Skr. 281 Erstes Blatt. Soimtag dcn 2. Deceuiber 1883.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureau r Schulftraße7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Theis.
Gefundene Gegenstände:
1 weißes und 1 braunes Kopstüchelchen, 1 getragenes Corsett, 1 weißes Taschentuch, 1 Schürhaken, 1 Federmesser, 1 Kinderstauchen, 1 Stück Glaspapier, 1 einzelner Kinderhandschuh, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.
Gießen, den 1. December 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. ihhj.bi ..........................................
Berlin. 29. Novbr. Die „Prov.-Corresp." schreibt über die spanische Mise des Kronprinzen:
Der fördernde Einfluß, den persönliche Begegnungen der gekrönten Häupter And der leitenden Staatsmänner des Welttheils auf die Befestigung des Friedens und eine freundschaftliche Gestaltung der internationalen Beziehungen üben, gehört seit lange zu den Thatsachen, über welche verschiedene Meinungen nicht mehr bestehen. In diesem Sinne ist der jugendliche Monarch, dem Spanien die Wiederherstellung seiner inneren Ruhe und seiner äußeren Stellung verdankt, von dem deutschen Volke herzlich willkommen geheißen worden, als derselbe im Herbst dieses Jahres das Hoflager unseres Kaisers aufsuchte — in diesem Sinne hat die Nation es als ein Zeichen gedeihlicher Weiterentwickelung der gegenseitigen Beziehungen begrüßt, daß der Kronprinz in Vertretung seines erlauchten Vaters dem königlichen Theilnehmer der deutschen Herbstmanöver des Jahres 1883 seinen Gegenbesuch machte. Die Herzlichkeit des Empfanges, der dem Kronprinzen seit der ersten Stunde des Verweilens aus spanischem Boden zu Theil geworden, bezeugt, daß die gleiche Auffassung auch jenseits der Pyrenäen Lie vorherrschende ist und daß beide Völker mit ihren Herrscherhäusern eng genug verbunden sind, um die Gäste ihrer Fürsten für ihre eigenen Gäste -anzusehen.
Bei der großen Zahl und der Enge der Bande, die zwischen den modernen Kulturvölkern bestehen, kann nicht auöbleiben, daß die Begründung und Befestigung freundschaftlicher Beziehungen zwischen zwei großen, wenn auch fern von einander ab wohnenden Nationen, zugleich der Gesammtheit zu Gute kommen. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, gewinnt die spanische Reise unseres Kron- Prinzen zugleich eine politische Bedeutung. Sie wird, wie angenommen werden darf, dem Vertrauen auf ein dauernd freundliches Einvernehmen zwischen den verschiedenen Gliedern der europäischen Völkersamilie zu Gute kommen und in immer weiteren Kreisen die Empfindung wecken und vertiefen, daß die Interessen Mer, die an der modernen Cultur überhaupt Antheil haben, im letzten Grunde die nämlichen sind. Das Wort des großen deutschen Forschers, der die „Bildung der Erde" als gemeinsamen Beruf aller civilisirten Völker bezeichnete, hat trotz aller im Verlauf der letzten Jahrzehnte zum Ausdruck gekommenen Gegensätze von seiner Bedeutung genug übrig behalten, um auch noch heute allenthalben verstanden zu werden. In besonderem Sinne wird das für Spanien gelten, dessen Vildungseinflüsse seit Jahrhunderten in nahezu allen Theilen der 'bewohnten Erde eine wichtige Rolle gespielt, dessen Bewohner von Alters her bewiesen haben, daß sie in der Pflege der idealen Güter des Lebens die höchste und schönste Aufgabe der Menschheit sehen. Wenn irgend wo, wird man es in Spanien verstehen, daß Werthschätzung und freundschaftliches Einvernehmen zweier ihres Berufs bewußten Culturvölker der Unterstützung durch politische Sonderinteressen nicht bedürfen.
Der ehrenvolle und wahrhaft freundschaftliche Empfang, der unserem Kronprinzen in Spanien geworden, hat in allen Theilen des Vaterlandes denselben erhebenden Eindruck hervorgerufen. Allenthalben werden die Tage von Valencia und Madrid als Zeichen der Sympathie eines gastlichen edlen Volkes dankbar willkommen geheißen werden. Möchte der spanischen Nation die Gesinnung, aus welcher dieseibe den Gast und Freund ihres Monarchen als ihren eigenen Gast begrüßt hat, immerdar erhalten bleiben und der Aufenthalt des deutschen Thronerben am Hofe Königs Alfonso's dazu beitragen, Spanien von der Wärme des Antheils zu überzeugen, den die Bürger des deutschen Reiches an seinem Gedeihen und an der Erhaltung der auf seinem Boden bestehenden Einrichtungen nehmen. _______________________________________
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telear. Eorresporrderrr-Brrreau.
Berlin, 30. November. Der Kaiser ist heute Nachmittag 3 Uhr mit Extrazug Äber W ttenverae nach Göhrde zur Jagd abgereist. In seiner Begleitung befinden sich W Prinzen Wilhelm, Albrecht, August von Württemberg, der Fürst von Schwarzburg- Rudolstadt und dec Erbgroßherzog von Baden.
— Der Bundesrath lehnte die Petitionen der Kaufmannschaft von Tilsit und Memel wegen Zollbefreiung der Abfälle von Bauholz und Nutzholz ab.
Berlin, 30. November. Der deutsche Botschafter m Petersburg, General v Schweinitz, war am Mittwoch Nachmittag zum Fürsten Bismarck nach Friedrichsruhe gereist, von wo er gestern Nachmittag zurückkehrte.
Kaffel, 30. November. Die Zeitungsnachricht, daß der Componist Joseph Gunal gestorben sei, bestätigt sich nicht, derselbe befindet sich vielmehr hier im besten Wohlsein bei seiner Tochter, der Sängerin Naumann-Gungl, Mit- alied des hiesigen Hostheaters. „ , „
0 Stuttgart, 30. November. Der „Staats-Anz. für Württemb." ver- öffwtlicht einen Erlaß des Königs aus San Remo, dessen Inhalt sich auf die letzthin vorgekommenen Mordanfälle bezieht. Der Erlaß giebt dem Minister
des Innern anheim, Maßregeln zu ergreifen behufs Wiederherstellung des Vertrauens und Beseitigung des Gefühls der Unsicherheit und Schutzlosigkeit, zu welchem Zwecke die Vermehrung des Landjäger-Corps und die Einrichtung berittener Gensd'armerie in's Auge gefaßt roiro. In Folge dessen hat der Mini-- ster des Innern bereits eine Verordnung erlassen, durch welche ru A. eine strengere Controls des Waffentragens und der Fremdenpolizei, eine schärfere Aufsicht über die Vagabunden und die Verbesserung der Ortspolizei ange- srdnet wird.
— Der heutigen feierlichen Verleihung von Säkular-Fahnenbändern an das Regiment „Königin Olga" wohnte die Königin selbst bei.
Pesth, 3u. November. Das Unterhaus nahm das Ehegefitz in dritter Lesung an und ging in die Berathung des Gesetzentwurfs betreffs der Modificirung der Steuergesetze ein. Im Laufe der Debatte tonftattrtc der Finanzminifter, daß das ordentl che Deficit, welches pro 1881 20, 1882 6 Millionen Gulden betrug, aber pro 1883 mit 8^2 Millionen prältmiuirt wurde, im nächsten Jahre, wenn die Steuererhöhung um 3 Millionen vottrt, gänzlich verschwinden werde, was entschieden für eine Besserung der Finanzlage spricht.
Paris, 30. November. Die Kammer deend'gte die Generaldebatte über da- Budget- ete nahm mehrere Capitel des Budgets des FinanimintsteriumS an.
— Eine Depesche Courbet's auS Hanoi vom 23. ds. M. meldet, daß die Doi- bereitungen zum Vormarsche fortdauern.
— Auf der Bretagne - Eisenbahn fand bet Saint - Meen ein Zusammenstoß zweier Arbeiterzüge statt. Achtzehn Personen wurden getodtet, siebzehn verwundet.
London, 30. November. Der Proceß gegen O’Donnell, den Mörder Carey's, begann beute Vormittag. Der Angeklagte erklärte sich für nichtschuldtg, während der Ankläger nachwies, daß es sich um einen Akt vorbedachten Meuchelmordes handel.
Nom, 30. November. Infolge zw schen der Regierung und den geistlichen Behörden zu Stande gebrachten Uedereinkommens wird das Grab König Viktor Emanuels in der beim Eintritt in daL Pantheon zur Rechten gelegenen Centralkapelle errichtet werden.
— „Osservatore Romano" bementirt in formellster Weise die von Wiener und Pesther Blättern gebrachte Nachricht, daß Bischof Strohmayer ein auf Ungarn bezügliches wichtiges Dokument aus den vatikanischen Archiven entnommen.
Madrid, 30. November. Der Kronprinz besuchte heute Vormittag mit König Alfons die Kasernen, wo die Truppen im Paradeanzug Cx-rcttlen ausführten. Nachmittags Ireffcn Graf Bardi und die Herzogin von Braganza auf der Durchreise nach Lissabon ein. Zu dem heutigen Balle tm Schlosse sind zweitausend Einladungen ergangen.
— Heute Mittag wird der deutsche Kronprinz eine Deputation der hiesigen deutschen Colonie empfangen, welche eine Adresse überreicht. An der Spitze der Deputation stehen der Vorsitzende des deutschen Hülfsvereins Hermann Becker, der Vertreter der deutschen Abtheilung der metallurgischen Ausstellung und des Centtalveretns für Handelsgeographie Carl Dames und der deutsche Gesandtschaftsarzt Dr. Kispert. Hierauf wird der Kronprinz der Enthüllung des Denkmals Isabellas der Katholischen beiwohnen. Abends findet Hofball statt.
— Das Journal „Estandarte" meldet, daß der Kronprinz bei der Unterredung mit Canovas äußerte, der Kaiser und der Kronprinz hofften, ihn gelegentlich f eitler nächstjährigen Reise nach Karlsbad auch tn Berlin zu sehen.
— Heute Nachmittag 2i/2 Uhr fand die Enthüllung der Statue Isabellas der Katholischen in Gegenwart des Königs, der Königin, des Kronprinzen und der Behörden vor einer zahlreichen Menge statt. Die Promenade Fuente Castellana war mit spanischen und deutschen Fahnen geschmückt, Truppen bildeten Spal et.
Verwischtes.
Mainz, 26. November. Ein höchst komisches Jagdstückchen hat sich in den letzten Tagen hier ereignet, das zwar dem sogenannten „Jägerlatein" anzugehöcen scheint, dessen Wahrheit uns aber von zuverlässiger Sette versichert wurde. Ein hiesiger Bürger und passionirter Jager, Herr C. M, hatte vor einigen Tagen bei einer Jagd in der Provinz Starkenburg, in der Nähe der Eisenbahn, ein Stück Damwild erlegt. Der baldige Abgang des ^uges nach Mainz machte es ihm nicht mehr möglich, seine Jagdbeute mit sich tn den' Hug nehmen zu können und beauftragte er darum den Forstwart, ihm das Wild, in der Jägersprache „alt’ Thier" genannt, am nächsten Morgen per Eilgut zu senden. Zu Hause angekommen, gab er seinen Dtenstleucen den Auftrag, ihm sogleich zu melden, wenn das Wild eintreffen würde. Am anderen Morgen meldete nun auch das Dienstmädchen, daß Etwas mit der Eisenbahn angenommen sei und gab ihrem Herrn den betreffenden Frachtbrief, worin „1 all’ Thier" mit ca. 50 Kilo an* gegeben war. 55err M. ging sogleich herab, um sein Wild in Empfang zu nehmen, war aber höchlich erstaunt, als statt dessen „eine alte Thür", scheinbar einer Meßbude zugehörig, im Hausflure stand. „Was soll ich denn mit diesen alten Brettern machen ?* fragte er erstaunt den Rollführer. „Es steht doch „1 alt’ Thier" auf dem Frachtbrief und kommt auch von der richtigen Station", war die Antwort b.ffelben. „Ich habe aber ein Stück Wild zu empfangen," entgegnete Herr M- „Ein Stück Wildpret liegt auch draußen in der Halle; da ober auf dem Frachtbrief „1 alt’ Thier" stand, habe ich geglaubt, daß ich die „alte TKÜr", die neben dran stand, nehmen müßte", war die Antwort des Fuhrmannes- Die Sache war aufgeklärt, die „alte Thüre" wurde wieder aufgeladen und zur Bahn gebracht und mit der nächsten Roll-Tour das richtige „alt' Thier" in die Wohnung des Herrn M. gebracht. Dem Fuhrmann hat die komische Verwechslung sicher keinen Verdruß, wahrscheinlich aber ein gutes Trinkgeld eingetragen. (M. I.)
Heppenheim, 26. November. Der achte Bericht der Verwaltung der Unter- stützungskasse für bedürftige Pfleglinge der Großherzoglichen Landes-Irrenanstalt zu Heppenheim (Rechnungsjahr 1881/82, 1. April 1881 dis Ende Mürz 1882) ist soeben im Druck erschienen. Diese Berichte werden zur Zeit in einer Auflage von 7000 Excrn-


