Ausgabe 
2.12.1883 Drittes Blatt
 
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Bahnhofstraße. meines Hauses ist hen. etri, Marktplatz, e Wohnung (8 M- rb billig vermiethet. tb_J>§.X__

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Rr. ast. Drittes Blatt. Sonntag den 2. December 1SS3

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Bttreait r Sch ul st raße 7.

Erscheint täglid) mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Berlin, 28. November. Die kaiserliche Admiralität hat nunmehr mit dem Monumentalbau der Marine-Akademie in Kiel beginnen lassen und hofft denselben bereits im Laufe des nächsten Jahres unter Dach zu bringen. Die Akademie wird die Hauptfront nach dem Hasen zu erhalten und aus drei selbst­ständigen mit einander verbundenen Gebäuden bestehen. Die Aula soll zur Aufnahme von ungefähr 300 Marine - Osficieren und Cadetten eingerichtet werden.

Es ist kein Spaß, wenn man zu Bette gehen will und sieht von ungefähr einen wildfremden Kerl unter dem Bette liegen. So ging es einem Reisenden tn einem Braunschweiger Gasthofe. Er konnte ihn zum Glück mit vorgehaltenem Re­volver so lange tn Schach halten, bis Hülle kam. Es hätte leicht sein letzter Schlaf werden können, denn der Kerl hatte am Tage mit ihm zu thun gehabt und seine große Baarschaft kennen gelernt.

Nassau, 27. November. (Selbstmord) DieC. Z." meldet unterm gestrigen Tage: Eine erschütternde Kunde durchlief h>ute Vormittag unsere Stadt. Die Vor­steherin des hiesigen Hospitalstifis (Henrietten-Therisien-Stlft) wurde heute Morgen mit durchschnittenen Pulsadern tobt tn ihrem B-tte vorgefunden. Ob hier ein Selbstmord

Lokale-.

Gießen, 1. Decbr. (Sitzung der Stadtverordneten vom 29. Novembers An­wesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Bai st, Gail, Han stein. Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Petri, Schopbach, Vogt und Wortmann. Die Rechnung der Armenkasse ist geprüft und kommt zur Vorlage. Dieselbe stellt sich in Einnahme auf 44 147,11 <X, in Ausgabe auf 42 706,50 , es verbleibt sonach ein

Ueberschuß von 1440,61 <M. Dos Gesammtcapital der Armenkasse stellt sich am Schlüsse des Rechnungsjahres auf 253 277,74 Die vorhandenen Immobilien und Grund­stücke repräsentiren einen Taxwe-th von 78 292 JL Bet Vorlage der Rechnung der Plock'schen Stiftung werden Anstände nicht erhoben. Aus derselben ergiebt sich für das Rechnungsjahr 1882/83 eine Einnahme von 5077,66 «X, eine Ausgabe von '3908,28 J4, ein Kassenbestand von 1169,38 Jt; das Gesammtvermöaen beträgt 79 431,73, der Taxwerth der vorhandenen Grundstücke 20 440 JL Die Quellwasser­leitung betr. thetlt Herr Bürgermeister Bramm mit, daß bis zur Stunde 8 Brunnen in voll­ständigem Gebrauche sind, die übrigen 8 der Vollendung entgegen gehen. Ferner erklärt Herr Bürgermeister, daß er nicht umhin könne, allen Denen, welche sich um das Zustandekommen der Wasserleitung so verdient gemacht haben, besonders den Herren Beigeordneten Heß, Stadtverordneten Gail, Professor Or. Streng und Director Bansa den Dank Namens der Stadt abzustatten. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen der Anerkennung der kräftigen Förderung des Werkes bind) gen. Herren von den Sitzen- Die Frage, ob anläßlich der Vollendung der Wasserleitung eine ent­sprechende Festlichkeit veranstaltet werden solle, wurde mit Rücksicht darauf, daß die Wasserleitung n'cht an einem bestimmten Tage, sondern succeisioe der öffentlichen Be­nutzung übergeben werden konnte, verneint. Nach Bericht des Herrn Ingenieurs Rosenfeld ist die ganze Anlage soweit gediehen, daß die dabet beschäftigten Arbeiter entlassen werden können; die Versammlung beschließt hierauf, den beim Ban beschäftigten Vorarbeiter noch auf einige Zeit gegen angemessene Vergütung zu engagtren, um bti etwa sich nachträglich ergebenden Zufälligkeiten und Betriebsstockungen eine sachver­ständige Kraft an der Hand zu haben. Auf Grund seiner Zett zwischen der Stadt und den Hausbesitzern an der Löb^rstraße gepflogener Verhandlungen zum Zwecke der Heranziehung der Letzteren zur Bestreitung der Kosten für Trottotrpflafterung tn dieser Straße wurde die Einziehung der bewilligten Beiträge vorgenommen. Hierbei hat Christi an Petri V. die Bezahlung des in Aussicht gestellten Beitrages unter Be­rufung auf bedingungswidrige Vorkommn sie verweigert- Es wird beschlossen, gegen denselben Klage zu erheben. Veranlaßt durch ein Gesuch mehrerer Einwohner der Weserstraße um Ausbau dieser Straße, beschloß die Versammlung in der Sitzung vom 25. October d- I., die Straße aufbessern zu lassen, den Ausbau hingegen auf Grund der Bauordnung abzulchnen. Eme weitere Eingabe betrifft nun die Ausführung dieses Beschlusses und wiid in derselben Beschwerde über die Verwendung des Auffüllungs­materials (Stetnkohlenasche) geführt Es wird mitgethetlt, daß frag!. Material nur theilweise verwendet worden, im Uebrtgen aber mit besserem Material aufgebessert sei. Dem gleichzeitig gestellten Gesuche um Aufstellung zweier Laternen in diesem Stadt- theil soll durch Aufstellung einer Laterne Berücksichtigung zu Theil werden, ohne An- erkenntniß der Verpflichtung hierzu städttscherseits. Herr Restaurateur Justus Lenz bezeichnet den für pachtweise Ueberlassung des Platzes vor seinen Häusern geforderten Pachtbetrag von 20 X pro Jahr für zu hoch; es wird dem Antrag der Baudeputation entsprechend beschlossen, den betreffs des Platzes vor dem früher Schell- haas'schen Hause bestehenden Vertrag zu kündigen. - An der nordwestlichen Seite des Bahndammes an der Wieseckbrücke läßt die König!. Direction der Matn-Weser-Bahn behufs Verbretterung der Geleise-Anlagen eine Stützmauer aufführen, weshalb die Bau­unternehmer Christner und Kit ter le um die Erlaubntß etnkommen, einen Theil des dort befindlichen Wiesenterrains zur Ablagerung von Baumaterial benutzen zu dürfen. Die Versammlung beschließt, dem Gesuche stattzugeben und die Baudeputation zu beauftragen, eine entsprechende Entschadigungs- resp. Cautionssumme für die Be­nutzung des Geländes festzusetzen. Gleichzeitig soll betont werden, d ai die Genehmigung dieses Gesuches keinesfalls den gegen den proiectirten Umbau des Bahnhofes gerichtet n Vrotest alterire Dem Gesuche des Kaufmanns E. Wasserschleben um Erlaubniß zur Abhebung eines Stückes Böschung am Leihgefterner Weg wird stattgegeben, desgl bemieniaen des Brau-reibesitzers Fr. Textor um Erlaubntß zur Anlegung eines Durchlasies am Vicinalwege nach der Hardt; ferner dem Gesuch des Gastwirths W Wenzel um Er aubniß zur Herstellung eines gepflasterten Ueberganges nach seinem Etabfifiement - Die Vergütung für das Aufziehen der städtischen Uhren wird auf

blSrÄfi auf 500 1 pro Jahr (seither 400) erhöht, unter Übernahme der

Reiniauna der betr Uhren durch den Accordanten. An der Stadtknabenschule soll

^ne" nm^ definitive Lehr erstell^ errichtet werden. - Die weiteren Gegenstände der

Tagesordnung wurden tn nichtöffentlicher Sitzung erledigt.

Vermischtes.

Nensbeim 26 November. Durch eine für den hiesigen Kreis erlassene Nolt rein er ardnuna^ ist vöm 1- April 1884 der Gebrauch des Doppeljochs bei Zugthteren gegen blefe »norbnung mit Gelbstrafen bis jtt 150 Mark ober In ber Umgegenb fanben in ben letzten Tagen Treib-

tiiflbMi fnlnenbe Resultate erzielt wurden: Albig 586 Hasen, Framersheim

ca6b3OTft 4r'etmer8betm0 330 Gffelborn 120, Flomborn 704, Heppenheim-Darmstabt der Alz-yer J-gb 350 Hasen, - Um bem Ueberhanb. htr^^rtirtoe üu steuern hat die Stabteereattung bekannt gegeben, baß jeher

Sf'Äi'SÄfMiWÄ* lbezahlen._______________ .

vorliegt, wird die Untersuchung ergeben.

sNur Muth ) Die gefeierte Sängerin Marietta Alboni war auch wegen ihrer Kaltblütigkeit uno ihres Mulhes berühmt. Gelegentlich eines ersten Gastspiels tn Triest kam ihr zu Ohren, daß man sie auspfeifen wolle. Sie ermittelte bald die Anstifter und wo sie zu finden waren, legte Mänr.erkleidung an, wobei ihre k> ästige, hohe Gestalt und ihre kurzen Locken eine Entdeckung des eigentlichen Geschlechts so ziemlich ausschlossen, und begab sich in bas Kaffeehaus, wo die Verschworenen ihren Sitz hatten. Dieselben waren gerade in voller Berathung. Die Sängerin hörte eine Weile zu und wandte sich bann mit den Worten an den Rädelsführer:Mir scheint, daß Sie Jemand einen Stretch zu spielen beabsichtigen. Dergleichen ist auch meine Passion; es würde mich daher freuen, wenn Sie mir gestalten wollten, mich an dem Unternehmen zu betheiligen."Mit Vergnügen", lautete die Antwort.Es soll heute Abend eine Sängerin ausgepfiffen werden."So, so. Was hat sie denn verbrochen?"O, nichts weiter, als daß sie in Wien und München gesungen und sich eine Italienerin von den D-Nischen hat fettren lassen; dafür wollen wir sie jetzt ein wenig strafen."Das finde ich vollkommen tn Ordnung und bin daher durchaus der Ihrige; bestimmen Sie nur, was mir zu thun obliegt."Nehmen Sie hier dieses Pfeifchen. Auf ein Zeichen, welches nach der Arie derRosine" ge­geben werden wird, g-bt der Lärm an, in den Sie blos einzustimmen brauchen." Was bestens geschahen soll", versichert- die Albonr und versenkte das kleine Instrument in die Tasche. Am Abend war das Theater b.§ zur Decke hinauf gefüllt.Der Bar­bier von Slv'lla" wurde gegeben. Die Antrtttsgksänge Almaviva's und Figaro's, beides Lieblinge des Publikums, fand-n großen Beifall. Dann erschien Rosine, die Alboni, auf der Scene. In dem Moment, wo sie den Vormund anredete, begann schon, ohne das Signal adzuwarten, ein Theil der Verschworenen mit dem Skandal Die Sängerin verzog keine Miene, sie trat nur hart vor die Lampen und sagte, daS Pfeifchen, welches sie mit einem Bande an ihren Hals befestigt hatte, zeigend, schelmisch: Meine Herren, ich glaube, Sie waren etwas voreilig; wir wollen ja erst, nachdem tch meine Arte gesungen, mit dem Auspfeifen beginnen." Eine Todtenftille entstand, barn durchbrauste plötzlich bonnernber Applaus, von dcn Verschworenen selbst ausgehend, den Saal. Die Alboni hatte gesiegt, sie wurde an dem Abend elfmal gerufen und mit Sträußchen und Kränzen überschüttet.

Ans Eschwege, 23. November, wird derK. Z." berichtet: Die Wtitwe L. aus Bischhausen ging mit ihrer Tochter, der Frau W., am Donnerstag Nachmittag gegen Vs3 Uhr von ihrem Hause fort, um ihre in Grandenborn verhetrathete Tochter zu besuchen, schlug aber, um näher zu gehen, den Feldweg ein, wurde, wie voraus- zusehcn war, von der Dunkelheit überrascht und verfehlte den rechten Weg. Nach eigenem Gutdünken gingen beide Frauen in der Richtung weiter, in welcher sie an das Ziel ihrer Reise zu kommen glaubten, und faßten sich schließlich, da die Dunkelheit sie nicht schrittwe'.t s.hen ließ, bei den Händen. Da plötzlich, wie von einem Zauder hin­weggeblasen, war die Mutter verschwunden die Tochter rief nichts antwortete, als ein dumpfes Geröll von Steinen. Sie ahnte das Unglück, das die Mutter be­troffen - dieselbe war in einen Steinbruch gefallen. Lebte ihre Mutter noch, ober hatte der Sturz sie getödtet? Sollte sie rückwärts gehen und die vielleicht noch lebende Mutter allein lassen? Sollte sie vorwärts gehen und etwa dasselbe Schicksal theilen? In solchen Zweifeln blieb die Tochter in Sturm und Wetter von Abends gegen 7 Uhr dis am andern Morgen um dieselbe Stunde, da der Tag anbrach, dessen Licht ihr zeigen sollte die Leiche ihrer Mutter. Ohnmächtig brach die Tochter zusammen. Man hat sie nach Grandenborn, dem ursprünglichen Ziel ihrer Reise gebracht, um ihr dort ärzt­liche Pflege angedeihen zu lassen. p

Vom Neckar, 27. November. Aus Mosbach berichtet man folgende originelle Historie: Daß die Dummen trotz allen ausklärenden Tendenzen unserer Zeit nicht alle werden, zeigt wieder folgende Geschichte, welche sich in den letzten Jahren in unserer Gegend abgespielt hat. Bildhsndler Sack aus Oberlauda, gegenwärtig im hiesigen Amtsgefängniß, wird sich nämlich wegen eines an 6 Familien verübtem fortgesetzten Betrugs, ber ihm gegen 70,000 Mark einbrachte, vor bem Schwurgencht zu -erant- Worten haben. Sack, etwa 40 Jahre alt, hat diese Betrügereien über 7 Jahre verübt. Veranlassung zu diesem Schwindel gab der Tod eines für reich gehaltenen Bauern in Heckfeld. Als sich nach dem Ableben desselben kein Geld vorfand. gab Sack an, daS Geld sei in dem bei Heckfeld gelegenen Eselsberg vergraben und mrn ging die L>chatz- gräberei los. Die WÜnschelruthe wurde nach der Vorschrift derKabbale geholt und tiefe Löcher in den Eselsberg gegraben. Vorher wurden Summen etnge^aben, dre Sack dann für sich behielt; zuweilen ließ er auch Andere das eingegrobene Geld finden. Ein Mann, Namens Hellinger, ist um 20,000 Mark betrogen. Sache entzog sich deshalb so lange der Entdeckung, weil Sack den Leuten sagte, der Schatz senke sich, wenn ein Wort ausgeplaudert würde, um7 Jahre" tiefer.

Bitte!!

Das schönste Fest ber Kinder, das liebe Weihnachtsfest, steht vor ber Thüre und mit betreiben tritt mfeberum die Aufgabe an uns heran von freiwilligen Be trägen und dem Ertrage gesammelter Cigarrenabfälle armen Klnoern unserer Stadt durch Anschaffung neuer Beküibuna eine Weihnocktssreube zu bereiten. Sp golge aQ,eiliger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten bes hiesig, n Publikums ist es uns möglich geworden, im Jahre 1880 für sieben, 1881 für neun, im vorigen Jahre für elf ärmere Kinder vollständige, neue und solide Kleidung be­schaffen zu können. Die uns in diesem Jahre vorgelegene Liste weist wiederum eine recht große Anzahl armer Kinder, Waisen und Halbwaisen auf, die oft sogar am regelmäßigen Schulbesuch verhindert sind, weil sie der nothdürftigsten Kleidungsstücke ermangeln. bettalb auch tn diesem Jahre an die Bewohner (Raucher und Nichtraucher) Gießens die herzliche Bitte, uns durch Uebermittelung etwaiger Ctgarren- abfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fonds erhöhen zu helfen, damit eS uns ermöglicht werde, auch an dem diesjährigen WethnachtSfeste einer größeren Anzahl armer Kinder eine geeignete WeihnachtSbescheerung tn der seitherigm Weise bereiten zu fon$"amnabf5IIe ^d Geldbeiträge werden an unsern'Sammelstellen: Friseur Gerhardt, Kirchenplatz, Friseur Petri Wittwe, SelterSweg, Restaurateur Schnell, Brandgasse, gern entgegengenommen.

Der Derem ;um Sammeln von Cigarrenspchen.