Br. SS. Dienstag den 1. Mai 1888.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureaur Slchulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher HHeil.
Nr. 5 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. l. M., enthält.
(Nr 1490 ) Bekanntmachung, betreffend eine Abänderung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen, welche einer besonderen Genehmigung bedürfen.
Gießen, am 28. April 1883. Großherzogli^es Kreisamt Gießen.
Deutschland.
Darmstadt, 28. äipril. Zur Frag- der Nhern-Correction wud uns geschrieben:
Mit der Berufung des Kretsbaumeisters Walter m b'e Bauabtheilung dcs Finanzministeriums behufs commtssarischer Mitwirkung an dem geplanten Rhein- correcttonswerk ist das Vorstudium dieser Arbeit abgeschlossen und es beginnt nunmehr die praktische Bewältigung der entstandenen Schwierigketten. Man wird sich erinnern, daß die Regierung zu Darmstadt der Landesvertretung legislatorische Vorschläge in Bezug auf die neu in Angriff zu nehmenden Strombauten zugesagt hat. Nachdem das Gutachten der Mainzer Commission seit nahezu zwei Monaten vorgelegen hat und ein beiläufig klares Bild über das, was geändert und neugeschaffen werden muß und kann, inzwischen für die technische sowohl wie für die zuständige Finanzbehörde zu gewmnen war, siebt jetzt einem raschen Fortgang der Regultrungsthät'gkett nichts mehr im Wege _ es sei d<nn, daß durch den im Bundesrathe noch zu erledigenden Antrag Buhl- Thilenius, Consiquenzen hervortreten, die hemmend oder ändernd auf die düssettigen Absichten zurückwtrken. Die Ungewißheit über die Tragweite der Erledigung des bezeichneten Antrags ist es auch, welche uns eben sagen ließ, daß nicht ein abgeschlossenes, sondern nur ein beiläufig klares Bild dessen, was unserem Lande zu thun bevorsteht, gewonnen werden kann. Es wäre von wesentlichem Nutzen — und zwar in mehr als einer Beziehung — wenn das eudgtlttge Schicksal des Antrages Buhl-Thilenms ehe- baldigst abzu'ehen sein würde. Zumeist natürlich um der Einheit des auf der ganzen deutschen Rheinttromftrecke vorzunehmendesi Correctionswerkes willen, sodann aber auch, um einer Agitation roh ff am begegnen zu können, welche soeben sich auf den Weg zu machen und Nachgefühle jener bitteren Tage wachzmufen scheint, in denen die unleugbar begangenen Fehler der Strombaubehörden — allerorten, nicht in unserem Lande allein — an Leben und Eigentum der Uferbewohner so schrecklich empfunden worden. Selbst in hessischen Abgeordnetenkreisen unterschätzt man thetlwetse, daß hier die Abhilfe, wenn sie ein gut Ding werden soll — auch etwas Weile haben will. Es werden aus jenen Kreisen Klagen über eine Verschleppung laut, die aber ebensowenig zuge- sisndcn werden könne, wie es sich rechtfertigen läßt, daß nach diesen wenigen Wochen der vorberathenden, jetzt abgeschlossenen Thättgkeit der in Betracht kommenden technischen und Verwaltungsbehörden unter sich, em Tadel ausgesprochrn wird, der in die kaum wieder zuversichtlich gewordene Bevölk-rung Unzufriedenheit und neue Besorgnisse für die Zukunft htneinträgt. t ,
Es empfiehlt sich denn doch, mit dem ja auch von der Mainzer Commission rundweg ausgesprochenen Geständnisse, daß durch allzugeringe Berücksichtigung der landwtrthschastlichen Interessen seitens der Strombauleitung ehedem schwere Fehler gemacht wurden und m't der Zusicherung von Vorschlägen zwecks Ausgleichs der corcurrirenden landwirthschaftltchen und Sch'fffahrts-Jnieressen sich genügen zu lassen. In Baden hat man ein Provisorium abgeschlossen, angesichts dessen die unausweichlichen umfangreicheren Arbeiten erst nach Jahr und Tag unternommen werden sollen. Bayern hat allerdings die Geldbewilligung vorweg durchgesetzt, aber von unseren Nachbarn in ter Pfalz, wie aus dem preußischen Rheingebier kommen uns Berichte zu, die zur Gewißheit machen, daß Hessen mit Nichten jenen Staaten einen Vorsprung in der Arbeit lassen wird. Es erübrigt uns nur noch eines Umstandes zu gedenken, der so kleinlich wie unberechtigt in den Vordergrund gedrängt worden ist. Man findet es für sehr nöthig, die Berufung Walters abfällig zu krttlsiren, unter Hinweis auf dessen frühere Stellung am Bauamtsbeztrk Groß-Gerau, in welchem eben die Fehler der Correction überwiegen. Indessen können wir auf das Bestimmteste versichern, daß Herr Walter, als ein tüchtiger Strombautechniker den ährt, dem Inhalt der der Landesvertretung durchaus im Sinne der Mainzer Commission zu machenden Vorschläge ebenso bereitwillig zu praktischer Gestaltung verhelfen wird, wie er als ausführender Beamter in Groß-Gerau s. Z. demjenigen Rechnung getragen, was ihm »on der vorgesetzten Behörde vorgeschrteben war. Und daß die aus auswärtigen hervorragenden Sachverständigen zu bildende Commission den Werth der Vorschläge erst prüfen wird, versteht sich doch so sehr von selbst, daß Zweifel hierüber, nach den bündigen Versprechungen der Regierung, als illoyal der Beachtung gar nicht werth- seiy sollten."
Berlin, 28. April. Reichstag. Das Haus nahm m zweiter Lesung das Gesetz über die Reichskriegshäsen mit unerheblichen Abänderungen an. Bei der fortgesetzten Berathung über das Krankenkassen-Gesetz wurden sodann die SS 55 und 56 angenommen. Bei S 57 entspann sich eine längere Debatte zwischen Lohren, Hirsch und Löwe über die Gewerkvereine. Der Paragraph wurde sodann mit dem Amendement Gutfleisch angenommen, wonach der Beitritt zur Fabrikkasse Leinen Anspruch auf Unterstützung gewährt, falls bereits bei der Beitritisanmeldung eine Erkrankung vorliegt. Auch die SS 58 bis 68 wurden unverändert angenommen. Nächste Sitzung Montag.
— Die Börsensteuer-Commission lehnte in der heutigen Schlußsitzung den Gesetzentwurf Wedell und die Resolution des Fürsten Hatzfeldt ab und nahm einstimmig den Antrag Beisert an, die Petitionen gegen das bestehende Reichsstempelgesetz dem Reichskanzler als Material für eine künftige Revision zu überreichen. Die Commission beauftragte den Fürsten Hatzfeldt mit dem schriftlichen Referat.
— Abgeordnetenhaus. Bei der weiteren Berathung des Organisations- Gesetzes nahm das Haus nach unerheblicher Debatte S 8 brs 481 an und vertagte die Weiterberathung bis Montag.
Berlin, 29. April. Das Befinden des Ministers Maybach ist, wie die „Nat.-Ztg." hört, ein ungünstiges. Derselbe hat die Absicht ausgesprochen, demnächst in Ruhestand zu treten. Diese Nachricht wird berechtigtes Aufsehen machen, denn man kann Herrn Maybach zur Zeit ohne Uebertreibung für unersetzlich erklären. Ausgefallen ist es allgemein, daß Maybach in letzter Zeit sehr gealtert ist; es ruht auf ihm eine enorme Arbeitslast. (Fr. Ztg.)
Marburg, 28. April. Zu der am 1. Mai hier stattfindenden 600- jährigen Jubiläumsfeier der lutherischen St. Elisabethkirche werden großartige
Vorbereitungen getroffen. In der Kirche wird das Oratorium von Liszt „die Legende von der heiligen Elisabeth" zur Aufführung gelangen. Liszt wird selbst anwesend sein. Am Abend soll die Kirche elektrisch beleuchtet werden und der Choral „Nun danket alle Gott" mit Orgelbegleitung von allen Anwesenden gesungen werden. Zahlreiche Festtheilnehmer von außerhalb sind bereits angemelde.t
Leipzig, 28. April. Die bisher eingelaufenen Anmeldungen lasten eine sehr zahlreiche Betheiligung an der vom Allgemeinen deutschen Musikverein veranstalteten Tonkünstler-Versammlung, welche in den Tagen vom 3. bis 6. Mai hier stattfinden wird, in Aussicht nehmen. Es finden sechs Concerte statt, und zwar ein Oratorien-Concert, zwei Kammermusik-Aufführungen, ein großes Con- cert im Neuen Theater, ein Concert in der Nicolaikirche und ein großes Con-
cert im Krystall-Palast. r,
Dresden, 28. April. Der König und die Königin sind heute Vormittag im besten Wohlsein hier wieder eingetroffen und von den Mitgliedern der königlichen Familie, den Staatsministern, Hofstaaten, der Generalität und den Vertretern der Stadt am Bahnhofe begrüßt worden. Die Majestäten nehmen jetzt ihren Aufenthalt in der königlichen Villa in Strehlen.
Karlsruhe, 28. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog ist heute früh via Frankfurt nach Kissingen abgereist.
Eisenach, 28. April. Nach hier eingegangener Nachricht ist die Stadt Geisa im weimarischen Oberlande heute von einer Feuersbrunst heimgesucht worden, welche nahezu die Hälfte der Stadt, darunter die Pfarrei und Schule,
in Asche gelegt hat.
Straßburg, 27. April. Bet der gestrigen Berathung des Landesausschusies über die Tab^kmanufaktm erklärte Unterstaatssecretär v. Mayr dem Abgeordneten v. Bulach gegenüber, welcher sich sehr mißbilligend über den Betrieb und die Leistung der Manusaklur ausgesprochen hatte, er stelle die Interessen des Landes hoher als persönliche Angriffe und werde auf letztere nicht antworten. Die Regierung habe volle Klarheit über die Lage der Manufaktur versprochen und dieses Versprechen durch die Vorlage der Denkschrift emgelöst, welche Zahlen enthalte, rote solche noch niemals über die Manufaktur veröffentlicht worden seien. Der Vorredner habe in Betreff dieser Kahlen wohl den Vorwurf der Schönfärberei gemacht, sei aber- deni Bewe s dafür schuldig geblieben. Die Regierung habe durch die angeordnete Betriebsreduktion den Wünschen entsprochen, welche die Opposition bet der vorjährigen Etatsberathung kund- aegeben. Es sei nicht zutreffend, daß die Regierung dm Landesausschuß über rhre Absichten im Dunkeln gelassen habe. Nachdem die erste Betriebserweiterung eingetreten, habe der Landksausfchuß, nachdem chmdie Art und Wetse derselben dargele^ wieder eine halbe Million bewilligt. Diese Bewilligung ser also nicht in Unkenntnitz der Dinge erfolgt. Was den vom Redner behaupteten Zusammenhang dieser Erweiterung mit dem Monopolprojekt betreffe, so habe bei den Debatten nicht die Regierung von Monopol gesprochen, sondern der Landesausschuß habe dasselbe wiederholt angeregt und sich in jeder Session für das Monopol erklärt. Die Manufaktur sei zu keiner Zeit ohne technische Leitung gewesen man habe wohl an Stelle des kauft männischen Direktors einen Beamten gesetzt sei aber jetzt wieder zum Q n «n zurückgehhrt. Was die Sätze des Voranschlags betreffe, so bedeuteten dieselben kein Versprechen der Regierung, die darin gegebenen Ziffern einzulosen, sondern sie enthielten eine auf sorgfältiger Erwägung beruhende Schatzung. Ob dieselbe dann zutreffe, hänge von dem Gange der Geschäfte ab; es dürfte also nicht behauptet werden, daß Versprechen nicht gehalten worden seien. Es sei keineswegs beabsichtigt gewesen, nur für den deutschen Markt zu arbeiten. Die Direktion der Mannfaktur fei 'm Gegentheil von ihm, 'nem Redner, in einem besonderen Erlasse angewiesen worden sich des Verkaufs der Fabrikate im Lande mit erhöhter Thätigkeit anzunehmen. UnMstaatssecretar v Maur verweist sodann auf den ersichtlichen Zusammenhang d^r Agttation der In !eressersten"mll Artikeln de- Presse, welche ausgeschäftlichen und dis-chUnarn Rilck- sichten nicht vor Gericht gebracht werden konnten; ein Staatsinstitut habe gegen lorcy Lgttat.on Nichs die Mitül der Abwehr. In der G°n-r°l°-rs°mm'ung,?
Tadakinteressenien vom 12. November 1882 sei der Berliner »Tribüne , ch °e^ Kamps mit allen Mitteln geführt, ausdrücklich der Dank des Vorsttz-nd-n und ihre weitere Verbreitung empsoblen worden; dasielbe ge,chay ineinem g Flugblatt, in welchem die „Tribüne" als Organ des Kampfes gegeu^die Manusarmr empsoblen wurde, und in der „Tabakszeitung vom 16- 2r°a6n,tet,f weil augenblick- Jahresbeitrag der Tabak,nt-r-st-nt-n auf .5 ■ (mm‘ 30]'M‘5««6«g b"en ^opefln dieser
lich keine Veranlassung zu ->n-r regen Agitation vorl'-g-. ^u^^^
Agitation sei von Seiten der Interessenten nie ein V b I . ^oth durch Beigeordnete v Bulach habe d>- Cigarrenbestände r Man s bereiten würden und hariptungen herabgesetzt, welche dem Lande stnanz -n va) gebliebenen Retour - d'° Sache so dargestellt. -»ob der ganz^Stock*•«»« ^Ln. Die Retour- waaren bestehe, er Hütte sich erst über^ der43 1 ^öhte Theil der Cigarren habe waaren stellten einen höchst n aß,gen Bruchih ll da^ der g 8 Landesfinanzen schuldig, Straßburg nie verlassen. Er (R-dn-r) Z °^nt-?sta°tss-cr-iär wandte sich des W-it-r-n dies mit aller Bestimmtheit zu erklären.D ^goentars, das per Commissson vor- gegen dtc Unterstellung. als °b di- Angaben des ^nvema ^ unb „ wüsse
gelegen, unr.ch.ig seien di Commst ton habe vastes 'ung’Der“nUttunB8oolIen Borden Abgeordneten wieder holt auWrdern, iw „,cht darum, weiter
wurs der Schonsärberet Geld aus ihren Fabrikaten heraus-
Geld in die Manufaktur &taetnaufwr , 1 Verkauf derselben in der
-uzi-heu. Di-B-'b-halt^ grundstürzende
Reihe der Jahre für das Lan • b|e Manufaktur aufzugeben, sei also im In- Vorschlag ?ibgeordneten v. B ch, bi nach zweistündiger Pause die Sitzung teresse der Land-sftnanzen «»Mw«, Abgeordneten Grad, der sich für di- Bei-
wi-d-r °usg°n°mm-n "ar ergll Abg.mdnetc v. Bulach wieder das Wort, um b-h->ltu"g d-r Manufaktur aus » des Monopols und als
I e?ner7cr^bes?/n ^Kunden^ ?er Manusakturcigarren erklärt,'die in seinen vorigen Aus-


