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A^r. 224t. Dienstag den 26. September 1882.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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- ., . i vx.* Sap Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Bureau: Schulstrahe 7. Erscheint tätlich mit Ausnahme be> Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Hhei l.

B e k a n n t m a ch u n g.

Von Dienstag den 26. l. Mts. an ist wegen Umpflasterung der Marktstraße das Fahren, Reiten und Viehtreiben durch die genannte Straße bis auf Weiteres verboten.

Gießen, am 23. September 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 23. Septbr. Die Abreise Sr. König!. Hoheit des Groß­herzogs und J.J. K.Gr. H.H. des Erbgroßherzogs und der Prinzessin Alix nach Balmoral hat heute Vormittag um 7 Uhr stattgefunden. Im Gefolge befindet sich Hosjägermeister v. Werner und der Erzieher Sr. K. Hoh. des Erb­großherzogs Muther.

m. Darmstadt, 22. September. Am 7. und 8. Oktober ds. Js. wird der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit feine diesjährige Generalversamm­lung in unserer Stadt abhaltrn. Freitag den 6. October, Abends 8 Uhr, wird eine Vorbesprechung im Saalbau und nach derselben gesellige Vereinigung stattsinden. Die Hauptverhandlungen beginnen Samstag den 7. October, Vormittags 1C Uhr, im Saal­bau und ist die Tagesordnung wie folgt festgesetzt: 1. Geschäftliche Mittheilungen. 2. Bericht über die Arbeiten der statistischen Commission. (Ref. Dr. Berthold in Berlin.) 3. Das Unterstützungswohnsitzgesctz und das Landarmenwescn nut Rücksicht auf die vagabondirende Bettelei. (Ref. Dr Elvers-Wernigerode). 4. Die Organi­sation der Armenpflege in den Gemeinden, insbesondere in den kleineren Armenverbänden. (Ref. Seyffardt-Crefeld). 5- Ausdehnung des § 30b des Unterstützungswohnsitz­gesetzes auf Diejenigen, deren Unterftützungswohnsitz nicht zu ermitteln ist. (Ref D ra ge-Hannover.) 6. Bericht über eine von dem Herrn Landrath Germershausen (Insterburg) veröffentlichte Brochüre: Die Reform der Armengesetzgebung (Ref. Ernst-Elberfeld.) 7. Wahlen. 8. Beschlußfassung über Zeit und Ort der nächsten Jahres-Versammlung.

Am ersten Verhandlungstage ist von Seiten des hiesigen Localcomite's eine Be­sichtigung der Stadt und verschiedener Sehenswürdigkeiten, sowie ein Gang auf das Hochreservoir des neuen Wasserwerks von Rachmittags 3 bis 6 Uhr m Aussicht ge­nommen, um welche Zeit im Saalbau der Deutsche Spaikassentag seinen Anfang nehmen wird. Die Tagesordnung desselben enthält: 1. Deutsche Sparkassen-Gesetz- pedung ^Ref. Stadtverordneten - Vorsteher Jord an-Glogau und A- L ammres- Bremen.) 2. Uebertragbarkeit der Einlagen. (Oberbürgermeister K untz e-Plauen.) 3. Popularisirung der Sparkasseneinrichtungen. (Ref. Grubendirector Kno p s-Siegen.) Für Sonntag den 8. Oktober ist nach den Verhandlungen des Vereins für-Armen­pflege und Wohlthätigkeit für Nachmittags 2 Uhr ein gemeinsames Mittagsmahl im großen Saale des Saalbaues und, falls Zeit und Wetter dies erlauben, hieran an­schließend ein Spaziergang auf die Ludwigshöhe vorgeseben. Abends 7 Uhr w'rd die Stadt Darmstadt im großen Saale des Saalbaues cm Concert veranstalten, während dessen der Saalbaugarten beleuchtet werden soll. Montag den 9. Oktober wird ein Vormittags ÖVz Uhr stattfindender Ausflug in die Bergstraße den Schluß der Jahres- Versammlung bilden.

Berlin, 23. Septbr. Im Processe gegen den Redacteur derOstend- Zeitung", Ruppe!, wegen Beschimpfung der jüdischen Religions-Gemeinschaft durch die anläßlich der Tisza-Eßlarer Affaire in einem Extrablatt enthaltene Behauptung, daß die Juden zu rituellen Zwecken Christenkinder schlachteten, erkannte die Strafkammer des Landgerichts auf Freisprechung, weil in dem incriminirten Artikel ein direct beschimpfender Ausdruck nicht enthalten sei.

Gestern ift zwischen Kossen und Teplitz ein Kohlenzug entgleist. Drei Wagen find zertrümmert , sieben beschädigt; glücklicher Weise ist Niemand dabei umgekommen. Der Verkehr war nur während der Nacht unterbrochen.

Hefterreich.

Wien, 24. Sept. DieFr. Ztg." bringt nachstehende Privat-Depesche: Als der heute Mittag von Essegg in Kroatien abgegangene gemischte Zug der Alföld-Fiumaner Bahn bald nach Verlassen des Bahnhofes die hölzerne Gitter­brücke über die Drau passirte, brach der siebente Jochpfeiler derselben ein und die Maschine nebst Tender und vier Güterwaggons stürzten in den Fluß, der in Folge Hochwassers aus den Alpen stark angeschwollen ist. In zwei Güter­waggons befanden sich 74 heimkehrende beurlaubte Husaren aus Bosnien; von denselben sind 25 ertrunken, einer erlitt einen Nippenbruch, 17 sind leichter ver­letzt, die übrigen gerettet. Die Personen-Waggons blieben auf dem festen Brückentheil stehen, da glücklicher Weise die Kuppelungskette riß. Von Passa­gieren in diesen Waggons erlitt nur eine Frau eine leichte Contusion, das Per­sonal von Locomotive und Tender rettete sich schwimmend. Ingenieur Gregersen und Assistent Schiller befanden sich gerade auf der Brücke und kletterten an dem hölzernen Gitterwerk an's Ufer. Ein Zimmermann stürzte herab und ertrank. Die technische Commission hatte Vormittags die Brücke untersucht und praktikabel befunden. Man nimmt an, daß die Jochpfeiler durch Hochwasser unterwaschen und durch angeschwemmte Holzstücke erschüttert morden. Abge­rissene Balken zeigten allerdings angefaulte Stellen. Neben der Holzbrücke ist bereits eine Eisenbrücke, über welche die Bahn künftig gehen soll, im Bau be­griffen. Die Leichen konnten bis Abends nicht geborgen werden, weil das Wasser zu hoch und reißend iss. Die gerichtliche Untersuchung auf der Unglücks­stätte ist bereits eingeleitet.

- Weiter meldet dieFr. Ztg.": Durch den Bruch des sechsten Jochs der Drau-Brücke, das nächst dem ungarischen Ufer gelegen ist, entstand in der Gitter-Construction eine ca. 60 Meter lange Oeffnung, durch welche die Maschine, der Tender, vier mit Gütern beladene und zwei mit Soldaten besetzte Waggons in den angeschwollenen Fluß stürzten. Von einem aus Serajewo und Mostar

kommenden Urlaubs-Transport des Nyiregyhazaer Husaren-Negiments wurden 49 gerettet, 25 nach anderen Berichten, 27 Husaren fanden ihren Tod in den Mellen. Die beiden Ingenieure, welche sich bei Eintritt der Katastrophe, auf der Brücke befanden, sich aber retteten, stimmen darin überein, daß der Brücken­bruch nur allmälig eintrat. Vom Zugspersonal ist Niemand verunglückt; alle schwammen glücklich an's Ufer. Das Joch, bei welchem der Bruch entstand, ist spurlos verschwunden. Schuld an der Katastrephe wird von fachmännischer Seite dem Umstande zugejchrieben, daß sich in Folge des Hochwassers vor der betr. Stelle der Brücke eine förmliche Insel von Klötzen anschwemmte, deren Entfernung nicht energisch genug betrieben wurde. Dagegen heißt es in einem Essegger Telegramm oerWiener Allg. Ztg." : Die Katastrophe wurde hier lange befürchtet. Die eingestürzte Brücke war schon geraume Zeit morsch und voll Schäden und wurde von den hiesigen Reisenden in der letzten Zeit gan; gemieden. Man zog es vor, per Achse nach Drava, Szarvas oder auch sogar bis Dalya zu fahren und erst dort, nachdem man die Brücke int Rücken hatte, die Eisenbahn zu besteigen. Die Eisenbahnzüge passirten die Brücke nur lang­sam und währte die Fahrt über dieselbe an 20 Minuten.

Budapestb, 24. Septbr. Ueber die Ursache des Eisenbahn-Unglücks bei Essegg verlautet, daß die Streckbalken der Draubrücke verfault waren. Zwei Stunden vor der Katastrophe war die Brücke vou einer Fachcommission umersucht und praktikabel befunden. 17 Personen wurden verwundet, 25 Sol- oakeL fanden den Tod. Die Drau erzwang sich neue Wege. Mitten aus dem Wasser ragen haushohe Trümmer hervor. Der Bahndamm bei Oberdrauburg ist auf 2000 Meter Länge eingestürzt. 7000 Cubikmeter Erde werden zu seiner Wiederherstellung erforderlich sein. Im Jnundations-Gebiete herrscht furchtbare Theuerung. Die Fraganter Bezirksstraße ist auf Tausend Schritte weit weggerissen.

KranLreich.

Paris, 22. Septbr. Die Regierung hat sich dem Vernehmen nach gegen die Herstellung der Centralmairie von Paris ausgesprochen Grevy hat den Italiener Meschino, welcher zu einem Jahre Gesängniß wegen eines Angriffs auf einen französischen Soldaten verurtheilt wurde, begnadigt. Der frühere französische Botschafter in Berlin, Graf Saint-Vallier, hatte gestern eine lange Unterredung mit Duclerc, der ihn angeblich befragte, ob er glaube, daß Deutschland England üt der epp tischen Frage unterstützen würde. Wie man hier wissen will, hätte Saint-Vallier geäußert, Deutschland sei gegen Frankreich bis zu dem Augenblick freundlich gesinnt gewesen, wo Gambetta Freycinet's Sturz herbeigesührt habe; aber jetzt, wo Deutschland ohnehin durch die chauvi­nistischen Kundgebungen der letzten Zeit verstimmt worden, wäre es nicht un­möglich, daß Deutschland in der egyptischen Frage mit England ginge.

England.

London, 23. Septbr. Wolseley läßt die Leibgarde-Kavallerie einen Marsch durch die arabischen Quartiere von Kairo ausführen, als Warnung gegen die Wiederholung von Angriffen auf Europäer. Die Prinzen Ibra­him , Hamid und Kamil, welche die Petition Arabi's um Absetzung des Khedive unterzeichnet hatten, kamen im Ras-el-Tin-Palaste an, um dem Khedive ihre Huldigung darzubringen; sie warteten mehrere Stunden, aber der Khedive wei­gerte sich, sie zu empfangen und gab Ordre, sie hinauszuweisen.Daily News" meldet aus Konstantinopel, England habe der Pforte die Versicherung gegeben, daß es die Souveränetätsrechte des Sultans über Egypten aufrecht erhalten werde. C9r- Journ.)

General Wood ist in Damiette angekommen. Abdella! hat sich erge­ben. Man erwartet, daß sich heute seine Truppen ergeben werden. Der Groß-Cherif von Mekka ist abgesetzt und eingekerkert. Abdallah Abnoun nt sein Nachfolger.

Rußland.

Petersburg, 23. Sept. Aus Anfrage erklärte der Stadthauptmann von Odessa, das Gerücht vom Auftreten,der Cholera in Odessa fei vollständig grundlos. Kein einziger Erkrankungsfall sei vorgekommen. .

Petersburg, 24. September. Die Meinung befestig sich immer mehr^ daß die Krönung nicht stattsindet. Es heißt die Neffen des deutschen und österreichischen Kaisers seien für den Zaren die wesentliche Veranlassung gewesen, seinerseits alle c- denken fallen zu lassen und aus der Moskauer Ausstellung sich dem Volke zu zeigen.

Aegypten.

Kairo, 23. Septbr. Eine Kavallerie-Division zog heute früh zur Demonstration durch die Stadt. Fünf Batterien aus Zagazig sind angelangt.

Alexandrien, 23. Septbr. Eine Depesche des Generals Wood meldet, daß die Garnison von Damiette fortfahre, zu desertiren. Von 7000 Mann