Ausgabe 
12.11.1882 Zweites Blatt
 
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- (Doppel-Hinrichtung.) Die Zeitung^un Pao" in Hansts^w schrei^: Eine Doppel-Hinrichtung hat in unserer Stadt in Folge eines elgenartlgen Vorkomm- nisses stattaefunden. In den ärmeren Gegenden unserer Provinz ist die Sitte, daß ein Mann dem es unmöglich ist, zu heirathen, oder, um es kurz zu faßen, der zu arm ist eMe Frau zu kaufen, sich eine solche auf eine Anzahl Monate oder Jahre miethen kann. Die Kinder einer solchen Miethe fallen dem Miether zu, die Frau aber 'st ge­zwungen, nach Ablauf des Contractes zu ihrem Herrn wieder zurückzukehren, der häufig gmug ihr erster Mann -st. Eine 18jähnge Frau, bie schon mit 13 Jahren oerheirath mnrben ward in dieser Art von ihrem Manne vermiethet. es gefiel ihr aber im Hause ibres neuen^Herrn so wohl, daß sie nach Ablauf des Contractes keine Luft verspürte, wieder zu chrem Manne zurückzuk'hren. Dieser drohte sie nut Gewalt zurückholen zu wollen? Daraufhin beschlossen die beiden Liebenden, sich des Fnedensstörers zu ent­ledigen Als derselbe zu ihnen kam, empfingen fie ihn lreunbUck, bewirtheten ihn, macht?« ihn betrunken und tobteten ihn schließlich mit einem Küchenmesfer. Das Ver­zechen warb jeboch balb entbeckt unb bie Verbrecher würben jum £obe verurtheilt. Das chinesische Gesetz belegt für Gattenmorb bie Frau mit der entsetzlichen Straft des Lingechi" des bei lebendigem Leibe in kleine Stucke Zerschnitten werdens. In An­betracht der eigenartigen Umstände aber, welche in diesem Falle den Mord verur­sachte, ward das Uitheil umgewandelt und bie iunge Frau gleich ihrem Genosten ein­fach enthauptet-

Dicbbübner] DemBraunschw. Tagebl." schreibt ein poetischer Waibmann: Was man bei Einkauf nnb Zubereitung, auch eventueller sonstiger Verwendung von Rebhühnern zu beachten hat:

Ist gelb bas Bein bes Huhns, gleich der Ciirone, So ist's von diesem Jahre zweifelsohne. Doch rechne davon zwei auf einen Kopf Sie werden Dir gar sehr gering im Topf! Das Huhn mit Beinen gelb wie Apfelsine Vor allen Dingen zum saft'gen Braten diene. Bei hellem, grauem Beine laß' Dir raihen, Ein halbes Stündchen länger es zu braten. Scheint dunkel schon des Hühnerbeines Grau, So kocht's vor'm Braten erst die kluge Frau. Blaugraue Beine, Schnabel be-nah' weiß, Rings um de Augen ein hellrother Kreis Laß ab! umsonst sind Speck und Fett und Butter, Derartige Hühner schenk der Schwiegermutter!

In Prosa fügt der Verfasser hinzu:Wenn ich dabei, des allgemeinen Ver- ftändnisies wegen, vom Hühnerbeine statt vomTrittchen" oderStander rede, so möge mir Diana verzeihen.

- Ein Rekrut bezog die erste Wache; es war ein kleiner Posten, von einem Corpora! kommandirt Unser Freund kam während des Nachmittags zweimal auf Vosten der Corpora! schärfte ihm streng ein, sich nickt von dem Platzmayor über- rumveln zu lassen und machte ihn besonders auf die Hauptronde aufmerksam, die so ae7en 11 Ubr kommen müßte. Der Rekrut that sein Bestes, er strengte Augen und Ohren an, aber er vernahm ^chts als den -schlag der Tburmuhr, sich regelmaß g mfeberbolte. Es schlug 11 Uhr, die Ronde kam nicht, es schlug 3/4 auf 1Z unfer freund in seinem Diensteifer fluchte wie ein Türke. Da endlich naht eh, es kommt näher und immer näher bis auf 10 Schritte. D^r Posten ruft :Halt, wer da.

N N. mit der Hauptronde", erwiderte der Offieier.Sor e unter freund setzt kommt ihr ersckt, ihr faule Hunde? Awwer ihr kriegt die Krenk, wann der^Cvrporal 'Ä, ' hr'habt,ch°n um elf Uhr da fei falle!" und fom.t rief er die Wache heraus-

, ra,[AI(hi, cr-S6tt - die Geschichte vom Glück und Ende des Herrn " der lustige Geschichie erMstl y g letd)g sich mil feinen Gläubigern auseinandergesetzt kürz'» "tbS® zuder Letzteren Entzücken, denn es siel. für. sie nur eine unge- ab Serr** hatte sich in feinen kau»mauni,chen speculationen wohnlich mosere Quot u-befraschendes, datz er endlich seine Gläubiger

k^-msibieden eiulud ihre Forderungen aus ein höchst bescheidenes Minimum

Ädren Dcho merkwürdisir mußte es aber, nachdem die wirklichen Vermögens, n rbält, sie des Herrn ** klar geworden, erscheinen, daß er 1-mals ,m Stande gewesen Berjaliiniie o.® v Kredit zu verschaffen. Wie er das zu Stande gebracht, das

ebVm ber Spa* über den nur Diejenigen nicht lachen, deren Geld es kosten . . fierr ** wollte sich um jeden Preis in den Geruch eines sehr begüterten Mannes "Sem er einiae veraebliche Mittel versucht, kam er aus den richtigen

Me"a° Eines Äs erkrankte er schwer und äußerte Befürchtung, aus diesem Jammer­tal scheid n zu müssen. Er wallte nicht ohne die letzten Troliungen der Advokatur ! *: unb ließ daher einen Rechtssreund kommen, um Mit diesem ein Testament

auirrsietzen^Der"Rechtsfreund, den er sich erbeten, vereinigte 'n sich zw-, Eigenschaster, welche Lerrn ^ für den fpeciellen Fall unumgänglich nolhwendig erschienen: er ha

fftientel in bet Geschäftswelt unb er war - indiskret; Herr -* durste

X Mer daß der Herr Doktor über das Testament plaudern würde, plaudern m einer Menge reicher Industrieller und Finanzleuie, Letztere erfuhren in der Thal fSerr ** seiner Gattin und feinen Kindern etliche hunderttausend Gulden W b-'ld. daß Herr verschiedenen Wohlthätigkrits-Anstalten

maedachi habe. Großes Erstaunen über den R'ichthum des schwer Erkrankten, noch aröberes darüber, daß er so wenig damit geprunkt und -s so wohl verstanden, nichts darüber verlauten zu lassen! Halle man gewußt, welche Schatze Herr besaß, mau wäre bm aeschSstlich 'M ganz anderem Vertrauen entgeg-ngekomm-n - nun war es ^ider zu spä Aber siehe da! Nachdem die Kunde von dem überraschenden Testamente n verbreitet batte wurde Herr » gesunder unb immer gesunder, bis er gänz ae^und" WM die Leitung seines Gischäftes wieder Übernahm unb einen Kredit fand van dem er sich vorher nichts träumen ließ. Damit war der Zweck seiner Krankheit erreicht" Das Testament, das ihm ,° wenig gekostet, öffnete ihm die Herzen und Kaffen r .1/ i^pfrhäftSfreunbe unb hätte er von ba an mit Glück gearbeitet, so würbe er sväter dnmal die Legate vielleicht wi'klich gestiftet haben, die er ,n feinem Testamente o reia big - fingirt hatte. Seine Gläubiger aber haben sich vorgenommen, in Zukun Niemanden für tobt zu halten, so lange er nicht gestorben ist unb an Vermächtnisse erft ru^la^iben wenn b^us^z elne ncuc religiöse Sekte, welche sichRettungsarmee" nennt, viel von sich reden. Aus folgendem Aufruf, welchen dieselbe veröffentlicht, wird lnan 'allgemeine V^rziihuug!°"D^r K^ni"g der Könige bietet hiermit allen Knechten der Sünde, welche den Teuselsdienst ausgeben und sich dem Kampfe gegen den osten Nikolas lOld Nick, ein Spitzname bes Teufels) anschließen freie Veizethung an.

bkferamnefm verschließt, ber wirb am Tage des lüngf en Genck s auf Beseh des Königs für immer in bie Holle geworfen werben. Krieg.. . Krieg. .. K.reg. .

Programm für bie Woche:

Montaa: Rnnbzug der Rettungssoldaten burch bie Stabt mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen. Beginn bes Angriffs. Dienstag: Große Schaustellung von F>alle!uia^-Jungfrauen. Mittwoch: Feuer unb Schwefel. Donnerstag: Musterung, Auslieftrung der Patronen. Freitag: Feuertaufe. Sonnabend: Sregesfreube. Sonntag : Kniedrillen ^Vertheilung des Schießbebarfs burch bm Genera quartiermeister; Herab­kunft bes heiligen Geistes. Fürchterliche Free and Fasy, dasselbe heißt im Arbeiter- Rothwelsch bie Sonnabend-Nachmittags-Zusammenkunft in der Kneipe, wo der Arbeiter seinen Wochenlohn zu verzechen pflegt. Großer Angriff auf bcn Teufel. Zum Schluß. Hallclujah-Galopp

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