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ittwoch den 7. Juni, der Keinen Aula.

Herr Prof. Dr. Lud­ersten EntivickeluM- r Thiere". 39l.' ihorde sucht einen p N mit schöner Hae- .000 bis 1100 JL' fc zeutznissen sind bim den.

Juni 1882.

l-Direction OberhM Boekmann.

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Mr. 129. Mittwoch den 7. Juni 1882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzcigtblatt für den Kreis Gießen.

»«retMt: Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Politische Ueberfkcht»

Gießen, 6. Juni.

Die lange Pause in unserem parlamentarischen Leben hat wieder erneuter Thätigkeit Platz gemacht , indem in der letzten Hälfte der vergangenen Woche die Commissionen des Reichstages zur Vorberathung der Novelle zur Gewerbeordnung und der beiden Versicherungsgesetze ihre Arbeiten wieder aus­genommen haben, während das Plenum des Reichstages an diesem Dienstag für den Rest der Session zusammengetreten ist. Der Reichstag wird vermuth- lich nur wenige Wochen zusammenbleiben, aber die Entscheidungen, die er in dieser kurzen Zeit zu treffen hat, sind hochwichtige und deshalb sieht man den Verhandlungen desselben mit besonderer Spannung entgegen. In erster Linie hat der Reichstag die zweiten Lesungen der Monopol-Vorlage, der Vorlage, betr. die Abänderung des Zolltarifs und die Novelle zur Gewerbeordnung, vorzu- nehmen, woran sich dann die zweite Berathung der zu einem Gesetzentwürfe vereinigten Vorlagen über die Arbeiter-Unfallversicherung und die Krankenkassen schließen soll. Was indessen diesen letzteren Gegenstand anbelangt, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die Verathung hierüber abgebrochen werden kann, da sowohl die Kürze der Zeit, als auch die Massenhaftigkeit des Stoffes einer Erledigung der beiden Versicherungs-Vorlagen noch in dieser Session Schwierigkeiten be­reiten. Zur Zeit läßt sich nicht einmal absehen, wenn das Kranken- und Unfall­versicherungs-Gesetz aus dem Schooße der Commission wieder an das Plenum gelangen wird, da der Abg. Lohren (freiconservativ) einen förmlichen Gesetz­entwurf zur Regierungs-Vorlage eingebracht hat, wodurch sich die Berathungen der Commission sehr in die Länge zu ziehen drohen. Bezüglich der drei erst­genannten Vorlagen erregt natürlich die wahrscheinlich noch in dieser Woche stattsindende Endberathung über den Tabakmonopol-Entwurs das meiste Jntereffe. Die zur Vorberathung dieses Entwurfes eingesetzte Commission hat denselben bekanntlich mit großer Majorität abgelehnt und es ist anzunehmen, daß auch das Plenum des Reichstages sich in diesem Sinne entscheiden werde, immerhin darf man aber der ausschlaggebenden Debatte über diesen Gegenstand, welcher so geraume Zeit den Mittelpunkt unserer inneren Politik gebildet hat und noch bildet, mit berechtigter Spannung entgegensetzen.

Der Bundesrath hat seine durch das Pfingstfest und die Theilnahme der Mitglieder an den Gotthardtbahn-Feierlichkeiten unterbrochenen Arbeiten ebenfalls wieder ausgenommen und am vergangenen Sonnabend seine erste Ple­narsitzung nach Pfingsten abgehalten.

In der auswärtigen Politik herrschen die egyptischen Angelegen­heiten fast ausschließlich vor und der telegraphische Meinungsaustausch hierüber ist zwischen den einzelnen Cabineten lebhafter als je. Derselbe bezieht sich zu­meist auf die von Frankreich in Anregung gebrachte Botschafter-Conferenz in Konstantinopel, von welcher man nunmehr die Wiederherstellung der Ordnung in Egypten erwartet. England hat sofort zustimmend geantwortet, auch Ruß­land und Italien sollen ihre Bereitwilligkeit erklärt haben, die Conferenz zu beschicken. Oesterreich soll auf die Einladung Frankreichs zur Conferenz erwie- dert haben, es fei geneigt, die Einladung anzunehmen, müsse sich aber, bevor es definitiv antworte, mit den übrigen Mächten benehmen. Bezüglich Deutschlands wird versichert, daß dasselbe durch seinen Botschafter in London dem dortigen Cabinet seine Geneigtheit in Betreff des Conferenz-Projectes ausgedrückt habe. Die Pforte hat im Uebrigen eine Conferenz abgelehnt.

Die ministerielle Position des französischen Minister-Präsidenten Freycinet hat durch die Verhandlungen der Deputirtenkammer über seine egyp- tische Politik am Donnerstag eine entschiedene Kräftigung erfahren. Mit 298 gegen 70 Stimmen nahm die Kammer schließlich bie von dem Deputirten Carnot beantragte Tagesordnung an, wonach die Kammer ihr Vertrauen auf die Regierung erklärt und wenn auch ein Theil der Abgeordneten der äußersten Rechten sowohl wie der äußersten Linken sich hierbei der Abstimmung enthielt, so ist trotzdem das von der Kammer Derrn Freycinet ertheilte Vertrauensvotum als ein durchaus beachtenswerther Erfolg des gegenwärtigen französischen Cabi- nets zu betrachten. Dieser Erfolg Freycinet's bedeutet aber gleichzeitig eine empfindliche Niederlage Gambetta's, denn von diesem ging der Angriff auf das Ministerium aus und die nachdrückliche Zurückweisung, welche dieser Angriff von Seiten Freycinet's erfuhr, sowie der lebhafte Beifall, welcher die Ausfüh­rungen Freycinet's begleitete, waren eine empfindliche Demüthigung für den Ex-Dictator. Die Kammer widerstrebt eben entschieden der abenteuerlichen Politik Gambetta's und diese Wahrnehmung kann jeden Freund des europäischen Friedens nur mit Genugtuung erfüllen.

In beiden Häusern des englischen Parlaments bildeten am Donnerstag die egyptischen Angelegenheiten den Mittelpunkt der Debatten. Im Oberhause machte der Unter-Staatsseeretär im Auswärtigen Amte, Mr. Dilke, Mittheilung von dem Conferenz-Vorschlage Frankreichs, dem die englische Regie­rung zugestimmt habe, auch erklärte Dilke hierbei, daß in den Ansichten Eng­lands und Frankreichs bezüglich der egyptischen Frage nach wie vor völlige Uebereinstimmung herrsche. Im Unterhause beleuchtete der Staatssecretär des Auswärtigen, Lord Granville, die Lage in Egypten und bequemte sich zu dem Zugeständniß, daß dieselbe ziemlich kritisch sei. Zugleich versicherte Granville, daß die englische Regierung den jetzigen Vicekönig von Egypten unterstützen werde, doch Näheres über die eigentlichen Absichten Englands bezüglich der egyp­tischen Bewegung war von Granville nicht zu erfahren.

Die Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt des russi­schen Ministers des Innern, Grafen Jgnatieff, erhalten sich mit einer eigen»

thümlichen Hartnäckigkeit. Sie haben sogar noch dadurch eine Verstärkung erhalten, daß der Gehülfe Jgnatieff's, Gotowzeff, seinen Abschied eingereicht hat. Trotzdem muß man diese Gerüchte mit größter Reserve aufnehmen, da Jgnatieff vorläufig noch immer fest in der Gunst des Czaren steht. Das westsibirische General-Gouvernement ist aufgehoben und statt deffen die Bildung eines Steppen- Gouvernements angeordnet worden, das die Gebiete von Akmolinsk, Ssemipa- latinsk und Ssemiretschinsk umfaßt.

Die in Sicht stehende Botschafter-Conferenz zu Konstanti­nopel beherrscht augenblicklich das Feld der egyptischen Angelegenheiten. Die mannigfachsten Vermuthungen werden bereits an dieses noch gar nicht in's Leben getretene Project geknüpft, aber es ist kein Grund vorhanden, allzugroße Hoffnungen auf diese Berathungen zu bauen, denn wenn die englisch-sranzöfische Panzerflotte nicht im Stande war, Egypten der Ordnung wiederzugeben, so wird dies der projectirte Meinungsaustausch der Herren Diplomaten in Kon­stantinopel noch weniger thun. Inzwischen hat sich die Lage in Kairo nicht geändert, das neue Cabinet ist noch immer nicht gebildet und Arabi Pascha spielt den unumschränkten Gebieter, während der Khedive Tewfik Pascha in seinem Palais einem Gefangenen gleich bewacht wird. Aus gewissen Vor­kehrungen der türkischen Regierung zur See schließt man, daß die türkische Flotte im Begriffe stehe, nach Alexandrien aüszulausen.

Deutschland.

Darmstadt, 4. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 29. Mai l. Js. Allergnädigst geruht, den Hosjunker und kaiserlichen Regierungs-Assessor Frhrn. Heinrich v. (Sagern zum Kammerjunker zu ernennen.

Se. Excellenz der Großh. Staatsminister Frhr. v. Starck haben heute eine mehrwöchige Urlaubsreise angetreten.

Darmstadt, 5. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 3. Juni den Regierungs-Accessisten Hermann Buchinger aus Bens- HRm zum Kreisassessor bei dem Kreisamte Alsfeld zu ernennen.

Berlin, 3. Juni. Die Commission zur Vorberathung der Gesetzentwürfe, betr. die Unfall- und Krankenversicherung, trat heute in die Specialberathung der Vorlage über die Krankenkassen ein. Zunächst entspann sich eine kurze Geschäftsordnungsdebatle, indem von liberaler Seite beantragt wurde, der ersten Lesung des Krankenkassengesetzes die erste Lesung des Unfallversicherungsgesetzes folgen zu lassen, da man erst nach Gestaltung des letzteren beurteilen könne, welche Bestimmungen in das Krankenkassen­gesetz wegen der übernommenen 13 Wochen aufzunehmen seien. Seitens des Regierungs- Vertreters wurde dem gegenüber geltend gemacht, das Krankenkassengesetz sei für sich ganz selbstständig; wenn dasselbe zu Stande komme, bliebe das Haftpflichtgesetz für alle Unfälle bestehen, da erst tm Unfallgesetz selbst die Aufhebung des Haftpflichtgesetzes vor­gesehen fei. Es wird also durch die Bestimmungen des Krankenkassengesetzes die Unfall­versicherung in keiner Weise präjudicirt. Die Abstimmung über obigen Geschäfts­ordnungs-Antrag wurde zunächst ausgesetzt und hierauf in die Diskussion der drei ersten Paragraphen des Krankenkassen-Gesetzentwurfes eingetreten. Der Abg. Gutfleisch beantragt zu 8 1 den Bauarbeitern auch die an Bauhöfen beschäftigten Personen bei­zufügen und die oersicherungspflichtige Lohngrenze von 62/3 Jt. der Vorlage auf 5 JL herabzusetzen. Die Anträge wurden angenommen, dagegen wurde der Antrag Wich­mann, die in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Arbeiter obligatorisch zur Krankenversicherung heranzuziehen, event. die ständigen Arbeiter von Betrieben, welche mindestens zw.i Arbeiter beschäftigen abgelehnt und hierauf § 1 der Regierungs­vorlage angenommen. Zu 8 2 stellten die Abgg. Eberty (Secessionist) und ö. Wendt (Centrum) den gleichlautenden Antrag, die Befugniß der höheren Verwaltungsbehörde, die Gemeinde- oder Communalverbände zu zwingen, die in dem 8 2 genannten anderen Erwerbskategorien versicherungspflichtig zu machen, zu streichen- Der Antrag wurde gleichfalls einstimmig angenommen und sodann folgte die Annahme der 88 2 und 3 der Vorlage in der hier angedeuteten Aenderung. Es begann sodann die Debatte über die 88 412. Es wurden Bedenken laut darüber, was mit denjenigen Arbeitern ge­schehen solle, die den bisher bestihenden Kassen angehören; man kam in dieser Beziehung noch zu keinem Beschlüsse und vertagte die Debatte bis Montag 11 Uhr.

Die Gewerbeordnungs - Commission des Reichstags setzte heute Vormittag 11 Uhr die Berathung des Gesetzentwurfs, betr- die Abänderung der Gewerbeordnung, fort. Man fuhr zunächst in der Diskussion über Absatz 1 des 8 35 fort, der sich auf die Tanz-, Turn- und Schwimmlehrer und die Winkelkonsulenten bezieht. Hierzu hatte der Abg. v. Schalcha einen Antrag gestellt, der auch den Betrieb der Badeanstalten unter diese Bestimmungen ausgenommen zu sehen wünscht, wahrend der Abg. 4)r. Ree den Antrag gestellt hatte, den bisherigen Absatz 1 des 8 35 der G^merbeordnung & zubehalten. In der Debatte sprechen sich die meisten Redner ge^n diesen Antrag aus und der Abg. Ruppert stellte sogar einen Antrag auf die Verschärfung der Best mm. ungen. Die Gewerbe-Commission beschloß, in 8 35 die Bestlmmungen über die Winkel­konsulenten aus Abs. 1 auszuscheiden, dagegen diejenigen, betr. d e Bodeangalten aufzunehmen und sodann Abs. 2 nach der Regierungsvorlage n

Abs. 3 die Bestimmungen über die Winkelkonsulenten e'NZulchalten. Ferner wurden m Abs. 1 die Vermittelung von Verträgen über Immobilien und Darlehen sowie bet G-w.rb-d-.rI-b d-r $elratb§Otr.nittIer unb W 4 n°ch d°r Fostun^der

Regierungsvorlage angenommen. Der ganze s öd wui Sikuna

Fassung mit 11 gegen 8 Stimmen angenommen. Schluß 4Y- Uhr. wachste Sttzung Montag lO UHr. Untersuchungen des R-gi-rungsrath-s Dr. Koch b-tr.

n 2; ^un unter den -Tachgelehiten großes Austehen; außer dem

Lungenschwmdsuchterregenniflblos u"t r M » tnteressirt sich auch unser

Chirurgen-Cong.reß und anderer mebrcmn« J. daß er sich zu diesem Be-

Kriegsminister tn so hohem Grade ür , direkt in das kaiserliche Gesund-

W«l,n »«ß1«*"® ÄÄi einen Vortrag Dr. Koch's, sowie durch den heitsamt begeben und sich b j-h^sghrenden Klarlegung des Faktums überzeugt hat- Auch "Seim Majestät der" Kaiser hat sich über diese epochemachenden Untersuchungen Vortrag HK" lassen. Vorberathung des Arbeiter-Unfall- und Krankenkasfen-

~ ® = ^-üte heute ihre Berathungen fort Zu den 88 5, 6, 7, 8, 9 und 19, iur Debatte kommen, werden zahlreiche Abanderungsantrage eingevracht. welche zunächst z r^eo ^^^^tsch, die verpflichtete Gemeinde bet mehr Betrieben

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