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unversöhnlichen Feinde dieses Generals die Oberhand gewinnen sollten. Es handelt sich dabei um die Leitung der Herbstmanöver, bei denen Galliffet eine besonders hervorragende Rolle spielen sollte. Zunächst nämlich sollte er die Hebungen seines eigenen (12.) Armee»Corps, dessen Verstärkung durch eine Kavallerie-Brigade vorgesehen war, cottnnandiren, sodann drei große Kavallerie- Manüoer, zu denen je zwei Kavallerie-Divisionen commandirt werden sollten, und schließlich war ihm eine große Uebungsreise übertragen worden, der 21 Ge­neräle und über 100 andere Officiere beiwohnen sollten. Da Galliffet nun bei den Communisten auf's Aeußerste verhaßt ist, schlugen diese sofort Lärm und thaten, als ob Galliffet eine ganz ungeheure Militärmacht anvertraut würde, mit der er ohne weiteres gegen Paris und die Republik marschiren könnte. Gleichzeitig wurde diese Gelegenheit benutzt, um den längst verhaßten Generalstab anzugreifen, der, wie dieJustice" undLanterne" behaupten, die betr. Decrete dem Kriegsminister zur Unterschrift vorgelegt haben soll, ohne ihn mit dem In­halt derselben bekannt zu machen. Das WortVerräther" wird dabei ohne weiteret auf die Generalstabs-Officiere angewandt und Thibaudin ausgefordert, den ganzen Generalstab aufzulösen und neue, republikanische Officiere zu seinem Dienst zu berufen. Wenn dieJustice" recht hat, hat Thibaudin auch bereits die betr. Decrete widerrufen und das Vaterland von Neuem gerettet. Die Politik hält aber immer mehr Einzug auch in die rein militärischen Erwägun­gen , sicher nicht zu Gunsten der HeereS-Einrichtungen der französischen Republik.

England.

London, 29. März. Fast jeder Tag bringt eine neue Dynamitverschwörung. Gestern entdeckte die Pol'zet in Liverpool einen Mann, der mit einem Packet unter dem Arme von einem Dampfer aus Cork stieg. Da im Allgemeinen alle Ankömmlinge aus Irland der Polizei verdächtig sind, ward dieser seines Packeis und seiner ganz besonders sorglosen Miene wegen genau auf's Korn genommen und auf's Polizetamt geführt, wo denn sein Packet als Inhalt zwei der gefährlichen Höllenmaschinen zeigte; und diese Maschinen waren dazu noch vollständig geladen, so daß es nur der Abfeuerung be­durfte, um eine Explosion hervorzurufen, welche der gegen das Lokalverwaltungsamt gerichteten wenigstens gleichkäme. Jede der Maschinen befand sich m einem Zinn­korbe und enthält Sägemehl, vermischt mit Nitroglycerin. Der Träger dieser Maschinen ist ein junger Bursch irischer Abkunft. Eine in seiner Tasche gefundene Adresse führte zur Verhaftung eines zweiten, fast ebenso jungen Iren, der als Bremser bei der Nord- weftbahn seit drei Jahren angestellt war. Dieser gehörte, wie die Polizei erklärte, schon lange einer geheimen Gesellschaft an und unter seinen Habseligkeiten entdeckte man einen Revolver, ziemlich viel Schießbedarf und einen falschen Bart. Das Ministerium des Innern hat übrigens die Beweise in den Händen, daß diese Maschinen zur Spreng­ung zweier bestimmter Regierungsgebäude in Liverpool und Manchester vorgeseben waren. Viel Aufsehen macht dieser Fang hier nicht, denn das Publikum gewöhnt sich allmählich an diese Schrecknisse, und das ist ein Glück. Was für ein Höllenleben sollten sonst z. B. die Beamten des Generalpostamts führen, Denen vor Kurzem durch geheime Briefe angedeutet wurde, daß das Post- nnb Telegraphenamt in Die Luft ge­sprengt würde, wenn die Phönixparkmörder nicht bald freigegeben würden. Doch werden außerordentliche Vorsichtsmaßregeln für die Sicherstellung der Regierungs­gebäude getroffen. Das Parlament gedachte man Anfangs mit einer militärischen Schutzwache zu umgeben: da indessen der Sprecher dagegen Einwände erhob, so blieb man bei den Polizisten, stellte deren aber eine solche Menge auf, daß Niemand in Westminster eintreten kann, ohne von wenigstens zwei Schutzleuten bemerkt zu werden. Zum Schirme der Minister, welche Downing Street bewohnen, ist der Verbindungs­weg zwischen dieser Straße und den Horte Guards von Abends 6 Uhr ab geschlossen Selbstverständlich wird Gladstone beständig von einem Polizisten in Stoll begleitet. Dasselbe geschah schon bei Lord Beaconsfield während dessen Premierschaft.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenr»Bureau.

Berlin, 2. April. DerReichs-Anz." veröffentlicht die Ernennung des Kammergerichts-Präsidenten Meyer zum Wirkt. Geh. Rath mit dem Prädikate Excellenz, ferner die Gesetze über die Aushebung der beiden untersten Stufen der Klaffensteuer, über die Feststellung des Staatshaushalts-Etats und des Anleihegesetzes.

Stralsund, 2. April. Rach dem amtlichen Wahlresultat erhielt bei der Reichstagswahl im Wahlkreise Stralsund-Rügen Kaufmann Samm i Fort­schritt) 8491 St., Graf Bchr-Negendank (cons.) 7947 St. Ersterer ist somit gewählt.

London, 2. April. Wie dieSt. James-Gazette" meldet, tjabeii kürz­lich Fenier und andere irländische Verschwörer Packete mit Wäsche, welche von Pocken- oder Fieberkranken inficirt waren, an die Gemahlinnen verschiedener Minister gesandt.

Pari-, 1. April. Nach hier eingegangener Meldung hat in dem Hüt­tenwerke von Marnaval bei St. Dizier (Haute-Marne) eine Kessel-Explosion stattgesunden, durch welche 26 Personen getödtet, 38 verwundet wurden.

Paris, 2. April. Die Zahl der bei der Kessel-Explosion in Marnaval verunglückten Personen stellt sich nach weiteren Ermittelungen aus 96, darunter 31 Todte. Von den Verletztet, dürsten noch mehrere ihren Wunden erliegen

Lokale».

Gteken, 3. April. Schwurgerlchtsvcrhandlung vom 2. April l flgen 1) Johannes Wols II. Ehefrau von Burgbracht, 2) Konrad Wolf, ledig, von da wegen Meineids.

Beide Angeklagte waren beschuldigt:

daß sie vor einer zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, nämlich dem Großh. Schöffengericht zu Büdingen, am 11. September 1882 in der Straf­sache gegen den Maurer Wilhelm Jost und Landwirth Heinrich Jost I. von Burgbracht wegen Körperverletzung den vor ihrer Vernehmung aeletfteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugntß verletzten.

Die Geschworenen hielten sich jedoch von der Schuld der beiden Angeklagten nicht für überzeugt und sprachen daher dasNichtschuldig" aus, worauf dieselben von Strafe und Kosten freigesp.ochen wurden.

Gießen, 3. April. sWilhelmj-Eoncert.) In den nächsten Tagen steht unserer Stavt ein musikalisches Ereigniß bevor, welches sicher!.ch von allen Freunden der Musik mit Enthusiasmus begrüßt werden dürfte. Ern König der Geiger, oder wie ihn Franz Liszt nennt:Der deutsche Paganinl" wird fein bezauberndes macht­volles Spiel erklingen lassen und das Publikum sicherlich in Schaaren heranziehen. Wir sprechen von Herrn Professor August Wilhelmj, dessen Namen wohl die ganze gebildete Welt kennt. Nachdem er von seiner großen Reise, die mit Recht eine Reise um d e W lt genannt wird, wieder zurückgekchlt ist, concertirt er seit Januar dieses Jahres in Europa; zuerst in seinem Vaterlande, dem er trotz der verlockendsten Ein­ladungen nach dem Auslande vor allen Dingen seine schöne Kunst widmen will. Die Wilhelmj Eoncerte gestalten sich natürlich zu einer wahren Triumphfahrt, denn überall wo der Meister auftritt, wird er mit Ovationen förmlich überschüttet. Daß er auch unterer Stadt seine Gegenwart auf einige Stunden schenken will, wird ihm jedenfalls unh oLfV bAt besetztes Haus und den aufrichtigsten Dank aller Gönner WUb?lntt"n^n^ cbIen ^^Ünsp-els emtragen. Es bleibt noch zu erwähnen, daß Herr accompl>än!?"w!rd! vorzüglichen Partner aus dem Piano, Herrn Rudolph Niemann, _____ ®ic6tw' 3' Avril. Heute Nacht wurde aus Sialion Haiger der Deutz-Gießener

Bahn der Bremser Veith von Klein-Linden von einem erfahrenden Güterzuge über­fahren und sofort getödtet. Dem Verunglückten, Vater mehrerer Kinder, wurde von Den Rädern der Unterleib durchschnitten.

Heute Vormittag 10 Uhr wurde auf der Grünberger Straße ein hiesiger Einwohner durch ein schweres Fuhrwerk überfahren. Mit zerbrochenen Beinen wurde der Unglückliche nach der Klinik verbracht.

Zur Verherrlichung der Eontrolversammlung prügelten sich gestern Nach­mittag eine Anzahl Reservisten von Oppenrod, Burkhardsfelden und Annerod im Schützenhof" derart, daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte.

Verwischtes.

Darmstadt, 28. März. sPostpersonalnachrichtenJ 1. Ernannt sind der Ober-Postsecretair Möller in Alzey zum Postbirector, der Ober-Postdirecttonssicretatr Meuskens in Mainz zum Postkassirer und der Postsecretatr Schulz tn Gießen zum Ober-Postseccetair.

2. Angestellt sind die Postassistenten Altoater und Keßler in Darmstadt, Klöppinger in Mainz und Hoffmann in Worms.

3. Versetzt sind der Postmeister Schmitz von Gladenbach nach Oppenheim, der Postmeister Schmidt von Grünberg (Hessen) nach Halle (Saale) und die Postsecretatre Kriegbaum und Seelgen von Darmstadt nach Saargemünd bz. Lüdenscheid behufs Uebernahme von Ober.Postsecretatrstellen; die Postsecretaire Lipke von Bensheim nach Gladenbach und Ubrich von Gießen nach Grünberg (Hessen) behufs Uebernahme von Postmeisterstellen; die Postsecretaire Bocksch von Oppenheim nach Alzey, Hahn von Alzey nach Marnz und Jllcrt von Frankfurt (Main) nach Darmstadt; der Postassistent Keller von Offenbach (Main) nach Konstanz behufs Uebernahme einer Bureau- assistentenstelle.

4. In den Ruhestand getreten ist der Postmeister Aull in Oppenheim (jetziger Wohnort Mainz).

5. Gestorben sind der Postsecretair Kunckel von Löwenstern in Darmstadt und der Postsecretair a. D._ Sona in Mainz.

Trier, 31. März. Die Dienstmagd Htlsamer aus Köln, welche 1877 von der Zuchtpolizeikammer in Trier wegen Diebstahls zu drei Monaten Gefängniß verurthetlt wurde und die Strafe damals abbüßte, wurde heute von der Strafkammer für nicht- schuldig erklärt und freigesprochen.

Frankfurt, 29. März. In einer Wirthschaft in der Sgaffe rühmte sich vor­gestern ein junger Mensch in Gegenwart mehrerer Freunde und seines künftigen Schwiegervaters, daß er innerhalb einer Stunde 4 Roastbeefs, wovon jedes gebraten 1 Pfund wiegen solle, und 30 Eier essen wolle. Sein Schwiegervater rieth ihm ab, die anderen aber hetzten, bis es schließlich zur Wette kam. Punkt halb 9 Uhr begann er mit dem ersten Roastbeef und 5 Minuten vor 9 Uhr war er mit allen 4 fertig. Nun ging es an die (Sier. Zuerst ec von den 30 Stück das Weiße, bann schüttete er über den Dotter Essig und Oel und in einer Viertelstunde hatte er auch das verzehrt- Dazu trank er noch 2 Schoppen Aepfelwein. Er hatte die Wette gewonnen, damit aber auch seine Braut verloren, benn ber Schwiegervater erklärte, wer so leichtsinnig seine Gesundheit aufs Spiel setze, könne nicht seine Tochter bekommen. Mit diesen Worten verließ er den verblüfft dasitzenden Bläuttgam.

sVacante Stellen für Militäranwärter im Bereich des 11. Armeecorps.j Brandoberndors. Postagentur, Landbriefträger, 600 Gehalt jährlich. Cassel, Postamt, Briefträger, 980 Gehalt. Dillenburg, Postamt, Landbriefträger, 648 J4 Gehalt- Eisenach, Bahnpost Nr. 6, Postschaffner, 944 «X Gehalt- Frankfurt a. M-, Postamt!., 2 Briefträger je 1040 JL jährlich Frankiurt a. M , Telegraphenamt, Briefträger, 1040 JL jährlich. Fredeburg, Polizeiamt, Polizeidiener, 800 Gehalt. Gerstungen, Postamt III, Landbriefträger, 540 JL Gehalt. GothaLandrathsamt, Wegewart, 1,50 täglich. Hachenburg, Postamt, Postschaffner, 860 Gehalt jährlich. Rabolds­hausen, Postagentur, Landbriefträger, 510 Gehalt jährlich. Siegen, Amtsgericht, Lohnschreiber, 47 Pf. pro Seite. Weilburg, Unteroffizier-Vorschule, Casernenwärter, 600 und freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung. Wetzlar, Postamt, Landbries- träger, 612 jährlich. Wiesbaden, Postamt, Stadtpostbote, 930 Gehalt-

Eingesandt.

Die Erbauung von Schulhäusern hat in den letzten z hn Jahren fast in allen größeren Städten sehr große Opfer gefordert. Gießen kann sich in dieser Beziehung als tn gleicher Lage befindend namentlich neben Darmstadt stellen. Dort und hier ist gebaut worden und muß noch gebaut werden. Dort und hier ist die Platzfrage es, welche die Gemüther erregt. Während in Darmstadt in Volksversammlungen, m der Presse das pro und contra erörtert wird, ist b<r Gießener Pnblicus verträglicher, er raisonirt beim Bier und glaubt, sich in das Unabänderliche fügen zu müssen. Auch Ein- '^ber dieses ist weit entfernt, mit diesen Z.-ilen an dem Beschlüsse des Stadlraths, die neue Mädchenschule auf die frühere Schanze tn ber Westanlage zu erbauen, nur nörgeln ju wollen Er glaubt vielmehr, baß die von bem größten Theil ber Bewohner unserer ©tabt geäußerten Bebenken auch öffentlich sollten genannt werben- Für bic Erbauung ber Mädchenschule wird ber sehr triftige Grunb geltenb gemacht:Wir haben ja ben Platz, was brauchen wir einen anbern zu kaufen!?" Einen anberen Grunb habe ich noch niemals gehört

Gegen ben Platz machen sich verschiedene Bedenken vernehmlich: 1) Es ist zweifellos, daß für ben Neubau einer Schule ein vom Hauptverkehr abseits gelegener Platz der zweckmäßigste ist. Die Lage des in Rede steh nden, durch b.n fortwährende« Verkehr der Eisen- und Kalk Fuhrwerke, durch die sich alle 14 Tage wiederholenden mehrtägigen Marktviehtransporte (die sich gerade an dieser Stelle recht bemerkbar machen), muß aber um so mehr als sehr ungünstig bezeichnet werden, als das unaus­gesetzte Rangtren und Pfeifen ber nahen Bahn bas Maß noch voll machen würde, wenn die anderen Gründe nicht schon an und für sich triftig genug wären. 2) Das Gesundheitsamt soll sich nicht günstig für ben Platz ausgesprochen Haden- Es gehört bahcr ein sehr großer Muth bazu, wenn bie Mehrheit unserer Stadtverorbneten trotz bes Wtbe^pruchs brr Behörden, des schon angeführten Gesundheitsamtes, auf dem gefaßten Beschlüsse beharren sollte. Wie, wenn in bem zu errtchtenben Gebäude Krank- heiten ausbrechen sollten? Hat Gießen nicht alle Ursache, ben vorliegenden Bedenken und Warnungen Rechnung zu tragen ? 3) Der Platz ist zu kostspielig. Daß er

Stadt ist, darf doch nicht so sehr in's Gewicht fallen, wie es hier geschieht. Der Werth eines Platzes hängt bekanntlich von seiner Lage ab. Warum e nen sehr theuren nehmen, der noch -dazu ungeeignet ist? Ist sonst keiner zu haben? Außer dem sehr hohen Werthe des projectirten bars aber gewiß u'cht außer Acht ge- lassen werben: a bie UebertDölbung bes Stabtbachs auf zwei größeren Strecken mit ^Ätenaufwanb von 12- bis 15000 Jt, b. die Arronbirung des Platzes, dezm. Gelaube-Erwerb, c. bie kostspielige Facabe, welche burch bie Lage an einer Straße be­dingt wird, d. bie äußerst kostspielige Einzäunung. °

h,r bteft Zeilen Veranlassung geben zu weiteren objectiven Besprechunge»

der Sache, bann haben sie ihren Zweck erreicht, bann glaubt der Etnsenber ben (Start' oerorbneten unb bem Publikum einen Dienst erzeigt zu haben ° °

Kandel und Serfebt.

u 1 3-,April. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund

erbfen0perBc?2§^^I^CtFiÄ?n^5UCf916'^7 A' Stück 5-9 H, Käsematte 3

\ nn i t eit 25 A Tauben per Paar JL 0.801.10, Hühner per §tu. 1.00:140, Hahnen per Stuck 1.201.50, Enten per Stück 22 50

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