scheiden daß wir unsere Aufgabe ehrenvoll gelöst haben, unser schönster Lohn sei das Bewußtsein: wir haben ein gutes Werk geihan." Enthusiastischer Beifall folgte der Rede des Kronprinzen.

IranLreich.

Paris, 3. November. Die Regierung wird in der kommenden Woche Nachtragskredite für Tongking in den Kammern einbringen. Die Forderungen dürften den Betrag von 10 Millionen nicht übersteigen. Das von hier ver­breitete Gerücht, das Personal der hiesigen chinesischen Gesandtschaft treffe Vor­bereitungen zur Abreise, entbehrt der Begründung.

England.

Liverpool, 3. November. In Folge des Fallissements von Morris Ranger haben auch die Baumwollhändler Hollisched, Tetley u. Comp. suspendirt. Die Passiva sollen 100,000 Pfd. Sterl. betragen.

Plymouth, 3. November. Vorgestern Abend hat im Kanal eine Kollision zwischen dem DampserNottinghill", welcher sich auf der Fahrt von London nach New-Jork befand, und dem deutschen SchiffEugenie", welches von Jquique nach Rotterdam unterwegs war, stattgefunden. Beide Schiffe wur­den stark beschädigt. Das deutsche Schiff wurde mehrere Stunden von Nottinghill bugsirt und hier eingeschleppt.

Serbien.

Belgrad, 3. November. Durch einen Ukas des Königs wird im Kreise Zajcar wegen Widerstandes gelegentlich der Waffenablieferung der Belagerungs­zustand proklamirt. General Tichomir Nikolic ist zum Commandanten und königl. Commissär des erwähnten Kreises ernannt worden.

Rußland.

Petersburg, 3. November. DerRussische Invalide" publicirt die Ernennung des Commandeurs des 6. Armee-Corps, Generallieutenants Roop zum interimistischen temporären Generalgouverneur von Odessa und Comman- direnden des Odessaer Militärbezirks.

Türkei.

Konstantinopel, 3. November. Der Sultan hat dem König von Holland des Großkordon des Nischan-Jmtiaz-Ordens verliehen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'K telege. E-rrrsspor»dem-B«srKu.

Petersburg, 4. November. DasJournal be St- Petersbourg" erklärt die Mitthettung desGaulois" von einem Toast, welchen der Kaiser Alexander bei dem Abschiedsötuer für den französischen Botschafter, Viceadmiral Jaures, ausgebracht haben sollte, für unrichtig, mit dem Bemerken, daß bei dem Absch-edsdimr überhaupt kein Toast ausgebracht worden sei, auch sei das Ausbringen eines Toastes bei solchen Geleaen- heiten nicht üblich.

Belgrad, 4. November. Gestern hat ein außerordentlicher Ministerrath statt- gesunden, in welchem auf Grund der Verfassung beschlossen wurde, wegen der ernsten Lage im Innern des Landes das Preßgesetz, sowie das Gesetz, bctnfftnd das Vereins­und Versammlungsrecht zu süspendiren und in Preßsachen die Präaentivcensur ein­zuführen. Durch königlichen Ukas wird den Bewohnern des im Belagerungszustand befindlichen Gebietes die Ei Haltung der Truppen während der Dauer desselben auf­erlegt und gleichzeitig den Ofsteieren und Unterofficieren das doppelte Gehalt für diese' Zeit zugesagt.

8 p H I H.

Gießen, 5. November. [33erein Creditreform Siegen.] In Folge des gelinden, umsichtigen Vorgehens Seitens des Bureaus hat sich demselben ein weiterer Zweig zur Deckung mehrerer Gläubiger durch Stundungsanträge von Schuldners Seite dargeboten. Dieselben sind von dem Bureau nicht zurückgewiesen worden sondern es sind schon in vielen Fällen von demselben Stundungsanträge zu Gunsten der Schuldner in Ausführung genommen worden.

Möchte jeder Schuldner die Wohlthat solcher Thätigkeil des Vereinsbureaus anerkennen und benutzen.

fShakespeare-Abend] Morgen Dienstag, Abends 8 Uhr, findet im Saale des HStel Einhorn die bereits mehrfach erwähnte Freie Recitation durch Herrn Bruno Fried aus Wien, Deelamator der Königin von Hannover, bestimmt statt Das hochinteressante Programm, verbunden mit freier Recitation, sowie das Renommä des Vortragenden verbürgen uns einen genußreichen Abend, weshalb wir unser kunst- sinniges Publikum noch einmal ganz besonders darauf aufmerksam machen woll-n Näheres im Jnscratentheil.

Gießen, 5. November. (Theater.)Der Registrator auf Reisen« von L'Arronge und Moser hebt sich in einzelnen Theilen über den Charakter einer fpofle hinauf Witzige Apercus und Wortspiele, erheiternde Redewendungen und ©eenen deren komische Kraft mcht selten im Contraste zwischen Gedachtem und Wirklichem

besteht, eigenartige Charaktere, wie der Registrator, der ReitunflSreoorter«k s. sächsische Gerichisrath, erinnern daran, daß wir die Arbeit zweier unserer besten^»?, spieldichter vor uns haben. 1 tmst-

Das Stück spielte sich in einer Weise ab, daß selten von des Ruschauer« ar«.,, das Lächeln wich, daß aber auch laut und recht herzlich gelacht wurdeVnr Ä 18 fei des im Mittelpunkte der Handlung stehenden Registrators gedacht d°en^" F. Brautlecht gab. Die drastische B-weglichket seines Spiels, dazu die k Situation, in welche dieser Subalternbeamte durch einen geheimen dienstlichen grL?er gebracht wird, verhalf der Roll- und dem Künstler zu einem besonderen SrfDla, x8 wir mit Vergnügen constatiren. Allein da der Künstler noch jung unb anfr'i2.tl strebsam ist, so wird es Smn haben, ihm zu sagen, daß der Feind aller echten Ä? die Uebertreibung ist. Nicht als ob der Künstler sich ihrer in strafbarem ©rabe toniM gemacht hätte; aber hier und da wäre eine kleine Abschwächung in der DarN-m.« wohl am Platze gewesen. Wir meinen hauptsächlich die Momente in betten h 8 Registrator seinem Vorgesetzten gegenüber steht, insbesondere die Scene, wo er h, ihm selbst unbekannten Ingenieur vorstellen soll. Also ein wenig mehr Mabbnnll! und mit Ihrem Registrator können Sie sich sehen lassen! BWtm

Von den übrigen Darstellern und Darstellerinnen sind noch rühmend zu nennen. Herr Peters, der in seinem Localreporter eine sehr ergötzliche Figur schuf r,,," Schreiner, der als Bauraih Hiller recht nobel auftrat, Herr Muff (GericktOrnw Heidenreich) und Frau Brede (Frau Registrator). " ^-ttchtsrath

Gießen, 5. November. Als am Morgen des 27. April die Gebäulichkeiten tn W-nzel's Garten abbrannten, wird wohl Mancher der Zuschauer im Stillen aedack! haben, daß es für das alte Gebäude nicht zu viel des Schadens gewesen, würde dann doch aus den Trümmern etwas Neues, Praktisches und Besseres entstehen können Diese Erwartung ist nicht getäuscht worden. Der Sa al bau in Wenz-I's Garten der unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Architect Stein im Lause des Sommer« erbaut worden, wird und muß unserer Stadt zur Zierde gereichen. Halten wir un« nur an den Ort und seine Einrichtung, welche allen Anforderungen der Neuzeit mit ihrem verwöhnten Geschmack und Luxus entspricht, so wüßten wir kaum eine Stadt von der Größe Gießens zu nennen, die ein ähnliches Etablissement aufweisen könnte Glückauf hierzu! Am Samstag Abend wurden die Restaurationsräume dem Publikum eröffnet. Unsere Regimentscapelle gab nach langer Pause ihr erstes Concertzur Weihe des Hauses". Freudiges Staunen malte sich auf den Gesichtern derjenigen, welche zum ersten Male wieder den Raum betraten. Durch wahrhaft großartig schöne Kronleuchter (in Ebenholz - Imitation und Kupfer) erleuchtet 5 im großen und 2 im kleineren Saale, der kleineren Lüster und Wandlampen nicht zu gedenken findet man sich vorerst in dem weiten Raum noch nicht ganz heimisch. (Zur vollen Wirkung der Kronleuchter dürfte der eben noch im Gebrauch befindliche Gasometer zu klein fein, so wird uns nämlich von fachmännischer Seite versichert.) Der Aufenthalt am Samstag und Sonntag Abend bei der Einweihuna war dem Ganzen entsprechend ein recht angenehmer, trotz der gestrigen wahren Völker­wanderung dorthin. Die Musik gut, die Getränke und Speisen ditto und die Bedienung unter Leitung eines tüchtigen Oberkellners eine prompte und ruhige: so darf man ge­trost nunmehr auch den trüben und regnerischen Sonntagen, die uns noch bevorstehen entgegensehen. Wir sind nunmehr gut beraihen. Der Saalbau bietet Tausend und noch einigen Gästen einen traulichen Aufenthalt. Und daß er nunmehr stets und immer traulich sein möge, fei unser Glückwunsch zur Eröffnung.

Vermischtes.

Darmstadt, 1. November. fPostpersonalnachrichten.] 1. Angestellt sind die Postpractikanten Große und Hennig in Mainz als Postsecretäre.

2. Versetzt sind der Postassistent Hofmann von Deutsch-Avricourt nach Grünberg (Hessen); der Telearaphenasststent Dorn von Darmstadt nach Mainz und der Tele- graphenassistent Röder von Cöln (Rhein) nach Darmstadt.

Die Städte, welche das OratoriumLuther in Worms" von Meinardus mit Orchester anffübren werden, sind folgende: Berlin, Sondershausen, Nordhausen Friedberg, Gießen, Marburg, Halberstadt, Elberfeld, Elbing, Zerbst, Oschatz, Staßfurt' Roßwein, Plauen, Quedlinburg, Königsberg !. Pr., Ballenstedt, Breslau, Oldenburg' Danzig, Erfurt, Hildesheim, Hannover, Genf, Göttingen (zwei verschiedene Aus­führungen), Reichenbach i. V Bremen, Liegnitz, Chemnitz, Koburg, Frankfurt a. M., Regensburg Kaiserslautern; ferner ohne Orchester: Landsberg, Köthen, Schalke i. W., R-oal, Hemsbach i. Baden, Gelsenkirchen, Friedrichshoff i. Ostpr., Nagold i. Würti. Pforzheim, Völpke i. Sachsen- (Einige davon führen nur Theile des Werkes auf.)

fVacante Stellen für Militäranwärter im Bereich des 11, Armeecorps.] 1) Cassel, Königl. Eistnbohnbetriebsamt, 5 Bureau-Aspiranten, Gehalt beim Dienst­antritt 75 X monatlich, steigend bis zu 1350 X jährlich. 2) Darmstadt, Postamt, Packetträger, 930 X Gehalt- 3) Frankfurt a. M-, Nordhausen, Berlin, Kgl. Eisen- bahn-Directioir Frankfurt, 3 Hilfsbureaudiener, Gehalt jährlich 900 bis 1050 X nebst dem gesetzlichen Wohaungsgeldzuschuß. 4) Friedberg (Hessen), Postamt, Landbrief­träger, 708 X Gehalt. 5) Frankenhauien, Postamt, Landbriefträger, 510 X Gehalt. 6) Kirchhain (Kreis HerSfeld), Postagentur, Londbriefträger, 510 X Gehalt. Im Bezirk der Großb. Hess. (25.) Division: Darmstadt, Provinzial-Arresthaus Darmstadt, Hülfsaufseher, Gehalt 2 X täglich. Pseddersbeim, Amtsgericht Pfeddersheim, Ge­fangenwärter am Haftloeal zu Pfeddersheim, Gehalt 300 X jährlich, freie Wohnung, Heizung und Beleuchiung.

Kassel, 1. November. Vorgestern verließ ein zehnjähriger Gymnasiast die Schule, ohne nach Hause zu gehen aus Furcht vor Strafe. Heute wurde fein Leichnam aus der Fulda gezogen.

In Landshut ist eine Zauberin, Josepha Zöllner mit Namen, zu sechs Monaten Gesängniß verurtbeilt worden. Sie handelte hauptsächlich mit einem Zauber­pulver, wodurch man sich die Gegenliebe einer Person ober die Treue von Geliebten sichern, den Sinn von Erbtanten und -Onkeln zu feinen Gunsten lenken, Käufer in Geschäften herbeilocken und sonstige Vortheile sichern könnte. Außerdem bediente die Zauberin stch eines Zauberbuches und eines Zauberspiegels. Ersteres war ein alter vergilbter Schmöcker, letzterer ein simpcler Rosirspiegel. Die Einnahme der Zauberin war nickt gering, t§ gab z. B. Tage, wo sie 40 bis 50 X verdiente. Ihre Kundschaft holte sie sich zumeist aus den sog. besseren Ständen.

In Reichmannsdorf befindet sich eine Grabschrift mit origineller Ortho­graphie. Sie lautet:Hier ruht Joh. Hrinr. Christ. Bohn ans Eliasbrunn geb. den 2. F-bruar 1852 gestorben den 16. Juni 1877 alt 25 Jahr 4 M. 14 T. Dieser J-ng- ling ritte ein Pfert in die Schwemm und er Drank." Auf dem Währinger Fried- bose bei Wien befindet sich die Grabschrift:Hier ruhet Kaspar Vogel. Vater und Metzger von 21 Kinder."

Idstein, 1- November. Der 22jährige Karl Göbel aus dem nahen Heftrich begleitete am vorigen Sonntag einen Freund bis an die Waggonthür des um 7 Uhr 48 Min. Abends von hier nach Niedernhausen gehenden, auf dem zweiten Geleise haltenden Zuges. Die Passagiere waren eingestiegen, die Coupe's geschlossen und der von Niedernhausen kommenbe hier kreuzende Zug brauste in ziemlicher Entfernung heran. Göbel wollte so wird demRb- C-" milgetheilt der Aufforderung des Conducteurs entsprechend, über das erste Geleis nach dem Perron zurück, kehrte aber nochmals um, seinem Freunde etwas zu sagen; jetzt wollte er hinüber, ohne in feinem Eifer zu beachten, daß der Zug wäbrenddem unmittelbar nahe gekommen war. Die Locomotive stieß ihn vor den Hinterkopf und schleuderte ihn zur Seite, aber leider nicht weit genug. die Räder zerquetschten ihm beide Füße- Beide Beine mußten amputirt werden, das eine oberhalb des Knöchels, das andere am Knie.

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6- November. Dienstag. Kalt, windig, veränderlich mit etwas Regen und örtlich Schneefällen zumal in Nordwestdeutschland, Nachts frostig- Frühmorgens nebelig bis ausklärend, auf Mittag zu trüb, nach Norden zu vielfach aufgeheitert, Nachmittags allgemein kurze Zeit Neigung zur Aufklärung, Abends bedeckt; in Nordeuropa sind die Nachmittage mehr aufgeheitert- Der Südwesten dürfte froflfrei werden.

7- November. Mittwoch. Kalt, Nachts Frost, stellenweife noch Schneefall bei nordwestlichen bis nordöstlichen Winden. Morgens nebelig trüb, mit Neigung zur Ausbesserung besonders Nachmittags.

*) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose (Verlag der M.Lmgftld'- fchen Buchhandlung in Köln, Preis 1 XV Nachdruck verboten.

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