Freiwilliger in die occupirten Provinzen zu verhindern und stellte die Emigranten- Colonie unter strengste Ueberwachung.
Paris, 3. Januar. Die Regierung sequestrirte alle im Central-Bureau befindlichen Gegenstände der Union Generale.
Wien, 3. Februar. O'ficiell wird gemeldet: Ein stärkeres Streifkommando unter dem Obersten Hotze beabsichtigte nach Ersteigung und Sicherung des Rogoy- sattels in der Front die schwer zu umgehende Stellung des Gros der Insurgenten auf dem Wege über Krbljina zu umgehen und mit der Garnison von Fotscha in Verbindung zu treten. In Varos erfuhr Hotze von der Anwesenheit eines stärkeren Jnsurgenten- korps zwischen Mrezica und Susjesno. Nachdem zw scheu den von der Fotschaer Garnison entnommenen Besatzungen zu Susjesno und Lokoebrad und den Insurgenten kleinere Gefechte vorgefallen waren, marschirte Hotze im Hinbl'ck einer möglichen Bedrohung der wichtigen Stadt Fotscha über Mrezica nach Usticolina und nach der Ver- drängu, g der Insurgenten nach Fotscha, woselbst er am 2. Februar eintraf.
Petersburg, 3. Februar. Das „Journal de St. Petersbourg" bespricht das englische Meeting vom 1. Februar in der Judenfrage und sagt: Beschränken wir uns darauf, auf die Unumwundenheit hinzuweisen womit die Führer der Agitation das Recht beanspruchen, die Gesetze des russischen Reiches zu verurtheilen, mit welchem England in freundschaftlichen Beziehungen steht. Die Führer der Agitation würden solche Unumwundenbeit wohl se'tsam finden, wenn Versammlungen auf dem Continent sie auf die Gesetzgebung über Irland anwenden würden- Indessen begreifen wir sehr wohl den hweck der Agitation, nämlich der alten Russophobie, welche unter Her gegenwärtigen Regierung zur Ruhe gekommen ist, einen Aufschwung zu geben.
Lokales.
Gießen, 4. Februar Unsere hiesige Rudergesellschaft beabsichtigt, dem Beispiel anderer größerer Städte folgend, nächsten Montag Abend ein großes Eisfest bet Fack'lbeleuchtung und mit Concert verbunden, zu veranstalten. Bleibt der Himmel dem Unternehmen günstig, so dürfte dem dem Eissport huldigenden Publikum, wenn auch ein kaltes, doch immerhin ein neues und seltenes Vergnügen geboten werden.
— Eine ältere Bauersfrau aus Steinberg, welche heute Morgen in einem Ge- ckäfte am Markte verschiedene Artikel stahl, erregte durch ihre Ertappung einen großen Menschenauflaus.
gegeben. Frau Simon als Marie hat nicht nur durch ihr munteres Spiel, sondern vor allem durch ihren schönen und meisterhaften Gesang das allgemeine Lob des Abends zu beanspruchen. Der Vortrag ihrer Lieder war präcis und man merkte sofort die nach allen Regeln der Kunst geschulte Sängerin. Herr Schmahlfeldt hatte als Haushofmeister die Lacher auf seiner Se te und auch Herr Schreyer wußte durch die Kreuzmillioncndonnerwetter seines Sergeanten die Stimmung des Publikums in Heiterkeit zu erhalten. Der junge Pächter Antoin des Hrn. Höfler war eine gelungene Leistung, auch die anderen Herren und Damen, welche die kleineren Rollen vertraten, trugen nach Kräften zum Gelingen der Vorstellung bei. D e Balleteinlage des Frl. Simon war anmutig und gefiel ausgezeichnet, was ihr der stürmische Applaus und der Hervorruf am besten bewiesen hat. th.
Schiffsbericht. Mitgetheilt vcn dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dletz Nachfolger Gießen.
Bremen, 1. Februar. Der Postdampfer Neckar, Capt.R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. Januar von Newyork abgegangen war, ist heute 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 8 Uhr Morgens bte Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 132 Passagiere und volle Ladung.
Bremen, 2. Februar. (Per transatlantischen Telegraph). Der Postdampser Oder, Capt. C. Undütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Januar von Bremen und am 20. Januar von Southampton abgegangen war, ist heute 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und Verkehr.
Gießen, 4. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. X 0.95—1 00, Hühnereier 1 Stück 7—8 X 2 Stück 00—00 H, Enteneier per Stück 0 4, Gänseeier p. St- 00—00 H, Käse per Stück 5—9 Käsematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 23 Linsen 1 Liter 26 Tauben das Paar 90-100 H, Hühner per Stück X 1.00-1.20, Hahnen per Stück X 1.25—.200, Enten per ©tücf X 1.80—200, Gänse per Pfund 00—00 H, Welsche per Stück X 0.00—0, Ochsenfleisch per Pfund 60-62 H, Kuh- und Nindfleisck 40—50 Kalbfleisch 40—44 H Schweinefleisch 60 bis 64 H, Hammelfleisch 50—60 H, Kartoffeln 100 Kilo X 3 00—4-00, Zwiebeln per Centner X 6—8, Milch per Liter 16—18 H.
Vermischtes.
Vilbel, 9. Januar. Der hiesige junge Oeconom, welcher am 19. Januar von einem der Gemeinde gehörigen Faselochsen erheblich am Unterleib verletzt wurde, befindet sick nach ärztlichem Ausspruch auf dem Wege der Besserung. Wie man in Erfahrung gebracht, hatte fraglicher Ochs schon im Besitze seines ersten Eigenthümers Spuren von Bösartigkeit gezeigt und ist cs sehr zu beklagen, daß dieselben bis jetzt verheimlicht geblieben und nun durch Vorkommen dieses gräßlichen Unglücks ans Licht kamen.
— sDr. Tanner überhungert und noch dazu von einem Weibe.) Miß Chloe Annie Violet begann jüngst in Alexandria ein Fasten von 60 Tagen. Sie behauptete, durch directe Aufforderungen Gottes dazu veranlaßt worden zu fein, welcher ihr auf- getragen, sich zu Tode zu hungern. Nach 60 Tagen ist ihr dies denn auch gelungen, freilich hatte man in der ersten Zeit verstanden, durch geschickte Manipulationen ihr in das Wasser, das sie genoß, ein wenig Milch einzuschmuggeln und ihr Fleischextract als Medicin einzugeben: indeß bald hatte Miß Annie diese List durchschaut und nahm nichts mehr an. 43 Tage hat die alte Dame ohne Nahrung zugebracht. Wenn es so weiter geht, wird es bald für Amerika keine „Magenfrage" mehr geben.
— (Ein interessanter Römerfund ist wieder auf dem Berge „Saint Genevieve", dem alten Römersitze von Paris, gemacht worden, bestehend in einem Steinsarge, welcher die Gebeine eines Ehepaares enthält. Dieser Sarg ist zwei Meter lang, jedoch nur 50 Zentimeter breit und wurde bei dem Grundgraben zu einem Hausbau in der Rue Lacäpede in einer Tiefe von etwa zwei Meter aufgefunden. Besonders wichtig ist hierbei, daß zu Füßen der Sceletle eine vorzüglich schöne, tadellos erhaltene Medaille lag, mit dem Bildnisse des Kaisers Nero und der Umschrift: Nero Imperator, auf die Rückseite die Worte: Senatus Populusque Romanns und die Jahreszahl LX. Da bereits bekannt ist, daß in dieser Gegend des genannten Berges sich eine römische Begräb- nißstätte befand, so sind hier namentlich auf der „Plac de la Vieille-Estrapadr", weitere Nachforschungen angeordnet worden.
— Eine der tragi-komischsten Ehescheidungsgeschichten schwebt in diesem Augenblicke bei den Gerichten Berlins, so erzählt die „Börsen-Ztg." Vor noch nicht ganz zwei Monaten wurde d>e Hochzeit gefeiert. Er, der Assistenzarzt eines der bedeutendsten Spezialisten, sie eine reiche Erbin, die ihm 80 000 Tbaler in die Ehe mitbrachte. Drei Wochen hatten die Flitterwochen gewährt, als der junge Ehemann seiner Frau mit- theilte, daß er einer Verabredung mit Collegen gemäß den Abend m t denselben bei einem Glase Bier verbringen werde. Aber da kam er schlecht an bei der Frau und bei der ebenfalls im Hause wohnenden Schwiegermutter. Es wurde ihm rundweg erklärt, er dürfte nicht allein ausgehen und als er darauf bestand, wurde ihm eröffnet, er thue es aus seine Gefahr. Und er ging. Nach Thoresschluß kehrte er heim. Er fand die Thür verschlossen. Nach langem vergeblichen Läuten erklang endlich die Stimme seiner Frau. Er bat um Einlaß. Vergeblich. Er solle des Nachts bleiben, wo er am Abend gewesen Zuerst hielt er es für Scherz. Aber es war bitterer Ernst. Nach einer halben Stunde §og er ab und blieb im Kaiserhof. Aber er kehrte überhaupt nicht mehr in fein „Heim" zurück. Der Appetit nach diesen Ehefreuden war ihm vergangen. Selbst die 80 000 Thaler vermochten ihn nickt zu locken Die Scheidungsklage ist bereits emgeleitet lind da, wie man hört, ernstlicher Widerspruch nicht erhoben wird, so dürfte er von den Rosenfesseln, in die er geschmiedet, bald befreit fein-
Theater.
Marie, die Tochter des Regiments, Vaudeville in 2 Abtheilungen nach der Oper bearbeitet von A Blum, wurde am Freitag Abend bei fast ausverkauftem Hause
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man 7on der Annoncen - Expedition von HA ASEA'STEIRT VOCrLER in
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Heute Sonntag giebt die Sängergesellschaft Gärtner aus Hamburg 2 Vorstellungen auf Lony's Bierkeller und dürfte bei der Beliebtheit der Familie G- ein reger Besuch zu erwarten sein.
Auszug aus den Standesauttsregistern des Standesamts Gießen.
Aufgebote.
Den 31. Januar. Kaufmann H rmann Hesse von Haaren mit Goldine Eichenberg, Tochter des verst. Kaufmanns Moses Eichenberg von Reichensachsen. 3. Maschinenbauer Paul Wilhelm Gustav Krüger von Berlin mit Marie Hermine Kimmel, Tochter des verft. Küfermeisters Philipp Kimmel von Gießen.
Geborene.
Den 23. Januar Dem Rang rer Heinrich Reitz ein Sohn, Wilhelm. 25. Dem Schlosser Heinrich Schmidt eine Tochter. 27. Dem Bremser Heinrich Herzberger eine Tochter. 27. Dem Schneidermeister Christian Ludwig Bourgeois ein Sohn, Karl Franz. 29. Ein Sohn von hier- 30. Dein Taglöhner Wilhelm Wagner eine Tochter, Marie. 31. Dem Schaffner bei der Main-Weser-Bahn Heinrich Höbel eine Tochter, Anna Marie Elisabethe Johanna.
Gestorbene.
Den 29. Januar. Ein Sohn von auswärts. Heinrich, 22 Tage alt. 29. Ja- kobme Karoline Noll, 25 Jahre alt, Tochter des Oeconomen Konrad Balthaser Noll. 30. August. 7 Monate alt, Sohn des Kutschers Heinrich Mahler. 30. Maurer Johann Gottlob Zöllner, 54 Jahr alt. 31. Bierorauer Heinrich Fischer, 22 Jahre alt, von Sichenhausen. 1. Februar. Taglöhner Christian Ludwig Schick, 34 Jahr alt, von Dillhaufen.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelifche Gemeinde.
Getaufte.
Den 29. Januar. Dem Schreiner Karl Hahn ein Sohn, Karl Theodor Wilhelm, geboren den 4 Januar.
Denselben. Dem Conditor Heinrich Kinkel ein Tochter, Karoline Wilhelmine, geboren den 23. December 1881.
Beerdigte.
Den 29. Januar. Commerziencath Georg Karl Gail, alt 62 Jahre 10 Monat gestorben den 27. Januar.
Den 31. Januar. Karoline Noll, des Oeconomen Conrad Noll ebel. Tockter alt 25 Jahre 6 Monate 24 Tage, gestorben den 29 Januar.
Den 2. Februar. Johann Zöllner, Maurerporlier, alt 54 Jahre 3 Monate 3 Tage, gestorben den 30. Januar.
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