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«Jtr. 103. Erstes Blatt. Sonntag den 6. Mai 1^88.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau r Schulstraße 7.
, R __ . c PreLS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. trdt Bringerlohn.
Erscheint lägttch mrt Ausnahme des MSAlagst. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.
Amtlicher Hyeil.
Bekanntmachung.
Gefunden: 3 Taschenmesser. 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 Stock, 1 Feuerschippe, 1 Handbeil, 1 Laterne, 1 Katechismus, 1 Quaste, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.
Zugelaufen: 1 kleiner weißer Spitzhund.
Gießen, den 5. Mai 1883. Großherzoglrches Poüzeramt Gießen.
Darmstadt, 4. Mai. Ihre Königs. Hoheit die Frau Prinzessin Karl und Se. Großh. Hoheit der Prinz Wilhelm sind heute Vormittag zu achttägigem Besuche bei Ihrer Majestät der Königin-Mutter von Bayern nach Hohenschwangau abgereist._________________________
Telegraphische Depeschen.
Wolffs lelegr. Correspondenz-Brrreau.
Berlin, 4. Mai. Abgeordnetenhaus. Zur Berathung kamen die Petitionen der Krefelder Stadtverordneten und Bürger, betr. die Umwandlung der dortigen Simultanschulen in confessionelle, resp. die Erhaltung paritätischer Schulen. Seyffarth befürwortete die Ueberweisung der Petitionen an die Regierung und warf dem Cultusminister vor, daß die Entsimultanisirung unter seinem Vorwissen ohne zwingenden Grund stattgefunden habe. Stroffer rechtfertigte das Verfahren des Ministers. Löwe (Bochum) hielt ohne vorheriges Benehmen mit der städtischen Behörde die decretirte Aufhebung der Simultanschulen ebenfalls für ungerechtfertigt. Rach seiner Meinung trage das Verhalten des Ministers nicht zur Förderung des kirchlichen Friedens bei. Der Cultusminister bedauerte das Hineinziehen der Politik, speciell die Kirchenpolitik in die Angelegenheit und wies auf die Störungen und Beunruhigungen in Gemeinden mit paritätischen Schulen hin. Jedenfalls sei es besser, daß die Regierung das Odium der Maßregel auf sich genommen, als daß man erst durch neue Kämpfe in der Commune selbst zur Aufhebung confessionslojer Schulen gelange. Fortsetzung heute Abend um 7 Uhr.
— Reichstag. Um halb 1 Uhr wurde mit der Berathung des Restes der Gewerbe-Novelle begonnen, um halb 2 Uhr aber das Haus wegen Beschlußunfähigkeit wieder geschlossen. Bei der Wiedereröffnung der Sitzung um 21/4 Ühr beantragte Dirichlet sofort Vertagung der Sitzung, weil der Geschäftsordnung entgegen den Mitgliedern keine Geschäftsordnung zugesandt worden sei. v. Minnigerode gab den Liberalen anheim, ob das die richtige Art sei, die Geschäfte des Landes zu führen. Das sei eine unnöthige Verzögerung. An der j Geschäftsordnungs-Debatte beteiligten sich Windthorst, Dirichlet, Minnigerode und Richter (Hagen). Der Vertagungs-Antrag wurde abgelehnt, aber sofort von Richter (Hagen) unter Bezweiflung der Beschlußfähigkeit des Hauses erneut, ; so daß der Namensaufruf erfolgte. Die Auszählung ergab nur 185 An- ! wesende. Nächste Sitzung morgen Mittag um 1 Uhr (Etat).
— Nach dem Ministerial-Rescripte, welches zusammen mit der Cabinets- Ordre über die Auflösung der Stadtverordneten-Versammlung dem Magistrate zuging, giebt die vom Magistrate projectirte Neueintheilung der Wahlbezirke zu keinem Bedenken Anlaß und soll definitiv festgestellt werden, damit die Wähler- Liste rechtzeitig öffentlich ausgelegt werden kann. Für die Wahlen, welche im Lauf des Novembers d. Js. stattfinden, gelten die bestehenden Vorschriften; die Thätigkeit der jetzigen Stadtverordneten dauert bis Jahresschluß.
Dublin, 4. Mai. Lawrence und Hanlon wurden des Mordversuchs gegen den Geschworenen Field schuldig befunden und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.
New-Aork, 4. Mai. Eine Meldung des „Newyork-Herald" aus Washington besagt, es w<rde keinem Auslieferungsgesuche Englands stattgegeben werden, wenn das Beweismaierial nur eine Verschwörung in Amerika zur Ausübung eines Mordes m England darthue. Bei allen auf die Auslieferung von angeblichen Mördern gerichteten Gesuchen werde die Unionsregierung ferner die Vorlegung der Anklageakte, unterstützt durch die die Anklage begründenden Zeugenaussagen, verlangen und es werde keinem Auslieferungsantrage Folge gegeben werden, wenn die nach dem Auslieferungsvertrage erforderlichen Beweise keine folgerichtigen sein sollten.
Lokale-.
Gießen, 5. Mai. Tagesordnung für die außerordentliche Stadtoerordneten- Sitzung am Montag den 7. Mai 1883, Nachmittags 4 Uhr.
1. Wahl der Mitglieder der Einschätzungs-Commission für die allgemeine Einkommensteuer.
2. Wirthschaftsplan für die Gießener Stadtwaldungen pro 1884.
3. Oetrotrückoergütung für ausgeführtes Bier.
4. Die Holzversteigerung vom 30. April b. I.
5. Die Anschaffung eines neuen Gießfasses.
6. Die öffentlichen Aborte bett'.
7. Gesuch des Wirths Ludwig Schmidt I. dahier um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.
8. Gesuch des Konrad Jung dahier um Bauerlaubniß.
9. Kostendecreturen.
Gießen, 5. Mai. fConcert-Verein.) Das Kölner Quartett des Herrn R. Heckmann, welches in dem fünften Concerte, den 6. Mai, auftritt, bietet einen würdigen Ersatz für das aufgelöste Florentiner Quartett des Herrn Jean Becker. Wir erzeigen vielleicht denjenigen Besuchern des Concertes. welche weniger mit den neueren Begebenheiten der musikalischen Welt vertraut sind, einen Dienst, wenn wir nachfolgende Zeilen aus den Berichten eines bedeutenden Kritikers wtedergeben:
Heckmann belebt die formal vollendete Darstellung durch reiche und charakte
ristische Farben. Er und seine Genossen gehen zur gehörigen Zeit — wie man zu'sagen pflegt, — auch gehörig ins Zeug. Die vollen und mächtigen Töne dringen ebenso warm ans Herz wie sie aus warm empfindendem Herzen kommen. Wie die Spieler mit L- tb und Seele bei ihrer Aufgabe sind, so rotrb auch der Zuhörer von dem künstlerischen Feuer ersaßt und durchglüht, daß alle seine Gedanken sich nur auf den einen Punkt concentttten, der eben zum vollen Genießen erforderlich ist. Wir dürfen sagen, nach wenigen Takten ist die Aufmerksamkeit desPublikums gefesselt; es vergißt, daß es vor einer Aufführung steht, die besonders musikalische Kenntnisse erfordert, es folgt dieser Kammermusik mit demselben Interesse, das es jeder musikalischen Aufführung entgegenbringt — und dadurch gerade erzielt Heckmann feine Triumphe auf dem Gebiete der Kammermusik, die Jedem, der Gelegenheit gehabt hat, Heckmann's Quartett zu hören, in unvergeßlicher Erinnerung bleiben.
— Einem hiesigen Schmiedemeifter wurden in letzter Zeit verschiedene Werkzeuz- und Etsenstücke entwendet. Als Thäter wurden zwei 12 bezw. 13 Jahre alte Mädchen ermittelt. Dieselben hatten gelegentlich des Wasterholens aus der betr. Hofraithe d>e Eisenstücke in die Gießkanne in das Wasser gelegt und fortgebracht, das gestohlene Eifen dann später verkauft und den Erlös auf dem Caroussel verfahren.
— Ein junger Mensch, welcher dringend verdächtig, m vergangener Nacht einem Fremden, der bei ihm schlief, ca. 13 JL entwendet zu haben, wurde verhaftet.
Verwischtes.
Nü d e s h e i m. Die Vollendung der decoratioen Theile des „National-Denkmals" erfordert noch so viel Zeit und mühevolle Arbeit, daß von den zum 8. Octoder projectirt gewesenen Emhüllungsfeierlichkeiten für dieses Jahr abgesehen werden soll und dieselbln für Anfang Mai 1884 in Aussicht genommen sind. Die provisorische Fertigstellung fci* Qctobcr d. I. wäre nach dem Urtheile der betheiliglen Techniker nicht ohne große Ue'berstürzung der Arbeiten möglich gewesen und dürfte auch im Hinblick auf die Jahreszeit die Verlegung der Festlichkeiten in den Monat Ma». 1884 allerseits freudig begrüßt werden- (Rh. A.)
Köln, 3. Mat. Gestern Abend gegen 10 Uhr spielte sich in der Johannisstraße eine aufregende Scene ab. Ern in besagter Straße wohnhafter junger Mann stand cn einer dortigen Hausthür, er schien Jemanden zu erwarten; da kam die Tochter des Hauses von einem Besuche der ihr gegenüber wohnenden Freundin zurück. Der junge Mann gab soiort mehrere Schüsse aus einem Revolver auf sie ab, ohne sie jedoch zu treffen. Auf das Geschrei des Mädchens sprang ein Herr hinzu und ergriff den Ver, bracher von hinten, um ihm den Revolver zu entreißen, was ihm aber nicht gelang. Der junge Mensch wandte nunmehr die Waffe gegen sich selbst und jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Er sank sofort tobt zu Boden. Das Mädchen wurde ohnmächtig in die elterliche Wohnung gebracht. Der Revolver enthielt noch zwei scharfe Schüsse. Die Leiche des Selbstmörders wurde auf einem Karren weggeschafft. Verschmähte Liebe soll die Veranlassung zu der unseligen That gewesen fein.
— sNeue Goldfunde in Alaskas Aus dem Territorium Alaska, früher Russisch- Amerika, sind, rote der „Allg. Ztg." geschrieben wird, Nachrichten etngetvoffen, welche in ganz Nordamerika ungeheures Aufsehen gemacht haben. Einige kürzlich in Sitka, der Hauptstadt des Landes, aus der Union angekommene Bergleute haben einige Meilen östlich von der Stadt Gold gefunden. Das Gold ist mit Quarz gemischt und leicht zu gewinnen. In Folge dieser Nachricht eilen zahlreiche Goldsucher aus allen Theilen des Festlandes nach Alaska. Die namhaftesten Kaufleute von San Francisco, welche mit Siika in Handelsverbindung stehen, beschlossen, das ganze Gebiet südlich vom St. Eliasberg zu durchforschen, und wenn dasselbe sich als werthvoll erweisen würde, cs in der am geeignetsten erscheinenden Weise dem Verkehr zugänglich zu
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Mecklenburger
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— sButterpreise seit 150 Jahren.j Aus einer von dem Buttermakler Fick m Hamburg verfaßten, interessanten graphtschen Darstellung der P^se für sch esw g- holsteinische Exportbutter sen 150 Jahren, von 1736 anfangend, gibt das „Schleswto- Holstein sche laadwirthschaftliche Wochenblatt" nachstehend — h,p Tlnrflu
fchnittspreise pro Centner von 10 zu 10 Jahren wieder.
probucirt wird. . «rejbe (m Mehl nachzuweisen, verfahrt
fduferaf eher ober langsam 39 6 bQ§ reine Mehl vollständig ober doch
fnVn^ ?nnffChnft fiib kein Satz^m Gefäß bilbet, währenb Schwerspat, Gyps und Sand so weit aus, daß- sich> re nn e und hier leicht erkannt werden können. Bei
lloÄmfein von Mlenfaurem Kalk (Kreide) schäumt ble Flüssigkeit, sobald man Ci0I^?D n,e „lih h.»r entflebenbe @i)P§ scheibet sich nach unb nach am Boben des GeMes"ab^ ^m Äehl^könnien in ber^ Weise 2 Pro. »Uges-tzt-r Mineral,toff-mit S'ckerb-it erkannt werden. Bet sehr langsamem Etngtkßen bet toaurc bleibt bte 8lültlg= Mt faft farblos, bei rascherem Eingtetzen ber Saure wird sie braunschwarz. In letzterem
Centner für bie Jabre ---- 1780-89 53
1750—59 37 " 1800-09 93 „ 1850-59 88,2 „ H°sbutter.
1760-69 49 „ 1810-19 80 „ 1860-69 109,8 „ IM,6
17™0~ukl4gebt au/8ottg“tVufan™enfXß ^ar hervor, b-meMht-r^b^fle. wtrthschchtt"'w-MgstenS M Bezug°aus Butterpretse keinen Grund> haben über^s»l-cht- Pretse zu fiagen. «et der Annahme von einem “°2Äb


