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Paris, 20. November. Die Kammer lehnte mit 339 gegen 171 Stim­men das von Duclerc bekämpfte Amendement der Radikalen ab, die französische Botschaft beim Vatikan aufzuheben. Die Commission zur Vorberathung des Gesetzentwurfs über die Genehmigung des Vertrags Brazza i)t für den Gesetz­entwurf. DemTemps" zufolge erhielt Gladstone die Zustimmung des Khedive zur Abtretung des Hafens Massuak an den König von Abyssinien. Die Zu­stimmung der Türkei soll nachgesucht werden.

Die Kammer lehnte mit 339 gegen 147 Stimmen das Amendement Montjau's ab, den Botschafter beim Vatikan durch einen Geschäftsträger zu ersetzen, der einzig mit den Concordats-Angelegenheiten beauftragt sein soll. Duclerc verlangte die Aufrechterhaltung der Botschaft, da er sonst die Leitung der Geschäfte nicht behalten könne.

Petersburg, 20. November. Der Kaiser traf heute Mittag hier ein und besuchte die Michael-Manege und das Anitschlow-Palais, worauf er die Rückreise nach Gatschina antrat.

Atom, 20. Novbr. Der Cardinal Sanguigni ist gestorben.

Lokales

Gießen, 21. November. Nächsten Sonntag, den 26. November, findet das früher schon angekündtgte Wohlthätigketts-Concert zum Besten des hiesigen Frauenvereins für Armen- und Krankenpflege in dem Saale des Gesell­schaftsvereins statt. Die Aufführung war wegen Restauration der Clubräume zu einer früheren, vielleicht passenderen Zett, unmöglich. Es ist kaum nöthig, auf das lang­jährige, verdienstvolle und segensreiche Wirken des Frauenvereins und auf dessen ver- hältnißmäßlg geringfügige Mittel hinzuwcffen, bemerken möchten wir aber, daß die durch das vorbereitete Concert erzielte Einnahme nur mit geringem Abzüge den hiesigen Armen und Kranken zu Nutzen kommen wird, da durch das liebenswürdige und humane Entgegenkommen einiger Herren unserer Stadt die Unkosten auf einen kleinen Betrag sich reduciren lassen werden. Möge die große Freundlichkeit und Mühe der Damen, welche das Concert im Interesse des Frauenvereins veranstaltet haben, darin ihren Dank finden, daß das auf die Humanität und Nächstenliebe gerichtete Unternehmen von allen Seiten kräftig unterstützt wird. Abgesehen aber von dem Wohlthätigkeitszwecke wird für die Concertbesucher die eigenartige Zusammenstellung der Mitwirkenden (fast nur Dilettanten) einen besonderen Anziehungsgrund bilden, so wie wir mit Bestimmtheit annehmen dürfen, daß wir einem ebenso unterhaltenden, als schönen musikalischen Abende entgegen sehen können.

Gießen, 21. November. Die Nothwendigkeit einer Sonntagsruhe und würdigen Sonntagsfeier ist nachgerade allen einsichtsvollen Leuten, welcher religiösen oder poli­tischen Richtung sie auch angehören, zur festen Ueberzeugung geworden. Wie es aber oft geht, so ist auch hier von der eigenen Ueberzeugung bis zur eigenen und allgemeinen Praxis für viele noch'ein weiter Weg, den zurückzulegen dem einen zu schwer dünkt, dem andern überhaupt nicht in den Sinn kommt. Um nun auf diesem Wege einiger­maßen vorwärts zu führen, um die große, populär gewordene Ueberzeugung einer noth- wendigen Sonntagsruhe möglichst in Praxis umzusetzen, haben sich an vielen Orten sog. Sonntagsveretne gebildet. Daß nun auch der hiesige Sonntagsverein, der schon in mancherlei zum Theil recht wirksamer Weise in die Oeffentlichkett getreten ist, mit frischer jugendlicher Kraft an seiner Aufgabe arbeitet, konnte Jeder fühlen, der die am Mittwoch den 15. ds. Mts. im Cafe Edel abgehaltene Generalversammlung des Sonntagsvereins besuchte. Mit besonderer Freude konnte der Vorsitzende, Pfarrer Dr. Nauman, in seinem Berichte über die Veretnsthätigkeit des verflossenen Jahres der Hauptschöpfung des Vereins, desFeierabends für Lehrlinge" gedenken. Es ist doch gewiß eine Jeden erfreuende Thatsache, wenn berichtet werden konnte, daß bis in den letzten Sonntag in den Wintermonaten sich Abends eine große Anzahl von Lehrlingen im alten Rathhaussaale versammelt, um, angeregt durch populäre Er­zählungen, die ihnen vorgetragen werden, sich erfrischend durch muntere und ernste Ge­sänge, in Unterhaltung un den verschiedensten Spielen, ihre Abende angenehm und nützlich zugleich zu verbringen. Wer diese Anstalt noch nicht kennt, der möge nur ein­mal an einem Sonntag Abend das Feterabendlocal besuchen und er wird gewiß durch die Einrichtung desselben freudig und angenehm überrascht sein. Freilich gelang die Unterhaltung und Weiterführung dieser Einrichtung, wie aus der von dem Rechner des Vereins, Herrn Oberförster Georgi, erstatteten Rechnungsablage ersichtlich war, nur durch die besondere finanzielle Beihilfe einiger hiesiger Familien, denen für diese Freundlichkeit auch noch an dieser Stelle bestens gedankt sein soll. Die weitere Berathung der Generalversammlung wurde cingelettet durch einen kurzen Vortrag des Herrn Pfarrer Schlosser, der eine Schrift überdie Sonntagsfeier in Deutschland" von Redacteur Lammers-Bremen im Auszuge mitthetlte. Wer sich über die Sonntagsfeier informtrcn will dem rathen wir, diesen Vortrag von Lammers (erschienen in denZeit- und Streitfragen" von Virchow und Holtzendorff) zu lesen. Es gtebt darin ein als kirchlich und politisch liberal bekannter Mann eine Reihe von Schilderungen und Rathschlägen, die Niemand ohne nachhaltigen Eindruck zu erhalten, lesen wird. Im Anschlüsse an diesen Vortrag hat auch die Generalversammlung eine Institution in's Auge gefaßt, die in vielen Städten sehr gut erprobt ist. Es ist nämlich ein in weiten Kreisen erkanntes Bedürfniß, daß nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche erwachsene dienende Jugend (Dienstmädchen und dergleichen) selbst bet freien Sonntagen nicht die rechte Sonntagsfeier findet, daß ihr insbesondere das vor so Vielem schützende Gefühl der Familienangehörig- kelt, der Hetmath nicht genug gewährt wird. Deßhalb haben sich an vielen Orten Damenvereine gebildet, die den Dienstboten sonntäglich Gelegenheit zu freund­schaftlichen, unterhaltenden und wirklich geistige Erfrischung bietenden Verkehr geben. Auch Lammers fordert zu solchen Vereinen auf. Darum will auch der Vorstand des Sonntagsvereins (der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt und um zwei Mitglieder, die Herren Techniker Bergen und Schreiner Lenz verstärkt) dieser Frage demnächst näher treten, um in irgend einer Weise eine ähnliche Institution in's Leben zu rufen. Die beste Thätigkeil des Vereins wäre freilich die, wenn eine möglichst große An­zahl von Mitgliedern selbst jeder für sich dm Sonntag richtig feierte. Um darum die Mitgliederzahl bald vermehrt zu sehen, hat die Versammlung beschlossen, den Jahres­beitrag für Neueintretende auf 20 Pfennige, sage zwanzig Pfennige, festzusetzen. Zwanzig Pfennige für die Zwecke der Sonntagsfeter wir sind überzeugt, jeder ein­sichtsvolle Mitbürger wird gerne dieses ja kaum nennenswerthe Opfer bringen und damit zum Mitgliede eines Vereins werden, der sich eine der segensreichsten Aufgaben gestellt hat.

Die Statuten des Vereins sind ja so allgemein und weitherzig, daß kein Unter­schied der Richtungen hier in Frage kommen kann. Wer vom socialen Standpunkte die Sonntagsruhe mehr gewahrt und die Sonntagsfeter erhalten und gefördert wissen will, in gesunder deutscher Art, der trete in den Verein, halte die Statuten ein großer Schritt zur Lösung dieser socialen Frage ist gethan.

Gestern Nachmittag wurde von einem bettelnden, unbekannten Handwerks­burschen in einem Hause an der Grünbergerftraße eine Taschenuhr gestohlen. Dem Thater ist man auf der Spur.

Allgemeine

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Vermischtes.

Das eingctretene Frostwetter treibt bereits die kleineren Vögel aus Wald und Feld in die Nähe der menschlichen Wohnungen. Neben den zahlreichen Spatzen- schaaren zeigen sich Finken und Haubenlerchen, die hungrig auf den Höfen nach Nahrung suchen. Da ist es wieder an der Zett, für die darbenden Gesellen ein Wort der Für- bitte einzulegen, ihnen durch Einrichtung von Fütterungsplätzen in Gärten und Höfen den Tisch zu decken. Brosamen und Küctzenadfälle, die sonst nutzlos weggeworfen werden, geben, auf derartige Plätze gestreut, den leichtbeschwingten Gästen willkommene Mahlzeiten.

Darmstadt, 18. November. Die Rekrmen sind soeben zu ihren Truppentheilen etngezogen worden, ein Wort im Interesse dieser Mannschaften dürfte daher jetzt gerade am Platze sein. Jeder mit den militärischen Verhältnissen Vertraute weiß die große Bedeutung zu würdigen, welche ein reger brieflicher Verkehr der Mannschaften mit ihren Eltern und Verwandten in der Hetmath hat. Em solcher Briefwechsel verscheucht zuvörderst mehr als alles Andere das Heimweh, welches fast jeden jungen Soldaten beschleicht und auch bet dem älteren Soldaten nach der Rückkehr vom Urlaub, oder, wenn ein Urlaub abgeschlagen worden ist, sich regelmäßig wieder etnstellt. Besonders aber pflegt die stete geistige Verbindung mit den Angehörigen in günstigster Weise auf Moralität und Gesinnung zu wirken und die Leute, die doch zum größten Thetle vom Lande kommen, vor vielen in den größeren Städten verlockenden Verirrungen zu bewahren. Derartigen Erwägungen verdanken die Portovergünfttgungen der acttven Soldaten ihren Ursprung und auf diese wollen wir alle Angehörigen von Soldaten einmal aufmerksam machen. Briefe und Postkarten, wenn sie nicht mehr als 60 Gramm (31/2 alte Loth) wiegen, kosten kein Porto, wenn fte neben der genauen Bezeichnung des Truppentheils die einfache Bemerkung tragen:Soldatenbrief! Eigene Angelegen­heit des Empfängers." Postanweisungen dis zu 15 Mark kosten nur 10 Pfennig, Packete bis zu 3 Kgr. (6 alte Pfund) kosten auf alle Entfernungen nur 20 Pfennig Porto. Zur Zeit der Manöver erreichen nur Briefe, nicht aber Packete und Geld­sendungen den Adressaten umgehend und schnell, es genügt dabet die Angabe des Truppentheils und des Garnisonortes. Stadtpoftsendungen, Sendungen aus dem Landdestellbezirk, sowie alle Briefe, welche schwerer sind als 60 Gramm, Postanweisungen Über 15 Mark, alle Geldbriese, Streifbandsendungen, sowie Packete über 3 Kgr. zahlen das gewöhnliche Porto. Es empfiehlt sich, diese Bestimmungen aufzubewahren und undeclarnte Sendungen in Briefen und Packeten zu vermeiden, da sie schon manchen sonst braven Menschen in Versuchung geführt und zum Verbrecher gemacht haben.

Friedberg, 17. November. In der Nacht vom 15. zum 16. d.M. ist zwischen dem hiesigen Bahnhof und dem großen Viaduct der Main-Weserbahn eine Strecke der vor einigen Jahren neu angescbütteten Verbreiterung des Bahndammes an der Seite nach dem Rosenthal abgerutscht, wodurch ein Stück außer Benutzung befindliches Neben­geleise mit versunken ist. Zum Glück sind die daneben laufenden Hauptgeleise unver­sehrt geblieben und der Bahnbetrieb nicht gestört worden.

Berlin, 16. November. Auf den Attache der italienischen Botschaft, Henry Ferrara ist hier gestern ein Raubanfall gemacht worden. Der Attache, welcher gewohn­heitsmäßig seinen Heimweg allabendlich vom Offiziercasino am Pariser Platz durch die Königgrätzerftraße nach seiner in der Hedemannstraße gelegenen Wohnung nimmt, wurde in der Nacht zum Mittwoch in der Nähe der Lenn^ftraße von zwei Strolchen Überfallen und trotz heftiger Gegenwehr mit seinem Todtschläger von einem der Räuber durch einen Messerstich verwundet, während der andere ihm eine lederne Geldtasche mit 150 Papiergeld aus dem Ueberzteher riß. Auf Hülferufe des Angegriffenen nahmen die Banditen Reißaus, wodurch Signor Ferrara das noch bei sich führende, mit Gold­stücken gefüllte Portemonnaie und seine goldene Ubr rettete, trotzdem er mit auf­geknöpften Nöcken ging. Die Verwundung des Attaches ist erfreulicher Weise eine nur leichte. Die Crimtnalpolizet ist in energischster Weise mit der Ermittelung der Thäter beschäftigt.

Wegen Clavierspielens in der Nacht ist dieser Tage gegen eine Dame in Bamberg ein Strafmandat wegen groben Unfugs erlassen worden. Der dortige Magistrat hat den Beschluß gefaßt, jeden zur Anzeige kommenden Fall durch den Rechts­anwalt als Ruhestörung verfolgen zu lassen.

Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.

Bremen, 20. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Werra, Capt. I. Barre, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9 November von Bremen und am 10. November von Southampton abgegangen war, ist Sonnabend 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 20. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oder, Capt. C. Undütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. Novbr. von Bremen und am 8. November von Southampton abgegangen war, ist Sonn­abend 11 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 20. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hermann, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. November von Bremen abgegangen war. ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Handel und Verkehr.

Gießen, 21. November. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfund JL 1.221.25, Hühnereier per Stück 78 4, Käse per Stück 47 Käsematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 22 H, Linien 1 Liter 30 H, Tauben das Paar 6070 H, Hühner per Stück JL 0.800.90, Hahnen per Stück JL 0.60 bis 6.80, Enten per Stück <X 1.702.20, Ochsenfleisch per Pfund 6670 Kuh- und Rindfleisch 5660 Kalbfleisch 54 bis 56 Schweinefleisch 6264 H, Hammelfleisch 6066 Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.009.00, Zwiebeln per Centner 4.00, Milch per Liter 1418^. Gänse per Pfd. 4454 H. Weißkraut 100 Stück 36.00.

Frankfurt a. M», 21. November, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 245Vs, Staatsbahnactien 292, Galizier 259%, Lombarden 116, Nord- weftbahnactien, Darmstädter-Bankactien 152%, Oberschlesische E.-B.-Act. 255%, Oesterr. Silberrente 65%, 4% Ungar. Goldrente 72%, 4% 1880er Russen 68%, 5% 1877r Russen 2. Orient-Anleihe 54%, Spanier 61%, 5% Rumänische

Rente 92"/is, 4% Unific. Egypter 6713/i6, Disconto Comm. 197%, Gotthardbahnactten 124%. Tendenz: schwankend.

Briefkasten.

S. Wenn Sie mit dem Bruchtheil des betr. Scheines biff en Serie und Nummer nachweifen können, wird Ihnen ein neuer Schein zugestellt. Jede Reichsanstalt, Post rc. wird Ihnen die Angelegenheit vermitteln.

N. Anonyme Einsendungen finden keine Berücksichtigung.

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