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Nr. 188

Mittwoch den 9. August

1882

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Schulstraße B. 18.

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Präsident Strücker in Elberfeld (nat.-lib.) und Landrichter Westerburg (fortschr.)

als gemeinsame Candidaten ausgestellt worden sind. Es scheint demnach, daß die Gegensätze zwischen beiden Parteien doch nicht jene Schärfe erreicht haben,

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Oktober gesucht ds. Bl.

PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Pringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Am Nachmittag des 10. August gedenkt Kaiser Wilhelm Ischl wieder zu ver­lassen und sich direct nach Potsdam zu begeben, wo man seiner Ankunft am 11. August entgegensieht.

Die Ausbeute an politischen Ereignissen ist in unserer inneren Politik noch immer äußerst gering und beschränkt sich nur auf Nachrichten aus der Wahlbewegung in Preußen, auf verschiedene kirchenpolitische Wechselfälle und sonstige nicht sonderlich hervorragende Angelegenheiten. In Bezug auf ersteren Punkt ist es nicht ohne Interesse, daß zwischen Fortschrittlern und National­liberalen bezüglich der Wahl zweier Landtags-Abgeordneten für Barmen-Elber- seld ein Compromiß abgeschlossen worden ist, auf Grund dessen Handelskammer-

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Schutzes des Suezkanals. Definitive Beschlüsse wurden jedoch noch nicht gefaßt, da einzelne Botschafter von ihren Regierungen noch weitere Instructionen erwar­teten. Mittlerweile haben die türkischen Truppensendungen nach Egypten bereits begonnen, indem am Donnerstag drei Transportschiffe mit Artillerie und Mnm- tion von Konstantinopel nach Alexandrien abgegangen sind, welche unterwegs weitere türkische Truppen ausnehmen sollen. England hat aber in den letzten Tagen in Konstantinopel wiederholt und deutlich erklären lassen, daß es die Landung türkischer Truppen in Egypten von der Proklamation der Pforte an Arabi Pascha und dem Abschluß einer englisch-türkischen Militär-Convention ab- hängig mache. Da sich die Pforte sträubt, auf diese Bedingungen einzugehen, so darf man auf den Ausgang des englisch-türkischen Zwischenfalls sicherlich gespannt sein.

Während dieConferenz die egyptische Frage debattirt, ohne zu einem Beschluß zu kommen, fahren die Engländer mit derpraktischen" Lösung derselben fort. In vergangener Wache haben die englischen Truppen die Forts von Mex und, was weit wichtiger ist, die Stadt Suez besetzt, womit der SueMnal auch in militärischer Beziehung in englischen Händen ist. Sonst beschränkt sich derKampf" in Egypten auf unbedeutende Scharmützel zwischen den englischen Vorposten und den Reitern Arabi'-s, wobei sich die Engländer aber gerade nicht durch besondere Wachsamkeit und übergroße Tapferkeit aus­zeichnen. Arabi Pascha hat eine Proklamation erlassen, in welcher er sein Verhalten bei der Beschießung von Alexandrien rechtfertigt, den Khedive des Verraths beschuldigt und die Ueberzeugung ausspricht, er werde vereint mit den türkischen Truppen bald wieder in Alexandrien einmarschiren.

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D" Berathungen der Conferenz betrafen in letzter Zeit haupt- fchlich die türkische Intervention in Egypten und die Fragen des gemeinsamen

England befindet sich gegenwärtig nach keiner Seite hin in aner beneidenswerthen Lage. In Egypten steht es gänzlich isolirt da und "Berbern nehmen die Differenzen mit der Türkei wegen der türkischen Trupven- Expedition nach Egypten eine immer ernstere Gestalt an. Aber auch im Innern drohen dem Cabinet Gladstone aus dem Zwiespalte zwischen Oberhaus und Unterhaus wegen der irischen Pachtrückstandsbill neue Schwierigkeiten roekfie beizulegen Herr Gladstone allerdings eifrig bestrebt ist. Es verlautet'darum

welche ein gemeinsames Vorgehen unmöglich machen würde. Auch die kirchen­politische Frage ist durch verschiedene Ereignisse der jüngsten Zeit, wie z. B. durch die wiederholten Besprechungen zwischen dem preußischen Cultusminister, Herrn v. Goßler, und dem Vertreter Preußens beim Vatikan, Herrn v. Schlözer, durch den Erlaß des Fürstbischofs Robert von Breslau an die Staatspfarrer seiner Diöcese u. s. w. wieder angeregt worden. Namentlich letzterer Erlaß ist insofern bemerkenswerth, als in demselben die betr. Geistlichen auf Grund der Beschlüsse des Trienter Concils und verschiedener Erklärungen des heil. Stuhles aufgefordert werden, die von ihnenusurpirten" Aemter sofort aufzugeben und sich überhaupt jeder Amtshandlung zn enthalten. Zum Schluß wird den Staats­pfarrern die Aussicht auf die Verzeihung ihres Oberhirten eröffnet, im Falle sie sich dessen Geboten bedingungslos unterwerfen. Alan darf gespannt fein, wie die preußische Regierung das Vorgehen des genannten Kirchenfürsten gegen die von ihr geschaffene Institution der Staatspfarrer aufnehmen wird.

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Politische Ueberflcht.

Gießen, 8. August.

Die herzlichen Beziehungen, welche schon seit so langen Jahren zwischen den erhabenen Kaiserhäusern Deutschlands und Oesterreichs obwalten, erfahren durch die zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef am Mitt­woch, den 9. August, in Ischl stattfindende Zusammenkunft einen erneuten, bedeutsamen Ausdruck. Die Begegnung beider Monarchen wird in der Villa des österreichischen Herrschers vor sich gehen, sein Absteige-Quartier nimmt Kaiser Wilhelm jedoch imHotel Elisabeth", wo ihm dieselben prachtvollen Räume reservirt sind, wie in den früheren Jahren. Die Zusammenkunft soll einen durchaus freundschaftlichen und familiären Charakter tragen und sind des­halb besondere Vorkehrungen für dieselbe nicht getroffen worden. Wenn aber auch die hohe Politik den Besprechungen beider Herrscher demnach fern bleiben dürfte, so werden dennoch in diesen Tagen die Augen der deutschen und der österreichischen Nation mit innigster Theilnahme auf die Jschler Kaiser-Zusammen­kunft gerichtet sein, denn dieselbe ist nicht nur bestimmt, das Band der Freund­schaft zwischen den Herrschern Deutschlands immer enger knüpfen, sondern

Nußrand.

Petersburg, 6. August.Nowosti" zufolge hat die Amu-Daila- Expedition conftatirt, daß die Ableitung des Amu-Darja-Flusses in das kas- pische Meer unmöglich ist. DemGolos" ist durch Verfügung des Ministers des Innern der Änzelverkauf wieder gestattet worden.

Kronstadt, 6. August. Der KlipperNajesdnik" ist nach dem Mittel­meere abgegangen.

Section Gießen

5 Uhr, auf eralversaimnlunc Ast. 5195

England.

London, 6. August. Di- officielle Meldung aus Alexandnen über den gestrigen Zusammknnoß zwischen englischen Truppen und den Truppen Arabi Paschas sagt, die englischerseits vorgenommcne Recognoscirung sei durch in den letzten Tagen eingegangene Meldungen von Eingeborenen veranlaßt worden, daß Arabk Pascha sich von Kafr- Dowar nach Damanhur zurückzuziehen beabsichtige. Die Verluste der englischen Linien­truppen bet dem Recognoscirungsgefechte betragen 1 Lieutenant und 1 Mann todt, 7 Mann verwundet und diejenigen der englischen Marinebrigade 2 Mann todt und 22 Mann verwundet In eingegangenen Pcivatmeldungen wird der Verlust d'r egyptischen Truppen in dem Recognoscirungsgefechte von General Alison auf 200 bis 300 Mann geschätzt, die Zahl der Gefangenen beträgt 1 Officier und 14 Mann. Nach den Berichten der Gefangenen und nach den Beobachtungen der englischen £)ffb ctere bestanden die von Arabi Pascha tn's Gefecht gebrachten Truppen aus 1 Bataillon

Deutschland.

Berlin, 6. August. Unter den Mittheilungen, welche über den nachtheiligen Ein­fluß der anhatlcnden heftigen Regengüsse auf die Ernte einlaufen, nehmen dkejenigen über die verheerenden Wirkungen derselben in den schlesischen Gebirgen einen Besorg- erregenden Character an. Amtliche Erhebungen, welche insbesondere der Regierungs- prasidmt in Liegnitz persönlich an Ort und Stelle vorgenommen, ergaben glücklicher Weise, daß bie Schilderungen in der Presse sehr übertrieben sind.

Jene Regengüsse, welche trotz ihrer Heftigkeit doch weit entfernt nicht den Charakter von Wolkenbrüchen trugen, wie sie vor einigen Jahren im Laubaner und Gorutzer Kreise niedergingen und das Eingreifen mittelst Staatshülfe nolhwendig machten, haben allerdings die Promenadenwege zerrissen, manche Brücken über die Gebirgsbäche zerstört, hier und da auch wohl Wasserfluthen bis an die Thüren der Wohnungen gebracht und die Bewohner der zahlreichen Sommerscischen in Schrecken ""b Besorgmß versetzt; allein einen außergewöhnlich großen Umfang haben die Schaden, welche in dem höheren Theile der schlesischen Gebirge in jedem Jahre in mehr oder minder großer Ausdehnung eintreten, bisher nicht erreicht; jedenfalls ist von cinnn Nothstand in diesen Theilen des Landes nicht die Rede.

Sind hier die übertriebenen Schilderungen daher zum Theil auf die Unkenniniß der in den dortigen Gebirgsgegenden gewöhnlichen Erscheinungen zurückzuführen, so lauten doch die Nachrichten aus anber-en Theilen bes Landes nicht eben erfreulich. Aus Mitteldeutschland insbesondere wird von starken Hochwassern gemeldet, welche die Weser, Werra, Fulda und andere Flüsse mit sich führen und welche theilweise die tief­liegenden Userländereien überfluthen und so die Beschädigungen vermehren, welche bie Landwirthe ohnehin durch das überaus ungünstige Erntewetter erleiden.

- Der Handwerkerverein in Schlesweg bereitet eine Petition vor, welche aus praktischen Gründen zuerst der Regierung in Schleswig und dem Landesdirektormt in Kiel unterbreitet und sodann erst an die Reichsregierung gerichtet werden soll Diese Petition beschäftigt sich mit dem Submissionswesen und geht dahin:

1) daß Bauten, welche der Staat, die Provinz ober eine Commune auszuführen hat, nicht in Generalentreprise, sondern in den einzelnen Theilen an Hand­werker des betreffenden Faches vergeben werden;

2) daß zur Concurrenz nur Jnnungsmeister zugelassen werden und daß bei mebt erheblich abweichenden Forderungen diejenigen Meister den Vorzug er­halten, welche in der Stadt wohnen, in der das Gebäude aufgeführt werden soll;

3) daß bei Neubauten den Handwerksmeistern innerhalb der zweijährigen Verjährungsfrist ein Vorzugsrecht yor den protokollirten Gläubigern ein? geräumt werden soll.

Der Gotthardtunnel wird auch auf die Versorgung Deutschlands mit Fleisch von hervorragendem Einfluß werden. Bereits sind in Cöln am Rhein Ochsen zu Markt gebracht worden, welche durch den Gotthardtunnel aus Italien eingefüh t werden.

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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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tafj die gegenwärtige Parlamentssession sofort geschlossen werden soll wenn das

Oberhaus die Beschlüsse des Unterhauses bezüglich der Pachtrückstands-Vorlaae 1 nicht entnimmt; die neue Session würde in diesem Falle bereits am 19 ahtauft I Finnen. Ob der neuen Session die Auflösung des Parlaments resv Neu- I nchlen vorhergehen werden, ist noch unbestimmt, jedoch in Anbetracht der kur'en

Zwischenzeit nicht wahrscheinlich.

Die bayerische Regierung hat dem Anträge der Münchener Gemeinde- Collegien, betr. die Umwandlung der Münchener Simultanschulen in confessio- relle Schulen, bemerkenswerther Weise nicht Folge gegeben, zugleich aber den Magistrat beauftragt, einen Entwurf für eine Neubildung der Schulbezirke aus­zuarbeiten und der Regierung bald einzureichen.

^riefter re^.r.erfeIt^at roeit über Oesterreichs Grenzen hinaus Aufregung und Entrüstung hervorgerufen und dies um so mehr als die Urheber dieser fluchwürdigen That bis jetzt noch nicht bekannt sind In allen Kreisen Triests hat dieses Verbrechen, über dessen Motive man nur Vermutbun- gen hegen kann, den heftigsten Abscheu hervorgerufen, welchem die Handels- lammer, der Tiagtftrat und fast sämmtliche Journale Triests bereits Ausdruck verliehen haben. Zugleich gewinnt es immer mehr den Anschein als ob kein Mitglied der TriesterItalia Irredenta, sondern ein fremder Emissär der Urheber des Bubenstückes gewesen ist. Trotzdem bleibt aber das Odium dieser Thal auf der italienischen Partei Triests hasten, denn jenes Verbrechen ist nur die letzte furchtbare Consequenz der von den Irredentisten in Scene aeiekten Demonstrationen gegen die Triester Ausstellung.

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, auch den Bund der beiden mächtigen Kaiserstaaten auf's Neue zu stärken und diese seine doppelte Bestimmung roirö der Kaisertag von Ischl sicher erfüllen.

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