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Ar. 177. Mittwoch den 2. August 1882

(Siebener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

- 1 -- x a _ . , a Preis vierkNährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh'.,

©ttteatt - Schulstr-ß- L. 18. Er,ch«mt iäflliö m.l Ausnahme d-S Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H 6 eil.

Betreffend: Die Voranschläge der evangelischen Kirchen des Kreises für 1883/84. Gießen, am 29. Juli 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evangelischen KLrchenvsrstände des Kreises

Wir setzen Sie davon in Kenntniß, daß in Folge eintretender Veränderungen in Verrechnung des Kirchen- beziehungsweise Pfarrbesoldungsvermögens m der Kürze ein anderes Rubrikensystem eingeführt werden wird und daß daher mit den Vorarbeiten zu den rubncrrten VoranMagen gewartet werden mutz, bis weitere Verfügung ergangen sein wird.

ö Pr. Boekmann.

Politische Ueberskcht.

Gießen, 1. August.

Kaiser Wilhelm setzt seine Badekur in Wildbad Gastein an­dauernd mit dem besten Erfolge fort und sieht überaus wohl und kräftig aus. Die gewohnten Promenaden und Ausfahrten des greisen Monarchen wurden in voriger Woche einmal durch eingetretene ungünstige Witterung unterbrochen, auf sein Befinden hat dieselbe indessen erfreulicher Weise keinen Einfluß ausgeübt. Soweit bekannt, wird der Kaiser noch vor Mitte August, voraussichtlich schon am 11. August, auf Schloß Babelsberg zurückerwartet, wo er die Zeit bis zu den im September beginnenden großen Truppen-Manövern zu verbringen ge­denkt. Heber die projektirte Begegnung mit Kaiser Franz Josef verlautet noch immer nichts Positives und auch die Meldung österreichischer Blätter, daß die Kaiserzusammenkunft am 5. August in Ischl stattfinden werde, bedarf noch sehr der Bestätigung. , ...

Die allgemeine politische Lage hat durch zwei Ereignisse der jüngsten Zeit ganz unerwartet eine friedlichere Wendung genommen. Einmal eröffnet der Entschluß der Pforte, in Egypten bewaffnet zu interveniren, gegrün­dete Aussicht auf Vereinfachung der ganzen egyptischen Frage, dann aber recht­fertigen auch die Friedensvorschläge, welche Arabi Pascha dem Khedive gemacht hat, die Hoffnung auf eine baldige und befriedigende Lösung der egyptischen Krisis. Was den genannten Entschluß der Pforte anbelangt, so wird derselbe vorwiegend auf den Einfluß des deutschen Vertreters in Konstantinopel zurück­geführt, durch den die Pforte hauptsächlich zu einem bewaffneten Einschreiten bewogen worden sein soll. Ueber die Friedensvorschläge Arabi Pascha's, welche der Hauptsache nach darin besteben, daß er sich in ein Kloster zurückziehen will und daß ihm Gehalt und Rang eines Obersten bewilligt werden, die gleiche Begünstigung fordert der egyptische Dictator für einige seiner Getreuen hat der Khedive noch keine Entscheidung getroffen. Derselbe hat die Anerbietungen Arabi's dem zur Zeit Höchstcommandirenden der englischen Truppen in Egypten, General Alison, mitgethellt, welcher sofort Officiere abschickte, um mit den Ab­gesandten Arabi Pascha's zu unterhandeln.

Die immer stärkere Wellen schlagende Wahlbewegung in Preußen ist ein Zeichen, daß die Zeit der politischen Ebbe vorüber ist, wenn sich auch die Pforten der Parlamente noch lange nicht öffnen werden. Die Art und Weise der Polemik zwischen den Organen der verschiedenen Parteien läßt daraus schließen, daß der Wahlkampf ein sehr bitterer fein werde. Der bekannte Beschluß der schlesischen Centrumspartei, bei den bevorstehenden Wahlen unter keiner Bedingung nationalliberale und freiconservative Candidaten zu unterstützen, zeugt von der Abneigung der Ultramontanen gegen die gemäßigten Elemente in den Reihen der Conservativen wie der Liberalen und da die Nationalliberalen selbst von den weiter links stehenden Liberalen heftig angegriffen worden, so werden die Mittelparteien einen besonders harten Stand haben. Der Termin für die Einberufung des Abgeordnetenhauses ist noch nicht festgesetzt, doch wird derselbe jedenfalls in die Mitte des October fallen, so daß anzunehmen ist, daß die Wahlen selbst Ende September oder Anfangs October d. Js. stattfinden werden^sc Mittheilung verschiedener Blätter, daß die Reichsregie- rnng eine Sammlung verschiedener auf die egyptische Frage bezüglichen diploma­tischen Actenstücke veranstalte, um dieselbe dem Reichstage in seiner nächsten Session vorzulegen, findet in Regierungskreisen keinen Glauben. Fürst Bismarck hat gegenüber dem schon mehrfach geäußerten Wunsche, daß dem Reichstage alljährlich eine Darstellung der auswärtigen Politik nebst einer Zusammenstellung der officiellen Actenstücke vorgelegt werden möchte, bisher eine ablehnende Haltung eingenommen, von welcher er schwerlich abweichen wird. Dagegen verlautet, daß es in der Absicht des Reichskanzlers liege, dem Bundesraths-Ausschusse für auswärtige Angelegenheiten authentische Mittheilungen über die bezüglich der egyptischen Frage stattgehabten diplomatischen Verhandlungen zu machen.

Die kaum vernarbte Wunde am österreichischen Staatskörper, der Ausstand im Süden der Monarchie, ist von Neuem aufgebrochen. In den letzten Tagen haben in der Herzegowina wiederholt heftige Kämpfe zwischen starken Jnsurgentenbanden und den österreichischen Truppen stattgefunden, welche mit der Zersprengung der Insurgenten endeten. Unter den Letzteren sollen sich Frei­willige aus Rußland, Serbien, Bulgarien und Montenegro befinden.

Herr Gladstone hat durch die in vergangener Woche im englischen Unterhause mit 275 gegen 19 Stimmen erfolgte Annahme des Kredits von 2,300,000 Psd. Sterl., welchen die Negierung für die Expedition nach Epypten gefordert hatte, einen entschiedenen Erfolg errungen. Es geht hieraus hervor,

daß die englische Volksvertretung die von Herrn Gladstone, wenn vielleicht zuerst auch halb widerwillig, eingeschlagene aggresive Politik in Egypten billigt und es liegt nun an der englischen Regierung, möglichst rasch und schneidig in Egypten vorzugehen. Daß die Negierung auf die Unterstützung des Unterhauses rechnen kann, beweist auch der Umstand, daß letzteres den Negierungsantrag auf Ver­mehrung des Effectivbestandes der Armee um 10,000 Mann angenommen hat, so daß das englische Cabinet einen schweren Fehler begehen würde, wenn es die ihm so günstige parlamentarische Situation nicht durch rasches Handeln auszu­nützen verstünde.

Spanien wiederholt ernstlich seine Bemühungen, die Auf­nahme zum Concert der europäischen Großmächte zu erlangen. Der spanische Minister des Auswärtigen hat in einem Rundschreiben an die Vertreter Spa­niens bei den europäischen Höfen darauf hingewiesen, daß der Suezkanal für Spanien wegen seiner Colonien von größerer Bedeutung sei als für einzelne der Großmächte, und daß deshalb bei Regelung der egyptischen Frage billiger Werse Spanien consulürt werden sollte. Wie es scheint, wird dieser Wunsch Spaniens, an den Berathungen der Conferenz theilzunehmen, bei den Mächten auch keme unfreundliche Aufnahme finden, so daß wir den Vertreter Spaniens vielleicht noch auf der Conferenz erscheinen sehen.

Die wichtigste, aus Egypten augenblicklich vorliegende Nachricht ist diejenige von der plötzlichen Friedensgeneigtheit Arabi Pascha's, worüber wir schon weiter oben berichtet haben. Der bisherige Dictator Egyp­tens hat Delegirte mit Vermittelungs-Anträgen nach Alexandrien gesendet, der Khedive und die Minister lehnten es aber ab, die Abgesandten Arabi's zu empfangen und wollen deren Besuch nur als Zeichen der Unterwürfigkeit Arabi s entgegennehmen. In Kairo ist von Arabi eine provisorische Negierung emge- setzt worden mit einer Nationalversammlung von 300 Mitgliedern- Die mili­tärische Lage am Nil ist unverändert; wie es zuverlässig heißt, wollen die Engländer die Forts von Abukir, deren Besatzung sich weigerte, dem Befehle des Khedive gemäß nach Alexandrien zu kommen, bombardiren. Ferner wurde von General Alison eine stärkere Truppenabtheilung entsendet, um d-.e Eisen­bahn zwei Meilen vom Lager Arabi Paschas zu zerstören. Der Gesundheits­zustand der englischen Truppen wird fortdauernd als ein zufriedenstellender bezeichnet. ___

Feutschland.

Berlin, 29. Juli. Eine auf die Spiritus-Fabrikation bezügliche Erfin­dung von epochemachendster Bedeutung ist soeben in Frankreich gemacht worden. Es handelt sich um die Entfuselung des Spiritus dnrch Eleetricität, nachdem es bekanntlich bisher nicht möglich war, die brennlichen Oele, die den Rüben­spiritus zur Verwendung in der Chemie und in den Gewerben untauglich machen, aus denselben zu entfernen. Die erwähnte Erfindung hat wie die Bert. Polit. Nachr." erfahren sich bereits bei zahlreich angestellten Ver­suchen praktisch bewährt und dürfte auch für die deutsche Landwirthlchast, m der ja die Brennerei eine so hervorragende Rolle spielt, von weittragendsten Folgen sein.

Hesterreich.

Wien, 31. Juli. Aus Anregung Deutschlands finden unter °en Mäch­ten Verhandlungen über Schaffung eines europäischen Organs zur *9 8

des Verkehrs auf dem Suezkanal statt. An diesem Organ Edm ammst che Interessenten an der Suezkanal-Schifffahrt eingeladen w«rd n t ju

neben den Großmächten in erster Linie Spanien, die Niederla land. Die Conferenz dürfte sich schon in ihrer nächstentzung nu die,e^Frage beschäftigen. Alan glaubt hier Grund der Annahme zu haben, datz eine Einigung über diesen Antrag leicht sein würde. Namm ich hofft man Zu silmmuna der Worte Die Aussichten au eine Einigung zwischen öer_xurtei 'und EnZand L üne Cooperation m^EgYpten sind heute weniger günstig Äs früher Die englische Regierung stellt For erung unb' Italien an-

einzugehen dieser unmöglich fft.was aUqvo mit seiner auf der

erkannt wird England ist dadurch m directen für bie türkischen

Eonferenz besa gten Politik g he England mitgefaßten Conferenz-

Truppen beansprucht, wovon m uc,u ö

Beschluß keine Rede ist.

Wußland.

Petersburg, 30. Juli. Dem Kaiser nahestehende Personen erzählen