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Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
1862
173. <Wrftes Blatt
" , . , . . PrciA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Pringerlcchr.
SkiWHtt x Sch ul st raße B. 18. Erscheint täqlxch mit Ausnahme e ^».onfa^c. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Zmlki'cher Höci l'.
Gefundene Gegenstände:
3 Taschentücher, 2 Kinderschuhe, 1 Kinderstrumpf, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 3 Handschuhe, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.
Gießen, am 29. Juli 1882. Großherzogliches Polizemmt Gießen.
Fresenius. ______
Arankreich.
Paris, 27. Juli. Der General-Zahlmeister der See-Alpen, Gautier de Rigny, ist seit 3 Tagen flüchtig; in seiner Kaffe fehlt eine Million Franken.
England.
London, 27. Juli. Das Unterhaus nahm die Creditvorlage mit 275 gegen 19 Stimmen an. Im Laufe der Debatte wies der Premier Gladstone die Vorwürfe zurück, daß er eine schwankende Politik getrieben habe. Gladstone erinnerte daran, daß der Pariser Vertrag, soweit er durch den Berliner Vertrag nicht aufgehoben sei, sortbestehe, eine Einmischung in die Angelegenheiten des ottomanischen Reiches sei daher eine Sache von europäischem Interesse. Hätte man zur Zeit des Bmubardements eine Jnvasions-Arnee ausgestellt, so wäre der Vertrag verletzt worden. „Unser Bestreben war, zu verhindern, daß die lokale Schwierigkeit eine europäische oder gar ein europäischer Krieg werde. Durch unser Verhalten haben wir die nationale Eifersucht entwaffnet und Europa überzeugt, daß England unselbstsllchtig handelt. England und Europa sind der Ansicht, daß der Sultan eine Proklamation erlassen und darin seine Stellung zu Arnbi Pascha klar definiren muß. Die Negierung glaubt, daß die ganze britische Nation das Unternehmen billigt, das sie mit aller Energie durchzuführen beabsichtigt, um die Interessen des Reiches unv die Wohlfahrt des egyptischen Volkes zu fördern und ein ehrliches Werk zur Herstellung des Friedens zu vollbringen."
Aegypten.
Paris, 27. Jult. Die „Agence Havas" läßt sich aus Madrid melden: Der Minister d.s Auswärtigen hat m einem Rundschreiben an die spanischen Gesandten bet den europäischen Höfen darauf hingewiesen, daß der Suez-Canal für Spanien wegen seiner Colonien von größerer Bedeutung sei, als für einzelne der Großmächte und daß deßhalb bei Regelung der egyptischen Frage billigerweise Spanien consultirt werden sollte.
London, 28. Juli. Ein Telegramm des „Daily Telegraph" aus Alexandrien von heute Vormitt'.g 10 Uhr meldet: Arabi Pascha telegraphirte heute früh dem Khedive den Vorschlag zum Frieden, er erbietet sich, sich in ein Kloster zurückzuziehen und fordert für sich Gehalt und Rang eines Obersten und die nämlichen Begünstigungen für Ali Fehmiz, Abdullah, Tulba, Mahmud und Samy Pascha, sowie für 5 andere seiner Hauptanhängcr. Der Khedive hat die Vorschläge Arabi Pascha's dem General Alison mitgethellt und um dessen Meinungsäußerung gebeten. Cavitän Hatton und 2 Adjutanten des Generals Alison begaben sich heute früh nach Mahdla zu einer Besprechung mit Reouf Pascha und 2Ulemas, die aus Kafr-Dowar eingetroffen sind, um über die Vorschläge zu verhandeln.
— Bis 1 Ubr 30 Min. Mittags war weder auf dem Ministerium des Auswärtigen, noch auf dem des Kriegs, noch auf der Admiralität eine Bestätigung der Nachricht des „Daily Telegraph", daß Arabi Pascha seine Unterwerfung angeboten habe, eingetroffen.
— „Daily News" erfährt, der Entschluß des Sultans, Truppen nach Egypten zu entsenden, werde die Action der britischen Truppen nicht im Mindesten beeinflussen.
— Herzog von Teck ist dem Stabe des Generals Wolselcy attachirt worden.
London, 28. Juli. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Alexan- drien von heute gemeldet, es würden zwei Unterhändler aus Kairo, die bisher von Arabi Pascha in Kafre-Dowar zurückgehalten worden seien, und Vorschläge Arabi Pascha's zu überbringen hätten, in Alexandrien erwartet.
Alexandrien, 27. Juli. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus").' Es heißt, die Engländer beabsichtigten, die Forts von Abukir zu bombardiren, well die dortige Garnison sich weigerte, nach Alexandrien zurückzukehren. — Arabi Pascha soll mit dem größten Theile seiner Truppen auf Damanhour zurückgegangen sein und seine Vorposten rn Kafre-Dowar zurückgelassen haben.
— Admiral Seymour hat, die Kommandanten der fremden Kriegsschiffe ersucht, die Angehörigen ihrer Nationalität, welche etwa nach Alexandrien zurückzukehren beabsichtigten, darauf aufmerksam zu machen, daß der Eintritt von Wassermangel in Alexandrien unmittelbar bevorstehe, da Arabi Pascha den Mahmudieh-Kanal abgedämmt habe.
— Der Khedive hat Scheriff Pascha hierherberufen. — Die militärische Situation vor Ramleh ist unverändert; Alles ist ruhig, der Gesundheitszustand der englischen Truppen ist befriedigend.
Port Said - 28. Juli. An den Ufern des Suezkanals ist Alles ruhig. — Lesseps ist nach Jsmaila gegangen, wie es heißt, in Folge von Differenzen, welche zwischen der Suezkanal-Gesellschaft und den Engländern entstanden wären. m,
Petersburg, 28. Jult. Das „Journal de L>t. Petersbourg" meint, wenn die Tü^ei sich der Erfüllung der übernommenen Mission mit Eifer und Aufrichtigkeit unterziehe, so sei eine Lösung der egyptischen tfrage möglich, ohne daß irgend eine der Mächte aus dem gemeinsam feftgefteöten Programm heraustrete. Diese Annahme lasse sich aus den Wunsch der Regierung stützen, die Ordnung in Egypten durch das europäische Concert wtederherzustellen, ohne daß man sich dabei die Schwierigkeiten verhehle, welche aus der Lage Großbritanniens erwüchsen. Der Artikel der
„Times", welcher zu verstehen gebe, daß England bei seinem isolirten Vorgehen frei fei von den gegenüber Europa übernommenen Verpflichtungen, lasse sich wohl nur als eine Einladung an die Mächte auffassen, sich an dem Unternehmen zu beteiligen und könne dem Artikel eine beunruhigende Bedeutung nicht beigelegt werden.
Konstantinopel, 27. Juli. sReuter'sche Meldung.^ Wie verlautet, soll der englische Botschafter, Lord Dufferin, geäußert haben, daß es nunmehr zu spät sei für eine Intervention der Türket allein, hingegen sei ein Bedenken gegen eine militärische Kooperation der Türkei nickt vorhanden. Der Botschafter soll jedoch die vorgängige öffentliche Erklärung Arabi's zum Rebellen als eine wesentliche Vorbedingung der Teilnahme der Türkei an der Expedition angegeben habe.
Konstantinopel, 28. Juli. Telegramm der „Agence Havas". Lord Dufferin stellte nunmehr fn der Mittwochs-Sitzung der Conserenz den Antrag, der Sultan möge eine Proklamation erlassen, durch welche Arabi Pascha für einen Rebellen erklärt wird. Said Pascha nahm diesen Antrag im Principe an, Ixmerkte jedoch, es sei wünschens- werth, diese Proklamation et ft zu erlassen, wenn die türkischen Truppen in Egypten gelandet seien. , , . , ,r .
Alexandrien, 27. Juli. Der Admiral Seymour hat em Schreiben an den Khedive gericklei und erklärt darin wiederholt, daß es keineswegs in der Absicht Eng^ lands liege. Egypten für sich selbst zu erobern, noch auch irgendwie die Religion und die Freiheiten der Egypter anzutasten; England bezwecke lediglich, den Khedive und das Volk gegen die Meuterer zu schützen und sei entschlossen, die Jnsurrection gegen den Khedive zu unterdrücken. In dem Schreiben wird Tewsik ferner gebeten, die egyptischen Soldaten zu veranlassen, datz sie in ihre Heimaih zurückkehren und dem Volke angerathen, Arabi und seine Anhänger als Verräther zu behandeln.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenr-Bureau.
London, 28. Juli. Das Unterhaus nahm den Antrag auf Vermehrung des Effectivbestandes der Armee um 10,000 Mann ohne Abstimmung an.
Petersburg, 28. Juli. Der König und die Königin von Griechenland, sowie der Kronprinz von Dänemark werden, dem Vernehmen nach, die Rückreise nach Kopenhagen über Stockholm antreten. — Einem Telegramm des „Golos" aus Kakujeff zufolge sind die durch die Katastrophe auf der Moskau - Kursker- Bahn veranlaßten Ausgrabungen nunmehr beendet und dabei noch 42 Leichen herausgeschast worden.
L o k K l e H.
Gießen, 28. Juli. (Sitzung der Stadtverordneten vom 27. Juli.) Anwesend Herr Bürgermeister Bramm, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Bai st, Diery, Gail, Grüneberg, Hoch, Homberger, Kauf, Lüdeking, Adolf Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wortmann. — Unter Anwesenheit des Herrn Pfarrer Dr. Naumann und Dr. Tasche wurde die Wahl derjenigen in hiesiger Stadt wohnenden hilfsbedürftigen Personen vorgenommen, welche nach den Bestimmungen des Haft'scheu Testaments am 28. Juli jeden Jahres die Zinsen des Legats von 3000 fl. erhaltcn- In der Sitzung vom 15. Ium ds. Js. wurde der Versammlung ein Schreiben des Kirchei Vorstandes oorgelegt, in w.lchem mttgetheilt wurde, daß die 2. Glocke gesprungen sei. Die Baudeputation schlägt nun in der gestrigen Sitzung vor, daß die Glocke in Bionceguß und der Glockenstuhl in Schmiedeeisen hergestellt werde. Die Versammlung beschließt, nachdem verschiedene Gründe für und wider dies Project geltend gemacht worden waren, den Kirchenvorstand zu ersuchen, durch einen Sachverständigen untersuchen zu lassen, ob durch Abschleifen der schadhaften Stelle, Umhängen des Klopfels und Drehung der Glocke der frühere Ton wieder hergestellt werden kann. — Die Kosten für die stattgehabte Untersuchung der Blitzableiter, sowie iür die Ausbesserung vorgefundener Schäden an denselben werden genehmigt. — Das Gesuch des -aiirtps Heinrich Kirchner um Erlaubniß zur Aufstellung eines Wirthsftandes und Ausübung des Schankrechts während der Carousselvergnügungen auf dem Oswald fcyen Garten wird unter Berücksichtigung der von dem Polizeiamt abgegebenen Erklärung nicht genehmigt. - Dem Gesuche der Erben des Commerzienraths G- PH- GaU um Erlaubniß zur Absperrung des zwischen ihrem und dem- Glaser Bierau scheu Hause liegenden Gäßchens wird Genehmigung ertheitt und beschlossen, den der Stadt zustehenden Theil des Geländes an dieser Stelle den Petenten für 200 al8 Eigen- thum zu überlaffen. Betreffs der Herstellung eines Wafierabfluffes an fragt Ct sieht die Versammlung einer weiteren Vorlage entgegen.
Gietzen, 29. Jul,. Nach Mittheilungen der Großh- E-ntr-lstell-1 für die Landesstatistik zählt- die Gemeinde Gießen am 1- 1880 17003 an wrfenbe
Personen, von welchen 8770 männlich und 8233 weiblich. D Z h Häuser betrug 1232 und zwar 1212 bewohnt und 20 unb°w°hnb Haus H altungen wurden gezählt 3511. Diese Lch-nRrs°n°nünd 22AnMt°n
einzeln lebender männlichen, 186 einzeln tevenoen v ' . . finfnitäler
für gemeinsamen Aufenthalt (Cas-rn-n, Gast- und Logrrhauser, P-nstonat-, Hofpitater. G°fSngniss°w9.°n leMen W55 ^rmijche und 143 weibliche Insassen. Active Militar- P-rson-n wurden 1071 gezahlt- Bevölkerung zusammengesetzt aus 15035 Evan- aelischm ?28OK^tb°lik-n 1 Griechisch-Katholischer? 16 D-utsch^Kath°lisch-lFreireltgiose), 16 M-nnoniten 24 Disstdenttn, 612 Juden. 14 Personen mit unbestimmter und 5 ohne Angabe der Religion. nad) gehörten 14286 dem Grotzherzogthum
- hndfAen Bundesstaaten, 2 Frankreich, 25 Großbritannien und
d 6 Holland, 16 Oesterreich-Ungarn, 2 Rußland, 24 der Schweiz, ?Ä, ,®'Ä 18 d-n Vereinigten Staaten von Amerika an.
1 Sch Dos 'Geburtsland war von 12750 Personen Hessen, von 3397 Preußen.
R^ern 59 Sachsen 70 Württemberg, 99 Baden, 5 Mecklenburg (Schwerin und StreM 34 SachsemWetmar, 3 Oldenburg, 14 Braunschweig, 13 Sachsen-Meiningcn


