ZweitesBlatt
Mm
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Preis vierteljährlich 2 M^rk 20 Pf. mit Bittngerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
virream Schulstraße 7.
Erscheint mit Ausnahme des MsntagS.
■ M Händler.
bensver-
profl
ri°/o
;fenbß '
1 vvuu iiuu; mu-i-tii im pru^nui einer pauameuiaujajeir öe"|]imr
Sauber und wenn auch dieselbe voraussichtlich nur von kurzer Dauer sein lP' )o bat sie bncfi den SVrnmtM rn ptyipt ttphptt frnffinpn SRpmtrm ititforoß
0U<5
Der Reichstag ist am Mittwoch zu seiner außerordentlichen Session zupmmengetreten und, wie schon vorher bekannt gegeben worden war, vom Lmtssecretär im Reichsamt des Innern, v. Bötticher, eröffnet worden. Die Eichnungsrede bezeichnet zunächst als Grund der sofortigen Einberufung des Reichstags den deutsch-spanischen Handelsvertrag, welcher dem Parlament zur velsassungsmäßigen Beschlußfassung vorzulegen ist, und weist dann auf die ihvimgen diplomatischen Verhandlungen hin, welche nach Beendigung der lesten Neichstagssession dem Abschlüsse des genannten Vertrags vorangegangen hfo. Auf Grund der erfolgten diplomatischen Verständigung zwischen den bei'den Vertragsmächten sei eine vorläufige Inkraftsetzung der vereinbarten Zoll- müßigungen unter Vorbehalt der für die definitive Gültigkeit des Vertrags Widerlichen Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages erfolgt. Die te hebt dann noch die der Einberufung des Parlaments entgegengestandenen Bedenken besonders der hierzu ungünstigen Jahreszeit und die persönliche Be- Wigung seiner Mitglieder hervor, welche Bedenken aber vor dem unerwarteten llnistande, daß aus weiten Kreisen übereinstimmend gegen die Abweichung von m Buchstaben der Verfassungsbestimmungen Klage erhoben worden sei, yließlich hätten zurücktreten müssen. lieber politische Fragen enthält die Eröffnungsrede nicht die geringste Andeutung, was um so mehr zu der Hoff- p berechtigt, daß die Session nur eine kurze und lediglich praktischen Ge- Mjten gewidmet sein wird, als sich der Reichstag außer mit dem deutsch- bmschen Handelsverträge nur noch mit der internationalen Convention Wglich der Nordseefischerei beschäftigen wird. Die Eröffnungssitzung war m allen Fractionen zahlreich beschickt, der Namensaufruf ergab 260 anwesende Wnete und somit ist das Haus vollkommen beschlußfähig. Auf Antrag ^Abgeordneten Windthorst wurde das vorige Präsidium v. Levetzow— J 'lwnkenstein—Ackermann per Acclamation wiedergewählt. Am Donnerstag .Olls Haus in die erste, resp. zweite Plenarberathung des Vertrages ein, Atzdem am Mittwoch der Abgeordnete Rickert bereits den Antrag aus Verölung des Vertrags an eine Commission eingebracht hatte. — So befinden 11 uns denn noch mitten im Sommer plötzlich einer parlamentarischen Session
Der jüngste Aufstand in Spanien hat, obwohl nunmehr gänzlich wieder unterdrückt, seine Rückwirkung auf das Madrider Cabinet doch nicht verfehlt. In letzterem hat die Frage der Wiederherstellung der vom König Alfonso in Folge des Aufstandes aufgehobenen constitutionellen Garantien zu lebhaften Erörterungen geführt und soll das gesammte Cabinet Sagasta nach neuerlichen Mittheilungen bereits seine Demission eingereicht haben, sowie Sagasta vom König mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden sein.
König Karl von Rumänien ist im Laufe dieser Woche von seiner Reise nach Berlin und Wien wieder nach Bukarest zurückgekehrt. Es ist kaum nöthig, die hohe politische Bedeutung dieser Reise nochmals hervorzuheben. — Der ungemein herzliche Empfang, dessen sich der rumänische Herrscher an den Höfen von Berlin und Wien zu erfreuen hatte, und seine wiederholten Con- ferenzen mit den österreichischen Ministern Grafen Kalnoky und Baron Kallap zeigen zur Genüge, daß Rumänien nunmehr entschieden in das Fahrwasser dec deutsch-österreichischen Politik eingelenkt ist, was für zukünftige Verwickelungen auf der Balkanhalbinsel jedenfalls von großem Einfluß sein wird.
Rußland zeigt den Bulgaren jetzt unverhüllt seine Faust. Der russische Agent Ionin in Sofia hat einer bulgarischen Deputation gegenüber erklärt, daß die russischen Generäle unbedingt noch 2 Jahre in Bulgarien bleiben würden und daß die fortgesetzte Agitation behufs Absetzung der russischen Officiere und Beamten als eine direete Auflehnung gegen Rußland angesehen werden würde.
Die furchtbaren vulkanischen Eruptionen, von denen jüngst die zwischen den Sundainseln, Java und Sumatra, gelegene Insel Krakatoa heimgesucht wurde, haben ihre verderbenbringende Wirkung bis auf Java selbst erstreckt. Die ungeheuren Wassermassen der Sundastraße, welche durch die vulkanischen Ausbrüche auf Krakatoa emporgeschleudert wurden, verwüsteten Anjer, Tjesringen, Telokletong und andere javanische Städte an der Sundastraße vollständig, alle Leuchtthürme an der Sundastraße sind verschwunden. Die Zahl der durch dieses Elementarereigniß umgekommenen Europäer und Eingeborenen soll eine ungemein große sein.
:ortan 7/l? W g an die dmdeck-n
tgeschaftes dm
edriger als W
)e Verpflichtung M Men.
erhältniß der M etig wachsende" Zahlungen wu
)o/o KeivimB J 1882
Gießen, 1. September.
Ein nationales Fest markirt diesmal den Uebergang von der abge- lachnen zur neuen Woche — d§r Sedantag. Wie in den früheren Jahren, so Hot man sich auch dieses Jahr überall in Deutschland, wo man noch warm die gr>ße Zeit von 1870 und 71 nachempfindet, gerüstet, die Erinnerung an diesen Lstentag der Nation festlich zu begehen. Nicht mit dem Uebermuthe des Siegers, nicht dem tapferen Besiegten zum Hohn, feiern wir alljährlich die Wieder- lefi des Tages von Sedan, sondern um die Erinnerung an das, was er uns Fracht, in unserm Volke frisch und lebendig zu erhalten und um das Andenken $tct, welche in jenem blutigen Kampfe um Deutschlands Macht und Einheit fielen, sowie die noch in unserer Mitte lebenden Helden aus jener Zeit zu ehren. D-n nachfolgenden Geschlechtern soll und muß der Tag, an welchem auf den Jdbern von Sedan die Sonne der deutschen Einheit, wenn auch über Blut uck Leichen, so doch hellstrahlend und glückverheißend aufging, stets ein geweihter Mitben und hauptsächlich deshalb begehen wir alljährlich seine Wiederkehr in Wcher und würdiger Weise. Möchte darum der 2. September, den wir auch beite wiederum feiern, dem deutschen Volke noch bis in die fernsten Zeiten als Ehren- und Ruhmestag leuchten!
\t
w*
■
Ü’“»
mit ||
- JJiüghebtr aug-c Quanten ihroi e Mir Ankaufs schm.
Berlin, 28. August. Die Untersuchungen, welche anläßlich der letzten Wasserschäden in Schlesien im Gange sind, bestätigen die bereits früher ausgesprochene Auf- foffung, daß außer den von der Provinz zu gewährenden Beihülfen für öffentliche Zw'.cke, insbesondere also Wege-, Wasser- und Brückenbauten, zur Erhaltung des Besitzstandes ein Eingreifen mit öffentlichen Mitteln nur in einigen Distrikten und zwar namentlich da wird eintreten müssen, wo kleinere Besitzer wiederholte Uebcrfluthungen zu erdulden haben- Der vielleicht noch wichtigere Thetl der Erhebungen, welcher sich mit den Ursachen der Schäden und den Mitteln befaßt, ihrer Wiederkehr vorzubeugen, hat zunächst als drittes der Regulirung dringend bedürftiges Flußgebiet neben Bober und Elstzer Neisse die Weistritz im Regierungsbezirk Breslau ergeben. Die Vorarbeiten für die Regultrungspläne werden unter der oberen Leitung des Meliorations.Inspektors, dem eine Anzahl tüchtiger Techncker beigeordnet sind, bewerkstelligt. Man hofft auf dem Wege der Genossenschaftsbildung mit Staatshilfe baldigst zu befriedigenden Ergebnissen zu gelangen. Mehr als dies noch der Meinung mehrerer Sachverständigen bet den vorjährigen Wasserschäden in Westdeutschland angenommen ist, wurde dabet die Bedeutung der Bewaldung der Höhen, auf denen die Wolkenbrüche stattfanden, erkannt. Unter im Uebrigen gleichen Verhältnissen hat sich mehrfach der Ablauf der Wässer von bewaldeten Höhen auf 8 Tage und länger vertheilt, die anderwärts von kahlen Hängen auf einmal mit verheerender Gewalt tn die Thäler stürzten Eine umfassende Aufforstung der vielfach zu Ackerbauzwecken geordneten früheren Waldflächcn auf den Bergen wird als Nothwendigkeit bezeichnet, deren Durchführung nicht ohne erhebliche Beihilfe des Staates sich wird verwirklichen lassen.
— In Newyork eingetroffene Privatberichte wissen von einer verzweifelten Schlacht zu erzählen, welche am 10. d. M- zwischen Chilenen und Peruanern geschlagen worden ist. Erstere richteten unter ihren Feinden ein furchtbares Blutbad an, welchem 800 bis 1000 Mann zum Opfer fielen, darunter der Oberst Leoncio Prado, Sohn des letzten Präsidenten von Peru. Die Schlacht wurde bet Huamachuca geliefert. Der Vorthetl der Stellung war im Vorhinein auf Setten der Chilenen, welche die beherrschenden strategischen Punkte besetzt hielten und besonders ihre Kavallerie in einer Weise postirten, daß sie die Rückzugslinie des Feindes auf das ^Ernsteste bedrohte. Schon während der beiden vorhergegangenen Tage hatten Geschützkämpfe und kleinere Scharmützel stattgefunden, indeß die eigentliche Schlacht am 10. um 6 Uhr Morgens ihren Anfang nahm. Mehrere Stunden lang wogte der Kampf unentschieden; um Mittag war er sogar in ein erbittertes Handgemenge ausgeartet. Nunmehr inscentrte der chilenische General ein Umgehungsmanöver und zwang dadurch den Feind zum Rückzug, der aber bald tn allgemeine Deroute ausartete. In diesem Augenblicke warf sich die chilenische Kavallerie auf die Trümmer des peruanischen Heeres und zermalmte dieselben in Atome. Mehrere Obersten fielen, den peruanischen Generalen Caceres und Racabaran gelang es, obgleich verwundet, zu entkommen. Nach dem chuentschen Schlachtberichte standen etwa 4000 Peruaner gegen nur 1600 Chilenen. Die siegende Partei beziffert ihren Verlust auf 56 Todte, 83 Schwer- und 21 Le chtverwundete. Dagegen wurden die peruanischen Streitkräfte völlig ausetnandergesprengt. Als Beute fielen den Chilenen 11 Geschütze, sämmtltche Munition, 800 Gewehre und eine Fahne tn die H°nde.^ ber amerikanischen Eisen-Industriellen wird in den Kreisen
der letzteren selbst, wie man uns aus Neuwymk schreibt, andauernd für sehr prekär gehalten. Man sürchtet dort hauptsächlich di- deutsche weniger die englische Con- currenz, weil Deutschland unter den weitaus vortheilhastesten Bedingungen producirt. Hatten bisher die außerordentltch hohen Importzölle der amerikan scheu Jndustr - wirksamen Schutz gewähr«, so ist durch die th-tlw-is- Ermäßigung derselben schon etn fühlbarer Umschwung zu Gunsten der deutschen Coneurrenz etngetreten, der sich nur noch mehr accentuiren kann, wenn die Zollherabsetzungstendenz jenseits des Oceans weitere Fortschritte machen sollte.
DermischteS.
— Einen grade nicht sonderlich erfreulichen Beweis von Deutschenhaß und zugleich unverwandtschaftlicher Rücksichtslosigkeit haben in letzter Zeit der Graf von Paris und mehr noch sein geistig ungleich fähigerer Bruder, der Herzog von Chartres, gegeben.
"r d° M sie doch den Impuls zu einer neuen kräftigen Regung unseres 1 h ^bens gegeben, welche erkennen läßt, daß die politische saison morte
tear’Theurigen Sommers ein überwundener Standpunkt ist. ^^llucher Weise hatte die unerwartete Sommercompagne des Reichstags die .Meinung in Deutschland nicht wenig erregt, zumal jener der be- h* — ^H^m-Artikel gegen Frankreich vorausging. Der nunmehr Eeinige Zweck der Einberufung des Reichstags dürfte mittlerweile auf hegten Gemüther beruhigend gewirkt haben.
Äciiaen ^^nüber diesem großen Ereigniß der Woche treten die L o^ll^ebenheiten, soweit sie Deutschland anbelangen, in den Hintergrund, die am Mittwoch stattgefundene Parade des Gardecorps bei Witte h r £ deu großen Herbstübungen vorauszugehen pflegt. Der Kaiser ^erstlden an der Spitze einer überaus glänzenden und zahlreichen Suite dm hip? greise Monarch sah außerordentlich wohl und rüstig aus, so daß ^etrannn , begründete Zuversicht schöpfen darf, daß er den großen An- Ms»^ ; Eche ihm die nächsten Wochen bringen werden, vollkommen ge-
jein werde.
tische Bewegung in Ungarn, wie die anti- Ausschreitungen in Croatien ziehen jeden Tag weitere Kreise und Militärbehörden zur Ergreifung nachdrücklicher Repressives meftfiA ^gen die Juden gerichteten Excesse in zahlreichen Ortschaften ta fhrrnrfx ix(l^ gleich den Unruhen in Croatien den Charakter biPUn n 7,ufru,^r§ und namentlich im Zalaer und Somogyer Comitat to nixt dauptsächtlich von den Bauern ausgehenden Ausschreitungen ihre allein gegen das Judenthum, sondern gegen die wohlhabende |uL nß ?-7'brhaupt, gleichgültig, ob die Bedrohten Christen oder Juden 'l' ^nheilnp^^'Esther Negierung gelingen wird, den Geist des Aufruhrs, iS^artpt nJik ?urt^ Transleithanien schreitet, bald zu bannen, muß erden, allzu rasch scheint dies indessen nicht gehen zu wollen.
16 M ; L P ।
16 Sa
er ®ü)N
mt m GietzW bettrob. 3 iiitteimi d-rH-nb-ÄMl;
6 Jahren w«1 M
er
;rten sab L an
rb ei«
e« V“,a lt ist th°V «",el |
Nst»!
A i dnW 10
Ar. 208. Zweites Blatt. Sonntag den 2. September 1888.
Gießener Anzeiger


