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im Moos-

ift prachtvoll.

Kottftantinopel, 4. September. Der Patriarch, die anderen geistlichen Ober­häupter und eine Anzahl nichtmuselmännischer Notabeln von Syrien haben ein Maz- bata (eine Collectivausgabe) an die Pforte gerichtet, worin sie gegen die in Europa verbreiteten Nachrichten über die Unsicherheit der christlichen Bevölkerung tn Syrien Verwahrung einlegen und erklären, daß sie volle Ursache hätten, mit der Ruhe zu­frieden zu sein, deren sie sich unter dem Schutze der Regierung des Sultans erfreuten.

Beirut, 4. Septbr. Nach hier emgegangenen Nachrichten aus Damas­kus hat Abd-el-Kader Angesichts der beunruhigenden Lage der Dinge in Syrien die von ihm beabsichtigte Pilgerfahrt nach Mekka verschoben.

Paris, 4. Septbr. In der Gegend von Montlu^on und Commentry ist es zu ähnlichen Ruhestörungen gekommen, wie solche am 16. August in Monceau les Mines stattsanden; nach den Schuldigen wird recherchirt.

Petersburg, 4. Sepwr. Mit dem Kaiser und der Kaiserin begaben sich gestern auch der Großfürst-Thronfolger, sowie die Großfürsten Georg, Alexei, Sergei und Paul auf der DachtAlexandria" nach Kronstadt und von dort auf der DachtDershawa" nach Transund, wo die Flottenrevue stattstndet.

Von dem Unglück sind gegen 1200 fröhliche Menschen, meist Elsaß er, die in dem Vergnügungszuge m'tfuhren, mehr oder minder schwer betroffen- Dieselben hatten den gestrigen schönen Sonntag hier tn gemütlichster Weise zugebracht und campirten nach der Katastrophe im stockfinsteren Mooswalde bei heftigem Gewitterregen stunden­lang, bis ausreichende Hilfe kam.

Im klinischen Hospital und im Blattern-Lazareth liegen 50 Leicht-, 61 Mittel und 23 Schwerverwundete. Viele find in Hugstetten untergebracht und viele smd nach

ihrer Heimath abgereist. Man schätzt nun die Zahl der Todten auf 55, die der Ver­wundeten auf 200. Der Director der Staatsbahnen ist per Extcazug an der Un­glücksstelle angekommen. Der Zug, der etwa 10 Minuten Verspätung hatte, fuhr sehr schnell.

Deutschland.

Darmstadt. 2. September. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog nahmen beule miniä^ische Meldungen entgegen und empfingen den Generallteutenant v. Bülow, nin«chur der Artillerie, sowie den Hauptmann Betz vom Konigl. Preußischen Garde-Fußartillerie Regiment, den Königlich Großbritannischen Oberstlieutenant Wil- W den Major Herzog vom Großh. Feldarttlierte-Reg.ment Nr. 25, den Haupt­mann Simon vom Königlich Preußischen 8. Fußartillerie-Regiment den Dtotstons- Auditeur Wolf den Ministertalrath v. Werner, den Kre.srath Schönfeld von Lau erbach, den Calrulator an der Centralstelle für die Landesstatistik Arnold den yostbeater- Director Wünzer, den Commerztenrath Noll aus Gießen; zum Vortrag den Staats­minister Frhrn. v. Starck, den Ministertalprösidenten Schleiermacher und den Geh.

Darmstadt, 4. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben 2!Qerßnä6igft)ßj)m außerordentlichen Professor an der philosophischen Facultät der Landes-Universität Dr. Alexander Naumann zum ordentlichen Proftssor in der gedachten Facultät, insbesondere für das Lehrfach der Chemie, und zum Director des chemischen Laboratoriums der Landes-Universität zu ernennen.

Berlin, 2. Septbr. Es ist neuerdings wrederholt vorgekommen, daß vorläufig in die Heimath beurlaubte Rekruten zur Eheschließung zugelassen find, ohne die vorgeschriebene Genehmigung des betr. Landwehr-Bezirkscommandeurs beizubringen. In Folge dessen ist den Standesbeamten unter Hinweis auf die betr. Bestimmungen des Civilehegesetzes zur Pflicht gemacht worden, die bezüg­lichen Verhältnisse mindestens durch Befragen der betr. Heirathswlllrgen mög­lichst sorgsam festzustellen.

Das Eisenbahn Unglück bei Freiburg.

Freiburg, 4. Septbr. Bis jetzt sind bekannt 5060 Todte, wovon die Hälfte bereits agnoscirt ist. Von den 200 Verwundeten sind viele in den hiesigen Spitälern untergebracht, lieber die Ursache der Katastrophe circuuren sehr gethellte Ansichten. Die hiesige Feuerwehr wurde erst Nachts 12 Uhr allarmirt. z t ,

Als die wahrscheinliche Ursache des Unglücks wird dre Auflockerung des Dammes in Folge starker Regengüsse bezeichnet. Es ist überall ausgefallen, daß die Nachricht über das Unglück so spät bekannt wurde. Die von hier gesandte Hülfe sand die Bewohner der umliegenden Dörfer bereits in voller Arbeit. Die Katastrophe fand um 8V2 Uhr eine Wegstunde von hier statt. Die Feuerwehr und die Militärärzte leisteten Übermenschliches. Noch immer werden Todte unter den Trümmern hervorgezogen mit thellweise gräßlichen Verstümmelungen. Unter den Todten befindet sich ein Regierungsbeamter aus Colmar mit Tochter, Nichte und Schwiegersohn. Ganz Freiburg strömte nach der Unglücksstätte.

Verzeichniß der in der Anatomie befindlichen Leichen, welche bis jetzt erkannt sind: R. Schlosser aus Münster; Salomea Gsell aus Colmar; Metzaersfrau Luise Immer aus Münster; Frau Nechnungsrath Trier, Salo­mea Ulmer aus Giersbach; Fabrikarbeiterin Karoline H i r s ch e r aus Belfort; Marie Schwarz aus Colmar; N. Mayer aus Münster; Ehefrau Marte Eberlein aus Colmar; Ehefrau Dis on aus Münster; Heinrich La über aus Münster; Blechschmied Anton Bauer aus Logelbach; Zimmermeister Jakob Mayer aus Münster; Sattlermeister Jos. Schlosser aus Münster; Rentner Heinrich Sorg aus Ginsbach; Schreiner Louis Eberlein aus Colmar; Rendant Fritz Immer aus Colmar; pensionirter Steueraufseher Matthias Benz aus Colmar; Tapezierlehrling Johs. Schranz aus Münster; Aufseher N. Kohler aus Ulm; Kaminfeger N. Wahl aus Colmar; Schneidermeister Paul Schasfmann aus Colmar; Kausmannslehrling Otto Janton aus Colmar; kaiserl. Landgerichtsrath Jakob Gsell aus Colmar; Ehefrau Marie Sorg aus Ginsbach; Drechsler Benjamin Löffler aus Münster. Außerdem befinden sich 28 Leichen in der Anatomie, welche noch nicht erkannt sind.

Das gestrige Eisenbahn-Unglück war die Folge eines Wolkenbruches und eines dadurch herbeigeführten Darnmrutsches. Der Extrazug war von 1200 Per­sonen besetzt; die Rückfahrt erfolgte Abends 8 Uhr 15 Min. 9 Wagen sind gänzlich zertrümmert.

Karlsruhe, 4. Septbr. In dem Bahnunglück zwischen Colmar und Freiburg sind 104 Personen verwundet, darunter 23 schwer.

Mannheim, 4. Septbr. Die osficielle Depesche der Eisenbahn-Direction lautet: Der gestern von Colmar nach Freiburg ausgesührte Extrazug ist aus der Rücksahrt anderthalb Kilometer oberhalb der Station Hugstetten auf freier Bahn entgleist, wobei gegen 50 Reisende getödtet und eine große Anzahl ver­wundet wurden. Letztere befinden sich theils in Freiburg, theils in Hugstetten und Hochdorf in ärztlicher Behandlung. Die Veranlassung des Unglückssalles war ein schweres Gewitter mit Sturm und Regen, wodurch momentan die

Bahn unsahrbar war.

Berlin, 4. Septbr. Wegen des Eisenbahn-Unglücks in Hugstetten hat das Reichseisenbahnamt einen Commissar an Ort und Stelle gesandt.

ftrdbura, 4. September, 9 Uhr 33 Min-Vorm. (Privatdepescbe desF. I.") Bis ietit sind 46 Todte und an 80 Verwundete hervorgezogen. Ein Waggon ist noch nickt gehoben. In demselben sind fernere 8 Todte. Die Entgleisung fand ' ~ : ÄÄutcn vorder Station Hugstetten und zwar um W Uhr Abends statt. Der entgleisende Zug riß den Telegraph mit sich, so daß das Depeschtren nach FreU bürg unmöglich war. Erst um 12 Uhr Nachts wurde allarmirt. Von 26 Waggons find 4 unoerlebt die anderen förmlich zerstückelt. Die Locomotive ist bis auf mehrere Meter vom Gkletse einige Waggons über dieselbe hinausgeschleudert. Als Grund der Entgleisung wird ein Dammrutsch bezeichnet. Die Straße von Freiburg nach Hug­stetten ist von Menschen besäet. Vom Zugpersonal ist keiner verletzt.

- Das Eisenbahnunglück nimmt leihet einen immer graßlieferen Umfang an, man befürchtet, daß unter den Trümmern des Zuges noch mehr Leichen sich befinden, als man angeblich glaubte. Anatomie, Klinik und Blatternhaus si.>d von Unglücklichen belagert, die ihren Vater, ihren Mann, ihre Kinder suchen und nicht finden. Von den Jammernden selbst sind viele bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt- Die Trauer in unserer Stadt ist eine allgemeine. Die ankommenden Züge bringen bereits An- gehörige der Verunglückten, die weinend und klagend durch die Straßen ziehen. Der Verkehr auf der Strecke Freiburg - Hugstetten wird wohl längere Zeit unmög-

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Brrreair.

Berlin, 4. September. Die Zeitungsnachricht, daß der Kaiser heute beim Be­steigen des Wagens ausgeglitten und hingefallen sei, so daß er in's Schloß Babels­berg getragen werben mußte, ist völlig unbegründet. Der Kaiser erfreut sich des besten Wohlbefindens, erledigte die laufenden Geschäfte, stattete Besuche ab und unternahm eine Spazierfahrt in den Park von Babelsberg.

Berlin, 4. September. Zu den jüngsten Nachrichten über einen Besuch Windt- horst's in Braunschweig und die damit in Verbindung gebrachten Verhandlungen über die Braunschweigische Erbfolgefrage schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Abgesehen von der staatsrechtlichen Frage, ob der Herzog von Cumberland überhaupt Suckejsionsrechte auf Braunschweig besitze, könne von dessen Succession in einem zum deutschen Reiche gehörigen Staate überhaupt nicht wohl die Rede sein, so lange er und die Partei, an deren Spitze er stehe, in allen an die Oeffentlichkeit gelangenden Kundgebungen in der Presse und im Parlament die bisherige Haltung einnehmen.

Breslau, 4. September. Anläßlich der morgen erfolgenden Ankunft Seiner Majestät des Kaisers ist die Stadt bereits auf das Festlichste geschmückt; namentlich zeichnen sich der Bahnhofsplatz und die via triumphalis, durch welche Se. Majestät mit den kronprinzlichen Herrschaften und den fürstlichen Gästen morgen Abend seinen Ein­zug in die Stadt halten wird, durch ihre prachtvolle Decoration aus. Von den Fürst­lichkeiten ist der Großherzog von Sachsen-Weimar am Erscheinen verhindert, dagegen wird der Herzog von Sachsen-Altenburg erwartet- I. K- Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Albrecht werden morgen früh eintreffen und beim Stadtrath Korn Absteige­quartier nehmen. GFM Graf Molte wird im General-Commando absteigen. Die großen Corpsmanöver werden unter persönlicher Leitung Seiner Majestät des Kaisers stattfinden. Eine sehr große Anzahl Fremder ist bereits anwesend. Das Wetter

Hauptstadt immer schwieriger gestalten. Im Uebrigen leisten die englischen Depeschen vom Kriegsschauplätze an lügnerischen Berichten alles Mogüche; so wurde gemeldet, daß Ambi Pascha bei General Woljeley um einen achttägigen Waffenstillstand nachgesucht habe; es ist hieran kein wahres Wort, wie an so manchen andern englischen Mittheilungen aus Egfipteu

Lokales.

Gießen, 5. (September. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 7. September 1882, Nachmittags 4 Uhr.

1. Umguß einer Glocke betr.

2. Den Bau einer Secundärbahn von Gladenbach nach Lollar betr-

3. Die Löberstraße betr.

4. Die Bleichstraße betr.

5. Die Schützenstraße betr-

6. Nivellirung der Wilhelmstraße.

7. Gesuch des Rentners Heinrich Karl Vogt dahier wegen Wasserabführung.

8. Gesuch des Kaufmanns Andreas Keller dahier wegen Angabe einer Baulinie.

9. Die Verwerthung von Holz.

Gießen, 5. September. [35. Stiftungsfest des Turnveretns.j Der Turnverein Gießen feierte am Sonntag sein 35. Stiftungsfest- Wir sind in der angenehmen Lage, auch von diesem Feste wieder berichten zu können, daß die alte Meisterschaft die unser Turnverein im Arrangiren von Festen besitzt, aufs Neue sich glänzend bewährt hat- Wir dürfen dabei nicht unerwähnt lassen, daß allerdings dem Turnverein Gießen von Seiten der Bevölkerung unserer Stadt bei derartigen Gelegenheiten eine Sympathie entgegengebracht wird, die jedenfalls stets ein gutes Theil zum Gelingen des Ganzen beiträgt- Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß trotz der Concurrenz, die dem Verein durch andere Festlichkeiten bereitet wurde, der Besuch des Festes em ganz enormer war. Wer allerdings einen durchaus tief patriotischen, echt volksthümlichen und dabei doch von dem Geiste feinen Tons getragenen Festtag verleben wollte, der mußte mit unseren Turnern nach Wenzel's Garten ziehen. Wir nannten die Feier eine patriotische, weil sie, wie aus der Festrede hervorging- zugleich erinnerte an den Tag von Sedan, eine volksthümliche, weil alle Stände unserer Bevölkerung vertreten waren und das deutsche Turnwesen ja ohnedies, anderen künstlichen Producten unserer Neuzeit gegenüber, ein echtes Kind des Volkes ist, eine vom feinsten Ton getragene, weil die ungezwungenste Heiterkeit, die überall herrschte, nicht nur durch keinen Mißton aestört wurde, sondern zugleich eine gewisse Eleganz verrieth, die nicht überall zu finden ist. Die herrlichen Anlagen des Wenzel'schen Gartens, sowie der Fleiß, mit dem die allgemein als ganz vorzüglich befundene Kapelle des 88. Infanterie-Regiments ihre Weisen vortrug, dürfen natürlich nicht unerwähnt bleiben, müssen im Gegenthetl aufs rühmlichste hervorgehoben werden.

Der stattliche Festzug nahm seinen Abmarsch Mittags 3 Uhr von Oswald's Garten aus- Wir haben den Takt, die stramme und doch zugleich leichte Haltung der Turner besonders hervorzuheben. Aus dem Festplatz angelangt, erfolgte nach dem Gesang des LiedesTurner, auf zum Streite" die Festrede, mit gewohnter Meisterschaft gehalten von dem 1. Sprecher des Vereins, Herrn E. Schmuck. Wir bringen dieselbe dem Wortlaut nach, wie folgt:

Wir feiern den heutigen Tag zur Erinnerung an die vor 35 Jahren erfolgte Gründung unseres Vereins. 35 Jahre sind es, die über ihn hinweg gezogen, bald mit leisem, bald mit stürmischem Flügelschlag; 35 Jahre mit wechselndem Leid und Freud, aber alle durchweht von dem Geiste einer Idee, eines großen Gedankens. Wenden wir den Blick rückwärts, um zu sehen, wie er sich verwirklicht hat, und beleuchten wir heute die Pfade, auf denen wir der Zukunft entgegenschreiien!

Jener Mann, der zuerst den schönen Traum von der Einheit Deutschlands geträumt, unser Turnvater Jahn, er hat mit diesem Traume jenen Geist im deutschen Volke geweckt, dem auch unser Verein entsprang- Aber seine Geburt fallt in jene gewitterschweren Tage, da unser Volk mit dem Schwerte in der Faust zum zweitenmal sein heiligstes Recht sich erobern mußte, das es durch die Freiheitskriege schon mit seinem Herzblut sich erkämpft. Ein Vaterland, nicht nur einig und stark nach außen, auch frei nack innen sollte unser Deutschland sein. Das war jener Geist, der auf der Hasen­heide Männer schuf und in der Schlacht von Leipzig mitgekämpft; jener Geist, der unser Volk im Kampfe um die Menschenrechte zum Sieg geführt und im Kanonen­donner von Sedan das Banner des neuen Kaiserreichs entrollt.

Was wir gewollt im Geiste Jahns, es ist vollbracht- Aufgerichtet steht der Bau, der glorreiche Tag von Sedan, er hat den Schlußstein eingesügt. Was Vielen hier und da vielleicht noch wünschenswert erscheint, dafür in die Bahn zu treten sind wir heute nicht mehr berufen. Was soll nun unsere Aufgabe für die Zukunft sein? Entreißen wir uns auf einen Augenblick dem wilden Strom des Lebens, der uns täglich umtost und werfen wir einen ruhigen Blick hinaus auf das aufgeregte Wellen­meer, es soll uns Antwort geben!

Wenn wir die hastige Jagd verfolgen, mit der der Mensch den Kampf ums Dasein heute kämpft, dann sieht unser Auge, wie gar oft vor den aufwirbelnden Nebeln feiler Denkungsart und kühler Gleichgültigkeit die Sterne der Gesinnungstreue und idealer Denkungsart verbleichen-