Mittwoch den 3. October
Nr. 229*
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Bureau: Schul straße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Inwieweit sich diese Hoffnung erfüllt, werden die
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Donnerstag stattgefundenen Versammlung ihr vollstes Vertrauen ausgedrückt. (7 Der rumänische Ministerpräsident Bratiano ist am Freitag von Wien nach ; mifAVAÜ. ..... in.
und ein gi'W t cthen.
W. Leuling.
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yi. _______aufzunehmenden Ausgleichs-Verhandlungen zeigen. Die Stellung
Cabinets Tisza selbst ist durch die Ereignisse in Kroatien nicht im Mindern alterirt worden und hat die liberale Partei demselben in einer gleichfalls
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohu.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Dar von ihrem Entschlüsse, den Reichstags-Verhandlungen einstweilen fernzu- g bleiben, wieder zurückgekommen, aber sie sind doch in Pesth in der aus- ^sprochenen Hoffnung erschienen, für ihre nationalen Aspirationen neue Zuge-
! großen Wiener Blätter, wie „Fremdenblatt", „Deutsche Zeitung", „Wiener ‘ Mg. Zeitung" u. s. w. feiern die Enthüllung des Germania-Standbildes in I warmen Worten und heben hierbei übereinstimmend hervor, daß Deutschland I mr den Frieden wolle und das schönste Lob (wie die „Deutsche Zeitung" sagt), ! welches man dem deutschen Volke am Tage feiner großen Siegesfeier nachrüh- M könne, sei, daß es niemals feine Macht gemißbraucht habe. — Die am I Donnerstag erfolgte Eröffnung des ungarischen Reichstages hat die kroatische I wieder in den Vordergrund gerückt. Die kroatischen Abgeordneten sind
_ hl der agrarischen und sonstigen Ausschreitungen in Irland in bedrohlicher Weise zu. In der Grafschaft Mayo wurde am Donners- $^enb der Gutsbesitzer Crotty meuchlings erschossen und zu derselben Zeit
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griffen Orangisten — die Mitglieder der politische Zwecke verfolgenden protestantischen Vereine Irlands — den Abg. O'Connor im Bahnhofe Portadown an; indessen entkam O'Connor. Das Gerücht, daß sogar auf Parnell ein Attentat gemacht worden sei, hat sich jedoch als unbegründet herausgestellt.
Die Abreise der am Kopenhagener Hofe versammelten fremden Fürstlichkeiten verzögert sich in auffälliger Weise. Zuerst sollte die Abreise am 25., dann am 29. September und endlich am 2. October erfolgen. Aber auch dieser letztere Termin ist nicht innegehalten worden; die Rückreise des Kaisers von Rußland ist jetzt auf den 11. October verschoben worden und auch der König und die Königin von Griechenland haben ihre Abreise auf unbestimmte Zeit vertagt. Welche Motive diesen fortwährend veränderten Reise-Dispositionen zu Grunde liegen, ist noch unbekannt.
In Serbien fühlen sich jetzt die Radikalen in Folge des Ausganges der Skupschtina-Wahlen als Herren der Situation, wie dies der Vorgang bei der Wahl des provisorischen Präsidenten der Skupschtina zeigt. Bereits haben auch die Radikalen ihr Programm für den Fall ihres Eintrittes in die Regierung fix und fertig, nur haben sie das Unglück, absolut keine Minister-Candi- daten auftreiben zu können. Im Uebrigen scheint die Lage des Cabinets Pirotschanatz nicht allzu kritisch zu sein, König Milan würde sich sonst auf der Heimreise von Homburg nach Belgrad nicht vom Freitag bis zum Montag in Wien aufgehalten haben.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Keutschland.
Darmstadt, 1 Oktober. Seine Königliche Hoheit der Grotzherzog begaben sich geftern 7 Uhr 50 Mtn. in Begleitung des Generalmajors v. Wefterweller
und des Oberstllluttnants v. Herff nach Bingen. Auf dem Bahnhof hortfelbft wurden Seine Königliche Hoheit von dem Kreisrath Spamer, dem Bürgermeister AUmann, dem Gemeinderath und bin Beamten empfangen; dre Krtegervereine und Schützen vereine hatten vor dem Bahnhofe Aufstellung genommen. Darauf fuhren Seine Kgl. Hoheit durch die reich beflaggte und geschmückte Stadt, überall von der Bevölkerung mit jubelndem Zuruf begrüßt, und begaben sich nach dem Bureau der Niederländischen DampfschifffahrtsrGeftllschaft, um von dort aus eine Bootauffahrt zu seben, an welcher die Rudervereine von Mainz, Kreuznach, Mannheim, Worms u. s. w. sich bethetligten und Säue Königliche Hoheit mit Zuruf begrüßten.
Seine Königliche Hoheit nahmen bei dem Kreisrathe das Frühstück ein, zu welchem auch der Bürgermeister und der Beigeordnete Vermont mit Einladungen beehrt waren, und sahen von hier den Festzug der Schützen- und Turnvereine mit historisch-allegorischen Wagen und Aufzügen, um dann hinauf auf den Rochusberg zu fahren, die Festhalle und die Schießstänoe zu besichtigen und endlich noch eine Fahrt auf den Scharlachkopf zu unternehmen. Nach der Rückkehr auf den Festplatz besuchten Seine Königliche Hoheit die Schetbenstände und betraten hierauf die Festhalle, wo mittlerweile der Festzug eingerückt war. Sämmtliche Vereine defil'.rten nochmals vor Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, die Fabnen sammelten sich vor Allerhöchst - demselben nub der erste Schützennuister hielt eine begrüßende Ansprache. Seine Kgl. Hoheit dankten und tränten uur das Wohl der Festgenossen. Die Rückkehr erfolgte mit dem Schnellzug um 5 Uhr Nachmittags.
In Mainz stiegen Seine Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen in den Zug etn, um über hier nach Steiermark zu den vom Kronprinzen Rudolf veranstalteten Jagden zu reifen.
Berlin, 29. September. Nach Bestimmung der Normal-Eichungscommission ist der Forrgeurauch der Erchungsstcmpel mit den Inschriften N. v. B. (im Gebiete des vormaligen No-ddeutschen Bundes), G. H. (Großherzogthum Hessen südlich des Mains) und G. H. B. (im Großherzogthum Baden) über Ende 1884 hinaus nicht weiter gestattet. Die vertieft gravirten kreisrunden Stempel mit hohler Flache (für bombenförmige Gewichte) fallen bei den E'chungsstellen fortan weg.
— Alle Nachrichten und Vermuthungen, welche sich an des Reichskanzlers hiesigen Aufenthalt betreffs Berathungen im Staatsministerium und Bundesrath geknüpft, haben sich als falsch erwiesen, da derselbe Berlin gestern schon wieder verlassen hat.
— Nach einer Meldung der Jnsterburger Volkszeitung steht eine Vermehrung der dortigen Besatzung insofern bevor, als vielleicht schon in nächster Zeit eine bis zwei Batterien dorthin verlegt werden dürften. Auch ist man neuerdings der bereits mehrfach erwogenkn Frage wieder naher getreten, ob nicht der dortige Bahnhof als einer der wichtigsten Knotenpunkte an der Ostgrenze durch Befestigungen zu schützen fein möchte.
— Für Apotheker dürfte e ne Entscheidung des Landgerichts in Münster wichtig sein, wonach bet Uebergang einer concessionirten Apotheke von einem Besitzer auf den andern nur ein Stempel von «A 1.50 zu verwenden ist.
Arankreich.
Paris, 30. September. Die Pariser Bevölkerung hat sich der chauvinistischen französischen Presse vollkommen würdig gezeigt. Bei allen Völkern, selbst den rohesten, ist das Gastrecht heilig; unter allen c.vilisiiten Staaten gebeut das gute Einvernehmen gewisse Grenzen der Höfllchke't und Schicklichkeit gegen ihre Vertreter. Ist die Republik des Herrn Grevy so außer Rand und Band, daß sie den Herrscher eines benachbarten Staates nicht mehr von den Gemeinheiten der Pariser Presse und Bevölkerung schützen kann? Sind die Pariser so verwöhnt und verkommen, daß sie sich von socialiftischen und anderen demagogischen Gesellen zu Unfug benutzen lassen, den das alte Frankreich als einen Schandfleck seiner Ehre und Höflichkeit betrachtet und geahndet haben würde? Wir sprachen lieber mildernd von dem Pariser Pöbel, von der Ueber- raschung der Pariser Polizei und der französischen Regierung; aber dieses alles trifft nicht zu, es hieße der Sachlage einen schiefen Eharakter geben. Grevy wußte, was geplant war, der Polizeipräfect desgleichen; aber dieselbe Polizei, die, wenn sie will, sich Geltung zu verschaffen weiß und ihre Pariser der Neuzeit kennt, ließ es ruhig geschehen, daß sich zum „patriotisch.n" Empfange des „Ulanenkönigs" Tausende von Demonstranten vor dem Rordbahnbofe zusammenballten und Hunderte von Gassenbuben auf den Gittern des Bahnhofs Posto faßten- Das Weitere ließ sich vorhersehen. Wir wollen uns über Grevys Benehmen keine Bemerkung gestalten, auch nicht über den Minister des Auswärtigen, der alles, amtlich und persönlich, hätte aufbieten müssen, um zu verhindern, was man verhindern konnte und mußte. Man überlieft jedoch trotz Polizei und Truppen den König Alfons von Spanien der Lynchjustiz der Parise-, denn man wollte dem Chauvinismus die „patriotische" Genugthuung nicht verkümmern, im „Ulanen-
V”’UI» t.\ ■ dors (nctt.-lib.) und Cronemeyer (Fortschr.) am 28. September stattgefundene fOdjfHf ™ * Stichwahl zum Reichstage hat den Sieg des Letzteren ergeben.
I Die Nationalfeier Deutschlands auf dem Niederwald hat i(n WckiM ’l Ach in den deutschen Kreisen Oesterreichs ein lebhaftes Echo gefunden. Die
politische Ueberficht.
Gießen, 2. October.
Eine Fülle glänzender Bilder hat mit der erhebenden National- teier auf dem Niederwalde ihren gelungenen Abschluß erhalten, Bilder, deren Amtlichen Mittelpunkt immer wieder die ehrwürdige Gestalt unseres greisen lraisers bildete. Von den N^anövern und Festtagen am Strande der Saale an bis zu jenem feierlichen Moment, in w 'chem unter Gegenivart des Kaisers und seiner fürstlichen Gäste am Freitag die Hülle von der hehren Gestalt der „Germania" fiel, des gewaltigen Monumentes deutscher Kraft und deutscher Einigkeit, welches nunmehr von der Höhe des Niederwaldes aus den gesegnetsten deutschen Gau herniederschaut, drängt sich eine Reihe festlicher Ereignisse zusammen, von denen immer eines das andere an Glanz und Bedeutung über* lässt. Auf die Kaifertage von Merseburg folgten die Manöver und die damit verknüpften Festlichkeiten von Homburg, welche durch den großen Kreis deutscher unb außerdeutscher gefürsteter Gäste eine ganz besondere Bedeutung gewannen. Den Tagen von Homburg schloß sich der außerordentlich festliche Empfang, mlcher dem Kaiser in der alten Reichsstadt Frankfurt bereitet wurde, und die siiht minder herzliche Aufnahme, welche der greife Monarch und die ihn begleiten Fürstlichkeiten noch am späten Abend vesselben Tages (27. September) in Wiesbaden fanden, an. Das letzte, aber bedeutungsvollste Glied in dieser Rette festlicher Tage bildete die Niederwaldfeier; indessen auch diese Feier setzte sch aus einer solchen Reihe strahlender Momente zusammen, daß es uns an dieser Stelle unmöglich ist, dieselben alle zusammenzufassen.
Der Glanz der letzten Wochen und Tage gestattet nur einen sliichtigen Blick auf den Stand der innern Politik, worüber allerdings nicht viel sagen ist. Die am vorigen Donnerstag erfolgte Rückkehr des Reichskanzlers Westen Bismarck von seinen Badereisen nach Berlin deutet darauf hin, daß die Berathungen des preußischen Staatsministeriums, denen Fürst Bismarck zu vrüsidiren pflegt und welche der parlamentarischen Herbst- refp. Winter-Campagne iiets vorangehen, in allernächfler Zeit, wahrscheinlich noch in dieser Woche, ihren Anfang nehmen werden. Wie es heißt, ist in den betr. Ressorts bereits eine größere Anzahl der Vorlagen, welche den preußischen Landtag beschästigen mer- j Ni, fertig gestellt.
Die in dem 19. Hannoverischen Wahlkreise zwischen Hotten-
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taareft zurückgereist.
Die Tongkingsrage hat eine recht bedrohliche Gestalt angenommen, IJ? nach einer Depesche des französischen Gesandten in Peking, Tricou, China i ile Vorschläge Frankreichs abgelehnt hat. Diese Meldung läßt eine Verständi- zwischen Frankreich und China fast aussichtslos erfcheinen; außerdem heißt daß China nicht nur das linke Ufer des Rothen Flusses, sondern auch eine yutntfe Zone auf dem rechten Ufer verlange, welche Forderung die französische Egierung nach den Versicherungen Pariser Journale nie beivilligen würbe. J merbeffen ist aber für die Franzosen auf dem asiatischen Kriegsschauplätze in- 11 i™ eine günstige Wendung eingetreten, als die „Schwarzen Flaggen" ihre Mtionen am rechten Ufer des Rothen Flusses vollständig geräumt haben, wie (n rc. ÄE j $ heißt, in Folge der Entschließungen des neuen Königs von Anam, wonach (fr i Wajif'•! den „Schwarzen Flaggen" in Folge des Vertrags mit Frankreich keine ÄDMsidien mehr gewährt. Oberst Bichot hat mitc. zwei Bataillonen Hanoi ver- 1 ■-?!„' um das vom Feinde geräumte C‘ " ‘
Wg i" ; £5nen Befestigungswerke zu zerstören.
-- fiTilWr um das vom Feinde geräumte Gebiet zu recognosciren und die zurück- in v Offenen Befestigungswerke zu zerstören. — Präsident Grövy ist am Freitag
Srpntl üon feinem Sommer-Aufenthalt im Jura zum Empfang des Königs j i ;™fo wieder in Paris eingetroffen. Der Seine-Präfekt Floquet hat nach . Versicherung der „France" feine Demission emgereicht, wahrscheinlich
1 /A ?Iolge der von den Pariser Blättern gegen König Alfonso gerichteten .JM ^Mäh-Artikel.
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