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Anlage m Nr. 63 des Gießener Anzeigers.

Deutschland.

Berlin, 12. März. Heute wurde in allen sechs hiesigen Reichstags- Wahlkreisen von zahlreich besuchten Versammlungen fortschrittlicher und liberaler Wähler einstimmig eine Resolution angenommen, wonach mit aller Entschieden­heit gegen die Einführung des Tabaksmonopols protestirt wird, da das Tabaks­monopol die Vernichtung einer großen lebenskräftigen Industrie, die Einschrän­kung des Tabaksbaues und die unbedingte Abhängigkeit großer Bevölkerungsklassen von der Regierung bedeute. Ebenso erklärten sich die Versanimlungen gegen jede weitere Erhöhung der Zölle und Steuern auf Tabak. Die Versammlungen verliefen ruhig, ohne jedwede Störung. (Frkftr. Ztg.)

DerPesther Lloyd" bringt einen langen Artikel zur Entgegnung auf die offene Antwort des Deutschen Schulvereins an den Ministerpräsidenten Tisza. Es wird in diesem Artikel versichert, Herr Tisza werde keine Antwort auf den offenen Brief des Schulvereins ertheilen. Nm so mehr hätte man erwarten sollen, das Blatt selbst würde eine Widerlegung jenes von so vielen ausgezeichneten Männern unterzeichneten Schreibens bringen oder wenigstens einzelne der angeführten Thatsachen, wodurch die Deutschen in Ungarn, nament­lich in Siebendürgen, sich gekränkt fühlen, zu berichtigen versuchen; aber in dem langen phrasenreichen Artikel wird zwar viel auf deutsche Professoren ge­scholten, aber keine Spur von einer Berichttgung der schwerwiegendsten That­sachen ist in dem Artikel zu entdecken. Es muß wohl schwer sein, etwas zu berichtigen.

Oesterreich.

Wien, 12. März. Officicll. Am 9. ds. sind die Truppen der 47. Divi­sion von Ledenice, Greben, Ubli und Vratlo aus, unter dem Commando der Obersten Scharinger und Baron Walther, sowie der Majors Bolzano, Kuersin- ger, Ursprung und Satterer, unter lebhaften Gefechten und unter Ueberwindung der außerordentlichen Terrain-Schwierigkeiten, indem sie die Insurgenten auf den Höhen vor sich hertrieben, in die Linie von Grkavac, Velivrh, Rapoda und Crkvice eingerückt. Von der 44. Division sind gleichzeitig unter dem Commando des Generalmajors Kober, des Oberst Babich und des Oberstlieutenant Monari 2>/j Bataillone des 16. und 1 */a Bataillon des 22. Regiments über Goliscvac und über die verschneiten Paßhöhen gegen Vratlo und Crkvice vorgegangen, welche Punkte dieselben theilweise noch am Abend erreichten, während ein Theil auf Vela Greda übernachteten. Die nördlichste dieser Colonüen, ein Bataillon des 16. Regiments, stieß am Fuße des Pazua auf bedeutendere Jnsurgenten- Banden, in der Zahl von ca. 400 Mann, die nach erbittertem Kampfe geworfen wurden. Hierbei fiel der Bataillons-Commandant Baron Rukawina, außerdem wurden noch 3 Mann schwer verwundet. Das 43. Regiment hatte 1 Mann tobt, 3 Mann verwundet; das 5. Zägerbataillon hatte 5 schwer, 1 leicht Ver­wundeten. Am 10. ds. gingen die Colonnen der 47. Division in die Linie Pecina Gora, Han Zagovzdak; die Colonnen der 44. Division sammelten sich bei Crkvice. Die Insurgenten, welche an allen Punkten in kleineren oder größe­ren Banden austraten, wichen überall und gingen im Allgemeinen gegen die Macia-Planina zurück, wo sie, an die montenegrinische Grenze gelehnt, ans großer Entfernung das Feuer bis zum Abend fortsetzten. Die Colonne des Majors Kuersinger, welcher 2 Geschütze und ein Zug vom Geme-Corps beige­geben waren, rückte Nachmittags gegen das Fort von Dragaly und sprengte dasselbe in die Luft. Die Colonne wurde aus den Häusern des Ortes Dragaly beschossen und hatte in Folge dessen 3 schwer Verwundete. Abends lagerten die Truppen vorwärts von Pecina Gora und Grkavac, sowie bei dem Han auf Zagovzdak und bei Crkvice. Alle Orte der Crivoscie sind von ihren Bewohnern verlassen, mehrere Häuser sind verbrannt. Crkvice und Dragaly wurden zer­stört gefunden. Die Zahl der Insurgenten betrug im Ganzen 9001000 Mann, ihr Verlust war anscheinend nicht unbeträchtlich, konnte jedoch nicht festgestellt werden, weil sie die Todten und Verwundeten forttrugen und das Herankommen der Truppen nicht abwarteten. Bei dem Zusammenstöße am Fuße des Pazua wurden auf Seiten der Insurgenten 10 Tobte und 25 Verwundete deutlich wahrgenommen. Die Erfolge sind, nächst der ausgezeichneten Führung aller Commandanten, der über alles Lob erhabenen Tapferkett und Ausdauer der Trup­pen zu danken, welche, unter Ueberwindung der enormen Terrain-Schwierigkeiten, den Feind auch auf dm anscheinend unzugänglichsten Höhen aufsuchten. Es ist die Festhaltung der Punkte von Grkavac, des Han's von Zagovzdak, von Crkvice, Narpoda, Ubli und Vratlo, sowie die flüchtige Befestigung und provisorische In­standsetzung des ehemaligen Wachthauses von Crkvice verfüat worden; alle Truppen mit Ausnahme jener der 44. Division bleiben an den genannten Punkten mit entsprechenden Besatzungen, mit dem Gros bei Crkvice, und werden von da aus die noch in der Macia-Planina stehenden Insurgenten vertreiben und Streifzüge durch die ganze Crivoscie ausführen,

Vermischte ».

_... . In Lüttich ist die Hülste der aus 400 Manu bestehenden Garnison der Cttadelle vergiftet worden. Kurz nachdem die Mannschaft um 4 Uhr ihr- Menage verzehrt hatte, zeigten sich die Symptome von Vergistung. Der Leib schwoll bet den Meftten ganz außerordentlich an und fast alle wurden von Uebelkeiten und Erbrechen befallen. Die Aerzte ließen den Erkrankten unverwetlt die nöthige Hilfe angedeihen. Man schreibt die Vergiftung dem zur Zubereitung der Speisen verwendeten schlechten Fette zu. Am Donnerstag hatte sich der Zustand der Kranken bereits gebessert. Noch etwa hundert stehen in ärztlicher Behandlung, aber die Todesgefahr ist beseitigt.

(Die Makler Hymens) so möchten wir jene dunkeln Ehrenmänner bezeichnen, welche mit mehr oder minder delikaten Mitteln unter dem Wappenspruch Discretion Ehrensache!" das Geschäft der Heirathsvermittelung betreiben. Das Publikum hat von diesen Pionnieren des Standesamts verhältnißmäßig harmlose An­sichten. Wer indessen Gelegenheit zu einem intimeren Einblick in das Räderwerk gehabt hat, gewinnt die Ueberzeugung, daß wir es hier mit einer nach den europäischen Maß­stäben verfeinerten Form des Kulihandels zu thun haben, wenn es der Vermittler ernst meint, oder aber mit -'nem listigen Raubsystem, das sich auf die Leichtgläubigkeit des Publikums aufbaut, wenn d-e Angaben des Vermittlers als mystificirende Vorspiegel­ungen aufgefaßt werden Wir wissen selbst nicht genau, für welche Alternative wir uns entscheiden sollen, wenn ra r die authentischen Actenstücke durchprüfen, die uns über ein Institut dieser Art von et em unserer Leser unterbreitet worden sind. Der Geschäftsgang ist folgender: Wer sich an die Firma in dem vertrauensvollen Glauben wendet, hier eine Lebensgefährtin finden zu können, erhält zunächst einen Revers zuge­schickt, in welchem er sich durch Namensunterschrift verbinden muß, alle ihm in Aussicht gestellten Mitthe lungen geheim zu halten und verantwortlich für die Folgen einzustehen, die sich aus Uwaigen Jndiscretionen ergeben könnten. Auf die Erledigung dieser feier­lichen und wichtigthu nden Präliminarien folgt zunächst die bescheidene Aufforderung, eine Baareinsendung von - fünf Mark zu leisten . . .Reichswäbrung" ist ausdrücklich hinzugesügt, und entschuldigend bemerkt der zartfühlende Unternehmer:Wir sind ge­zwungen, diesen kleinen Betrag als Beilage zu verlangen, um erstens der Neugierde in B treff des Prospectbestellens ein Ziel zu setzen und um auf diese Weise nur mit ernsten Bewerbern in Geschäftsverbindung zu kommen." Ist diese gelinde Steuer in die Casse des Geschäfts geflossen, so folgt die erste Gegenleistung: Die Uebersendung eines Verzeichnisses, in welchem die auf Lager befindlichen Heirathscandidatinnen ausgezählt sind. Es ist dies Verzeichniß, das uns im Original vorliegt, ems der ergötzlichsten Actenstücke, die uns je vorgekommen sind. Die Damen sind selbstverständlich nicht namentlich aufgezählt, ja nicht einmal durch ih- Wäschezeichen, ihr Monogramm characterisirt; wie die Stiäflinge im Gefängmß, w e die Patienten in einem Lazareth sind sie nur durch Nummern bezeichnet und die R>flectanten haben die Möglichkeit, ihren Bestellungen die geschästsmäßige Form zu geben:Ich bitte mir Nr. 149 zur Ansicht zu senden" oder:Wollen Sie bei Nr. 257 anfragen, ob sie mit mir an den Altar treten will." Wie in Buch- und Gemäldckatalogen sind übrigens auch hier einige Nummern als fehlerhaft ausdrücklich gekennzeichnet.Natuischönheitsfehler" lautete die euphemist sche Andeutung, die es der Phantasie des Bewerbers gestattet, hoffnungsvoll nur an leichte Sommersprossen zu glauben, oder erschrocken sich bis zum Argwohn eines Buckels zu versteigen. Auch empfehlende Randglosfen finden wir ver­treten , alle mit lakonischer Kürze ausgedrückt. Da heißt es bei einzelnen Nummern schön",sehr schön", und für Freunde von ethischen Vorzügenfromm". Eme sechs­undvierzigjährige Wittwe, welcher alleidings in unserem Prospect zwanzig l!i Millionen nachgerühmt werden, trägt die SchutzmarkeNur für Grasen!" Eine andere Candi- datin ist mit der Bemerkung abgestempelt;Bewerber muß ein feiner Mann (!) sein." Im Uebrigen sind zur Unterschechung der Partien kleine übersichtliche Geschäfts­zeichen eingesührt, über welche eine Vorbemerkung des Verzeichnisses die erschöpfende Auskunft (Hebt:Mit Stern versehene Nummern ohne Garantie. Feine Partien fetter Druck!" Natürlich ist bei jeder Nummer außer dem Alter, der Religion und dem Wohnsitz die Landkarte unseres Heirathsbureaus reicht nach den vorliegenden Angaben von der Memel bis zum Bodensee vor Allem die Mitgift und wo es thunlich erscheint, auch die Erbschaftsaussicht in der beredtsamen Sprache der Ziffern angegeben. Wenn wir den Angaben, treuherzig, wie wir sind, den vollsten Glauben schenken, so beträgt die Gcsammlheit der Mitgiftsummen, über die unser Heirathsver- mittler bet seinen 291 Partien zu verfügen hat, nahezu zweihundert Millionen Mark. Fürst Bismarck hätte, wenn er über die Heirathsgüter unseres Vermittlers verfügen dürfte, den geträumten Reinertrag des Tabakmonopols für fast zwei Jahre in der Tasche und brauchte sich nicht mehr mit den Volksvertretern h rumzuärgern! Millio­närinnen sind in jeder Spalte des Verzeichnisses durchschnittlick acht aufgezäblt und zwar von einer lumpigen Million beginnend bis heraus zu sechszehn, ja zwanzig Millionen. Der wohledle Freiherr von Münchhausen war sicherlich ein Stümper gegen unseren Makler Hymens, der sich rühmt, einen ganzen Juliusthurm von Mitgift vergeben zu können. Und dieser Wohlthäter der herrathslustigen Menschheit begnügt sich mit einer Baaranzahlung von nur fünf Mark! Er führt in der Prinzenstraße ein bescheiden stilles Vermittlerleben und ernährt sich durch postlagernde Korrespondenzen mit Leicht­gläubigen. Es giebt wirklich wunderliche Existenzen in einer Weltstadt! (Berl. Tgbl.)

Crefeld, 6. März. Aus New-Aork wird der Crefelder Zeitung mitgetheilt, daß abermals eine Werbung von Arbeitern nach dem Staate Colorado zu einem an­geblichen Eisenbabnbaue versucht wird, vor welcher nicht eindringlich genug gewarnt werden kann. Die Werbung geschieht durch eine gedruckte Notiz ohne Datum mit der Aufschrift:Vertraulich! Diese Anzeige wird nur von Mitgliedern der Geistlichkeit versandt und darf in keiner Zeitung publicirt werden. A. Langgrand Agent", und enthält eine Erklärung der Denver- und Rio Grande-Eisenbahn-Gefellschaft, wonach diese 10000 Arbeiter und eine Anzahl Ingenieure, Aerzte, Priester u. s. w. auf min­destens zwei Jahre unter verlockenden Bedingungen anzuwerben wünscht. Der erwähnte Eiseobahubau ist aber nicht im Gange und schon seit länger als einem Jahre werden Arbeiter und Aerzte u. s. w nicht mehr dazu gesucht. Wie ein dort beschäftigter Techniker miitheilt, haben die Baunniernehmer ihre Leute ohne Vorwisfen der Eisen- bahn-Gesellschast entlassen und hierdurch die Arbeiter in die größte Gefahr gebracht, da weder Unterkommen noch Erwerb meilenweit zu finden war. Land und Arbeit ist, wie unser Gewährsmann schreibt, für Deutsche ungeeignet und das zugesagte Leben in den Zelten unerträglich. Frauen werden an den Arbeitsstätten nicht geduldet.

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S. Weimersheim Nachfolger.

PandwirtlMaftsschule Weilburg a. d. Mhu.

Oeffcntliche Prüfung zum Schluß der Wintersemesters 31. März. Beginn des neuen Schuljahres 13. April. Die Abgangszeugnisse berechtigen zum e,niahrig-frei- willigen Miliiairdienst. Anmeldungen bis zum 9. April au Direetor Matzat m Weilburg, der auch Programme (toftcnfrci) versendet und weitere Auskunft ertherlt.

Das Kuratorium.

gez. v. Wurml», Regierungspräsident in Wiesbaden. 1310