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I. M Schulhof, fllarkWrolir.
J. A. Busch Söhne
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Berlin, 11. Octbr. Die „Bert. Polit. Nachr." schreiben: Allmälig naht die Zeit heran, wo in dem politischen Kalender der meisten constitutionell regierten europäischen Staaten an die Wiederaufnahme der parlamentarischen Geschäfte gegangen zu werden pflegt. Die auswärtigen Fragen, soweit sie nicht solche allerersten Ranges sind, treten damit in der Regel hinter die Erwägungen innerpolitischer Natur zurück; das nationale Interesse gewinnt über das internationale die Oberhand. Einstweilen steht der bezeichnete Termin freilich noch nicht unmittelbar vor der Thür, und ist der dazwischen liegende Zeitraum immerhin lang genug, um die Klärung des Horizonts bis dahin zu fördern, daß die öffentliche Meinung mit relativer Gelassenheit sich andern Dingen zuwenden kann. Wenn das Vertrauen in die Zukunft eines speciellen Stärkungsmittels noch bedurft hätte, so würde sie es in den Reden des italienischen Minister-Präsidenten gefunden haben. Jenseits der Alpen ist man für die Schwankungen des politischen Seismographen vielleicht empfindlicher als irgendwo anders, und wenn gleichwohl Herr de Pretis so sprechen konnte, wie er chat- sächlich in Stradella gesprochen hat, so beweist dieser Umstand auf's Schlagendste, wie absolut machtlos auch auf dem gährenden Boden Italiens jene Elemente sind, welche destructiven Tendenzen huldigen. Einzelne österreichische Blätter vermerken es, daß Herr de Pretis nicht ein einziges Wort über das Treiben der Jrredenta verloren habe. Sie übersehen dabei, daß der Minister-Präsident in erster Linie zu einem italienischen Auditorium sprach und leicht begreifliche Gründe hatte, das heikle Thema überhaupt nicht zu berühren. Daß die Regierung des Königs Humbert deshalb nickt nachläßt, den ihr durch das freundnachbarliche Verhältniß zu Oesterreich auferlegten Pflichten im vollsten Umfange zu genügen, zeigt die soeben der toskanischen Polizei geglückte Eruirung des Complicen Oberdank's, womit die Behörde in den Besitz des leitenden Fadens einer förmlichen politischen Verschwörung gelangt zu sein scheint.
Die betreffs Egyptens zwischen London und Paris schwebenden Verhandlungen haben an letzterem Orte keinen Zweifel mehr an dem festen Beschluffe des Cabinets von St. James gelassen, den Status quo ante bellum durch ein neues Regime zu ersetzen, welches dem Interesse Englands von einer Consoli- dirung der egyptischen Zustände besser entspricht. Es wird den Franzosen eben nichts übrig bleiben, als sich in die Thatsache der britischen Superiorität zu fügen. Doch sträubt man sich in Paris dagegen, die früher in Paris innegehabte Position einfach auf die Basis aller übrigen europäischen Nationen redu- cirt zu sehen, und beansprucht von England die gebührende Schonung der Ueberlieferungen des west,nächtlichen Allianz-Verhältnisses. England soll, mit einem Wort, der Republik die Hand zur Bewerkstelligung eines ehrenvolle:, Rückzuges aus dem egyptischen Dilemma bieten. Um diesen Punkt dreht sich der zwtschen den beiderseitigen Cabineten dermalen gepflogene Meinungs- Austausch. __________
Verwischtes.
Berlin, 9. Oktober. tUntessuchung wegen Gattenmordes.j Gegen den hier- seldst wohnenden Lieutenant a. D. St., ist, wie wir hören, auf den Antrag der Staatsanwaltschaft bei dem Landgerichte I. die Untersuchung wegen Ermordung seiner Gattin etngeleitet worden. Die Frau des ßieutenant§ St. ist vor etwa zwei unter verdächtigen Umständen gestorben und bald nach ihrem Tode verbreitete stch das Gerücht, daß die Verstorbene von ihrem Gatten vergiftet worden sei. Das Gerücht gelangte zur Kenniniß der Staatsanwaltschaft und die von ihr veranlaßten Recherchen führten schließlich zu Ergebnissen, welche für die Wahrscheinlichkeit des über den Gatten ausgesprochenen Verdachtes sprachen- Vor mehr als einem halben Jahre fand auf die Anordnung des Landgerichts die Exhumirung der auf dem Jerusalemer Kirchhofe beerdigten Leiche der Frau St- und die Obduktion derselben statt. Mehrere innere Theile der Leiche, insbesondere der Magen, wurde den Gerichtschem'kern zur Untersuchung gegeben. Das Ergebniß der m hrere Monate dauernden chemischen Analyse war, daß der Magen von e-ner bedeutenden Quantität Arsenik durchsetzt gefunden wurde. In Folge dieses sehr gravirenden Umstandes ist die Untersuchung gegen den überlebenden Ehegatten wegen Mordes eingeleitet worden und die öffentliche Verhandlung der Sache wird demnächst vor der Strafkammer stattsinden.
— Der Seemann Prinz Heinrich, der zweite Sohn des deutschen Kronprinzen, lernt jung die Welt kennen. Von 1878—80 machte er als Cadeit die Weltumsegelung auf einer Corvette unter Capnän Mac-Lean mit und dieser Tage ist er als Lieutenant auf der Glattdecks Coroette „Olga" in Kiel in Sce gegangen, um eine lömonatltchc Reise nach der Ost- und Westküste von Amerika zu unternehmen. Er soll den gesummten Dienst eines Lieutenants öerrichten und nur ganz ausnahmsweise von dem sehr beschwerlichen nächtlichen Wachtdienst befreit werden.
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hafte Beunruhigung hervorgehoben. In den Pariser Regierungskreisen faßt man jedoch die ganze Angelegenheit kühler auf und bezweifelt vorläufig uber- haupt die ^wähnte Nachricht. Rede, welche der Ministerpräsident de Pretis nm s Stober vor seinen Wählern in Stradella gehalten Hat, eine wichtige vMH'che' Kundgebung. De Pretis führte fernen Landsleuten die mannigfachen Errüng-nschasten vor, welche Italien fernem gegenwärtigen Mrnrsterrum verdankt und diefer Hinweis wird wohl auch nicht verfehlen, auf dre Wähler zu bimsten der Regierung und hiermit der liberalen Partei Eindruck zu machen. ®un£ taiienifchen Polizei ist ein wichtiger Fang gelungen. Wie erinnerlich, batte der wegen des versuchten Bomben-Attentates von den österreichischen Be- börden verhaftete Wilhelm Oberdank einen Complicen dem es aber gelang, nach Italien zu entkommen. Dieser ist nun von der Polizei rn der Person des zu Prato (Toskanas wohnhaften Apothekers, Demetn Rogasa ermittelt und verbauet worden Die vorgenommene Haussuchung soll das Vorhandensein,eines vollständigen Laboratoriums für die Anfertigung von Sprenggeschossen constatirt bab n Rogafa, ein geborener Florentiner, ist bereits nach Udine transporürt worden und erwartet man seine Auslieferung an Oesterreich, da der gegen Rogafa von den österreichischen Polizeibehörden erlassene Steckbrief auf Hochverrath und versuchten Meuchelmord lautet. x
Die Türkei hat in diesen Tagen dre letzten entscheidenden Schritte -ur Regulirung der türkisch-griechischen Grenzangelegenheit gethan. Sie sendete ihre Commiflare nach der griechischen Grenze ab welche beauftragt find die vier streitigen Grenzpunkte an Griechenland zu übergeben und checkte gleichzeitig dem Athener Cabinet mit, daß sie die streitigen Po rtionen also die Gebiete von Karaliderbend, Sezeros, Kratschowa und Kalmaki, in Gemäßheit der von der Grenz-Commiffion festgestellten Trace an Griechenland endgültig abtreten werde Indessen werde die Pforte einen Theü des Gebietes von Kalmaki nur bedingungsweise übergeben, da derselbe von einer türklsch-gnechsschen Commchion später geregelt werden muffe. Hoffentlich ergeben sich aus dieser „spateren Regelung" keine abermaligen Verwickelungen.
Die rumänischen Kammern werden erst am 29. October zusam- mmtreten da die Regierung wünscht, denselben das Budget sofort vorzulegen, welches bis zu dein genannten Zeitpunkt fertig gestellt fern wird
' on b9er eqpptischen Frage brachte uns die zu Ende gegangene Woche wenig Neues und nichts Entscheidendes. Englaiid läßt die Welt noch immer im Unklaren bezüglich seiner Pläne mit dem Pharaonenlande und wre es ickeint ist in dieser Beziehung vorläufig auch noch nichts vom englischen Cabinet zu erwarten. Die Verhandlungen des Kriegsgerichts zu Kairo beginnen einen schleppenden Charakter anzunehmen, wozu die Haltung der Angeklagten uiel nut beiträgt, welche einfach die ihnen zur Last gelegten Vergehen leugnen. Arabl Pascha wurde am Mittwoch und Donnerstag verhört, doch wird das Resulta des Verhörs geheim gehalten. — Die egyptifche Armee soll, wie das Journal
El Abram" meldet, in Zukunft 10,000 Mairn betragen. Officiere und Soldaten, welche der Theilnahme an der Rebellion verdächtig find, wurden zur Armee nicht zugelassen werden und die Osficrere ausschließlich aus Türken oder Circassiern bestehen. Die egyplische Armee würde demnach nur einen geringen Effektivbestand haben, ivährend sie zur Zeit des eroberungslustigen Mehenied Ali sich auf ca. 150,000 Alaun belief. .
ben Vereinigten Staaten von Nordamerika finden gegenwärtig die Wahlen zniii Congreß statt. Es handelt sich hierbei um den alten Gegensatz zwischen den Republikanern und Demokraten, welche letztere m Nordamerika im Gegensätze zu den liberalen Republikanern das „reactionare' Element vertreten. In Westvirginien gewannen die Republikaner einen Sitz, wahrend in Ohio die Candidaten der Demokraten gewählt wurden. Wie verlautet , gehören von den 21 gewählten Congreß-Mitgliedern des Staates Ohio 14 der demokratischen Partei an, während die Majorität der vorigen Vertretung republikanisch war. Darüber, ob der Congreß eine demokratifche oder republikanilche Mehrheit aufweisen wird, läßt sich vorläufig nochZuchts lagen, da die Wahlresultate aus der Mehrzahl der nordamerikanilchen Staaten noch nicht vorliegen.
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