Nr. 228
Dienstag den 2. October
1883
nzerger
PieiS Vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Briugerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährüch 2 Mark 50 Pf.
gureait: Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Betreffend: Das Reichsgesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter.
Gießen, den 29. September 1883.
Großherzogliches Rentamt Gießen.
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Kroaten nicht beiwohnen.
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in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen. Gießen, am 1. October 1883.
zelnen der Betheiligten einen sicheren Rückhalt gegen jede eventuelle Agression gewährt, wie es für die Allgemeinheit die beruhigendste Friedensgarantie ist. Die „Deutsche Zeitung" sagt: Deutschland ist nicht nur die Vormacht des Welttheiles, sondern die erste Hüterin des Friedens. Das schönste Lob, welches man dem deutschen Volke am Tage seiner großen Siegesfeier nachrühmen kann, sei, daß es niemals seine Macht mißbraucht hat. — Die „Wiener Allg. Ztg." schreibt: Die gewaltige Aktion, welcher auf dem Niederwalde ein würdiges Denkmal errichtet ist, muß als ein großer Segen für das ganze deutsche Volk erscheinen. Auch Europa habe sich über das Geschehene nicht zu beklagen. In seiner Mitte ist eine Diacht aufgerichtet, die nicht den Krieg, sondern den Frieden will, nicht unruhigen und hochmüthigen Temperaments ist, sondern ebenso friedliebend wie stark, sich der Einmischungen enthält und der Eroberungen nicht bedarf.
Wien, 29. September. Nach einer Meldung der „Polit. Corresp." aus Sofia wird die aus Bukarest herftammende Nachricht von der Abreise des Fürsten von Bulgarien nach Wien als vollständig erfunden bezeichnet, ebenso seien alle angeblichen Abdications-Absichten desselben gänzlich unbegründet. Die Stellung des Fürsten sei fester als je; sowohl aus der Sobranje wie aus dem Lande kämen dem Fürsten zahlreiche Beweise des Vertrauens und der Dankbarkeit für die Herstellung des gegenwärtigen Zustandes zu.
Pesth, 29. September. Die Conferenz der kroatischen Abgeordneten hat folgende Beschlüsse gefaßt, welche durch eine aus 5 Mitgliedern bestehende Deputation dein Ministerpräsidenten Tisza unterbreitet wurden: Entfernung des doppelsprachigen Wappenschildes, Wiederherstellung von Wappenschildern, welche blos mit kroatischer Umschrift versehen sind, Sistirung des königlichen Commissa- riats, Herstellung der Constitutions-Regierung, Einberufung des kroatischen Landtags, sofortige Verhandlung über das Ausgleichsgesetz durch beide Regierungen. Der Verhandlung über die Wappenfrage im gemeinsamen Reichstage werden
Deutschland.
Wiesbaden, 29. September. Se. Maj. der Kaiser ist mit Ihren Ä, K. Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, der Prinzessin Victoria, beni Großherzog von Sachsen und dem Prinzen Luitpold von Bayern heute Vormittag über Frankfurt nach Darmstadt abgereist. Zur Verabschiedung waren die Generäle v. Treskow, Gras Brandenburg, v. Schachtmeyer, die Spitzen der königlichen und städtischen Behörden, sowie der Landes-Director Sartorius am Bahnhof anwesend. Se. Maj. der Kaiser erfreut sich trotz der Anstrengungen des gestrigen Tages des besten Wohlseins.
Wiesbaden, 29. September. Der von Sr. Maj. dem Könige Albert m Sachsen auf Se. Maj. den Kaiser ausgebrachte Trinkspruch lautete wie folgt: „Wenn wir am heutigen festlichen Tage uns der Erinnerung hingeben an die ernste aber schöne Zeit, wo es den festgeeinten deutschen Stämmen vergönnt war, feindliche Angriffe auf des Vaterlandes Grenzen siegreich chuwehren, dann aber mit dankbarer Freude uns vergegenwärtigen, daß unser Vaterland während 12 Jahren äußeren Friedens die Früchte seiner Siege genießen konnte, so drängt sich unwillkürlich ein Name auf unsere Lippen, der des Mdherrn, der unsere Heere zu immer neuen Siegen führte, des Herrschers, welcher durch seine Weisheit und Mäßigung Deutschland und der Welt den Mieden erhielt, der Name unseres heißgeliebten Kaisers Wilhelm. Auf diesen tarnen Ihre Gläser zu leeren fordere ich Sie auf. Se. Maj. der Kaiser Wilhelm, er lebe hoch 1" — Der Kaiser dankte dem Könige von Sachsen und bat, nicht nur auf das Wohl des Königs von Sachsen, sondern auch auf das Wohl der gesammten verbündeten deutschen Fürsten, die zur Einigung Deutschlands deigetragen, trinken zu dürfen.
Darmstadt, 29. September. Seine Majestät der Kaiser, Ihre Kaiserlichen königlichen Hohetten der Kronprinz, die Kronprinzessin und die Prinzessin Viktoria von Preußen, sowie Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen Weimar »äsen heute Vormittag 12 Uhr, mit Extrazug von Wiesbaden kommend, zum Besuche der Großherzoglichen Familie dahier em. AUerhöchstdieselben wurden am Bahnhofe der Matn-Ncckar-Eisenbahn von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, Ihren ^roßherzoglichen Hoheiten der Prinzessin Victoria und dem Prinzen Heinrich, so- vie Er. Durchlaucht dem Prinzen Franz Joseph von Battenberg begrüßt und empfangen.
Da ein offideiter Empfang verbeten war, so war nur der Großherzogliche vtaatsmintster Frhr. v. Starck, der Königlich preußische außerordentliche Gesandte und devollmächttgter Mmister Legattonsrath Stumm, sowie die Generalität bet dem Em- wng anwesend. Nach stattgehabrer Begrüßung bestiegen die Allerhöchsten und Höchsten ^"ckchaften den Wagen, um durch die im Flaggenschmuck prangende Stadt nach dem -teven Palais zu fahren, allüberall in den Straßen von der zahlreich sich ansammelnden Bevölkerung mit freudig ehrerbietigen Zurufen begrüßt. Am Familtendejeuner nahmen U K. Gr. HH. die Frau Prinzessin Carl, der Erbgroßherzog, sowie die Prinzessinnen ÜMl. Die Weiterreise nach Baden-Baden erfolgt um 1 Uhr 50 Minuten.
Jugenheim a. d. B„ 28 September. Seine Durchlaucht der Prinz Ludwig von Battenberg Ist heute nach Portsmouth abgereist, um daselbst den Dienst als Erster Lieutenant auf Ihrer Majestät Nacht „Victoria u. Albert" anzutreten.
Baden-Baden, 29. September. Seine Majestät der Kaiser ist mit Ihren ?• K. Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, der Prinzessin Victoria und Großherzog von Sachsen-Weimar heute Nachmittag Uhr mittels Extrazugs eingetroffen und von dem Großherzog, der Großherzogin, dem Erbgroßherzog, dem WWn Ludwig Wilhelm von Baden, der Herzogin v. Hamilton und den Spitzen der Morden am Bahnhof empfangen worden. Die höchsten Herrschaften begaben sich als- bcm zahlreichen Publikum enthusiastisch begrüßt, zum Besuche zu Ihrer Maj. w- Kaiserin.
Hesterreich.
Wien, 28. September. Mehrere Morgenblätter feiern in Leitartikeln iL Enthüllung des Germania-Standbildes auf dem Niederwalde. Das „Frem- Wlatt" sagt: Das deutsche Reich sei die führende und regelnde Macht im Mopäischen Concert, die höchste Bürgschaft und der sichere Hort des Friedens Morden. Durch weise Mäßigung habe es der Welt die Ueberzeugung beige- Mcht, daß es ihm mit der Erhaltung des allgemeinen Friedens ernst, daß es daraus bedacht sei, Conflicten vorzubeugen. Dadurch allein habe es seine toubarität mit den Mächten, welche gleich ihm den Frieden wollen, herzustellen zu befestigen gewußt, sich Freunde geschaffen, deren Bündniß für jeden ein-
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An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Die Berichtigung der Ende September l. I. fällig gewesenen Holz- und HeugraSgelder der Oberförstereien Gießen, Schiffenberg und Treis a. d. Lda. hat bis zum 25. dieses Monats — October — bei Meidung der Mahnung anher zu geschehen — wovon Sie Ihren Gemeinde-Angehörigen
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
lieber das Reichsgesetz, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883, welches am 1. December 1883 in vielen seiner Abstimmungen in Kraft tritt, sind zwei Schriftchen erschienen, das eine von dem Königl. preuß. Reg.-Rath E. von Woedtke, das andere von dem Großh.
Hess. Kreisaffessor Dr. Zeller verfaßt.
Diese Schriftchen verfolgen den Zweck, die Kenntniß des bemerkten Reichsgesetzes in faßlicher Weise zu erleichtern und dadurch zur richtigen Ausführung desselben beizutragen. Das erste ist für 1 J6., das zweite für 1 20 H im Buchhandel zu beziehen.
Zufolge Auftrags Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz empfehlen wir die Anschaffung des einen oder des anderen Werkes.
Dr. Boekmann.
Melgien.
Mecheln, 29. September. Der Erzbischof Kardinal Dechamps ist gestorben.
Ettglünd.
London, 29. September. Nach Meldungen aus Hongkong ist Logan, welcher angeklagt ist, bei den jüngsten Ruhestörungen in Canton ein Kind chinesischer Abstammung getödtet und einen anderen Chinesen verwundet zu haben, von dem Gerichtshöfe des nicht vorsätzlichen Todtschlages schuldig befunden und zu 7 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt worden.
— Die „Times" spricht gelegentlich der Einweihung des Niederwald- Denkmals ihre Genngthuung über die Einigung Deutschlands aus. Ein starkes Deutschland gewähre die beste Garantie für die Erhaltung des Friedens in Europa. Indessen bedinge ein starkes Deutschland keineswegs ein schwaches Frankreich; die Kraft Deutschlands sei jetzt so groß, daß es mit Würde die gelegentlichen Reizungen Seitens seiner Nachbarn ertragen könne. Die „Pall Mall Gazette" schreibt anläßlich der Einweihung des Niederwald-Denkmals, das Ueber- gewicht Deutschlands sei eine gewaltige Zugabe in der Wagschale des Friedens. Wenn ein Krieg ausgebrochen, sei Deutschlands Einfluß stets im Interesse der Locali- sirung desselben geltend gemacht worden. Falls die Politik Deutschlands künftig dieselbe bleibe, die sie bisher gewesen, werde ganz Europa Grund haben, sich zu freuen, wenn das Niederwald-Denkmal nicht blos die Wiederherstellung der deutschen Einheit, sondern die allgemeine Anerkennung der Hegemonie der deut- scheu Race von Seiten der übrigen Nationen des Continents verewigen sollte.
Wutzkand.
Petersburg, 29. September. Die den Mächten bezüglich der Ereig- rifie in Bulgarien Seitens der hiesigen Regierung gemachten Mittheilnngen laufen in der Hauptsache aus die Versicherung hinaus, daß Ionin seine Misiion in Sofia in conciliantester Weise fortsetzen wird.
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