Ausgabe 
3.6.1883 Zweites Blatt
 
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Ettgel, Großh. Gerichtsvollzieher.

Petroleiim-Koihapparate.

Neue Sendungen nut sehr practischen Verbesserungen M getroffen. Garantie ftir vollkommene Geruch- und Gefahr- losigkeit. Aeltere Apparate zu herabgesetzten Preisen. 3371 Th. Haubach, Bahnhosstr. Ur. 40.

Gießen, den 31. Mai 1883.

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Mannhetm, 27. Mat. Auf der Tagesordnung der gestrigen Strafkantmer standen u. A- drei Anklagesachen, welche gegen drei der bedeutendsten Ctgarrensabr'kanten Badens wegen ^Übertretung der Gewerbeordnung gerichtet waren. I. Landfrted in Heidelberg, Gebrüder Marx in Heidelberg und Emil Mayer in Mannheim waren beschuldigt, ihre noch schulpflichtigen Arbeiter über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus beschäftigt zu haben und ebenso die nicht mehr schulpflichtigen jugendlichen Arbeiter. Es scheint dieser Gebrauch in vielen Fabriken eingerissen zu sein und es dürfte die Controle seitens des Fabnkinspectors schon etwas schärfer gehandhabt werden; denn wie die gestrigen Verhandlungen ergeben haben, ist in dieser Hinsicht die Beaufsichtigung eine äußerst laxe. Nach dem Ergebniß der gestrigen Beweiserhebungen wurden die beiden ersten Angeklagten für schuldig erkannt und Landfrted zu einer Gcldstrafe von 50 .A, die Gebrüder Marx zu Geldstrafen von je 20 <A unter Koftenverfälluvg ver- urtheilt. Die Verhandlung gegen Mayer wurde behufs weiterer Zeugenvernehmung auf Montag Nachmittag vertagt. Bei den Beweiserhebungen wurde u A auch die wirklich haarsträubende Thatsache conftatirt, daß in einer dieser Fabriken die schul­pflichtigen Arbeiter für täglich 6 Stunden Arbeit, welche Zeit indeß meist überschritten wurde, einen Gesammtwochenlohn von sage und schreibe fünfzig Pfennigen erhalten^ Berichterstatter der Pariser Blätter, welche zu den Krönungsfeierlich­keiten nach Rußland gereift sind, eröffnen ihre Mittheilungen natürlich mit Reise- Eindrücken, in denen Deutschland eine hervorragende Rolle spielt. Die schlechten Roastbeefs, die gekochten Pflaumen, den unschmackhatten Salat, über den in solchen Fällen geklagt wird, kennt man bereits, nicht minder dieHermann und Dorothea", dieMax - und Thekla", welche durch ihre Verliebiheit und plumpen Toiletten die französische Moral und die französischen Augen verletzen. Viel interessanter ist, was die Herren über das militärische Auftreten der E'senbahnbeamten, die stramme Mannes­zucht schreiben, welche ihre Ausme.ksamkeit und ihren Neid erregten.Wenn man diese Beamten mit kriegerischer Haltung sieht", lieft man in dem Berichte des Herrn Louis Teste imGaulois",möchte man sie sich für unsere Truppen herbeiwüuschen. Sie sind sunkelnagelneu, als fliegen sie eben aus einer Schachtel, und nicht nur neu, sondern kerzengrade, bewegen sich wie Drahtpuppen, sind schweigsam, steif, zugeknöpft, dabei aber bescheiden und höflich und man mochte bei ihrem Anblick vor Wuth in Thränen ausbrechen. Die Officiere haben ©iegermtenen, einen harten, anmaßenden Ausdruck; sprechen wir lieber nicht davon. In Köln kaufte ich mir dieFliegenden Blätter", eine Carricatur stellte zwei Ofsiciere dar, die auf der Landstraße in einem geschlossenen Wagen dahinrollen und einem General begegnen. Wie sie ihn von Weitem kommen sehen, schnellen sie empor, um zu salutiren, und die Spitzen ihrer Helme durchlöchern das Wagendach. Franzosen, liebe Freunde, schickt Eure Söhne m den Ferien nach Deutschland, damit sie da lernen, wie man mit der Helmspitze etn Wagen­dach durchlöchert, um Manneszucht zu üben und Vaterlandsliebe zu zeigen! Im Gil Blas" erzählt Paul Ginisty etwas von seinen Irrfahrten, wo er imKatserofff gewohnt und sich über das WortSchlitt" gewundert hat, welches am Sonntag vor allen Kirchen den Wagen langsames Fahren gebot- Noch größeres Erstaunen erregte ihm der Bierconsum der Eingeborenen im Berliner Rathskeller, wo es entsetzlich nach Sauerkraut gerochen haben soll.Abends findet man alle diese Trinker im Garten derWalhaka" wieder, wo sie vor kolossalen Gläsern sitzen, die man mit beiden Händen anfassen muß, um sie an die Lippen zu bringen. In Wahrheit, es sind unerhörte Gläser, wie sie der Riese Pantagruel wohl gebraucht haben mag. Und jedes der zarten jungen Mädchen bat mindeftens zwei solcher Gläser vor sich stehen. Nichts von alledem, was man von den Berliner Trinkern erzählt hat, ist auch nur im Geringsten übertrieben." Die Berliner Weißbiergläser sind freilich in ihrem napfartigen Umfang sehr der Mißdeutung ausgesetzt. Der brave Reichshauptstädter wird sich das im fommentmäbige Gefäß aus Rücksicht auf zartnervige Beobachter adgewohnen müssen.

Einen hübschen Druckfehler finden wir in einem rheinischen Blatte. Es heißt daselbstt in dem BerichtEm origineller Selbstmord";In dieses Zündloch steckte Wallner eine alte Militär-Patrouille, wie sie in seiner Jugend ge­braucht wurden, als er noch beim Militär btentc". Das muß ja ein colossales Zünd­loch gewesen fein.

Prompte Zahlung für ausgeführte Staatsbauten ist den betreffenden preußischen Behörden neuerdings eingeschärft worden. In der betreffenden Verfügung ist hervor- gehoben, daß die Gewerbetreibenden Anspruch auf die unverzögerte Zahlung ihres Guthabens haben, und es sei die pünktlichste Erfüllung der diesem Rechte der Gegen­leistung entsprechenden Pflicht die Aufgabe und Sorge einer geordneten und guten Verwaltung. (Mancher Privatmann darf sich hieran ein Beispiel nehmen. Red.)

Vrrfteigerunft von Herrschastsmöbcin

Kommenden Dienstag den 3. Juni d». Js., Nachmittags 2 Uhr, werden zu Gießen in der Bramm'schen Hofraithe (Neustadt Nr. 55) nachverzeichnete, im besten Zustande befindliche, saft noch ganz neue Gegen­stände gegen gleich baare Zahlung öffentlich durch den Unterzeichneten versteigert:

1 Sopha und 2 Sessel in grünem Plüsch mit 4 Schoonern, Schlummer­rolle und Kissen, 1 Sopha in braunem Rips, 1 eleganter Damen- Schreibtisch (kirschbaum), 1 ditto Spiegelschrank (kirschbaum), 1 desgl. Pfeilerschränkchen (Etagere), 1 Nähtischchen, 1 ovaler Tisch nut Fuß, 1 desgleichen Ausziehtisch, 1 Nähtischchen, 12 feine Rohr­stühle, 1 nußbaumene Commode, 1 vollständiges Bett mit nußbaumener Bettstelle, Roßhaat- und Sprungfeder-Matratze, Deckbett und 2 Kissen, 1 Nähmaschine, 2 eichene Kleiderschränke, 1 dreitheiliger Weißzeugschrank, 2 große Spiegel, 1 Wanduhr, 4 Paar Fenstervorhänge mit Gallerten, 1 Blumenständer (Vase), 1 Schirmhalter.

Mainzer Kirlhenbau-Mterie.

Loose hierzu aQ. sind in der Expedition ds, Blattes zu haben

Baron Liebig Malta - JLeguminose - Mehlt

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doti Starker & Pobuda, Kgl. Hoflieferant, Stuttgart. 33 58efte blutbildende und leicht verdauliche Nahrungsstoffe für Kinder und Er> wachsene, von vielen medicin. Autoritäten warm empfohlen-

Niederlage in Gießen bei Carl Schwaab und H. Kinkel, Conditorei.

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nertditet wurde. Dieselbe lautet:Annehmend, daß Sie viel m t öer= h?« imh hdratbäluSgen Damen verkehren oder solche kennen, frage ich hiermit mOgSn <?nb ob ©ie mit un§ in Geschäftsverbindung zu treten geneigt sind. Wir b'^^nst an. ob Ste mn uns Awinnfte abtreten und Ihr Name würde nie würden ^aennXnnt werben." Dem Schreiben war ein Verzeichnitz von über 6000 und u/^nds genau werb Ständen ab beigelegt, die alle vermögende Frauen

ist dadurch ja eine schöne Gelegenheit #u einem lukrMven Nnne^ienst »-botzn3n ber Stadt New-Y°rk gibt es 2000 O a Deren Sammlungen einen Werth von 150,000 Dollars per annum

?U?PCnÄ«nb durch Handwagen jährlich Lumpen im Gesammtwerthe von 600,000 Doll. ÄmeM S8et£tnt0ten ®aatCn Crre**

einen ^^^^^°L/d°/"Conservirungsmittel) Roh.Vaselin, ein beinahe geruchloses s.rhftnvrf« 'mineralfett hat viele Eigenschaften mit dem Glpeerin gemein, es verdunstet und hat dabei noch den Vorzug, daß es völlig wasserbeständig ft* Da esÄch außerordentlich billig zu stehen kommt, eignet es sich ganz besonders «XrtAmtere für Beschuhungen und Riemenzeug. Das Leder wird durch Roh- sebr^aeschmeidig und gänzlich wasserdicht und dars, weil, wie gesagt, Vaselin nM>t verdunstet nur sehr selten wieder geschmiert werden. Die genannten Eigenschaften des Vafelins vrädestmiren dasselbe zu einem Leder-Conservtrungsuftttel ersten Ranges, umsomeh" °li ein Lft präparirtei Leder die Eigenschaft besitzt die gewöhnliche Glan,- wtcdfe anzunehmen, was bet allen anderen Fetten nicht der Fall ist.

wichfe ovzuu y Militärstrafen.^ General Hong Fu-Kong hat an die ihm unter* stehendm ch^in Mchen Truppen einen Tagesbefehl gerichtet, worin es u. A. heißt: ,All- Deserteure Räuber und Solche, welche dos Lager verlassen, werben gehängt. Opmm- imucher und Solche, welche sich dem Genüsse berauschender G-tranke hingeben, werden mit Obrenausschlitzen und Auspeitschung bestraft."

_ r® ne Todesaesellschast s Der Selbstmord ist zum Kinderspiel geworden; das weniaftens lehrt der folgende Fall, der überaus spaßig wäre, wenn er nicht gar so trEig geendet hätte. Wie nämlich aus Budapest gemeldet wird, haben dort sechs künalinae sämmtlich guten Bürgerfamilien entstammend, tm Alter zwischen 16 und IS fahren fteTenb vor einigen Wochen eine Gesellschaft gegründet, deren Mitglieder stch^verpstichien mußten, tb' überflüssiges Geld zusammenzulegen und die einflteßendeu Beträae an Sonn - und Feiertagen gemeinschaftlich zu vertubeln. Brunen wenigen Macken batten sich die Jünglinge so gründlich unterhalten, daß ihnen all' rhr Geld Äawn war* nicht nur das überflüssige, sondern auch .enes^welches sie zum Lebensunterhalte brauchten. Am Frohnleichnamstag- hatten die Zungen stch gern wieder gütlich aeihan doch wußten sie alle Insgesammt kein Geld aufzutreiben. Da beschlossen alle ftchs, zu »erben ba sie nicht nach ihrem Geschmack leben konnten. Die iunaen ft-chbrüder verfügten sich in bas Stadtwälbchen und suchten in einer entlegenen fßartie desselben em dichtes Gehölz aus, um daselbst ihr wahnwitziges Vorhaben aus- zusühren. Der ganzen Gesellschaft stand ein sechsläufiger Revolver zur Verfügung. Der 17jährige Bauzeichner Fran, Rumbauer erbot sich, als Erster in den Tod zu a,6en. mit fester Hand schoß er sich eine Kugel in den Hols, eine zweite in ble Brust, bann war er bie Waffe von sich und stürzte von Blut überströmt zu Boden. Vier von den sechs Kamerab-n verloren bei bem Anblick des Verwundeten die Lust an dem üntermhmen und"rgrlffen zu gleicher Zeit die Flucht Einer blieb zurück; es war dies der 16jähnge Musikschüler Joseph Liszka. Dieser hob den Revolver von der Erde auf und jagte sich eme Kugel durch die Brust. So verwundet, wie er war, verließ er hierauf das Stadtwäldchen, um sich in die nahegelegene Wohnung eines Freundetz zu begeben, da legte er sich aufs Sopha und ließ den Josephsgaste Nr 56 wohnhaften Eltern Rumbauer's sagen, daß ihr Sohn erschossen tm Stadtwaldchen liege. Beide Knaben wurden in das Rochusspital Überführt. Rumbauer ist lebensge ahrlich, L'szka nur leicht verletzt. Bei dem Letzteren konnte die Kugel, welche unterhalb des Herzens eingedrungen war, nicht gefunden werden, während bei Rumbauer die ebenfalls unter dem Herzen eingedrungene Kugel herausgezogen wurde, jedoch die in den Hals geschossene ebenfalls nicht auffindbar war.

Den Ausdruck:Etn Schiff läuft so und so viele Knoten in der Stunde" kann man sehr oft in Zeitungsberichten lesen, eine Angabe, die, wenn man sie auf i^e Wahrheit prüfen wollte, zu den merkwürdigsten Resultaten führen würde. So war neulich die Fahrgeschwindigkeit des SchiffesSofia", bas für die neue Gronland- Expeditton ausgerüstet wurde, in den Zeitungen auf11 Knoten in der Stunde an- aeaeben, das würde in Wirklichkeit heißen, daß das Sch ff in einer Stunde ungefähr 82 Sekunden Wegs mache, eine Geschwindigkeit, die wohl etwas weniger als bewunderns- wertb erscheinen dürfte. Bei der Bestimmung ber Fahrgeschwindigkeit eines Schiffes ist nämlich der Zusatz:in der Stunde" falsch. Die Logletne, nach welcher die Ge­schwindigkeit gemessen wird, enthält in Abständen von j- 25 rh. Fuß Knoten; es wird nun beobachtet, wie viel solcher Knoten m der Zeit von 15 Sekunden, nach der Sanduhr fLoauhr) gemessen, ablaufen. Da nun die Abstände der Knoten in demselben Ver- bältniß zu einer Seemeile stehen, wie der Ablauf ber Loguhr zu einer Stunde, so ergibt sich, daß der Ablauf eines Knotens in 15 Sekunden anzeigt, daß in einer Stunde bet gleicher Geschwindigkeit eine Seemeile zurückgelegt wird. Die Anzahl der Knoten, die wahrend 15 Sekunden von der Logleinc ablaufen, geben also die Zahl der Seemeilen an, welche das Schiff in einer Stunde durchmißt. In den Berichten über dieSofia" mutz es demnach heitzen: das Schiff macht 11 Knoten, d. h. es legt in einer Stunde 11 Seemeilen zurück. Diese Geschwindigkeit ist nun allerdings eine bedeutendere, als wenn das Schiff das Meisterstück vollbrächte, in seinem Laufe wahrend einer Stunde" 11 Knoten von der Logletne abrollen zu lassen.

Welch ungeheuren Durst auch eine Frau haben kann, davon gibt folgender Vorfall Zeugn'tz. In Berlin stand die 38jährige Magdalene Block aus Bayern vor dem Schöffengericht unter der Anklage, am zweiten Pfingstfeiertag drei Schlackwürste tm Gewicht von vier Pfund und tm Werth von 5 <M. gestohlen zu haben. Der Dieb­stahl wurde sofort bemerkt, die flüchtige Diebin verfolgt und ihr auf der Straße die drei Würste wieder abgenommen. Präs, (zur Angeklagten): Räumen Sie etn, die drei Schlackwürste entwendet zu haben? - Angekl.: Ich weiß nichts, ich hatte einen grausigen Affen- Präs.: Hatten Sie denn so viel getrunken? Angekl.: Ich tunr am ersten Festtag mit meiner Wirthin zusammen- Wir waren in der Hasenhatde tn der Neuen Welt und tranken jede 6 Glas B'er. Wie der Ballon hoch ging, trank ich noch 6 Glas Bier und 4 Eognacs und brachte meine Wirthin bann nach Hause. Da ich noch Durst hatte,ging ich durch". Es können nun doch wohl noch so der Maße zehne" herangekommen sein; da fand ich etn Local offen, wo ich soll gestohlen haben. Präs : Dann wollen Sie wohl sinnlos betrunken gewesen sein? Angekl.: Da wird wohl nichts daran gefehlt haben.

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Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen

vom Monat Mai 1883.

Je 50 Kilogramm kosten:

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