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Freitag den 17. März
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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- x ar = r. s. =. an „i „a Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr.
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Politische Ueberficht.
Gietzen, 16. D!ärz.
Ser Kaiser wohnte am Montag Mittag dem Trauergottesdienste bei, -m-scher an diesem Tage, dem 13. März, dem Todestage Kaiser Alexander II. wm Rußland, in der Capelle der russischen Botschaft zu Berlin veranstaltet worden war.' Außerdem waren noch der Kronprinz, die Prinzen Alexander -und Friedrich Karl von Preußen, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, sowie zahlreiche Ossiciere zugegen. Die Trauerfeier verlief in glänzender und würdi- aer Weise.
Der preußische Volkswirthschaftsrath wird, nachdem im permanenten Ausschüsse desselben die Specialdebatte über die Novelle zur Gewerbeordnung zu Ende geführt -sein wird, voraussichtlich die zweite Berathung des Tabaksmonopol-Entwurfs beginnen. Eine Ablehnung desselben ist nicht zu erwarten, wenn sich auch von verschiedenen Seiten Widerspruch gegen die Vorlage erheben sollte.
In der Reichshauptstadt haben am Sonntage in allen Reichstags- Wahlbezirken zahlreich besuchte Versammlungen stattgefunden, welche von der Fortschrittspartei behufs Erörterung des Tabaksmonopols einberufen morden waren. Die Versammlungen, in denen Dr. Hirsch, Dr. Hermes, Eugen Richter, Dr. Lüchow, Träger und andere fortschrittliche Abgeordnete referirten, nahnren einen durchaus sachlichen Verlauf. In allen Versammlungen wurde inehr oder minder einstimntig eine Resolution angenommen, wonach die Einführung des Tabaksmonopols die Vernichtung einer großen lebenskräftigen Privat-Jndustrie bedeute und eine zahlreiche Bevölkerungsklasse von der Regierung abhängig mache, während das Monopol andererseits der Regierung keinen erheblichen Gewinn bringe.
Die bayerische Reichsrathskammer hat am Montag wieder einen Sturmangriff der ultramontanen Mehrheit des Abgeordnetenhauses auf das bestehende Regierungs-System abgeschlagen. Nach längerer Debatte lehnte nämlich die Kammer den Antrag des Abg. v. Hnfenbrädl auf Abschaffung des siebenten Schuljahres mit großer Majorität ab, ebenso den hierzu gestellten Modifications-Antrag des Ausschuß-Referenten, Bischofs Dinkel von Augsburg, auf Gewährung von Erleichterungen und Begünstigungen in Betreff der Schulaufnahme und der Schulentlassung.
In den französischen Senat scheint seit den Neuivahlen vom 8. Januar wirklich ein neuer republikanischer Geist eingezogen zu sein. Dieser Geist offenbarte sich auch in der Senatssitzung vom 11. März gelegentlich der Berathung über den Gesetzentwurf, betr. den obligatorischen Primärunterricht. Durch die Ablehnung des von Jules Simon gestellten Amendements, welches forderte, daß an die Spitze des Programms des obligatorischen Unterrichts die Pflichten gegen Gott und das Vaterland gestellt würden, ist das Princip der Laieität im neuen Volksschul - Unterrichtsgesetze gewahrt worden. Jules Simon begründete sein Amendeinent durch den Hiniveis auf den immer mehr überhand nehmenden Atheismus, wogegen der Cultusminister Ferry erklärte, daß die obligatorische und consessionslose Laienschule sich mit metaphysischen und philosophischen Problemen nicht zu befassen habe. Außerdem liege dein Amendement ein politischer und nicht ein pädagogischer Zweck unter, dasselbe dränge zu einem Emflict mit der Kammer hin und unter diesen Umständen könne er nur die Ablehnung des Amendements befürivorten.
K-aiser Alexander III. von Rußland hat es endlich über sich zu gewinnen vermocht, aus der fast klösterlichen Abgeschiedenheit von Gatschina hervorzutreten, indem er am 13. März der Gedächtnißfeier zu Ehren seines Vaters in der Peter-Pauls-Kirche zu Petersburg beiwohnte. Allerdings weilte der Czar nur einen Tag in der Residenz, da er noch am Abend des 13. März nach Gatschina zurückkehrte; indessen soll er das Versprechen zurückgelassen haben, baldmöglichst nach Petersburg zurückzukehren. Die innere schwierige Lage Rußlands fordert es auch gebieterisch, daß der Kaiser endlich aus seiner selbstgeschaffenen Jsolirung heraustrete, denn je länger er noch in seiner Zurückgezogenheit in Gatschina verharrt, desto mehr entfremdet er sich und seine Dynastie dem Volke und die Jgnatieff, Aksakow und die anderen Bannerträger des Panslavismus würden noch länger Zeit haben, die Regierung in ihrem Geiste zu leiten und dieser Geist eines Jgnatieff's kann unmöglich die Geschicke Rußlands zu dessen Gutem lenken.
Auch die Pforte hat nunmehr das Königreich Serbien anerkannt und damit bewiesen, daß sie neidlos die Rangerhöhung des früher türkischen Vasallen- Staates betrachtet.— Der Sultan empfing am Montag den Chef der außerordentlichen preußischen Gesandtschaft, Fürsten Radziwill, und die übrigen Mit- glieder derselben in Abschieds-Audienz. Am nächsten Tage trat die Mission die Heimreise an, jedenfalls hoch befriedigt von der glänzenden Aufnahme, welche ihr in der türkischen Hauptstadt zu Theil geivorden ist.
Deutschland.
Darmstadt, 15. März. Die „Darmst. Ztg." veröffentlicht einen den Ständen zugegangenen Gesetzentwurf, betr. die Erbauung einer festen Brücke über den Sinin bei Kostheim. Die Kosten sollen 1,037,000 M. betragen und durch eine Anleihe gedeckt werden.
Darmstadt, 15. März. Die nächste Sitzung der ersten Kammer der Stände ist auf Donnerstag den 23. l. Mts., Vormittags 11 Uhr, anberauu». Gegenstand der Tagesordnung: Prorogation des Finanzgesetzes. Es findet nur diese eine Sitzung statt.
Die Berathung des Bndgets in der ersten Kammer wird voranssichtlich in der Woche nach Ostern stattfinden.
. Berlin, 14. März. In Sachen des deutschen Schulvereins ist eine Mittheilung beachtenswerth, welche die „Kronstädter Ztg.", das Organ der alt- sächsischen Partei, in ihrer neuesten Nummer macht. Das Blatt schreibt: „Die Bemühungen des deutschen Schulvereins in Berlin werden nicht erfolglos bleiben, denn trotz der Haltung der ungarischen Presse und der jüngsten Vorgänge im Parlament will die ungarische Regierung in dieser Affaire es nicht znm Aeußer- sten kommen lassen; es ist im Gegentheil zu conftatiren, daß die ungarische Regierung zn Concessionen geneigt ist und der Aiittelschul-Gesetzentwurf, welcher die eigentliche Veranlassnng der Agitation in Deutschland bildet, wird wahrscheinlich gar nicht im Plenum des ungarischen Abgeordnetenhauses zur Verhandlung gelangen. Trotzdem im llnterrichts-Ausschusse über diese Vorlage continuirliche Berathungen stattfinden, wird dieselbe, wie in Regierungskreisen verlautet, in dieser Session nicht auf die Tagesordnung gestellt, und wenn dies in der nächsten Session geschehen sollte, was übrigens von eingeweihten Persönlichkeiten entschieden bezweifelt wird, so werden vorher wesentliche Modificationen vorgenommen werden, welche den berechtigten Forderungen der Deuffchen in Ungarn Rechnung tragen."
Hanau, 12. März. Die „Hanauer Ztg." schreibt: Auf welche Art und Weise die Kaiserliche Tabaksmanusaktur zu Straßburg ihre Erzeugnisse an den Mann zu bringen sucht, erhellt zur Genüge aus folgendem Schreiben ihres Würzbürqer Vertreters, welches uns im Original vorliegt:
Würzburg, den 4. März 1882.
Wie Sie aus den Zeitungen gelesen haben werden, ist das Tabaksmonopol festgestellt nnd werden wir demnächst unsere besseren Niederlagen nochmals in Straßburg empfehlen und ersuchen Sie deshalb freundlichst, uns noch recht kräftig zu unterstützen, daß wir einen großen Umsatz erzielen, indem wir auch ein Verzeichnis des Bezuges unserer Kunden einreichen.
- Ihren geschätzten Aufträgen baloigst entgegensehend, zeichne Hochachtungsvollst!
- Verkaufsstelle
der Kaiserlichen Tabaksmanufaktur zu Straßburg in Würzburg. N. Popp.
Amerika.
Washington, 12. März. Das Kriegsgericht hat den Sergeanten Mason, welcher den Präsidentenmörder Guiteau zu erschießen versuchte, des Mordversuches schuldig befunden und zu schimpflicher Ausstoßung aus dem Heere und achtjähriger Einsperrung bei harter Arbeit in einer Strafanstalt verurtheilt. Der Kriegssecretär Lincoln hat das Urtheil bestätigt.
— Einer Meldung aus Memphis zufolge ist das ganze Land zwischen Kairo, Illinois und Vicksburg in Mississippi überschwemmt. An manchen Strecken haben sich die Gewässer zu beiden Seiten des Mississippi auf eine Entfernung von 45km über das Land ergossen.
Washington, 14. März. Schatzsecretär Folger hat 3 Posten sechs- procentiger prolongirter Obligationen von je 5 Mill. Dollars zur Rückzahlung einberufen.
— Die Repräsentantenkammer hat die Bill, betr. die Unterdrückung der Polygamie, genehmigt. Vom Senat wurden weitere 100,000 Dollars zur Unterstützung der in Folge der Ueberschwemmung des Mississippi-Nothleidenden bewilligt. Nach den aus den überschwemmten Districten eingehenden Nachrichten ist das Elend sehr groß, die Breitenausdehnung des Flusses beträgt im Durchschnitt 40 Meilen. — Nachrichten aus Panama bezeichnen die bisherigen Meldungen über das Erdbeben in Costa Rica als sehr übertrieben.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telcgr. Correspondcnz-Bureari.
München, 15. März. Das hiesige Gemeinde-Collegium nahm den Antrag von Schultes' wegen Aufhebung sämmtlicher hiesigen Simultanschulen und Neneintheilung der Schulsprengel mit 42 gegen 17 Stimmen, die Enthebung des Schulraths Rohmeder mit 40" gegen 16 Stimmen an.
Stuttgart, 15. März. Die Centralstelle für Landwirthschaft hat sich mit 14 gegen 1 Stimme gleichfalls für das Tabaksmonopol und für die Vermehrung der württembergifchen Tabaksbaubezirke ausgesprochen.
Karlsruhe, 15. März. Der Gesundheitszustand des Großherzogs ist unausgesetzt befriedigend. Derselbe konnte seit dem letzten Donnerstag sich tag- i” Li," Ä. M..«.«
bahnrach m" der Abänderung, daß Landtagsabgcordn-i- und M,n,ster,°l-Commissari-n von denselben ausgeschlossen seien. Votsttz-ndc und Stellvertreter sind vom König zu ernennen. , Ausschuß des Volkswirthschastsraths berieth heute bie
Krankmkasftnvorch 7 und n°bm ^mn Antrag an, wonach auch di- in der Land- -rorstwirtbschast ständig beschäftigten Arbeiter zu versichern sind.
w.rihschasi.und Forst«irch,ch°,r ,mn° g iw ^lisch-n Partei, welche lieber mit dir =tnrtfAriti8^nrt^rnuf Trennuilfl6 oon Kirche und Staat hinarbciten, als sich der bis- ^üaen wolle es könne dahingestellt bleiben, ob di- katholische mit ibrenMundsätzen unvereinbares Verhalten billigen wolle, es
N- b-r'-ch w.7v°r ehrt in M Beziehung es wäre die Hoffnungen der Kaiho- Ik-N onsdosKmvorkommen einer Partei zu gründen, welch! von »eher eine entschiedene Widerchcberin deP Kirche^ gewesen. Di- katholische Partei könne allerdings auch so ihre jetzig- Mach-st-ilung im Staat- bekunden, aber es wäre di- Macht der Zerstörung


