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belästigte, mittelst eines Karrens nach dem Arrest verbracht worden. Auch hier gab, wie schon oftmals, eine Menge von Schaulustigen dem Karren das Geleite bis zum Arrest. Als in der Bachgasse der Arrestant aus dem Wagen sprang, ertönte dann lautes Hurrahrusen. Ob durch solches Gebühren die Schutzleute crmuthtgt werden, ihren beschwerlichen Dienst mit Ester zu thun. möge dahingestellt bleiben. Heute Morgen bestraste das Gericht oen schon oftmals tn hiesiger Stadt betrunken Angetroffenen mit 14 Tagen Gefängniß.

Heute Nacht war der Abwechslung halber wieder eine Keilerei zwischen jungen Leuten in der Nähe desGamdrinus" in der Wetzsteinsgassc.

In der Lahn bei Wismar ertrank gestern eine Frau von dort, welche beim Wasserholen das Uebergewicht bekam und in den Fluß stürzte. Als thr Mann, dem das Wegbletben feinet Frau zu lange währte, nach thr sah, fand er dteselbe bereits als Leiche.

©ieftert, 23. Mai. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 25. Mai 1882, Nachmittags 4 Uhr.

Die allgemeine Berussslatiftik

Geländes.

19. Die Straßenbeleuchtung betr.

20. Die Unterhaltung der Ortstafeln.

21. Die Ruhebänke in den städtischen Anlagen.

22. Die Verwerthvng der Grassamenernte^

23. Klage gegen den Ortsarmenverband Sandbach.

24. Bestand der städtischen Schulen.

2(1 Gesuchter*Wrma Burke & Comp. in Paris um Erlaubniß zur Auf­stellung von Zeitungs-Kiosques.

Gießen, 23. Mai. Gestern Abend gegen 8 Uhr mußte ein schwer beknetpter Mann aus Rödgen, welcher zum wiederholten Male aus einer Wirthschast hmaus- geworsen worden und das Publikum auf der Straße, sowie diverse Ladcnbesitzer

Das Schäsereiwesen. L , , -

Den Bau einer Secundärbahn von Gladenbach nach Lollar.

Die Erweiterung der Ex-rcier- und Schießplätze.

Abholzung eines Streifen Waldes im Heegstrauch.

Jnsectenfchaden im Stadtwaid.

Di- «erwnthung städtischer Bauplätze.

8. Die Nummerirung der Gebäude.

9. Das Tonnensystem betr.

10 Tauschvertrag mit Bierbrauer Eduard Poschel.

11. Petition wegen Anlegung einer Straße gegenüber der Löwengasse.

12. Weganlagen auf dem Kirchhof.

13. Die Taubentränke betr.

14 Das Wiegha«s am Neustädter Thor betr.

15. Gesuch des Schreinermeisters Hermann Koch dahier um Erlaubniß zur dtnleauna eines Stegs über die 2Liefeck.

16 Gesuch der Ehesrau des August Konrad, Graveur dahier, um Erlaubniß ' lur Anleauna eines Stegs über den Schoorgraben.

17. Gesuch d sO.conomen Philipp Kitz dahier umErlaubniß zur Abtragung

18. Gesuch'd^/or"m°EFelsing dahier um käufliche Ueberlassung städtischen

Vermischte s.

Berlin, 18. Mai. sVon der Hygieine-Ausstellung.f In derWiener Presst" waren auf Grund eines Schreibens eines Ingenieurs des Stadtbauamts Angriffe gegen die Berliner Feuerwehr veröffentlicht worden.Es herrschte", hieß es da u. 21.,die­selbe Unordnung wie bei uns. Die Feuerwehr kam zu spät, und als sie erschien, zeigte sich, daß die Hydranten nicht ausgedreht werden konnten. Auf d-m ganzen Aus­stellungsplatze befand sich nur eine einzige Feuerspritze und waren blos drei F-uer- wächter anwesend." Diesen Artikeln gegenüber veröffentlicht nun der Berliner Brand­director, Major Witte, solgende Erklärung:

Die Feuersicherheitswache im Ausstcllungsgebäude hat ihre Schuldigkeit im vollsten Maße geihan; die amtliche Vernehmung derselben, sowie der anderweit in der Ausstellung dienstlich anwesenden Mannschaften befindet sich bereits im Besitz de? königlichen Polizei-Präsidti.

Sobald der Feuerrus ertönte, ist die Sicherheitswache an den Ort der Gefahr geeilt und hat sofort aus dem nächsten und zweitnächsten Feuerhahn Wasser gegeben. Hydranten und Schläuche waren in bester Ordnung und functionirten durchaus normal. Eine Verzögerung entstand nur dadurch, daß der Raum, in welchem der Herd des Feuers sich befand, verschlossen war und erst die Thür mit Gewalt gesprengt werden mußte; auch der Fußboden wurde demnächst geöffnet, um die unter demselben brennen­den Hobelspähne abzulöschen. Trotz dieses energischen und sachgemäßen Eingreifens hatte das Feuer die Dectenconstruction und deren Decorationen erfaßt, so daß die Mannschaften, in steter Lebensgefahr, von Position zu Position zurückweichen mußten, immer von Neuem die vom Feuer verichonten Feuerhähne und Schläuche in Bestick setzend. Keine Position wurde aufgegeben, ehe nicht die Schläuche vom Feuer durch- gcbrannt waren; der Oberseuermann gewann schließlich das Freie mit erheblichen Brandwunden an den Händen und dem Hals. Aus die Feuermeldung traf die Feuer­wehr mit 4 Compagnien, d. h 3 Dampsspritzen und 9 Handspritzen, auf der Brand­stelle ein (nicht 5, resp. 25), von welchen schon während der Fahit über die Moltke- Brücke eine Handspritze detachirt wurde, um einen an der Roonstraße durch Flugseuet entzündeten Holzplatz abzulöschen. Es hat vom ersten Moment an keinerlei Verwirrern, über die Disponirung der Löschkräfte geherrscht: die 4. Compagnie griff von der Jnvalidenstraße, die 5 von der Straße All-Moabtt, die 1. und 3 vom Lehrter Bahn­hof aus an, so daß nicht die geringste Aenderung in der Disposition bis zum Schluß der Löscharbeiten stattgefunden hat " _. . .

Sehr erfreulich ist die Wahrnehmung, daß unter dem unmittelbaren Eindruck der Catasstophe einzelne Schäden überschätzt worden sind So stellt sich beispiels- weise nachträglich heraus, daß der officielle Katalog der Ausstellung, eine Mufterletstung | bei artistischen Anstalt von Theodor F sch-r In Cassel, in seiner gesammten Auflage von 10,000 Exemplaren nicht etwa zur Makulatur herabgesunken ist, sondern datz verhältnißmäßig nur wenige Exemplare noch zur Disposition des Verlegers stehen. Es hatte sich gezeigt, daß mit dem oificiellen Katalog em hygienisches Nachschlagebuch hergestellt worden war, das dauernden Werth hat sowohl für Gelehrte, die sich über den Umsang der hygienischen Wissenschaft orientiren wollen, wie für Industrielle, di- hier ein übersichtliches Bild von den bisherigen Leistungen der Gesundheitstechnik erhalten.^ Untersuchung bezüglich der Entstehung des Feuers wird von Berliner Blättern weiter gemeldet: Die Fahrlässigkeit des Arbeiters Wagenknecht, durch welch, im Gebäude der Hygiene-Ausstellung der Brand entstanden ist, war eine um so schwerere, als das Ausstellungs-Comite strenge Vorschriften gegen das Anmachen von Feuer im Ausstellungsgebäode ertasten hatte und der W. selbst als Wachter im AuS- stellungsgebäude darüber zu wachen hatte, daß kein Feuer daselbst gemacht, kein Licht i-> den Räumen ang-zündet und keine Cigarre daselbst geraucht würde, bw Aasstellungsgebäude war überhaupt keine einzige Feuerstätte vorhanden. Die Mit­theilung, daß kurz vor dem Brande Gas- oder Wasterrohrleger in einem Kellerrauip des 'AussteUungsgcböudes bei offener Stichflamme Röhren zusammengelötbet Habel, ist Börfen-Courier" endlich meldet:Der Lehrter Bahnhof soll

binnen wenigen Tag!» für die Hygi ne.Ausstellung geräumt fein. Eine dahin zielende Entfche'duiig ist heute bereits getroffen worden". Die Nachricht gehört, wie bi! Berliner Actionär" schreibt, . natürlich zu ben müßigen Ersinbungen. Von der AM- stellungs-Commission ist bisher noch nicht einmal ein bezüglicher Antrag gesiebt worben, währenb die Behörden selbstredend einen solchen Antrag zunächst abzuwarten ^abCn" $on der oberen St II, 18. Mai. Much ein Halsabschneiderstückchen.s In Allendors bei Haiger ist zur Zeit ein Bäcker und Wirth in Concurs gerathen, der os Ende April als ein ganz reeller Geschäftsmann in der Umgegend bekannt war, u bezog sein Mehl von einem ebenfalls in Concurs geratenen und in Folge dessen nag Amerika durchgegangenen Müller von Herborn. Der Bäcker hatte die üble Gewohnhet, dem betreffenden Müller nach Empfang einer Sendung Mehl ein leeres W-ch «u formular zu unterzeichnen und es dem Müller zu überlassen, den Betrag se-ner Forberetrz in bas unterschriebene Formular einzuzeichnen. Sange Seit war bies gut gegangm unb boch sollte zuletzt diese Vertrauensseligkeit dem Backer zum Verderben gereilyeu Der Bäcker hatte schon lange keinen fälligen Wechsel präsentirt bekommen und damie, dies hänge mit dem Concurs- des Müllers zusammen; da aus einmal werben ty Enbe April von einem Herrn aus Dillenburg unb von einem Kaufmann aus Hervor, Wechselaccepte im Betrage von 11,000 M. zur Einlösung praientirt, ®cr4<:ceptm konnte seine Unterschrift nicht leugnen unb so wurde er zur Zahlung veru th - Seine wirkliche Schuld an ben Müller beträgt aber im Ganzen nur etwa 6V0 m demnach ist der vertrauensselige Bäcker um 10,400 JL geprellt worden. Dies z ^"spr'ag, 18. Mai. Dem Kronprinzen Erzherzog Rudolf wibersuhr vor einig« Tagen ein Unfall, besten üble Folgen burch ras» angemanbte 0^111^ 5»^ obge»enbr würben Als der Kronprinz durch den Baumgarten fuhr, flog ihm ein kleiner Ko in ein Auge unb verursachte lebhafte Schmerzen. Als derKronp^nzln seinen App ments in der Hofburg angelangt war, wurde »war der Kaser aus dem Auge ntfE doch blieb eine Flügeldecke desselben zurück und bohrte sich mit ihrer spitzen Kante ben Ranb b-r Hornhaut des Auges ein. Alle B-mühung-n, den fremden Korp-r^ beseitigen, blieben durch mehrere Stunden vergeblich, bis der Herr Reglerungsrau Prosessor Hasner Ritter v. Artha in die Hofburg berufen rourbe, dem es gelang, b v^ wenigin Secunden ben Käferflügel zu entfernen, wesentliche Erleichterung verspürte. In Folge ber nun dngeleiteten arjtlidben o lung besserte sich bas Befinbel, be§ Kronprinzen von Stunbe zu Stunde und ha sich seither keine weiteren Symptome als Nachwirkungen bes Unfalls gezeigt.

l^mviveriucke aeaen Milzbrand.) lieber hochinteressante Jmpfversuche geg' Milzbrand wird berichtet: Die bisher auf Veranlassung des. Ministers sür LanAtz schäft, Domänen und Forsten, Lucius, in Pack,sch sKreis Li-denwerda) ausgefüh^^ Versuche mit der Impfung von Rindern und Schafen zum Schutz 0 0t gy brand haben am 9 Mai d I. ihren Abschluß tzesunden. Die zur Bezeugung ^r B^ gänge bei ben Jmpsversuchen ernannte Commission stellte an diesem ^"0 q( al,

der letzteren in einem vom Geh. Oberreglerungsralh Beyer an Ort:u $err]1^ii

genommenen Protokolle fest. Wie bereits früher berietet, wurden zu den SW« 12 Rinder unb 50 Schafe verschiedenen Alters und GeschUchts o rwendet. H - : wurden 6 Rinder und 25 Schiffe mit dem von Pastmr In Parls «ezüchtet N u durch dessen Assistenten am 5. April zu ersten Mal und am 19, Aprll zum i , Mal vorgeimpft, d. h. mit der Schutzimpfung 0-0-" die Ansteckung mit wtru - Milzbrand versehen. In Folge der zweiten Schutzimpfung am19. äpril w l; : von den geimpften 25 Schafev wenige Tage nach der Impfung gestorben, v

AusMiid.

Petersburg, 21. Mai. Vergangenen Dienstag wurde auf der deut­schen Botschaft durch einen sehr dtstinguirt aussehenden Herrn ein Brief für den Botschafter abgegeben. Bei der Eröffnung ergab sich als Inhalt ein um­fangreicher an den Fürsten Bismarck gerichteter Brief, um dessen sichere Uebernutte- luna gebeten wurde, da es sich um hochwichtige Warnungen betreffs der Krönung in Moskau handle. Die Anonymität des Absenders, sowie die eigenthümliche Behauptung veranlaßte sofortige Oeffnung des zweiten Schreibens. Von einem Deutschen aus Moskau" herrührend, enthielt dasselbe wirklich die dringendsten Warnungen da die Nihllisten stärker denn je in Moskau vertreten wären und die umfassendsten Vorkehrungen getroffen hätten, um bei der Krönung einen An­schlag gegen das Leben des Czaren und seiner gesammten Umgebung vorzuneh­men Ueber diese verschiedenen projectirtenAnschläge soll der Autor sehr genaue Details beigesügt und außerdem betont haben, daß unter den Nihilisten eine Menge hochstehender Beamten und Mllitärs sind, von deren Zugehörigkeit zur revolutionären Partei man am Hose keine Ahnung hätte. Es ist schwer zu bestimmen, ob und wie weit der anonyme Briefschreiber zu seinen Behauptun­gen berechtigt ist, einzelne der angeführten Details sollen aber derartg genaue sein, daß man bald dahinter kommen dürfte, ob es sich um Wahrheit oder Dichtung Handelfi____________________

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Eorrcfponbenz-Bureau.

Berlin, 22. Mai. Der Prinz Wilhelm von Preußen erläßt imReichs­anzeiger" ein Dankschreiben an alle Diejenigen, welche aus Anlaß ber Geburt feines Sohnes ihre Glückwünsche unb herzliche Theilnahme bem prmzlichen Paare aus- gebrückt^haben.b fanb bic feterltdje Enthüllung bes bem berühmten Augen­

ärzte unb Professor o. Gräfe errichteten Denkmals vor ber Charite statt. Derselben ging eine Festsitzung in ber Aula ber Universität voraus, wo Prof. Schwetgger ber Amtsnachfolger Gräse's, bie Festr-be hielt. Anwesenb waren u. A. ber Cultusmtntster mehrere Räthe b.-s Cultusministeriums, ber Oberbürgermeister, Mitglieber bes Magistrats unb Siablverorbneten-Collegiums, bi- Professoren unb zahlte che etubenten, weiche sich barauf insgesammt in langem glänzenben Zuge von ber Aula nach bem Denkmalsplatze begaben^ bJUJ. Dienstleistung bei ben Garbehusaren corn- manbirt war, ist h-ute zu diesem Regimente versetzt worben.

Luzern, 22. Mai. Der Empfang der fremden Minister und der übri­gen Gäste durch den Bundespräsidenten Bavier fand im National-Hotel ohne besondere Ansprache statt. Aus Italien sind nur die Minister Baccarini und Acton anwesend, aus Bayern der Minister Crailsheim, von Württemberg der Staatsminister v. Mittnacht. , ,

Das Wetter ist jetzt prachtvoll. Um 10 Uhr wird die Fahrt auf Den Rigi anqetreten. Von hervorragenden Persönlichkeiten aus Deutschland sind u. A. Hierselbst anwesend Staatsminister Bitter, v. Bötticher, v. Hofmann, Bot­schafter Graf Hatzfeld, Delbrück, v. Levetzow, Frhr. v. Franckenstein, ferner der deutsche Botschaster in Rom, v. Keudell, der deutsche Gesandte in Bern, General v. Röder. Auch der schweizerische Gesandte Dr. Roth ist aus Berlin hierselbst nngetr^en.^, Mai. Die Kammer beschloß, entgegen der Ansicht des Finanzministers, den Antrag bezweckend die Ersetzung der Steuern auf Biere und Weine durch eine Spritsteuer, in Erwägung zu ziehen. Der Finanzmimster reichte in Folge dessen seine Demission ein,

Lizard, 22. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen LloydHannover hat heute, von dem DampferPersian Monarch" bugstrt, Lizard passirt. Der­selbe war auf der Rückfahrt von Brasilien mit gebrochener Schraube ohne Segel angetroffen worden. m

Petersburg, 22. Mai. DemRegrer.-Anz." zufolge betragt die An­zahl der bei dem Brande in Kowno am 18. und 19. ds. zerstörten, ausschließ­lich Juden gehörigen Gebäude 105. Die Häuser sind versichert; der Schaden beträgt gegen 600,000 Rubel.

Konstantinopel, 22. Mai. Der LloyddamperEalypfo" ist gestern mit 750 Mann von hier abgesegelt und wird in den Dardanellen und m Smyrna ebensoviel Mannschaften einnehnien. Diese Recruten sind zur Comple- lirung der Truppen in Hedjaz und Demen bestimmt. Die beiden zuin Auslaufen nach deni Mittelmeere bereit gehaltenen Panzerschiffe erhielten Gegenordre, an­scheinend in Folge der Haltung der vier Großmächte, welche diese Demonstration zu mißbilligen scheinen.__

Lokale«.