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Dienstag den 15. August

L882

srr. 188.

tiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis viertclstthrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 12. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 2. August den Lehrer am Großh. Ludwig - Georgs - Gymnasium zu Darmstadt, Robert Schäfer, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, mit Wirkung vom 1. October d. Js. an, in den Ruhestand zu versetzen.

Darmstadt, 12. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Generallieutenant und Generaladjutanten, Ordenskanzler v. Grolman, den Kaiserl. Königl. Oesterreichi- schen Hauptmann Pabst vom 54. Infanterie-Regiment Graf Thun, den Decan Beyer von hier, den Kreisbaumeister Grimm von Friedberg, den Landwirth- schaftslehrer Dr. Stimmet; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Geh. Cabinetsrath Dr. Becker.

Darmstadt, 12. August. Unter dem 7. ds. hat das Großh. Ministe­rium des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung,, an sümmtliche Justizbehörden in Betreff der Zahl der zu wählenden Hauptschöffen und Hülfs- jchöffen, sowie der Zahl der Schöffengerichts-Sitzungen nachstehendes Ausschreiben erlassen: v . . - ,

Nachdem eine große Anzahl von Amtsgerichten in Betreff der Zahl der für sie zu wählenden Hauptschöffen und Hülfsschöffen, sowie m Betreff der Zahl der bei ihnen abzuhaltenden Schöffengerichts-Sitzungen eine Aenderung der in dieser Beziehung für sie bestehenden Anordnungen beantragt hat, so bestimmen wir auf Grund des § 43 des Gerichtsverfassungs-Gesetzes und des § 11 letzter Absatz der Großh. Verordnung, die Bildung der Schöffengerichte und der Schwur­gerichte betreffend, vom 14. Mai 1879, was folgt:

Bei den nachgenannten Amtsgerichten beträgt bis auf Weiteres die Zahl der ordentlichen Schöffengerichts-Sitzungen und die Zahl der für dieselben zu wählenden Hauptschöffen und Hülfsschöffen:

Ordn.- Nr.

Amtsgericht.

Jährliche Zahl der ordentl.

Sitzungen.

Zahl

der Haupt­schöffen.

der Hülfs­schöffen.

1

Darmstadt II.........

45

30

10

2

Beerfelden .........

12

12

5

3

Fürth..........

24

18

6

4

Gernsheim .........

18

18

6

5

Groß-Gerau........

36

24

10

6

Michelstadt.........

18

18

6

7

Offenbach.........

90

40

15

8

Seligenstadt........

36

24

10

9

Wald-Michelbach.......

18

18

6

10

Zwingenberg........

36

24

10

11

Gießen..........

52

36

10

12

Büdingen.........

18

, 18

6

13

Butzbach .........

24

18

6

14

Friedberg.........

36

24

10

15

Grünberg.........

24

18

6

16

Herbstein.........

24

18

6

17

Laubach ..........

15

10

5

18

Bad Nauheim........

18

12

5

19

Ortenberg.........

24

18

6

20

Schlitz ..........

12

10

5

21

Alzey..........

36

24

10

22

Pfeddersheim........

24

18

6

23

Wöllstein....... -

16

18

6

24

Wörrstadt . ........

16

1 18

6

25

Worms..........

52

30

10

Diese Bestimmungen treten vom 1. Januar 1883 an in Wirksamkeit; soweit dieselben die Zahl der Schöffen betreffen, sind sie jedoch bereits bei der in diesem Jahre stattsindenden Wahl der Hauptschöffen und Hülfsschöffen für das Jahr 1883 zu beachten.

Die für jedes Gericht bestimmte Zahl der ordentlichen Sitzungen ist nach dem Vorgänge in unserem Amtsblatte Nr. 14 von 1879 gleichmäßig auf das aanze Geschäftsjahr zu vertheilen.

Berlin, 11. August. Aus Kiel wird denVerl. Polit. Nachr." ge­meldet, daß dort am Donnerstag, den 10. ds., mit größter Bestimmtheit das Gerücht verbreitet war, es seien an diesem Tage zwei russische Osficiere dort, resp. in Friedrichsort, beim Zeichnen der Festungswerke betroffen und verhaftet worden. Wir lehnen jede Verantwortlichkeit für die Nichtigkeit dieser Nachricht ausdrücklich ab, glauben jedoch von derselben um so mehr Notiz nehmen zu solleHy als gleichzeitig berichtet wird, es habe sich am gestrigen Morgen ein russi­scher See-Officier in seiner Kammer an Bord der russischen Panzer-Fregatte Knaes Pojarsky" eine Kugel durch den Kopf geschossen. Der Selbstmörder war jedoch nicht sofort todt, sondern nur schwer verwundet und wurde deshalb

Der Zug wurde herrlichsten Wetter

in das dortige Marine-Lazareth ausgenommen. Das Schiff sollte Kiel gestern verlassen, hat dies jedoch gestern nicht gethan; ob dasselbe heute in See gegan­gen ist, haben wir noch nicht erfahren. \

Sicherem Vernehmen nach sind die Gerüchte über eine vermehrte Ent­sendung von Kriegsschiffen nach den egyptischen Gewässern, oder gar von Aende- rungen in den gegenwärtigen Hebungen unseres Panzergeschwaders durchaus als erfunden zu bezeichnen; vielmehr werden nur zwei deutsche KanonenbooteHabicht" undMöve" während der nächsten Zeit in Egypten Station behalten.

Hamburg, 11. August. Drittes deutsches Sängerbundesfest. Nachdem die Sänger tagsüber die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein genommen hatten, begann um 6 Uhr Nachmittags das erste große Fest-Concert mit dem Liede:Die Himmel rühmen rc.", welches unter Leitung des Prosesiors Bernuth in vollendeter Weise zur Ausführung kam. Nachdem sich der Beifallssturm gelegt, hielt der Präsident Dr. Hachmann eine längere Ansprache und brachte am Schlüsse derselben ein Hoch auf den Kaiser aus mit den Worten:Des deutschen Kaisers Majestät, sie strahle für alle Zeilen, Seine Majestät Kaiser Wilhelm lebe hoch!" Die Versammlung stimmte stehend mit größter Begeisterung ein, worauf die HymneDen König segne Gott" zum Vortrag gelangte. Auch die nun folgenden Gesänge wurden in exacter Weise vor­getragen und bewirkten zum Theil den überraschendsten Effect. Auf dem Festplatze waren mehrere tausend Personen anwesend. Nach Beendigung des Concerts verteilten sich die einzelnen Vereine in die Zelte oder begaben sich nach dem gegenüberliegenden Zoologischen Garten, wo ein Monstre-Concert gegeben wurde.

Hamburg, 12. August. Se. Majestät der Kaiser hat auf das gestern Abend im ersten Fest-Concert des deutschen Sängerbundesfestes an ihn gerichtete Telegramm durch ein Telegramm an den Bürgermeister Kirchenpauer erwidert: Babelsberg. So­eben erhalte Ich Ihr Telegramm, in welchem Sie Mir die patriotischen Gefühle au^ sprechen, welche die Versammelten zum dritten deutschen Sängerfest Mir so freundlich darbringen. Ick ersuche Sie, Meinen herzlichen aufrichtigen Dank den Betheiligten aus­sprechen zu wollen, wobei Ich nicht unterlassen kann, in Dankbarkeit des Tages zu gedenken, wo gleiche Gefühle Mir in Ihrer Stadt von den Einwohnern entgegen-

Das zweite Fest-Concert verlief programmgemäß mit günstigem Erfolge. Nach dem Gesänge dankte Rutz (München) Namens der fremden Sänger für den herr­lichen Empfang und brachte ein Hoch aus auf Hamburg. Sodann verlas Präsident Hachmann ein Telegramm Sr. Majestät des Kaisers welches mit ungeheurem Jubel vernommen wurde. Von den Gesangsvortragen hatten insbesondere die volksthüm- llchm Lieder großen Erfolg. Gegen den SÄluß des Concerts versagte das elektrische Licht; Unfälle sind dadurch jedoch nicht hcrbeigeführt worden.

Arankreich.

Paris, 11. August. Der Verbrauch der französischen Republik an Ministern unb Ministerien ist sehr stark. Das gestürzte Cabinet Freycinet ist das sechste welches seit dem Amtsantritt des Präsidenten Grävy am 30. Januar 1879 und das achtzehnte, welches seit den allgemeinen Wahlen im Jahre 1871 berufen wurde. Während der letzten !!>/- Jahren gab es zehn Premiermini­ster ; zwei davon sind todt, nämlich General de Cissey und Dusaure; die noch lebenden sind der Herzog v. Broglie, Buffet und General de Rochebouet, welche drei der conservativen Partei angehören; ferner die Republikaner Waddington, Jules Simon, Jules Ferry, Gambetta und de Frepcinet. In der erwähnten Zeit gab es nicht weniger als 92 Minister, einige davon waren das allerdings nur wenige Tage. Das Ministerium des Auswärtigen hat seine Leiter weniger häufig gewechselt, als die übrigen Ministerien; es wurde von Jules Favre, Herzog v. Broglie, Herzog Decazes, Waddington, Freycinet, Barthelemy St. Hilaire und Gambetta geleitet. Die längste Amtsverwaltung war btejenige des Herzogs Decazes, der von 1873 bis 1877 Minister war. Das Portefeuille des Ministers des Innern hat feine Inhaber 21mal gewechselt. Keines der siebzehn Cabinete hat sich in den Kammern auf eine unter allen Umstanden ge­schloffene und zuverlässige Majorität zu stützen vermocht; dennoch hat kems der­selben eine so vernichtende Niederlage erlitten, als das setzt gestürzte Cadmet Freycinet. Die Majorität bei der letzten Abstimmung ist die größte, welcheje über das Schicksal eines französischen Cabinets entschieden hat. Auch ist keines der früheren Cabinete durch das Votum über einen Cred,t gestürzt worden, welcher zum Zweck der Teilnahme der Armee oder Flotte an einer auswar- tigen Expedition gefordert worden.

London, 11. August. Sir Garnet Joseph Wolsely, der ^rbefehls- haber der nach Egypten bestimmten englischen T^uMn, ff am ' n d-- ...

bienft ein unb M *>en groß ber jMsche Aufstand, der Krieg

ta Snaim3aÖ ö tonen von feinen Thaten erzählen. Nachdem er im 4bre 1870 in Canada dieRede-River-Frage» gelöst Hatte, wurde er mit dem Oberbefehl s Krüge gegen Aschantis betraut Unb ^dw gluÄche

Oberbefehlshaber in Cypern, wußte 18.b Mitglied des n sch n n des in ihn gestellten Vertrauens würdig zu mack>m'"t879 wurde er zur Beendigung des Zulu-Krieges nach Afrika geschickt, Er genießt jetzt das volle Vertrauen der Armee und des Landes.

getragen geftjug setzte sich gegen 3 Uhr vom Stelnthorvlatze aus

in Bewegung und durchzog mit 14 in gleichmäßigen Abständen verthellten Musikcorps die überaus prächtig geschmückten, von einer jubelnden Menschenmenge angesüllten Straßen bis zum Dammthore. Den Glanzpunkt des Zuges bild ete^ein ^Schiff aus sechsspännigem Wagen mit der Fahne des deutschen Sängerbundes, überall mit brausenden Hurrahs begrüßt und war von dem