Konstantinopel. 25. März. Die Pforte hat dem russischen Dampfer Nischninowqorod" die Erlaubniß erthellt, den Bosporus zu passiren und dabei betont, daß dieses ausnahmsweise Zugeständniß ais kein Präcedenzfall angesehen werden solle.
Lokale»
GieKen. 27. März. Vor einem übervoll besetzten Locale erstattete gestern Nachmittag nm er R-tchstagsabgeordneter Herr Dr. Gutsleisch den Wählern «en<tt über die Verhandlungen des letzten Reichstags. Er erstattete nicht nur e nen Bericht über feine Thistiakeit und seine Abstimmung, sondern gab dis ms Detail eine sorgfältige Schilderung unseres dermaligen politischen Lebens und Treibens. Mit größter Auf- merk amkeit und Spannung lauschten die Hörer dem klaren, pracisen, über volle -wei Stunden währenden Vortrage. Mit lebhaftem Beifall und Autheben von ihren Sitzen gab die Versammlung ihrem Dank Ausdruck über das Gehörte. Wir werden in folgender Nummer aus den Vortrag ausführlich zurückkommen.
— ctn der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurden von bübischer Hand in der Nordanlage 21 Baumstämmchen mittelst eines scharfen Instruments angehauen und sonstige Verheerungen im Bosquet aiigerichtet. Schade, daß die Prügelstrafe nicht mehr exist-'t um solch' elende Subjeete gebührend zu lüchtmen.
Amerika.
New-York. 25. März. Der Dichter Longsellow ist in Folge einer Bauchfell-Entzündung gestorben. .
— Hier eingegangenen Nachrichten aus Hayti vom 12. ds. zusolge sind aus der Insel die Pocken verheerend aufgetreten. In Port-au-Prince sollen bereits über 4400 Menschen der Epidemie erlegen sein. _____
Telegraphische Depeschen.
Wotff's telegr. Correspondcnz-Burcau.
Dari», 26 März. Depeschen aus Cherbourg und Havre melden von einem großen Sturm in Havre. Ein Rettungsboot, welches zur Rettung einer Sloop auslief, kenterte. Die Bemannung des Rettungsbootes sowohl rote her Sloop, im Ganzen 19 Mann, ertranken. - Laut Nachrichten vom Senegal ts der französische Posten in Sedhiou, welcher von aufständischen Stämmen blokirt war, am 25. ds. entsetzt und sind die unbotmäßigen Dörfer besetzt, sowie die Eingeborenen strenge gezüchtigt worden. Unsere Verluste werden auf 3 Todte und 17 Verwundete angegeben. . £ _ .
Rom, 26 März. Garibaldi ist gestern tn Catanzaro eingetroffen und reift h^^nach ^Reggw Ettr. ^end 6 Uhr ist hier und in Bilek
ein starkes Erdbeben beobachtet worden. Dasselbe hatte die Richtung von West nach Ost und dauerte etwa 6 Secunden.
Paderborn, 26. März. Heute ist die ofstcielle Nachricht von der Ernennung des Dr. Drobe zum Bischos von Paderborn hier eingetroffen. Von asten Kirchthürmen erschallt seierliches Geläute. Im Dom wird em Tedeum abgehalten. Die Stadt hat reichen Flaggenschmuck angelegt.
Petersburg. 26. März. Der ofstcielle „Russische Invalide" berichtet heute über den bereits gemeldeten Toast des Kaisers bei dem Frühstück mit den Offtcieren in Gatschina. Er sagt: Gegen das Ende des Frühstücks erhob sich der Kaiser und brachte einen Toast auf Kaiser Wllhelm aus. Derselbe endigte in einem lauten Hurrah, woraus ein brausendes Hurrah aller Anwesenden den Saal erfüllte Die Musik intonirte die deutsche Nationalhymne. Der „Invalide" fährt sodann wörtlich fort: Mit dem Namen des deutschen Kaisers verbindet jeder wahre Russe den Begriff jener engsten und aufrichtigsten Freundschaft mit unfernt unvergeßlichen Czar-Befreier, einer Freundschaft, nicht nur befestigt durch persönliche Gefühle, sondern durch die tiefe Erkenntnis;, daß fte die Basis der Interessen der befreundeten Reiche ist. Die russischen Truppen haben sich stets der wohlwollenden und theilnehmenden Aufmerksamkeit des Kaisers Wilhelm erfreut; der 22. März gab einen neuen Beweis dafür, daß die Freundschaft zwischen den Nachbarreichen fortdauern wird. Die so herzliche und so enthusiastische Antwort der Osficiere aus den Toast unseres Kaisers dient als klarster Beweis für die Gesühle, welche inmitten unserer Armee herrschen, 26 Staatsstcrktär Bötticher erklärte auf der gestrigen Soiree,
doü der N'ichstaa tm Mai einberufen und diesem das Tabakmonopol, vorgelegt werde. Auch wurde auf der Soiree v-rsich-ri, der Unl-rstaaisfecreiar Mayr weroe m kurzer Zeit zur Ausarbeitung des neuen Tabaksteuer-Gesetzes hierher zurückkehr-n. Es soll ausländischer Tabak viel Höher besteuert, dagegen inländischer Tabak bls auf Weiteres von einer Erhöhung der Steuer verschont bleiben — dies für den Fall einer Aolehuung des Monopols durch den Reichstag. Staatssecretar Bötticher bemerkt noch, daß der Volksivirthschastsrath in diesem Jahre nicht mehr zusammentreten wird.
Verwischte ».
— Ein Auszug der Anklageschrist g gen Dr. Rewald und Genossen in Sachen des Ringtheaterbrandes geht der „Nat.-Ztg." aus Wien zu. Ein Sensationsprozeß, wie er kaum jemals erlebt worden ist, wird danach die surchtbare Katastrophe adschl>«ßen, die Anklageschitft, welche sich seit einiger Zeit in den Händen der Ang.klagten und ihrer Vertheidiger befindet, zeichnet sich bereits durch eine bei derartigen Acienstückcn höchst ungewöhnliche Colorirung aus. Sie culmtnirt tn der Behauptung, daß die Feuerwehr, die Polizei und die Thcateraufsicht, für diese in letzter Linie der Bürgermeister, mit allen ihren Kräften zusammeng-wirkt Kälten, „damit Niemand gerettet werde". Die Feuerwehr habe alle Maßnahmen getroffen, um Theatergegenstände, keine einzige, um Menschen zu retten, sie habe, trotzdem ihr ein Theaterbrand gemeld.t war und trotzdem sie wissen mußte, daß eben Spielstunde sei, einen Löschtrain abgeordert, der allenfalls für em einfaches Zimmerfeuir genügt hätte; w.der Lestern noch Sprung, tücher, noch Reltungsschläuede feien vorhanden gewesen und als man schon einsah, dieselben seien dringend nothwendig, habe man sich noch nicht beeilt, sie herbeizuschaffen. Wird der Feuerwehr aber blos stiäfliche Fahrläisigkeit vorgeworsen, so erbebt die Anklage dagegen gegen den Polizeirath Landstemer, den Uiheber des berühmten Wortes: „Alles gerettet", die Beschuldigung, er habe gewußt, daß sich noch Hunderte von Menschen im Theater befunden und blos aus verbrecherischer Feigheit, um sich nicht s-lost in das brennende Hans begeben zu müssen, behauptet, es sei Alles gerettet — mehr noch, er habe Leute, die von oben kamen, die ihre Verwandten in den oberen Stockwerken gelassen hatten und verzweifelnd um Hilfe für sie riesen, Stillschweigen mit der Drohung auserlegt, sie arretiren zu lassen, in einig. It Fällen seien solche Personen auch wirklich verhaftet worden. Es ist -in grauenhaftes Bild von brutaler, seiger und bummer PoUzeiwillkür, welches die Anklage mit ungewöhnlich beredten Worten entwickelt. Dem Bürgermeister wird zur Last gelegt, er trage die Schuld und die Verantwortlichkeit, daß die von der Theaterkommission nach dem Brande in Nizza beschlossenen Ueber- wachuiigsmaßregeln nicht ausgesührt wo-den seien; Indolenz und Feigheit batten ihn bei seinem V-rsabren geleitet, letztere deshalb, weil er davor zurückschreckte, die Reformen auch bei den Hoftheatern durchzusetzen und sich damit möglicherweise von irgend einer Seite Ungnade zuzuziehen. Letzteres ist allerdings nur durchsichtig angedeutet. Wie gesagt, die Anklage schließt, eine Combinatton von verbrecherischer Feigheit und Fahrlässigkeit aller bethetligtcn Personen habe zusammengewirkt, daß von den in den oberen Stockwerken befindlichen Personen N.emand gerettet worden sei. Stylistisch ist die Anklageschrift ein Meisterstück, nur die Einleitung hätte anders sein können, denn diese ist ein Citat ans einem Wiener Telegramm dcs „Standard" dom 8. December des Inhalts beiläufig: das Ringtheater steh-in Flammen, Hunderte von Menschen befänden sich noch in demselben, aber Niemand mache Miene, sie zu retten. Für eine so europäisch notorische Thatsache hätte es, meinen wir, nicht gerade des Zeugnisses des „Standard" bedurft.
— Wie aus einer soeben veröffentlichten Kundmachung des Gemeinderaths von Palermo ersichtlich ist, wird sich die Säcularfeier der sicilianiichen Vesper zu einer großartigen Kundgebung gestalten. Alle Städtegcmeinden Siemens, zahllose Vereine und Vertretungen vom italienischen Festlande nehmen an derselben Tbeil. Die Feste dauern drei Tage, vom 31. März bis 2. April, beginnen mit einem Dankgottesdienst für die „glorreiche Befreiung" in der historischen Heiligen-Geistkirche, wo die Nieder- metzeiung der Franzosen begonnen hat, und einer vom Senator Perez bet Enthüllung des Gedenksteines zu haltenden Festrede. Dann folgen Bankette, Regatta, Feuerwerk, Illumination u. s. w. Die Stadt Palermo hat eine Medaille schlagen lasftn, welche an die Vertreter der anderen sicilischen Städte vertheilt werden soll. Trotz der ostensibel zur Schau gestellten Bemühungen der Regierung, der Gedenkfeier den Character einer antifranzöfischen Demonstration zu nehmen, werden die Franzosen doch allerlei unangenehme Dinge zu hören bekommen, da „zufälligerweise" gerade jetzt wieder die tunesische Frage in den italienischen Blättern aus die Tagesordnung gebracht wird.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 25. März. (Frachtpreise vom 18. März.) Weizen X 24.76, Korn x 19.20, Gerste X 18 00, Hafer X 17.10, Erbsen X 20.00, Lein X 00.00, Samen X 29.00, Kartoffeln X 3.40, Wicken X 20.00.
Frankfurt, 25. März. Auf dem heutigen Markte kostete der Gentner yetl je nach Qualität X 3.00—4 80, Stroh X 2.30—310, Eier das Hundert X 4.80—6.20 Ochf-nfleisch das Pfund 65—70 H, Kuh- und Rindfleisch 45—55 H, Kalbfleisch A bis 55 L>, Hammelfleisch 40—53 .H, Schweinefleisch 65—75 4, 1 Hahn,x 1.70—2.50 1 Hubn X 1.50—2.50, 1 Poularde X 0 00—0 00, 1 Gans X 0.00—0.00, 1 Taube 50-60 H, Reh per Pfund 00 4, 1 Hase X 0.00-0.00, Butter 1. Qual, im Detail X 1.42, 2 Qualität X 1 20, Handkäs 45—50 H das Pfund, Kartoffeln das Malter X 4.50—7.00, Kopfsalat 15—18 H, gelbe Rüben das Gebund 7—12, Romainsalat 80—00 H, Rettig das Stück 5—10 Sl, Sellerie der Kopf 10—20 H, Blumenkohl 30 bis 70 H Wirsing 10—20 Weißkraut 15—30 H das Stück, Rothkraut 35—40 H, Kohlkraut 00 4, Kohlrabi 0-0 H, Endivien 25-35, Spargel 3.50—4.00 X das Pfund, Hwiebel 7—9 H das Pfund.
Frankfurt, 25. März. (Fruchtpresse., Weizen, efsectiv hiesiger und Wetterauer X 24.50 - 25.50, fremder X 00.00—00.00. Roggen effecliv hiesiger X17.50—20.00, fremder X 00.00 - 00.00. Gerste effektiv hiesige und Wetteruuer X 16.00.—20.00, fremde X M bis 00.00. Hafer effektiv hiesiger und Wetterauer X 15.50-17.50. fremder X 00-00.00 per 100 Kilo.
Frankfurt a. M., 27. März, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.» Creditactien 277, Staatsbahnactien 261, Galizier —, Oesterr. Silberrenii 64%, 4»/o Ungar. Goldrente 743/16, 4% 1880er Russen 69Vg, 2. Orient-Anleihe 56Ä/* 5°/o Rumänische Rente 87’4, Lombarden 118. Tendenz fest.
Allgemeiner Anzeiger.
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empfichlt biüigft
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Hermann Katz,
C. 186. Seltersweg C. 186
Meine Niederlassung als Rechtsanwalt mit dem Sitz in Friedberg beehre ich mich unter dem Beifügen bekannt zu machen, daß mein Bureau mit dem des Herrn Rechtsanwalt (SuttUlftflll verbunden i(t- Friedberg, im März 1882.
Brentano,
2083 Rechtsanwalt.
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