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37. Erstes Blatt Sonntag den 12. Februar 1SS2,
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
ÄWAMt Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezvgen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.
Betreffend: Die Ueberfluthungen des Neustädter Feldes durch die Lahn.
Um den Ueberfluthungen des Nöustädter Feldes durch die Lahn wirksam zu begegnen, wird auf Grund des Art. 283 des Polizeistrafgesetzes ungeordnet, daß das Ausgraben von Grundstücken zur Backsteinfabrikation oder zu anderen Zwecken in der Nähe des Wismarer Wegs in einer Entfernung bis zu 40 Meter von diesem Wege verboten ist. Zuwiderhandlungen unterliegen einer Strafe von JL. 1,71 bis A 17,14 oder Haft bis zu 8 Tagen.
Gießen, am 4. Februar 1882. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
_________________________Fresenius._____
Gefundene Gegenstände:
2 Portemonnaie's mit Inhalt, 1 seidenes Tüchelchen, 1 Handschuh, 1 Kette, 1 Pincennez, mehrere Schlüssel.
Gießen, am 11. Februar 1882. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius. _______________________
Deutschland.
m. Darmstadt, 10. Februar. Zu dem Capitel „Realschulen" beantragt der Finanzausschuß der zweiten Kammer unverkürzte Verwilligung der Regierungsforderungen für die Realschulen zu Darmstadt (28,240 A), Offen bau, (17,255 A), Groß-Umstadt (7760 A), Gießen (14,140 A) und Oppenheim (7700 «X); dagegen wird beantragt, für Die Realschule zu Michelstadt statt der angeforderten 16,120 A nur 14,710 A., für die Realschule zu Alsfeld, unter Abzug von 1815 A. 12,115 A, für die Realschule zu Friedberg, unter Abzug von 2050 A, den Betrag von 10,550 A, den für die Realschule zu Alzey geforderten Betrag von 16,220A abzüglich von 535 A, also 15,685 A, für die Realschule zu Bingen, abzüglich von 830 A, die &umme von 7930 A zu bewill'gm Der Gesammtzuschuß des Staates für die Realschulen reducirt sich hiernach aur 136,085 A- Schließlich beantragt der Finanzausschuß, die Kammer wolle Großh Regierung ersuchen, im Hauptvoranschlag pro 1885—88 die Beitragspfl-cht der Städte zu den Kosten der Realschulen unter Anwendung gleichmäßiger Grundsätze und unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der betreffenden Städte, einer neuen Regulirnng zu unleizlehen. Der Abg. L>criba schließt sich dem E.suchen an Großh. Regierung mir eventuell an und beantragt in erster Linie, in Anbetracht, daß die Realschulen als allgemeine Bildungsanstalten bm Gymnasien und anderen derart gen Landesanstalten gleichberechtigt erscheinen: Großh. Regierung zu ersuchen, die Kosten der Realschulen — mindestens sämmtliche B < - soldungen und peisönlichen Ausgaben — auf di Staatskasse zu übernehmen und eine dahin zielende Vorlage noch für die Finanzperiode 1882—8d an den Landtag gelangen zu lassen. Der Ausschuß erster Kammer ei klärt seine Zustimmung zur Regierungs- Vorlage und tritt dem von dem Finanzausschuß zweiter Kammer beantragten Ersuchen nicht bei.
Der zweiten Kammer ging unterm 6. ds Mts. ein Gesetzentwurf, b:e Ausführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen betreffend, nebst Motiven zur Ertheilung der verfassungsmäßigen Zustimmung zu.
Rußland.
Odessa, 9. Februar. Der englische Dampfer „Kosmos" ist auf der Fahrt von Sebastopol nach England mit 12,000 Tschetwert Getreide an Bord unweit Kilia untergegangen. Der Capitän und 26 Mann von der Schiffsmannschaft haben ihren Tod in den Wellen gefunden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 10. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt in ihrer Rundschau über das Ausland gegenüber den Andeutungen gewisser Blätter, als herrsche in den russischen Militärkreisen eine außerordentliche Regsamkeit, als würden speciell den russischen Grenzgarnisonen gegen Galizien erhebliche Verstärkungen zugeführt, sie sei in die Lage gesetzt zu constatiren, daß in den Kreisen, welche es ihrer Stellung nach wissen müßten, von derartigen Vorgängen nicht das Mindeste bekannt sei, was wohl einen Schluß auf die absolute Grundlosigkeit der bezüglichen Sensations-Nachrichten gestatte.
München, 10. Februar. Die Abgeordnetenkammer berieth heute über den Antrag Schel's, an den König die Sitte zu richten, die bayerischen Bevollmächtigten zum Bundesrathe zu beauftragen, einer auf Einführung des Tabaksmonopols un deutschen Reiche abzielenden Gesetzesvorlage nicht zuzustimmen. Auf heftige Angriffe des Abg. Bonn gegen die Regierung antwortete der Finanzminister o Riedel, er könne sich über das Materielle bi§ Antrages nicht aussplechcn, da eine Vorlage bezüglich des Tabaksmonopols noch nicht emgebracht sei. Im Uebrtgen w Verlegte der Fmanz- minister die Anklage wegen schwacher Wahrnehmung der bayerischen R^fervatrechte und wies den Vorwurf, daß das Ministerium die bayerischen Landesfarben n cht liebe, für sich und seine Collegen energisch zurück. Die Regierung müsse auch das Gedeihen des Reiches berücksichtigen. Die preußische Regierung habe gegen Bayern stets volle Bundesfreundlichkeit bewiesen und niemals sei von emem Angriffe auf die Reservat- rechte die Rede gewesen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Schels mit 98 gegen 43 Stimmen angenommen, ein Antrag v. Stauffenberg's auf motivirte Tagesordnung abgelehnt.
Gegenüber den Vorwürfen des Abg. Kopp über Preisgebung von Kronrechten, wie der Justiz-, Finanz-, Münz- und Militär Hoheit, sowie des Gesandtschaslsrechts und daß das Ministerium durch Zulassung des Monopols im Begr-ffe sei, die letzten Thron- rechte nach Berlin auszuliefern, ferner auf tadelnde Aeutzerungen des Abgeordneten Ruppert wegen mangelnder Energie in der Vertretung der Rechte Bayerns im Bundesrathe von Seiten Bayerns bezüglich der Gesetzesvorlagen der letzten drei Jahre ei klärte der Finainminister, die Frankenstein'sche Klausel entbehre des praktischen Werthes, denn die Einnahmen auf Grund dieser Klausel wü'.den doppelt durch Ausgaben genommen. Das Reseroatrecht der Biersteuer werde nie preisgegeben werden. Dem Volkswirthschaftsrathe sei im engeren Interesse des Landes zugestimmt worden. Da der preußische Volkswirthschaftsrath mit seinem Einfluß auf die preußische Regierung
bereits bestanden, so sei es geraden gewesen, ihn durch bayerische Mitglieder zu vei- starken. Hinsichtlich des Unfallgesetzes sei im Interesse der Versicherten eine große Anstalt besser als viele kleine. Der Vorwurf der Vernachlässigung des Förderativ- pnnc ps sei unbegründet, das Ministerium sei jederzeit ernstlich bestrebt gewesen, d e Rechte Bayerns zu erhalten, dabei müsse man aber objectiv und mit voller Bundestreue zu Werke gehen. — M't Ausnahme des Kriegsministers war das ganze Ministerium anwesend.
Wien, 10. Februar. Die „Presse" und das „Neue Wiener Tagebl." melden gerüchtweise aus Kattaro, daß der mehrere Millionen betragende, im vergangenen Neonat nach Antivari gebrachte Familienschatz des Fürsten Nikita auf bisher unaufgeklärte Weise verschwunden sei.
Wien, 10. Februar. Officieller Bericht des General-Commandos in Serajewo vom 9. d. Nits.: Das obere Narenta-Thal ist fortwährend der Hauptsitz des Aufstandes. Die Banden von Tungus und Salkoforte, etwa 200 Mann stark, stehen bei Hanzimje, Glavaticevo und Bjelemic, das Gros der Aufständischen in einer Stärke von 1200 Mann bei Ulok, die Bande von Kovacsevic mit ihrem Gros von 500 bis 600 Mann, welche bisher gegen Foca operirte, hat sich durch allmälige Zuzüge verstärkt, während die Bande auf Krbljnia, 200 bis 300 Mann stark, Zuzug aus der Gegend von Foca erhält. Es scheint, daß die Banden, nachdem ihre Anschläge auf Foca mißlungen sind, sich wieder auf Krbljina concentriren. Feldmarschall-Lieutenant Jovanovic meldet die Besetzung von Tedenice durch das dritte Feldjäger-Bataillon unter kräftiger Mitwirkung der Kriegsmarine, wobei auf österreichischer Seite 1 Mann getödtet und 5 Mann verwundet wurden. Aus Nevesinje wird gemeldet, daß ein Infanterist des 71. Regiments bei einem Patrouillen-Gefecht gegen die Insurgenten, welches in der Nähe von Jasena stattfand, leicht verwundet worden sei.
— Die „Wiener Abendpost" veröffentlicht eine Erklärung des Directors der kaiserlichen Privat- und Familienfonds, Hofraths Baron Mayr, welche die Zeitungsgerychte über Verluste, welche das kaiserliche Privatvermögen und der kaiserliche Familienfonds bei der „Union Gerate" und bei Bontoux erlitten haben sollen, ausdrücklich als der tatsächlichen Begründung vollständig entbehrend bezeichnet, da die Verwaltung der kaiserlichen Fonds weder mit der „Union Generale", noch mit Bontoux jemals in irgend einer Verbindung gestanden habe. Ebenso unrichtig sei die seiner Zeit von französischen Journalen gebrachte Behauptung, daß die österreichische Länderbank Gelder der kaiserlichen Familie aufbewahre, indem alle mit der Verwaltung der kaiserlichen Fonds verbundenen Geschäfte nach wie vor ausschließlich durch ein anderes Wiener Bank-Institut besorgt würden.
Paris, 10. Februar. Die Voruntersuchung gegen Bontoux ist dem Vernehmen nach nahezu beendet. Der Vertreter des Staats-Procurators, Richardiere, begiebt sich heute Abend nach Wien, um genaue Erhebungen über die Beziehungen zwischen der „Union G^n^rale" und der Länderbank vorzunehmen und namentlich zu ermitteln, ob die Gesellschafts-Fonds der Ländervank nicht mit denjenigen der „Union Gönerale" identisch sind.
London, 10. Februar. Wie der „Frkstr. Ztg." aus Loudon gemeldet wird, sind 4 Mann von dem gesunkenen deutschen Schiff „Lsiette gererrer worden.
Lokales.
Gies'en 11 Januar Gestern entwendete ein wegen Bettelns inhaftirter H»n-w«KÜn-ch/b-t f-m»°En.l-ssung aus d-m £>?ftlocal emem Mang-nen em Hemd. Derselbe wurde gestern Abend noch verhaftet, hatte aber vas Hemv aus Der Schram rn'schen Herberge bereits versilbert-
Vermischt« S.
CTO -> :a a3rtnfrh?i Diese Frage beantwortet Friedrich Rückert im - — ; q; rhhfntr^mit folaenDcm Gedicht: „Es ist der Kopf ein Lustgezelt
«Saaz» Braue«,-Fachblatt m »olg-n^m ein nls Aast, - Nimmt
— Darm drei studle smd g 1 JtDeite§ Glas kommt hinterdrein — Und nimmt
auf dem ersten SluhleJH ft. - nun bag dritte kommt zuletzt, - Sind all« den zweiten Swhl gl fommt ein viertes wie der Blitz, — Sieht um sich rund, neh^feinen6!^ - — Ünd^weil es doch nicht stehen kann, — So fängt es großen Lärm N'7.k-menSitz, - roc,Qnbern 6ier und dort, - Und keins will räumen seinen Ori^ Da baiaen ste^ich ritterlich - Und werfen von den Stühlen sich. — Und noch §n GÜick ist's w"nn das Zelt - Nicht selbst mit über'n Haufen fällt."


