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7.5.1882 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Sonntag den 7. Mai.

Mr 106

1882

ießencr Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Preis vierteijährlich 2 Msrk 20 Pf. mit Scingerlebrt.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

MMNt Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

fÄufen:1 3 Sp°Zierstöcke, 1 Paar Stiefel, 1 Pferdeteppich, 1 Portemonnaie mit Inhalt, mehrere Schlüssel.

Gießen, am 5. Mai 1882.

Betreffend: Die Zusammenlegung der Grundstücke in der Gemarkung Saasen.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

_______Fresenius.

Deutscher Reichstag.

3. Sitzung. Freitag, 5. Mai.

Präsident v. Levetzvw eröffnet die Sitzung um 1*/, ithr in tische: Staatssecretär v. Boetticher u. 21. Das Andenken des no?* verstorblnen Abg. Abt (Bayern) ehren die Mitglieder des Hauses ~a0ctI

den Sitzem- Vor Eintritt m die Tagesordnung erklärt Abg°^eiher^.u pr ank7n" dankend annehme «°'E-ne Wahl zum.ersten Vieep,äsidenten kes Hauses'

Tagesordnung:

ordnung. ®lftC ®C*0 t£§ S°s°tz°n-wmfs betreffenb die Abänderung der Gewerbe-

Abg. Dr. Lasker erkennt an, daß die Gewerbeordnuna in reformbebürftig fei. Der vorliegende Entwurf verdiene insofern^ Mnerfen^mmn den guten Willen der Regierung zum Ausdruck bringe, daß er das NrinUn'd-r werbesreihett nicht ausgeben wolle. Zu tadeln habe er aber namentl.ck sie an Siclle des Prinzips, die Versagung der Coneessionen nur von der Perso^welche e neu Mißbrauch des.Gewerbes besorgen läßt, abhängig zu machen über dk Zuverlässigst

des Gewerbebetriebes bre Polizei befinden lassen wolle. Damit werde der Willkür Thür und Thor geöffnet. Redner bedauert, daß die Regie,ung es nicht verstanden hab' ein lebendiges Bild vom Hausir-Gewerbe zu entwerfen. Mohl habe die Schäd'guna des Haustrgerverbes als eine Schädigung der besten Kräite der Nation bezeichnet und er unterschreibe das Wort für Wort. ,Widerspruch.) Wer das nicht zugeben wolle, der kenne das Hausir-Gewerbe - icht. Das Hausir-Gewerbe sei auf dem Lande gar nicht zu entbehren. Es sei ein nützlicher Theil des gewerblichen Betriebes. Wenn man einen Gewerbebetrieb herabdruckt in seinem Verhältnisse zu den öffentlichen Behörden so verschlechtere man damit die Wirtbschaftspoliiik, denn man entziehe ihr die besten

t. na"',eitl'd die Anhänger der gegenwärtigen Wirthschaftspolitik

nicht außer Acht lassen. Redner unterzieht die rigorose Vorschrift, wonach das Haustr- Gewerbe untersagt werden kann, wenn der Betreffende unter Anklage gestellt worden ist wegen eines Vergebens und mit mindestens sechs Wochen Gefängniß bedroht ijt, emer eingehenden Kritik und tadelt u 21. auch diejenigen Bestimmungen, welche sich aut die Hanolunasreisendeu beziehen. Durch dieselben würde em ganzer Stand tut herabgebrückt werben. Die Handlungsreisenden sollten wegen des geringsten Vergebens zu Hausirern degradiri werden. Weiter wendet sich Redner gegen das Colportaae- verbot. Es sei völlig unzulässig, die Beurtheilung des Patriotismus einer Druckschrift ben Verwaltungsbehörden zu überlassen, in einer Zeit, wo große und geachtete Parteien ?°^Ele der Reichsfeindlichkeit ausgesetzt seien. Das beißt, die Behörde direei

Par eigetnebe hineinziehen. Um das Maß voll zu machen und die Maschen des Poltzeistaates von allen Seiten zuzuziehen, sei außerdem das Verwaltungsstreit- veifaheen beseitigt und nur die Beschwerde bei der vorgesetzten Behörde zuaelassen. Di- Regierung gehe damit um, das deutsche Reich unter die Obhut der Polizei über« zu folg" UTlb °nn' ^iießt Redner, er nur warnen, der Regierung auf diesem Wege

, ,, Abgeordneter Hartmann (Sachsen) begrüßt die Vorlage mit Freuden, er glaubt, daß nur sehr wenige der von Lasker erhobenen Bedenken gerechtfertigt seien Die Bedenken Laskers konnten übrigens von der Kommission eine gründliche Erörterung nnd Berücksichtigung erfahren; auch habe er zu den Regierungen das Vertrauen daß sie die Bestimmungen ber Vorlage nicht willkürlich handhaben würden. 8u den Eimel- fietten der Vorlage übergehend bemerkt Redner zunächst, daß in Bezug auf die soge­nannten Tingeltangel verschärfte Bestimmungen durchaus nothwendig seien Auch er Las? iNeinung, daß das Hausirgewerbe nicht entbehrlich ist, er glaube indeß nicht, daß die Regierung dem Hausirgewerbe ans Leben gehen wolle. Schließlich erklärt Redner, daß die koiiservative Partei durch die Vorlage noch nicht vollständig befriedigt fei, indem er an die obligatorische Einführung der Arbeitsbücher erinnert, die er für nothwendig erklärt und hervorhebt, daß nach aller Meinung der gegenwärtige Zustand m dieser Beziehung in seiner sächsischen Heimath ein völlig unbefriedigender sei. Er habe m Wahlversammlungen selbst die Nothwendigkeit der obligatorischen Arbeitsbücher betont und kein Arbeiter habe die Einführung derselben für ungeeignet erklärt; er habe sogar sozialdemokratische Stimmen auf sich vereinigt, weil die Arbeiter zu ihm redftg1)1^*1 btt^en ul,b er stolz auf diese sozialdemokratischen Stimmen. (Beifall . , ?bg. Büchtemann: Der Vorredner hat nicht versucht, die grundsätzlichen Be- oemen Taskers zu widerlegen, der sich nur auf Hervorhebung einiger Punkte beschränkt, in denen die konservative Partei von der Vorlage der Regierung abwich. In Arbeiter- treisen herrscht eine allgemeine Abneigung gegen die Arbeitsbücher. Die Arbeiter per: borre6jtrten au§ dem sehr gerechtfertigten Grunde die Arbeitsbücher, weil dieselben ein Aufsichtsrecht der Arbeitgeber über die Arbeiter bedingen. Auf die allgemeine Tendenz der Vorlage ist der Vorredner nicht eingegangen, weil dieselbe den polizei­lichen Charakter so sehr an der Stirn trägt. Die alte Polizeiwirthschaft solle einfach wieder emgefuhrt werden. Der Versuch, durch politische Hülssmittel Abhülfe gegen Mizelne tm Hausirgewerbe hervorgetretene llebelstände zu schaffen, führe zu nichts PT s.-?rJ,a0C el'fcnne stlbst die Unzulänglichkeit der polizeilichen Prüfung an, obgleich fiep biefelbe auf unser ganzes Leben erstrecken solle. Die Folge der polizeilichen Eiii- mischung wurde nur sein, daß den Denunziationen oder Chikanen der (tonenmitten Aur und Thor geöffnet werbe. Zn den einzelnen Gewerbetreibenden übergebend hebt Siebner das abfällige Urtheil der Motivirung über den Charakter der Handelsreisenden hervor, die von Llnfang bis zu Ende der Willkür der Polizei unterstellt werden '>titd> foUe man den Arbeitern xnb kleineren Grunbbesitzern ber östlichen Provinzen bic schon mMaft answnitn, die Möglichkeit des Erwerbes nicht eiffchweren Redner schließ/mit der Erklärung, daß die liberale Partei nicht wünsche, daß eine Bresche in ?'e Uwerbefrecheit gemacht, und daß unter dem Vorwande der -drdniliig das Gewerbe der Willkür der Polizei überantwortet werde. (Beifall links ) C

Bundesrathstommissar Geh.-Rath Bodi cher bestreitet, daß die Vorlage hinter

Sol9e,P,^ auf die in Flur IX der Gemarkung Saasen gelegenen Kreuzwiesen und Finkelochsmiesen bezüglichen Arbeiten nämlich:

1) die Karten mit den eingezeichneten neuen Grenzen der Parcellen;

__« 2) das topographische Güterverzeichniß;

3J die Geschosse, in welchen die Abschätzungen eingetragen sind;

. , 4) die Geschosse, welche die Nebertragung der Rechte enthalten;

i r 5) die Protokolle der Commission;

6) das Begutachtungsprotokoll des Gemeinderathes

^angegebenen Frisst'spAestens^! * "Uf ®UreaU bcV ®r°to" Bürgermeisterei Saasen mit dem Bemerken offen gelegt, daß Reclamationen wahrend der . im Termine Dienstag den 23. Mai l. I., Vormittags von 11-12 übt,

Ä der Großh. Bürgermeisterei Saasen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung und der Annahme des Einverständnisses vorqebracht werden müssen indem eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumniß der oben angebenen Frist gesetzlich nicht zulässig ist

Gießen, den 5. Mai 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______Dr. BoekmaNN.

Deutschland.

Darmstadt, 5. Mai. Wie uns aus Windsor-Castle vom 2. d Mts mitgetheilt wird, beabsichtigen Se. König!. Hoheit der Großherzog und Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Victoria am Samstag den ß. ds. mit Gefolge von Windsor-Castle abzureisen, um sich zunächst nach London zu begeben und dort- felbjt noch einige Tage bei Ihren Künigl. Hoheiten dem Prinzen und der Prin­zessin von Wales in Malborough-House zu verweilen. Der Abreise der Aller­höchsten Herrschaften nach Deutschland dürfte demnach nicht vor EM der nächsten Woche entgegen gesehen werden. (Darmst. Ztg.)

Araukreich.

Paris, 4. Mai. Deputirtenkammer. In Beantwortung einer Anfrage Tenot s über das längst bei Tigri stattgehabte Gefecht erklärte Ministerpräsident Frepcmet: Der Vertrag vom Jahre 1845 gewähre die Ermächtigung Maro­deure über die Grenze von Algier hinaus zu verfolgen, der Sultan von Marokko habe seine Befehlshaber an der Grenze aufgefordert, den französischen Truppen ihre Aufgabe zu erleichtern. Das Gefecht habe auf dem Zwischenqebiete zmi- fchen Algier und Marokko stattgefunden, das von unabhängigen Süimineii be­wohnt sei der Kaffer von Marokko sei in keiner Weise verantwortlich, wenn dieses Gebiet als Hauptquartier für Ausstandsversuche diene. Die framöfitoe Regierung würde stets von der Sorge für ihre Würde und für die Sicberbeit geleitet sein. Tenot dankte dem Ministerpräsidenten für seine patriotischen Er­klärungen. Der radikale Deputirte Ballue interpellirte die Regierung eben­falls über Algier machte dein Cabinet den Mangel an Kraft und Stärke um Vorwurf und veckangte die Occupatwn von Figuig. Ministerpräsident Frencinet erwiderte, wenn Figmg em gefährlicher Concentrirungspunkt wäre könne Frank reich denselben besetzen, aber die Nothwendigkeit seiner Bef tzung 'se °Mt nach- gewiesen. Nach competentm militärischen Urtheilen würde e?n?cht' genü?en, 2 bis Figuig, sondern noch 800 Kilometer weiter darüber hinaus zu geben Die Kammer beschloß über die Interpellation Ballue vom Cabinet beantragte An­fache Tagesordnung. 1

Afrika.

Kairo, 4 Mai. Der angebliche Prophet Molidi hat die canvtiicken Truppen neuerdings geschlagen und sich der Stadt Sennaar beiiiäcktiak Der­selbe marschirt gegen Kartoum, die Hauptstadt von Soudan welckw obne Ber- theidigung ist. Darfour und Kordofan befinden sich in vollem Aufstande