Ausgabe 
4.7.1882 Erstes Blatt
 
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Berlin, 1. Juli. Das Schwurgericht verurtheilte den Agenten Bader, welcher im Februar 1882 aus der Berlin-Stettiner Eisenbahn eine mit 8750 deklarirte, mit Hobelspänen angefüllte Kiste aufgab und durch ein darin ange­brachtes Uhrwerk eine Explosion und einen Brand verursachte, zu einer Zucht­hausstrafe von 9 Jahren und 11,500 JL Geldbuße, event. noch 100 Tagen Zuchthaus und 10 Jahren Ehrenverlust.

Nürnberg, 1. Juli. Der Aerztetag nahm die Aerzte-Ordnung an und vertagte die Beschlußfassung in Betreff des fünfjährigen Studiums. Die Sitzungen sind beendigt und wird der nächstjährige Aerztetag in Berlin ab­gehalten werden.

Oesterreich.

Wien, 29. Juni. Aus Petersburg wird gemeldet: Durch die letzte Verhaftung von Nihilisten auf dem Wassiliostrow ist ein hochgestellter Beamter entdeckt und ver- baftet, der den Nihilisten als Spion, wie s. Z. Kletotschkin diente. Der Mann heißt Wolkow, ist Kammerjunker und nahm im Ministerium des Aeußeren einen wichtigen Vertrauensposten ein. Durch seine Hände gingen alle Anfragen bezüglich der in dem Auslande lebenden Nihilisten. Seine Ausgabe es auch, alle dahin bezüglichen Depeschen zu chiffriren und dechiffriren. Er verrteth alles den Nihilisten und bezog dafür monatlich eine bedeutende Summe. Die in verschiedenen Blättern gemeldete Nachricht von einer Telephonverbmdung des Nihrlistennestes auf Wassiliostrow mit der Haupttelephonstation ist reine Erfindung. Es hat in der That den Anschein daß die Krönung bis zur Mündigkeit des Thronfolgers am 1. März 1884 verschoben werden wird. (F. Z)

Wien, 1. Juli. DiePolit. Corresp." meldet: Zwischen Abthellungen des 71. Regiments und Bewaffneten fand bei Bjelina am 26. Juni ein Zusammenstoß statt. Die Truppen erbeuteten dabei 66 Pferde.

Krankreich.

Paris, 1. Juli. Das heute verbreitete Gerücht, daß das Ministerium für Montag einen Antrag an die Kammer auf Bewilligung eines Credrts von 10 Millionen Frcs. für eine even-tuelle Intervention in Egypten vorbereite, wird von derAaence Havas" formell für unbegründet erklärt.

England.

London, 1. Juli. Die englischen KriegsschiffeOrion",Don" und Dee" sind heute nach dem Mittelmeere abgesegelt.

Das Arsenal von Woolwich hat gestern Abend Befehl erhalten, inner­halb vierundzwanzig Stunden einen vollständig ausgerüsteten Artilleriepark, darunter 30 Stück schwere Belagerungsgeschütze und 42 Geschütze leichteren Kalibers in Bereitschaft zu setzen.

Die gestern Nachmittag eröffnete Sitzung des Unterhauses dauerte heute Vormittag 10 Uhr noch ununterbrochen fort, gegen Parnell und 15 andere insche Deputirte wurde vom Sprecher im Laufe der Sitzung wegen Obstruktion die Suspension ausgesprochen.

Abends 6 Uhr 30 Min. Die Sitzung des Unterhauses dauert un­unterbrochen noch jetzt fort. Der Art. 18 der irischen Zwangsbill wurde mit 186 gegen 20 Stimmen angenommen, Art. 19 gestrichen. Gladstone con- statirt, daß er entschlossen sei, auf der Weiterberathung zu beharren, bis alle Artikel angenommen seien; er werde für Montag die Dringlichkeit beantragen. Art. 20 wurde angenommen. Vier Anträge seitens irischer Mitglieder auf Vertagung der Verathung wurden verworfen. Seit 572 Uhr ist das Haus mit der Diskussion des Art. 21 beschäftigt.

Gegen 7 Uhr wurde in Folge erneueter Obstruktion von Seiten irischer Deputirter noch gegen neun andere Mitglieder der Homeruler-Partei auf den Antrag Gladstone unter großer Bewegung des Hauses jdie Suspension ausgesprochen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden sodann sämmt- liche Artikel der irischen Zwangsbill bis zum Art. 30 angenommen. Die Annahme des Art. 30, welcher die Dauer der Bill betrifft, erfolgte mit 69 gegen 6 Stimmen. Um 8 Uhr Abends vertagte sich schließlich das Haus, nach­dem die Sitzung 32 Stunden gedauert hatte.

Wie das Reuter'sche Bureau meldet, sind Vorkehrungen getroffen worden, um im Nothfalle 10,000 Mann der in Indien stehenden Truppen nach Egypten zu senden. Ein Drittel würden englische, zwei Drittel eingeborene Truppen sein.

Rußland.

Petersburg, 1. Juli. Anläßlich des bekannten Artikels derRepu- blique francarse wiederholt dasJournal de St. Petersbourg" die Erklärung, daß, io lange die Conferenz vereinigt bleibe, keine Macht eine Landung von gruppen m Egypten vornehmen werde, den Fall ausgenommen, wo für das Leben ihrer Staatsangehörigen Gefahr entstehe.

Aegypten.

Kairo, 1. Juli. (Meldung des Reute,Men Bureaus., Da das -nglisch- Geschwader gestern Manöver ausgetührt und die kleinen Kriegsschiffe sich dabei nu6,r, halb des Ha,-ns begeben hatten, beklagt- sich Arabi Pascha bei Derwisch Pascha her­über und wies darauf hm daß aus Befehl des Sultans di-Errichtung von Erdweiken Wirt worden. Er beantragte, daß em egyptischer Contre-Admiral an Bord b/s englisch n Admiralschiffes gesendet werde, um Aufschlüsse über di- Schiffsbeweauna verlangen. - All- Minister werden heute Abend hier -rwvrtet. Blum Vabcha ft gestern Abend hier angekommen. v 1,1

Telegraphische Depesche«.

Wolff s telegr. Corresponderrz-Brrreair.

Petersburg, 2. Juli. Unter Bezugnahme auf die Circularnote der Pforte nnm 26. Juni faßt dusJournal de St. Petersburg", die vorliegenden Depeschen aus Alexandrien gäben ein ganz anderes Bild von den Zuständen in Egypten als die Berichte der türkischen Regierung. Die Pforte werde nun endlich begreifen müssen daß die Mächte sehr ernste Gründe haben, über die egyptischen Angelegenheiten in Berathung zu treten. Das eigene Interesse der Pforte erheische es, daß sie sich diesen Berathungen anschließe, damft das ohne Zweifel nothwendig werdende Einschreiten nicht ohne ihre Mitwirkung erfolge. Der wirkliche Staatsrath Richter ist mm Director des Departements für die directen Steuern ernannt worden.

Trieft, 2. Juli. Der LloyddampferHungaria" ist heute früh mit 361 Passagieren aus Alexandrien hier eingetroffen 0

. 2 Alexandrien, 2. Juli. Zulficar Pascha, bisher Ober-Ceremonienmeister des Khedive und ein besonderer Günstling desselben, ist zum Gouverneur von Alerandrien ernannt worden. Der Präsident des Minisierraths Ragheb Pascha hat Anordnunaen getrosten, um 30,000 Nothleidenden Subsistenzmittel zu sichern.

Konstantinopel, 2. Juli. Das halbofsicielle JournalVakit" schreibt: Un­geachtet des einmütigen Bedauerns der Botschafter über das Fernbleiben der Pforte von der Conferenr und trotz der formellen Versicherungen, daß die Conferenz die Jn- teresten d^r Türkei nicht präjudiziren werde, müsse die Pforte doch dabei bleiben, zu entsprechend^zu handeln " 0fheten roerbcn unb werde auch keinen Moment zögern, dem

L v t a l e 0.

Gießen, 3. Juli. Ein schreckliches Unglück ereignete sich gestern Nacbmtttrnr auf der Lahn bei der Badenburg. Der Wasser,tnnd her Lahn ist in Folge h fttg-r Gewitterregen dermalen e,n sehr hoher und bk Strömung eine sehr heftige. Trotzd?m ^"schatt von 8 Personen, sich mit Kahnfahren zu »ergnüg n Jedenfalls des Ruderns nicht ganz kundig, sauste der Kahn das W-dr hinunter M df- grausig- Tiefe und - die Lahn hatte ihr Opfer gefunden. Der Kahn bohrt sich msi der Spitz- ,n den Sand und 5 Insassen, 4 Mädchen und ein Mann konnten sichln bemfelben fefttlammetn maJjrenb »wer Knaben sonne der Vater des einen vom Strudel erfaßt und in die Tiefe gezogen wurden Der Strom schleuderte den Mann Streck- wert unterhalb der Unglücksstätte an das Ufer, während di- beiden Knaben bet eine 11, der andere 13 Jahre alt, et tränten. Der Gesitesgeaenwart und iin..' schrockenheit eines Droschkenkuischeis mit Namen Martin Ztbure^ck bet I Kito- in Diensten und eines Gefreiten Schneider von Offenbach, tn der 10. Compagnie d s hiesigen Regiments stehend, gelang es, die vier Mädchen und den einen Munn zu retten indem sie mit einem größeren Nachen ebenfalls das Wehr hinunterfuhren unb fo ihr Achen aufs Spiel setzten. Die Leiche des jüngeren Knaben wurde von dem Gefreiten ebenfalls dem Strome entrissen, während die des anderen noch im ?a^^.^rabe Die Aufregung, welche dieser Vorfall unterchen Gästen derBaden- burg heroorrief laßt sich schwer beschreiben Unverzeihlich ist es auf jeden Fall, bei so hohem Wasser sich demselben unkundig anzuoertrauen und so das eigene Leben, sowie dasjenige seiner Angehörigen zu gefährden. Möge der traurige Fall anderen zur War ung dienen ... ~ ®in Affiges Gewitter, welches gestern Mittag über unsere Stadt zog liefe

über die Gegend nach dem Schlffenberg und Steinbach zu einen solch heftigen Regen niederfallen, daß dieser schon mehr Wolkenbruch zu nennen war. Auch m Marburg loll es gestern ganz fürchterlich geregnet haben. Daß die Heuernte sehr unter dieser Calamitat zu leiden hat, ist recht zu bedauern-

Concert der Tyreftr-Familie Schövfer war wiederum recht zahlreich besucht und ernteten die Sanger den regsten Beifall. Nach allem was man von den Leistungen der Gesellschaft hörte, dürften dieselben bei ihrem Wiedereintreffen im Herbste oder Wmter ein volles Haus erwarten. mnucnen

3 ?Ei dem gestrigen Wettturnen auf dem Leniaberg bei Mainz woran sich bis zum Schluß 232 Turner beiheiligten, erhielten die beiden vom hiesigen ©einti« Rühl d-n 11.Preis ~ f lnan uns mittheilt, ging heute dem Präsidenten der diesigen Ruder-

^^llschaft von Seiten des Großherzogl. Hofmarschallamtes auf deren Einladung zur ^^eins-Regatta die Mittheilung zu, daß es nicht unwahrscheinlich wäre, daß Hoheit der Großherzog nach erfolgter Rückkehr uns die hohe Ehre seines mitgttheilt^w^rdm UUb WÜrbe ^exo Allerhöchster Entschluß noch telegraph-sch ...Das Interesse zu diesem Ruderfest steigert sich mit jedem Tage. Außer den bereits ermahn en Damen- und Schützenpreisen hat das Ehrenmitglied der hiesigen Rudergesellschaft, Herr C. W-B. Ferme (solche Ehrenmitglieder dürfte die Gesellschaft Ä^brkung des Setzerlehrlings.), der von jeher ein so großes Interesse für den hiesigen Rudersport zu Tage legte, ganz unerwartet durch Herrn P. Wilson einen Ehrenpreis gestiftet: derselbe ist telegraphisch beordert und dürfte nach der vor- liegenden Skizze das Kunstwerk genau nach dem von Sr. Maj gestifteten Emser Kaiserpreis ausfallen. 1

.. Dem V-rn-hm-n nach wird die von der (9. R. G. in Ems gesiegte Mannschaft die Ehre haben, um diesen Preis zu kämpfen.

- Ein Stromer suchte gestern Mittag beim Betteln die Mildthätigkeit der Leute dadurch zu erregen, daß er sich taubstumm stellte und Bettelbriefe mit falschem Namer. oorlegte. Der stumme wurde Hinte der Küchenthüre auf der Schramm'schen Herberae verhaftet stellte uch wahrend des Transports immer noch stumm, bis ihm endlich Nachmittags im Ai restlocal beim Vorhalten seines richtigen Namens die Sprache wieder kam.

~ Gestern Abend.10 Uhr verursachten mehrere Fechtbrüder in und vor der Schramm'schen Herberge- m der Wolkengasse durch Schlägereien einen großen Scandal und Auflauf von Menschen. Der Hauptkrakehler wurde verhaftet.

E Gestern Mittag versuchte eine entlassene Dienstmagd in einem hiesigen Geschäft aus den Namen ihrer ehemaligen Herrschaft ein Kleid zu erschwindeln, brachte auch eine von ihr gefälschte Bescheinigung herbei. Das Kle'.d wurde jedoch nicht verabfolgt, dagegen die Schwindlerin heute Morgen verhaftet.

* An einem Neubau in der Schulstraße warf heute Morgen ein Maurer einen Schuftmigen mit einem Steine derart an die Schläfe, daß der Junge schwer verletzt in die Obhut eines Arztes gegeben werden mußte.

r 7"i 3? dem Bericht über das Stiftungsfest unserer Hochschule in Nr. 151 b. Bl. muß es in der drittletzten Zecke statt Mendelssohn, Händel'sMessias" und in der zweitletzten Zeile anstatt Kri.germarsches Priest er mar sch es heißen. Inder Ecke, womit der Bericht geschrieben werden mußte, sind leider obige Fehler entstanden, welche wir zu entschuldigen b'tten. Die Red.

Vermischtes.

. G ö 11iug e n, 29. Juni. Eine vergleichende Zusammenstellung der Frequenz der Universitäten im deutschen Reiche wahrend der Sommerfemester 1872 und 1882 ergiebt folgendes Resultat: ö

Jinmatnkultrt- Stubent,n Zunahme In Procenten m ,, 1872 1882 rund

B-r«n 1990 3900 96 Procent

L-'pz>N 2315 3111 34

München 1220 2017 65

Breslau 897 1532 71 "

Tübmgen 872 1400 61

985 1377 40

WArzburg 759 1091 44

Göttingen 871 1083 24

B°nn 750 1061 41

Heselberg 841 922 10

Kontgsbcrg 549 863 57

Straßburg 212 823 288 ",

Marburg 375 766 104

Fre'burg 231 721 212

Greifswald 520 659 27

Erlangen 359 575 60

Kn° 423 570 35

G'-n 290 435 50

Sa » 152 381 151

Münster 371 326 Abnahme 14

SRoftod __ 137 217 Zunahme 58

_ qxj, ... lö119 23830 58 Procent.

r UkC Wemftube im Nürnberger Ausstellungsgebäude ziert folgender ^anbcerf hilft kein Reichsstatut, wenn Submission es macht kaput, da hilft kein socialer Eifer, nur gute Arbeit - unb gute Käufer."

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9It1t n <xr, _ Wafferwarme der Lahn.

d* Mittags zwischen 11 und 12 Ubr: + 14° N-, Luftwärme 4-18° R L- Chr. Rübsamen.

.. Handel^ch'Berkehr.

@ Y ^^o^/berg 1. Juli (Fruchtpreise vom 1. Juli.) Weizen 25.48, Wan !7.50, Hafer JL 16.46, Erbsen utL, Lein JL

Samen JL 23.90, Kartoffeln JZ. 4.10.

p e rat u r in Gießen.

Niederste . . . $un{ 1882 + 15 or

Mittlere . T19A7

Mittel früherer Jahre ' +13,18 J

Höchste . 948

Niederschlag an 16 Tagen .... 4,20 Par. Zoll.

z____jQLfflittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,90