fie, wie es heißt, den Regierungen von Frankreich und England für ihre Sorgfalt dankt, ^aber hinzufügt, daß Vesorgniß unnöthig sei.
In Tunis wird nach Meldungen englischer Blätter der Ausbruch einer Hungersnoth befürchtet, weil vielfach die Bebauung des Landes in Folge der Unruhen unterblieben fei. Sobald sich der Nahrungsmangel im Innern des Landes fühlbar machen wird, befürchtet man einen heftigeren Ausbruch der Unruhen. Die „Pacificirung" von Tunesien scheint demnach noch gute Wege zu haben.
Zm Ausverkauf.
Mit den gesteigerten Bedürfnissen der Jetztzeit, die in Folge des veränderten Geschmacks, der umgewandelten Lebensweise, der Sitten und Lebensgewohnheiten unseres Jahrhunderts, abgesehen von der an ihnen immer weiter gehenden Verfeinerung, an Zahl außerordentlich zugenommen hab.n, mußte auch das Streben nach ihrer Befriedigung e,n vulseitigeres werden, die Form des Angebots in vielgestaltigerer Weise hervortreten. Dies wurde möglich durch die Einführung der Gcwerbefrelheit. Wie mit der Vermehrung und Vervollkommnung der Verkehrsmittel der Handel allerorten seine Schwingen freier zu regen vermochte, so entäußerte sich auch das Gewerbe der beengenden Fesseln, die ihm die Zünfte auch unter ganz veränderten Zeitverhättnissen noch immer anzulegen bestrebt waren. Das erlösende Wort von der „Selbsthülfe" des Gewerbtreibenden war schon längst ausgesprochen, als es durch die Einführung der Gewerbefreiheit auch gesetzliche Sanction erhielt. Leider erwies sich eine der Hauptvoraussetzungen für die Einführung dieser zeitgemäßen Inst tutlvn als nicht ganz zutreffend und erweckte dadurch letzterer selbst zahlreiche Feinde, die gerade in der gegenwärtigen Zeitlage kühner ihr Haupt erheben als je. Man hatte nämlich g'glaubt, daß das kaufende Publikum schon selbst so viel Einsicht chabe oder diese alsbald gewinnen würde, die durch die unbeschränkte Freiheit in dcr Erzeugung allerhand gewerblicher Producte fast mit Nothwendigkeit hervortretende Unreellität zu erkennen und za bekämpfen. Und doch bewährt sich der kernige Ausspruch des bekannten Prof. Bock: „Die Dummen werden nicht alle!" noch alle Tage ganz besonders auf diesem Gebiete. Darum konnte es auch nicht fehlen daß mit der Zeit die Zahl der unreellen, gewissenlosen Speculanten auf diesem ergiebigen Felde immer größer werden mußte. Zwar suchte die Gesetzgebung die modernen Auswüchse des Kleinhandels und Gewerbes zu beschneiden, indem sie dem Psuscherthum zu Leibe rückte, die Wanderlager fast unmöglich machte u. s. w.; aber die Sache selbst blieb, sie wechselte nur das Aus- hangeichild.
Wer wollte z. B. leugnen, daß die in großen und kleinen Städten immer und immer wieder angezeigten „Ausverkäufe" nicht auf's Auge den eben verschwundenen Wanderl'-gern gleichen? Die grellfarbigen Placate, auf welchen mit Sirenensang die fabelhaft billigen Preise des „großen Ausverkaufs" in Lapidarschrift weithin sichtbar zu lesen sind, halten den Provinzler, den wenig bemittelten Arbeiter, das sparsame Dienstmädchen, die sorgsame Hausfrau auf und — nun, probieren kann man's ja. Außerdem verfehlen die in den Schaufenstern und bis auf's Trottoir he>aus ausgelegten und mit billigsten Preisen versehenen Waaren nicht, ihren Beruf, das Publikum in den Ausverkaufsladen selbst zu führen, zu erfüllen. Sind sie aber einmal drin, so gehen sie kaum wieder heraus, ohne ihr gutes Geld gegen — billige Waare eingetauscht zu haben- Das „Billig und gut" erfährt freilich in diesem Falle eine eigenartige Deutung, da sich diese Attribute nicht vereint bei der Waare finden. Es gibt natürlich auch wirkliche und reelle Ausverkäufe, in welchen, durch irgend welche äußere Umstände veranlaßt, die Losschlagung der vorhandenen Waarenbestände und damit em völliges Aufhö eu des betreffenden Geschäfts beabsichtigt wird. Bel einer solchen Gelegenheit werden dann Waaren, die durch langes Liegen etwas an ihrem Aussehen eingebüßt haben, zu einem Preise abgegeben, der die Waaren auch tn diesem Zustande noch immer höchst annehmbar erscheinen läßt; aber auch die gangbaren guten Waaren müssen — und darin gleicht ein derartiger Ausverkauf ganz einer nothwendigen Subhastation — zu wohlfeilen Preisen abgegeben werden Wer wollte es in einem solchen Falle dem Publikum verdenken, wenn es einen derartigen wirklichen Ausverkauf fleißig fiequentirt? Aber ein anderes Bewandtniß hat es mit jenem unreellen Ausverkauf, welcher auf die Unerfahrenheit und das unzureichende Urtheil des großen Publikums rechnet und unter der schwindelhaften Verkehrung des Grundsatzes: „Die Menge muß es bringen", dem Publikum Waare aufhängt, die ein empfehlendes Aeußere hat, über deren Qualität aber recht bald dem betrogenen Publikum die Augen aufgehen und übergehen müssen. Zwar scheint sich auch in dieser Beziehung das Urtheil des Publ kums etwas geklärt zu haben; aber noch gibt es Leute genug, welche dem ehrlichen Deta lgeschäft den Rücken kehren, um in dem „Ausverkauf" ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Daß hier selbst das Sprüchwort: „Der Gebrannte fürchtet das Feuer" immer und immer wieder zu Schanden wird, darf nicht Wunder nehmen; denn die Entrepreneure jener unreellen Ausverkäufe wissen Zeit und Umstände, sobald diese sich ihrem Geschäfte günstig erweisen, sofort in ausgiebigster Weise zu benutzen. Zur Jahrmarktszeit, wenn das Gesinde mit dem Lohn des letzten Vierteljahrs in der Tasche nach der Stadt strömt, oder zur Weihnachtszeit, wenn die Herrschaft den „heil. Christ" für die Dienstboten einkaufen will oder letztere durch den zum neuen Jahre bevorstehenden Dicnstwechsel verschiedene Kleidungsstücke benothigen, da wird der Ausverkauf eröffnet. Wohl weiß der Knecht, daß der dicke Flaußrock, den er im vorigen Jahre gekauft hat, nach kaum einem Jahre recht fadenscheinig geworden ist; wohl ist das Kleid, das die Magd im vergangenen Jahre einem Ausverkäufe entnommen hat, bereits bedenklich verbuchen; aber doch kaufen beide wieder in dem Ausverkauf, denn sie rechnen nur auf den augenblicklichen Bedatf und dieser kann tn dem „Ausverkauf" auf billigste Weise befriedigt werden. Erft dann, wenn einmal auch in die weitesten Kreise des Publikums die Erkenntlich gedrungen sein wird, daß Schundwaare noch mit Schundpreisen zu theuer bezahlt wird, erst dann werden die unreellen Ausverkäufe, die nicht allein von dem direct geschädigten reellen Geschäftsmanne, sondern von jedem rechtlich denkenden Manne verurteilt werden, aufhören. Sollte nicht auch das Auge des Gesetzes in denselben eine strafbare Vorspiegelung falscher Tbatsachen zum Zwecke der materiellen Schädigung des kaufenden Publikums erblicken? Cz.
Lokales.
Gießen, 14. Januar. (Sitzung der Stadtverordneten vom 12. Januar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Bai ft, Gail, Grüneberg, Han- ftein, Hoch, Hornberger, Lüdeking. Aug. Noll, Petri, Scheel, Schvpbach, Vogt, Wenzel und Wortmann. — Nach Eröffnung der ersten Sitzung in diesem Jahre begrüßt Herr Bürgermiftcr 93ramm die Anwesenden mit herzlichem Willkommen, hierbei der Zuversicht Ausdruck gebend, daß die in der Stadt- verordneten-Versammlung im neuen Jahr gefaßten Beschlüsse und Handlungen der Stadt Gießen zum Wohle gereichen möchten. — Zu Punkt 1 der Tagesordnung, Anlage von Feldwegen und Entwässerungsgräben in der Gemarkung Gießen, hier speziell im Neustädtcr Feld, wurden der Versammlung die Pläne zu den betr. Arbeiten zur Begutachtung oorgelegt. Da man jedoch in Folge erhobener Einsprache die Ansicht theilte, daß die gen. Arbeiten nur von Erfolg sein könnten, wenn gleichzeitig Vorkehrungen zum Schutze des Neustädter Feldes gegen Ueberschwemmungen durch die Lahn getroffen würden, ohne welche die Anlage von Gräben vielleicht zwecklos oder dock später geändert werden müßte, wird beschlossen, die Sache der Baudeputation zu überweisen. — Der vorgelegte Entwurf einer Instruction für den städtischen Wieger wird genehmigt. - Die Rechnung von 1880/1881 ist gestellt und wird der Finanzdeputation -ur Prüfung überwiesen. — Entsprechend den Gesuchen um Eröffnung und Herstellung der Bleichstraße hotte die Stadverordneten-Versammlung in einer ihrer letzten Sitzungen beschlossen, die Kosten, welche sich nach dem Voranschläge auf 8670 JL belaufen, in das nächste Budget einzustellen, vorausgesetzt, daß bis dahin die neue Bauordnung in Kraft getreten sei. Heute liegt nun eine weitere an Großh. Kreisamt gerichtete Eingabe vor, in welcher die Petenten die Notwendigkeit der Herstellung der fraglichen Straße und somit die Berechtigung ihrer Forderungen darzulegen suchen. Nach der Bauordnung liegt, wie dies auch von der Baudeputation an Großh. Kreisamt zu berichten beantragt wird, ein** Verpflichtung der Stadt zum Ausbau der Sttaße nicht vor, denn der Umstand, daß in der Bleichftraße 18 Bauplätze liegen, von welchen bis jetzt nur 8 bebaut sind, läßt sich nach den §§ 4 und 6 der Bauordnung als stichhaltig für die Ablehnung des Gesuches hinstellen, abgesehen davon, daß schon früher Verhandlungen zwischen der Stadt und den Grundbesitzern in gen. Straße über den
Erwerb des erforderlichen Straßengcländes ftaitfanden, die aber, w e es in dem Bericht heißt, an den exorbitanten Forderungen der Interessenten scheitelten. Der Antrag der Baudeputation wird angenommen. — Die Gesuche der Bewohner der Steinftraße, Weserstraße, vetlängerte Schillerstraße u. s. w., welche die Aufbesserung und Herstellung gen. Straßen, theils auch die Aufstellung von Laternen zum Gegenstände haben, werden nach den Anträgen der Baudeputation, welche nach Einsichtnahme d e vorgebrachten Beschwerden nicht für begründet erachtet, erledigt. — Nach Erledigung mehrerer Kosten- dekreturen schließt die öffentliche Sitzung.
Vermischtes.
Augsburg, 6. Januar. Die „Augsb. Abdztg." berichtet: Gestern Vormittag wurde dahier ein verdienstvoller Officier in erschütternder Weise plötzlich vom Tode ereilt. Herr Hauptmann Eilles, Directivnsmitglied der Militärschießschule, welcher seit Jahren als Waffeninspiciel.t innerhalb der königlich bayerischen Armee eine anstrengende und aufopfernde Thätigkeit entfaltete, kam zur Prüfung einer technischen Frage über das Jnfanteriegewehr M 71 in die Werkstätte des Beschaumeisters (Büchsenmachers) der Militär schießschule in die Jesuitenkaserne und brachte zwei M<ssingpatronen mit, in welchen zwar die Geschosse steckten, aus denen aber nach einer dem Beschaumeister gegenüber gemachten Bemerkung des Herrn Hauptmanns die Puloerladung entfernt war- Von diesen Pati onen lud Hauptmann Eilles bie eine in ein Gewehr, von welchem der Abzugsbügel abgeschraubt war zum Zwecke praktischer Anschauung des Patronen- abschlusses, und während er über das am Boden mit aufwärts gerichteten Laufe gehaltene Gewehr sich über eine Planzeichnung beugte, scheint durch ein zufälliges Anstoßen an den ungeschützten Zügel das gespannte Schloß losgegangen zu fein, die Pcstrone entzündete sich und da wahrscheinlich in der entladenen Patrone Pulverrefte zurückgeblieben waren, wurde die ausgesetzte Kugel dem Herrn Hauptmann Eilles durch das Herz getrieben, fo daß der Tod rasch eintrat.
— Eine intereffa; te neuere Erscheinung ist die Ausbreitung der Anwendung von Asbest als Schutzmittel gegen Feuersgefahren. Englische Blätter berichten über die Bereitung und Verwendung des Asbests zu einem feuerbeständigen „Anstrich" für Theater, öffentliche Gebäude, Güterschuppen u. s. w. „Daily News" erzählt über eine betreffende Probe, angestellt in den Sälen der Londoner Asbest-Gesellschaft: „Mehrere Stücke lockeren Flors wurden zum Theil mit dem Anstrich überzogen und dann dem Feuer ausgesetzt. Der unbemalte Flor ging selbstredend sofort in Flammen auf, aber sobald das Feuer den angestrichenen Theil erreichte, erstarb dasselbe. Bemalter Flor, über ein heftiges Feuer ausgebreitet, wurde rothglühend, der Stoff wurde zerstört, gab aber keine Flamme. Ein Holzblock, der mehrere Male mit Asbestfarbe bestrichen, wurde in ein starkes Feuer gebettet, welches nach einiger Zeit das Holz verkohlte, aber der Block brannte nicht und seine Gestalt blieb unverändert. Zwei Holzrahmen, der eine unbemalt, der andere mit Asbest-Anstrich geschützt, wurden unter Anwendung von Terpentin und Hobelspänen gleichfalls probirt. Der unbedeckte Rahmen war sofort zerstört, der andere Rahmen blieb, nachdem das Terpentinöl und die Hobelspähne verzehrt waren, intact und nur der Anstrich hatte die Farbe verloren." Infolge dessen wird gegenwärtig das Theater tm Krystallpalast zu Sydenham in allen Theilen mit Asbesttarbe angestrichen. Auch hat man Asbestgewebe zu Anzügen, welche nicht blos bei Mitgliedern der Feuerwehr sich bewähren sollen, sondern auch bereits von Unfall- Verficherungs-Agenten für die Arbeiter in Eisenwerken in's Auge gefaßt und dringend empfohlen werden.
Nachweise aus den Registern des Standesamts Gießen für das Jahr 1881.
1. Geburten.
Im Jahre 1881 wurden geboren: eheliche, unehel. zusammen.
a. Knaben . . . 248 84 332
b. Mädchen . . . 253 73 326
im Ganzen 501 157 658
Die unehelichen Kinder vertheilen sich:
a. von Gießenerinnen geboren 11
b. „ ortsfremden Inländerinnen 52
c. „ Ausländerinnen 94
zusammen wie oben 157
Todtgeboren wurden:
a. Knaben .... 13 9 22
b. Mädchen 5 1 ß
zusammen 18 lö 28
Unter den Geborenen befanden sich 9 Paar Zwillinge und zwar:
4 Paar männlichen Geschlechts,
2 „ weiblichen Geschlechts,
3 „ Knaben und Mädchen.
Bei 219 Geburtsfällen wurden die Vornamen erst nachträglich angezeigt.
2. Eheschließungen.
Es wurden im Ganzen 82 Ehen geschlossen und zwar:
a. zwischen ledigen Personen . .64
b. „ ledigen Mannespersonen und Wittwen 4
0. „ Wittwer und ledigen Frauenspersonen 12
d. „ Wittwer und Wittwen . . 2
Summe wie oben 82"
Durch die Eheschließungen wurden 4 Kinder legitimirt.
Unter den Eheschließungen sind:
a. 65 Paare evangelischer,
b. 2 „ katholischer,
c. 12 „ gemischter und
d. 3 „ israelitischer Confession.
3. Sterbefälle.
Sterbefälle kamen 412 vor. Unter den Verstorbenen befinden sich:
a. ledige Personen . . . . 244
b. verheiratete Personen . 444
c. verwittwete Personen . . 54
. im Ganzen 412
und zwar im Alter von:
unter 1 von 1
„ 6
„ H „ 16 „ 21 „ 31 , 41 „ 51 „ 61 " l1 , 81
Alter u
Jahr
bis 5 Jahren
,, 10 „
it 15 „
„ 20 „
, 30 „
„ 40 „
„ 50 „
„ 60 „
„ 70 „
„ 80 „
,,9° „
nbekannt
männl. 44 36 14
3
6
27
19
20
15
16
15
1
1
weibl. zusammen
31 75
35 71
12 26
3 6
1 7
14 41
21 40
9 29
19 34
24 40
23 38
3 4
- 1
tm Gc
Von den Sterbfällen männl, weibl. zusammen. Januar 17 19 36
Februar 22 24 46
Marz 25 20 45
April 20 24 44
Mai 16 16 32
Juni 19 12 31
Im academischen Hospital und in d gehend hier anwesend starben ortsfremde Verstorbenen enthalten sind.
inzen 217 195 412
reffen auf die Monate:
Juli mai9nL mei3L lammen.
August 12 12 l1
September 14 ß ™
Oktober 15 14 A
November iß 10 A
December 22 17 39
? Entbindungsanstalt, sowie sonst vorüber- 3erfonen 106, welche in obiger Zahl der


