Ausgabe 
24.9.1882 Erstes Blatt
 
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Nr. 223. Erstes Blatt. Sonntag den 24. September

4882.

ießeitcr Anzeiger

Amts- und Anzeigkblatt für den Kreis Meßen.

Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh,i.

Durch btt Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.

Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 goldener Ring, 1 Paar Strümpfe, mehrere Schliissel und Hundeblechmarken.

Zugelaufen: 1 Mutterschaf.

Gießen, den 22. September 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Deutschland.

Berlin, 12. Septbr. Die Filiale der Straßburger kaiserlichen Tabak­manufaktur zu Aachen wird ihren Betrieb am 1. October einstellen.

Das Submissionsmesen gab der soeben stattgehabten Wanderversamm­lung der württembergischen Gewerbevereine Anlaß zu eingehenden Erörterungen, m Folge deren dieselben die Bitte an die württembergische Regierung zu richten beschlossen, es möchten von derselben möglichst einheitliche Normen ausgestellt werden, welche den Submissions-Bedingungen, sowie den Bestimmungen bezüg­lich der Ausführung von Arbeiten und Lieferungen für den Staat zu Grunde zu legen sind, wobei namentlich auch u. a. die folgenden Wünsche eine geneigte Berücksichtigung finden möchten: In den Submissions-Bedingungen ist der Gegenstand des Ausschreibens möglichst bestimmt zu bezeichnen. Die Kosten­anschläge sind so übersichtlich und klar als möglich auszustellen. Bei Vergebung öffentlicher Arbeiten möge nicht dem Großunternehmer vor dem einzelnen Ge- iverbetreibenden der Vorzug gegeben, namentlich auch die Arbeiten nicht im Wege der General-Entreprise an einen Unternehmer vergeben, sondern in ein­zelnen Loosen an tüchtige Handwerker vergeben werden. Die verlangte Mehr­oder Minderleistung soll 10 pCt. der ursprünglichen Accordsumme nicht über­schreiten. Von dem Procentverfahren sollte allerwärts abgegangen und die Angebote nur nach Einzelpreisen verlangt werden, zu welchem Zwecke der Vor­anschlag mit leerer Preisrubrik zu vervielfältigen und den Interessenten gegen entsprechende Vergütung zu überlassen wäre. Nachgebote dürfen unter keinen Umständen angenommen werden. Deutsche' Rohstoffe und Arbeit sollten bei den Submissionen vorzugweise berücksichtigt werden. Die Caution sollte höchstens 10 pCt. der Uebernahmssumme betragen. Jede fertige Arbeit ist sofort abzu­nehmen und ohne Verzug und Abzug zu bezahlen. Um gegen Verschleppung der Zahlungen Seitens der Behörden Sicherheit zu schaffen, ist zu wünschen, daß bei Ueberschreitung einer bestimmten Frist Verzugszinsen gewährt werden.

Aegypten.

21. Septbr. Drei englische Regimenter werden morgen früh unter dem Oberbefehl des Generals Wood nach Damiette abgehen um die Uebergabe des Platzes zu verlangen. Etwa 1000 Mann der Truppen Ab- dellal's sind entflohen und befinden sich augenblicklich in Chirbin, wo die ©iien* bahn zerstört ist. Admiral Dowell blokirt mit mehreren Kriegsschiffen Damiette

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureair.

Kreuz-Ztg." betont, daß bis zur Stunde keinerlei diplomatische Verhandlungen wegen Egypten stattfinden und daß solche auch nicht emgeleitet werden dürften, bevor eine Basis für dieselben vorhanden ist, welche wiederum nur durch Anträge Englands gegeben werden könne Vor­läufig existirten aber dieselben noch nicht.

, 77. $-cr£ schreibt: Die Kaiserin konnte in den letzten Tagen

regelmäßig auf dem Krankenstuhl m'S Freie gerollt werden, so daß äntücher- seits nunmehr die Übersiedelung nach Baden-Baden zum Bädergebrauch drin­gend gewünscht wird. Die Uebersiedelung sei bereits für die nächste Woche in Aussicht genommen beide Majestäten werden sich also zum geivohnten Herbst­aufenthalt demnächst nach Baden-Baden begeben.

Leipzig, 22. Septbr. In dem Proceß gegen die Ehefrau des Landge- richts-Pralidenten Zaucke wegen Urkundenfaljchung, wissentlich falscher Anschuldi­gung und wiederholter Beleidigung, in welchem die Strafkammer des Landgerichts Potsdam, in erster Instanz' auf vierinonatliches Gefängniß erkannte ist die von der Angeklagten eingelegte Revision vom Reichsgerichte verworfen worden

Florenz, 22. Sept Der König ist zur Besichtigung der überschwemmten Ortschaften nach Verona abgereist.

Verona, 22. Septbr. DerKönig hat zur Unterstützung der von der Ueberschwemmung Betroffenen 100,000 Frcs. gespendet. ' a

Al-xandrien, 22. Septbr. Alle in Ramleh internirt gewesene Off­nere der aufständischen Armee, welche noch nicht den Rang eines Obersten be­kleiden, sind m Freiheit gesetzt worden. Die übrigen, mehr als 50 Officiere wurden gestern Abend unter Eskorte nach Alexandrien gebracht Die für Da­miette bestimmte Truppenabtheilung ist heute via Tantah dorthin abaeaanaen Die Schiffsabtheilung des Admirals Dowell besteht aus einer Coiwette und zwei Kanonenbooten. Man erwartet keinen Widerstand.

t Sidley, 22. Septbr. Das Ausstellungsgebäude ist durch eine heute früh ausgebrochene Feuersbrunst vollständig zerstört worden.

Hochwassernoth.

« September, Der Rhein wächst hier noch immer bedeutend.MVon

gestern bis heute Morgen ist ein Steigen von 0,18 Meter bemerkbar. Stand am Brückenpegel 3,50 Meter. An den niedersten Stellen der Stadt sind die Ufer vom Wasser überspült, ebenso sind in einzelnen Straßen die Keller bereits unter Wasser. Die städtische Pumpstation bewährt sich wieder vorzüglich. Die Nachrichten vom Ober- rhem sind sehr schlimm.

Bingen, 21. September. Die Anzeichen, eines bevorstehenden Hochwassers mehren sich von Stunde zu Stunde. Rhein und Nahe sind bedeutend im Wachsen be­griffen. Letztere, welche ganz riesige Wassermässen bringt, ist bereits aus dem Ufer getreten und auch die städtische Bleiche steht unter Wasser. Die Bewohner der niedrigen Stadtthcile haben bereits ihre Keller theilweise ausgeräumt, fast sämmtlich aber ihre Weine gesprießt. Telegraphische Meldungen vom Oberrhein, die von hiesiger Poliz-'- verwaltung zmKenntn'ß der Bewohner des Rheinquats und der umliegenden Straßen gebracht werden, nnlDen fortwährendes Wachsen des Rheins.

Aus dem Rheingau, 21. September. Seit heute ist in Folge der über­großen Regengüsse der Rhein aus seinen Ufern getreten. Das anliegende, mit Kar­toffeln und sonstigen Gemüsen bepflanzte Gelände ist dadurch unter Wasser gestellt und haben die Eigenthürner, rcsp. Pächter der betreffenden Grundstücke einen nickt un­beträchtlichen Schaden.

* * *

DerN. Fr. Pr." entnehmen wir über das Hochwasser im südlichen Theile der österreichischen Monarchie Folgendes:

Villach, 20. September, 9 Uhr Abends. Welsberg, Jnnichen und Sillian entsetzlich gelitten Diese Orte sollen theilweise weggeschwemmt sein. In Niederndorf fehlen 15 Häuser. In Linz droht das Stationsgebäude einzustürzen. Von Windisch- Mo^c' brachte die Jsel unzählige Sägestöcke und 3 Brücken. Die Drau und die Gail füllen nun sehr rasch. Es hat weder heute noch gestern geregnet.

Meran, 20. September, 10 Uhr Abends. Der fortdauernde Regen verschlimmert neuerdings die Situation. Die Etsch ist heute wieder gestiegen. Der Telegraph zwischen Bozen und Meran fungirt wieder. In Bozen hat sich die Gefahr gemindert. Neue Dammbrüche haben nicht stattgefunden. Heute Mittag kam die erste Post seit Samstag über Landeck hier an; sie brachte Briefe und Zeitungen vom 16., 17. und 18. September. Die Verbindung zwischen Meran und Bozen wird stellenweise noch 'mmer mit dem Floß vermittelt. Das Wasser kann bei Sigmundskron nicht abfließen, da die Eisack durch einen Dammbruch in ihr altes Bett gekommen ist und sich ftaut

Die Berichte aus dem Bintschgau lauten sehr traurig. DaS Dorf Prad steht halb unter Wasser. Auch Glurns hat start gelitten. Die Straße nach Landeck ist noih- dürflig hergestellt, die Passage von Bozen nach Brixen nur für Fußgänger möglich. Von Trient kam heute die Post über die Berge nach Bozen.

Die Südbabn glaubt den Verkehr zwischen Brixen und Bozen nicht vor einem Monat wieder eröffnen zu können. Die Meraner Bahn wird erst in 14 Tagen bis 3 Wochen fahrbar sein. Das Thal von Bozen nach Trient ist noch immer ein See alle Skitenthäler sind gesperrt.

Lokale-.

Gießen, 23. September. (Sitzung der Stadtverordneten vom 21. September.) Anwesend Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Keller, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Baist, Gail, Grüneberg, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, AdslfNoll, Petri, P sann müll er, Sckopback, V o g t »Wenzel und W o r t m a n n. Anläßlich der seit einem Jahre in Frankfurt n. M. staitsindenden Nutzviehmärkte hat Herr Bürgermeister Bramm an das Secretariat des landwirthschaftlichen Vereins dortselbst ein Schreiben gerichtet, worin der Wunsch geäußert ist, das Comiiö möge dahin wirken, daß die Frankfurter Märkte mit den Gießener Viehmärkten nicht insofern collidirten, als dieselben an ein und demselben Datum stattfinden. Ein diesbezügl. Antwortschreiben des landwirthschaftlichen Vereins zu Frankfurt besagt, daß in Zukunft auf die Gießener Märkte Rücksicht genommen werden solle. Ferner theilt Herr Bürgermeister Bramm ein Schreiben mit, in welchem das Präsidium der landwirthschaftlichen Landes-Ausstellung seinen Dank für den von der Stadt Gießen gestifteten Ehrenpreis von 150 JL abstattet. - Gegen die von der Commission für die Anlage von Feldwegen rc. im Neustädter Feld vorgeschlagene neue Feldeintheilung hat die Versammlung nichts zu erinnern gefunden. Ein in Betreff des Ausbaues der Bleichstraße eingebrachter Antrag des Herrn Canzleirath Clemm, die Stadt möge den von der Neuen Anlage nach dem Steg über die Wieseck führenden Weg der Versteigerung aussetzen, wird an die Baudeputation verwiesen. Dem Gesuche mehrerer Bewohner der Schützenstraße um Ausbau derselben soll näher getreten werden, wenn das neue Lokalstatut in Kraft getreten ist, jedoch ohne Anerkennung der Ver­pflichtung hierzu, da in dieser Straße die in der Bauordnung vorgeschriebene Anzahl Häuser noch nickt vorhanden sei. Dem Gesuche bet Herren Ehr. Haubach und Carl Heinrich Vogt um baldigen Ausbau der über die Pipp'sche Schanze führenden Straße sollte nach einem früher gefaßten Beschlüsse entsprochen werden, wenn Petenten sich den Bestimmungen des zu erlassenden Localstamts von vornherein unterziehen; Gesuchsteller haben sich hiermit nicht einverstanden erklärt, wollen indeß je 100 JL zur Herstellung des Trottoirpflasters beitragen; das Gesuch wird abgelehnt unter gleich­zeitiger Bezugnahme auf den die zum Ausbau einer Straße nothwendrge Anzahl Häuser festsetzenden Paragraphen der Bauordnung. Das Gesuch des Gärtners Herrn Carl Berger um käufliche Ueberlassung von 5-6 Triebvierteln an der Grünberger Straße zum Zwecke der Anlegung einer Gärtnerei wird auf Antrag der Baudeputation abge­lehnt, desgl. dasjenige des Schneidermeisters Herrn Carl Loth um Erlaubniß zum Ausbau des in seinem Garten am Nahrungsberg stehenden Häuschens. Zu dem Gesuche des Schuhmachermeisters Herrn Carl Walther um Erlaubniß zur Her­stellung einer Einfriedigung des vor seinem Pause in der Wetzsteinsgasse gelegenen Platzes hat die Baudeputation beantragt, fragl. Gelände behufs Straßenerweiterung zu erwerben; die Versammlung tritt diesem Anträge bei. Behufs besserer Wahr­nehmung des der Polizei obliegenden Dienstes, namentlich mit Bezug auf die Vor­führung verhafteter Personen rc. hat Gr. Polizeiamt den Antrag gestellt, einen zweiten