übt worden, indem aus einem Gebüsche am Wege ein Schrotschuß auf denselben abgefeuert wurde. Der Baron verlor ein Auge und wurde am Arm und an der Schulter verwundet. Die Verbrecher entflohen. Einige Wochen vorher war auf dem Gute Nolcken's eine Brandstiftung entdeckt worden.
— Unter den russischen Blättern ist es besonders der „Golos", der in energischer Weise gegen die Judenoeriolgungen Front macht. „Der Staat ist dazu da", sagt das Blatt, „um Jedem und Allen, die fein Territorium bewohnen, gleichen Schutz zu gewahren. Die Juden bilden keine Ausnahme. Sie sind eben solche Bürger wie die Nichtjuden Sie zahlen dieselben Steuern, tragen dieselben Staatslasten wie alle Nichtjuden. Sie dienen im Heere und vergießen mit allen übrigen Bürgern ihr Blut für den Staat, in dem sie ein Asyl gefunden haben. Der Staat stellt an sie dieselben Anforderungen, wie an alle übrigen Bürger. Es scheint demnach, daß sie auch in allen übrigen Beziehungen den Nichtjuden gleichgestellt sein, d. h. daß sie auch Anspruch aus Schutz ihrer Person und ihres Eigenthums haben müßten. Sobald den Juden aber Seitens der „Volksmasse" Gewalt angethan wird, finden sich bei uns einige Publieisten, die ihrem Vergnügen darüber Ausdruck verleihen, wenn eine Masse, wenn auch eine zügellose, sich „menschenfreundlich" aufführt, die die Ueberzeugung aussprechen daß derartige „Vergewaltigungen", (einen kriminellen Charakter haben " Die zahlreichen Auswanderungen der Juden aus Rußland sangen doch an, in vielen Kreisen sogar in solchen, in welchen sich sonst eine antijüdische Stimmung zeigte. Bedenken zu erregen- Man sieht doch ein, daß eine Massenauswanderung der Juden aus die ökonomischen Verhältnisse des Landes von dem schlechtesten Einflüsse fein würde. Unter Anderen tritt der „Nowosti" der Absicht der Juden, aus Rußland auszuwandern ent = gegen und meint, ein Vaterland suchen, sei schwerer, als ein altes aufgeben, abgesehen davon, daß eine Auswanderung an und für sich materielle Nachtheile für die Auswanderer nach sich ziehe. Den Juden gibt das Blatt folgenden naiven Rath: In solchen Ortschaften, welche der Gefahr, ausgeplündert zu werden, ausgesetzt erscheinen brauchen die Juden nur folgende, wir glauben bereits erprobte Maßregeln anzuwenden' Sie haben alle Werthfachen an einem sicheren Orte zu beponiren, dieselben entsprechend zu versichern und selbst an Ort und Stelle zu bleiben, jeden Augenblick zur Flucht bereit, bis die Gesahr vorüber ist. Es wird sich allerdings etwas sonderbar machen wenn em großer Theil der Bevölkerung so zu sagen ein Bivouac-Leben führt, aber was ilt dabet zu machen! Wenn eben kein anderer Ausweg vorhanden ist, so gibt eine solche Lebensweise den besten Schutz gegen UeberfäHe und Vergewaltigungen ab. Unter den eben angegebenen Bedingungen ist den Juden die Möglichkeit geboten, sich zu jeder Zeit zu flüchten, ohne dem Pöbel irgend ein Opfer zu bringen. Dieser seinerseits wird wenn er kein Material zum Plündern vorfindet, zur Vernunft kommen und zu feinen friedlichen Beschäftigungen zurückkehren."
Afrika.
— Aus Pietermaritzburg wird der „Daily News" uuterm 25. April gemeldet: Eine ernste Krisis besteht in den Angelegenheiten des Zulu-Landes Etne aus nahezu 1000 Personen bestehende Abordnung von Zulu-Häuptlingen uno deren Gefolge wartet gegenwärtig wenige Mellen von hier auf eine Audienz bei dem Gouverneur. Die Abordnung vertritt im Wesentlichen die Partei des Exkönigs Cetewayo — drei Brüder Cetewayo's sind in Person zugegen — und Ne umfaßt auch mehrere Häuptlinge, welche John Dünn botmäßig sind, aber gegen ferne Autorität Einspruch erheben wollen. Die Abordnung kommt ohne emen Paß von dem Residenten, was die Lage der Dinge noch kritischer macht. Es wird großer Sorgfalt bedürfen, uin einen Bürgerkrieg und fürchterliches Blutvergießen im Zulu-Lande zu vermeiden.
Siairv, 1. Mai. Meldung der „Agence Havas." Das Kriegsgericht verurtheilte zur Degradation und zur Verbannung nach dem Sudan im Ganzen 40 Officiere; unter denselben befinden sich der ehemalige Minister Osman Refki und der Oberst Young. Zu derselben Strafe ist auch Ratif, gegenwärtig in Neapel, verurthellt worden, der das Complott organisirte, dessen Anstifter der Ex-Khedive Jsmall ist. In dem Urthell ist ferner ausgesprochen worden, daß, da Ismail das ihm von Egypten gewährte Geld für das Complott verwendet habe, man dem Khedive die Frage der Streichung der Civilliste für Ismail unterbreiten werde. — Die Regierung hat Maßregeln getroffen, um alle Beziehungen Jsmall's zu Egypten zu verhindern.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telcgr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 2. Mai. Abgeordnetenhaus. Erste Lesung des Verwendungsgesetzes. Benda erklärt sich gegen die Vorlage, deren Grundmotiv das Tabakmonopol bllde, welches von den Nationalliberalen einstinimig perhorrescirt werde, Rauchhaupt für Commissions-Berathung, Rickert gegen die Vorlage und für Weiterberathung im Plenum. Der Finanzminister hebt hervor, für die Bestreitung der Kosten des Verwendungsgesetzes seien die Monopolerträgniffe in's Auge gefaßt, die Steuerreform im Reiche und in Preußen müsse Hand in Hand gehen, die eine sei ohne die andere undenkbar. Der Minister wünscht Commissions-Berathung. Minnigerode spricht sich für, Windthorst gegen die Vorlage aus, als der Abstimmung über das Tabakmonopol präjudicirend. Abg. Richter empfiehlt Plenarberathung, damit im Plenum § 1 abgelehnt und damit der Vorlage der Kopf abgeschlagen werde, der Schwanz könne dann in der Commission aufbewahrt werden. Der Finanzminister protestirt gegen den Hohn und Spott, womit die Regierungsvorlage behandelt werde. Das Haus beschließt zweite Lesung im Plenum. Fortsetzung Donnerstag.
Augsburg, 2. Mai. Die „Allg. Ztg." sagt, die bayerische Regierung habe gegen die Anschauung, daß das Monopol an und für sich die zweckmäßige Form der Tabakbesteuerung sei, keine Einwendung erhoben, ihre ablehnende Haltung basire auf Bedenken hinsichtlich der mit Durchführung des Monopols verbundenen volkswirthschaftlichen Mckwirkungen und in Bedenken darüber ob die Monopolerträgnisse genügend sein würden, jene Nachtheile auszugleichen.
Karlsruhe, 2. Mai. Der Domdekan Orbin ist heute Vormittag einstimmig durch das Domkapitel zmn Erzbischof gewählt worden und nahm die Wahl an.
mir ™ta?AWIÖ' r M". Die „Elsaß-Lothr. Ztg." publicirt folgenden Allerhöchsten Erlaß an den Staatsminister Hofmann: In Würdigung der ver- dteustvollen Lhattgkett tn den verschiedenen wichtigen Dienststellungen, welche von Mir Ihnen anvertraut worden sind, finde Ich Mich in Gnade bewogen. Sie U rl-Ä" Meiner Monarchie hiermit zu erheben, wovon Ich Sie, vorbehaltlich des darüber auszufertigenden Diploms, in Kenntniß setze
Wiesbaden, den 29. April 1882.
«... ' 2. Mai. Kreisassessor Küchler in Friedberg wurde als
Bürgermeister von Worms gewählt.
..... PraS'AMai.. In Dux Ist den Führern her ftritenben Arbeiter eine Ent-
tbtwTOiniftermmg püblicirt worben, worin eine Umänberung ber Knappschasts- foffen , bte Einsetzung von Sergm pectoren unb ber Erlaß eines fiaftnflid>taefebe§als nur auf gesetzlichem Wege erreichbar bezeichnet wirb. Was die Abschaffung °berArco?d- ?Tbe^! das Kurzen ber Arbeitszeit unb bie Fixirung ber Löhne anbetrifft? so warben w°.rM^b°" Übereinkommen ber beteiligten betören unb bezüglich ber Entschädigung für bte Dauer bes Strikes auf ben Rechtsweg verwiesen. EineBorlaoe wegen ber Sonntagsarbeit - so würbe ben Arbeitern eröffnet - befinde sich in gefetz mäßiger Behandlung; beschloßen sei, sämmtliche Räbelsführer unb Aufwiegler zu ver- r»nlr ">urbe aus Arbeitshäusern ber Nelsoncolonie auf bas Militär
geschossen, 5 Personen würben als verbächtig verhaftet, verwunbet würbe N-emanb SBaffen wurden nicht vorgefunden. - In Tschausch haben 8 Arbeiter bie Arbeit wiebef aufgenommen, etwa 20 Arbeitern bes Juliusschachtes, bie bereit sind, bie Arbeit wfeber ju beginnen, würbe militärischer Schutz zugesichert. — Die Arbeiter in ber Münzberg- fdjen up Inner et in Test ch en beschlossen bie Absendung einer Deputation an ihre Chefs ~e u.m Verminderung ber Arbeitszeit bitten und zugleich verlangen soll, daß ftottfinbe5ar6e,t nUt' ”Cnn C§ fltmi unvermeidlich fei unb nur gegen doppelten Lohn
— In dem Teplitz-Aussiger Revier wirb morgen bie Wieberaufvahme ber Arbeit in größerem Umfange erwartet; bie Bergleute melben sich in größerer Zahl freiwillig lur Arbeit. Die Nachricht, baß in Ossegg auf bas Militär geschossen worben sei, bestätigt sich nicht- Einem Corporal ber Dragoner ging zufäll'g ein Schuß aus dem Revolver los, ohne indessen irgend Jemand zu beschädigen. Drei Männer und drei Frauen, welche bet dem Nelsonschacht auf bie Truppen Steine warfen unb sie beschimpften, würben verhaftet unb bem Gerichte übergeben. Im klebrigen ist bie Ruhe nirgends gestört worden. ö
■ k Diersburg, 2. Mai. JBerfdjiebene Blätter veröffentlichen ben Urthülsspruch tn bem len 1 VeJDionat bauernben Jntenbanturprozeß gegen Makscheeff unb Gen. Nach bemfelben sind ber Wirkliche Staatsrath Makscheff, Prioroff, Schcstakoff unb Karofse- "Üsch Zum Verluste bes Abels, bes Ranges, ber Orben unb aller besonderen Rechte unb zur Verbannung nach Tomsk refp. Archangel und Perm verurtheilt worben- Die übrigen Angeklagten erhielten kleinere Strafen. Der ber Krone verursachte Schaben muß von Makscheeff unb Prioroff ersetzt werben. 'Freigesprochen würben bie Singe; t agten Oberft^0^-0^ unb Oberst Tscheglokoff, Hosrath Spitzbarth, Kollegiensecretär Ak most unb di- Kaufleute Wolstem, Kaminka, Warschawsk unb Chotimski. Das Urthell gegen Makscheeff, Prioroff, Schestakoff und Karafsewitsch wirb durch ben Kriegs- mimfter bem Kaiser unterbreitet werden. “
Kvndvn, 2. Mai. Wie dem „Rettter'schen Bureau" aus Konstantinopel unterm Heutigen gemeldet wird, soll Said Pascha seines Postens als Premierminister enthoben worden sein.
Konstantinopel, 2. Mai. 'Meldung des „Reuter'schen Bureaus" Die Entsetzung Said Paschas ist officiell bestätigt; zu seinem Nachfolger ist Abdurrhaman Pascha, ehemaliger Gouverneur von Bagdad, ernannt.
Lokale».
on Gietzen, 3. Mai. [Sterblicbfeit in Sieben.] In ber Woche vom 23. bis 29. April war bte Sterblichkeit in hiesiger Stabt Überhaupt eine.geringe, insbesondere aber auch im Vergleich zu ber unmittelbar vvrausgegangeiien Woche. Es ereigneten Üch tm Ganzen nur 5 Todesfälle unb würben Kinder diesmal gar nicht betroffen Der Tod erfolgte bei einer Person durch Lungenentzündung, bei ben vier übrigen durch Lungenschwindsucht. Uebrigens waren unter diesen letzteren Personen drei welche schon in weit vorgerücktem Krankheitszustande von auswärts hierhergekommen roürcn. q
~ — Heute Morgen erhängte sich in feiner Wohnung ein hiesiger Schuhmacher
Das Motiv dürfte Nahrungssorgen sein
Das Blut ist das Leben!
Wer sein Leben erhalten und verlängern, seine Gesundheit bewahren ober wieber- erlangen will, sorge vor allem für Reinigung seines Blutes, ohne welche keine gründliche Genesung möglich ist. Aufschluß unb Anleitung zum unbedingt sicheren und billigen Heilverfahren gewährt die soeben erschienene Schrift über Br. Liebaut's Regeneratioiiskur. Zu haben in ben Buchhandlungen und gegen Einsendung von 50 H m Briefmarken durch die Rühl'sche Buchhandlung, Darmstadt, und W. Erras'sche Buchhandlung, Göthestraße 3, Frankfurt a. M. 3216
Frankfurt a. M., 3. Mai, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditaetieil 293%, S aatsbahnactien 288%, Galizier 265%, Oesterr. Silberrente 65l%s, 4o/0 Ungar, ©olbrente 75%, 4% 1880er Russen 70%, 2. Orient-Anleihe 573 / 5°/o Rumänische Rente 91*/6, Lombarden 12o%. Tendenz —.
Quittung.
Für das E l i s a b e t h e n h a u s, Kinderheilanstalt in Bad Nauheim, sind bis jetzt etngegangen:
Von Frl. Bansa 3 Fr. C. I- Keller 1 M, Gg- Wortmann 5 K-L.10^,
Stabsquartiermeister Kalbfleisch 2 Kaufmann Cimpert 3 M., Kaufmann Nassauer 3 JC, Kaufmann Hambach 1 M, Geh Baurath Holzapfel 20 JL. W I- unb A- G- 3 M., H- 3- 10 M., H- M- 10 JL, burch Professor Harnack 7 M, Summa 78 M., welche dankend hiermit quittirt werden.
Um weitere Gaben bitten
Professor Br. Harnack. Eugen Kausfrnann, Fabrikant. Schlosser, Pfarrer. Stamm, Gymnasiallehrer, sowie bie Expeb. b-Bl. ___________
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