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Beilage M Nr. 232 liesGießener Anzeiger".

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mern würden die Deputirten der Rechten über die Vorgänge vor und während der Anwesenheit des Königs Alfonso in Paris interpelliren. Die ^Mpublique sran^aise" und derVoltaire" bestätigen die Vertagung der Ministerkrisis bis zum Zusammentritt der Kammern. Unterdessen ist König Alfonso wieder in Madrid und zwar am Dienstag Abend eingetroffen. Von der ersten spanischen Eisenbahnstation Jrun an bis zur Hauptstadt wurde der König an allen Orten mit enthusiastischen Kundgebungen empfangen und der Empfang in Madrid selbst gestaltete sich zu einer einzigen großartigen Ovation der Bevöl­kerung für ihn. Auf dem Madrider Nordbahnhofe erwarteten den König Alfonso die Mitglieder der königlichen Familie, die Minister, das diplomatische Corps, die Senatoren und Deputirten, die Civil- und Militärbehörden, während draußen vor dem Bahnhose eine dichtgedrängte Volksmenge stand, welche den Monarchen, als er nach dem Lscurial fuhr, mit stürmischen Zurufen begrüßte. Das königl. Schloß ist, abweichend von der sonst so strengen Etikette des spanischen Hofes, für Alle geöffnet, welche den König begrüßen wollen. Fast sämmtliche Souveräne haben deniselben telegraphisch ihr Bedauern wegen der Pariser Vorgänge ausgedrückt.

König Milan von Serbien ist am Montag nach Belgrad zurück­gekehrt und hat das serbische Cabinet Pirotschanatz nur diesen Zeitpunkt erwartet, um seine Demission einzureichen. Dieselbe ist vom König in Anbe­tracht des Umstandes, daß die Neuwahlen zur Skupschtina entschieden gegen das bisherige serbische Ministerium ausgefallen sind, auch angenommen worden. Mit der Neubildung des Cabinets hat der König den Vicepräsidenten des Staatsraths, Chriflic, beauftragt, über dessen politische Parteistellung und Ge­sinnung außerhalb Serbiens allerdings noch so gut wie nichts bekannt ist.

Das unglückliche Peru wird in allernächster Zeit der Schauplatz erneuter Kämpfe sein. In Arequipa, einer Stadt im südlichen Peru, concen- triren sich peruanische Streitkräfte und es sind daher von Valparaiso, der von den Chilenen noch immer besetzten Hauptstadt Perus, 2000 Mann chilenischer Truppen abmarschirt, um Arequipa anzugreifen; diesen Truppen sollen unver­züglich Verstärkungen Nachfolgen.

Berlin, 2. Oktober. Die Zeit der Ausführung des neuen Krankenkassen- gesttzes rückt Immer näher und es dürfte für die in erster Linie dabet Betheittgten zweckmäßig fein, siÄ mit dem Gesetze recht vertraut zu machen. An die Besitzer größerer lndustrteUer Etablissements rc. tritt die Nothwendigkeit heran, die erforderlichen Kassen neu zu errichten oder bereits vorhandene den Bestimmungen des Gesetzes entsprechend umzuwandeln. Diese organisatorische Aufgabe kann aber nur befriedigend gelöst werden bet eingehendster Kenntntß des Gesetzes und der ganzen Materie, welche Kenntnitz sich aber nicht so letcht erwerben läßt, wie manche vielleicht annehmen; wer das umfang­reiche Gesetz Im Zusammenhänge durchgelesen, wird ohne Zweifel davon überzeugt sein. Zur Begründung unserer Ansicht wollen wir nur einen Umstand herausgretfen.

Das Gesetz bestimmt bet den verschiedenen zulässigen Kassenformen dreierlei Maßstäbe zur Bestimmung der Unterstützung und der Beiträge, nämlich den ortsüblichen Tagelobn, den durchschnittlichen Tagelohn und den wirklichen Arbeitsverdienst- Eine Verwechselung dieser fast gletchklmgenden und thatsächltch nicht so wett von einander verschiedenen Begriffe in einem neu zu errichtenden Kassenstatut involvirt eine Be­stimmung desselben, welche gegen das Gesetz verstößt und eine Correctur der Aufsichts­behörde erforderlich macht.

Vorbilder, wie man sie sonst wohl zur Aufstellung neuer Statuten zu gebrauchen pflegt, sind nicht vo Händen, da die gesetzlichen Bestimmungen zum größtenTheir fundamental von den bisherigen Anschauungen auf diesem Gebiete verschieden sind und die Eigen- thümlichkeit jedes Betriebes mehr oder weniger im Statut seine Berücksichtigung finden muß.

Aus naheliegenden Gründen hat man im Allgemeinen noch wenig Vorstellung davon, welchen Umfang das neue Krankenkassenwesen in Bezug auf feine Vermögens­verwaltung nehmen wird. Betriebs-Unternehmungen mit einem jährlichen Arbeits­lohn von 200,000 bis 300,000 «X sind in Deutschland nicht selten. Eine dafür zu errichtende Betriebskrankenkasse dürfte voraussichtlich einen Jahresumschlag Ein­nahmen und Ausgaben von 12,000 bis 18,000 haben, wobei noch ein Reserve­fonds von ungefähr gleicher Höhe anzusammeln und zu verwalten ist. Daß die Aufsichtsbehörde bei Prüfung von Statuten für Kassen, welche zu einer solchen Be­deutung heranwachsen können, doppelt vorsichtig zu Werke gehen muß, liegt nahe.

Aus alle dem geht wohl zur Genüge hervor, daß die Mahnung, sich recht­zeitig und eingehend mit der Sache zu beschäftigen, vollständige Begründung findet.

Politische Uebersicht.

Gießen, 5. October.

Der Kaiser hat an den commandirenden General des 11. Armee-Corps, v. Schlotheim, eine Cabinetsordre erlassen, in welcher der oberste Kriegs­herr seine außerordentliche Zufriedenheit mit dem Zustande der Truppen aus- iplicht. Zugleich ist dem General das Großkreuz des Rothen Adler-Oroens mit Eichenlaub verliehen worden.

Die verhältnißmäßige Ruhe, welche in unserer innern Politik dem Schluffe der außerordentlichen Reichstags-Session eingetreten ist, dauert ycch an und dürste wohl erst der im November zu erwartende Wiederzusammen- tritt des preußischen Landtages wieder eine lebhaftere Bewegung in den Gang der politischen Geschäfte bringen. Was das kirchenpolitische Gebiet anbelangt, jo waren auf demselben in der jüngsten Zeit verschiedene sensationelle Gerüchte in, Umlauf, von denen sich aber keines bestätigt hat. Zu denselben gehörte ach die Nachricht, daß der abgesetzte Erzbischof von Posen, Ledochowski, auf jein früheres Bisthum förmlich Verzicht geleistet habe, welches Gerücht von dem Myer Poznanski", welcher in nahen Beziehungen zum Grafen Ledochowski sch, jetzt entschieden dementirt wird.

Aus Metz kommt die interessante Nachricht, daß der Reichs- tazs-Abgemdnete für diese Stadt, Herr Antoine, unter der Anklage des Luidesverraths verhaftet worden ist. Bekanntlich ist vor Kurzem die Corre- Wdenz des Herrn Antoine mit dem Reichstags-Abgeordneten für Straßburg, wrn Kable, von derNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht worden und diese Cmespondenz läßt allerdings die Gesinnungen Herrn Antoine's gegenüber der duschen Regierung in einem so bedenklichen Lichte erscheinen, daß seine Ver­haftung gerade nicht überraschen kann.

In Oesterreich ist die kroatische Frage mit der Eröffnung des- ungarischen Reichstages wieder in lebhafteren Fluß gekommen, denn derselbe sich wohl oder übel mit dieser heikeln Angelegenheit befassen. Am Mitt- Wch, den 3. October, wollte denn auch der ungarische Ministerpräsident, Herr Tisza, mündlich im Reichstage über den Stand der kroatischen Frage berichten und einen Beschluß des Hauses in derselben herbeisühren. Den kroatischen ^geordneten gegenüber hat Herr Tisza bereits bemerkt, daß er von der Legis­lative diejenige Vollmacht verlangen werde, welche eine befriedigende Lösung der Mppensrage herbeizuführen im Stande sei, er werde sich für Wappen ohne Abschrift aussprechen. Auch die Beseitigung des Ausnahme-Zustandes in Kroatien stellte der Ministerpräsident in nahe Aussicht; die Theilnahme der kmtischen Abgeordneten an den Verhandlungen des Reichstages über die Wappenfrage überließ er der Entscheidung der Abgeordneten. Es scheint dem­nach, daß man in Pesth gesonnen ist, den Kroaten gegenüber einzulenken und es bleibt unter den obwaltenden Umständen der ungarischen Regierung auch nichts weiter übrig.

Die scandalösen Vorgänge, welche den Einzug des Königs von Spanien in Paris begleiteten, bilden selbstverständlich in Frankreich das Tages­gespräch und werden noch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus lebhaft erörtert. Alle ruhigen und besonnen denkenden Franzosen beklagen und verur­teilen die dem spanischen Herrscher zugesügten Beleidigungen und billigen es, daß der Präsident sich zu dem für die französische Nation so demüthigenden Schritte bequemte, König Alfonso wegen der gegen ihn gerichteten Demonstra­tionen um Verzeihung zu bitten. In gewissen republikanischen Kreisen bemüht man sich in auffälliger Weise, Herrn Gr6vy für die vorgekommenen Scandalosa verantwortlich zu machen; allerdings mögen gewisse Jntriguen in der Umgebung Präsidenten hierbei ihr Spiel getrieben haben, doch das Oberhaupt der Republik selbst mit den unqualicirbaren Demonstrationen gegen König Alfonso m Verbindung zu bringen, heißt entschieden zu weit gegangen. Die ganze An- Ogenheit hat zu wiederholten Berathungen im Schooße des französischen Ministeriums geführt; auch sind Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritte mehrerer Minister im Umlauf. Es heißt, sofort nach der Eröffnung der Kam- I

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