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die Generalität, die Stabs- und Oberosficiere der Garde, die AdelSmarschälle, das Stadthaupt von Petersburg, eine Deputation der Petersburger Kauft Mannschaft, die aus jämmtlichen Gouvernements eingetroffenen Deputationen und die nächsten Diener des verstorbenen Kaisers bei. Um 11 Uhr betrat Kaiser Alexander III., welcher seine Gemahlin führte, das Gotteshaus, ge­folgt vom Großfürst-Thronsolger mit seinen Geschwistern. Ihnen schloffen sich an der Großfürst Wladimir mit Gemahlin, die Großfürsten Alexig, Sergius und Paul, die Großsürsten-Brüder des verstorbenen Kaisers mit ihren Gemah­linnen und Kindern, der Herzog von Leuchtenberg und der Prinz Peter von Oldenburg. Hierauf folgten die anwesenden fremden Fürstlichkeiten, an ihrer Spitze der deutsche Kronprinz. Der Prinz von WaleS erschien erst einige Minuten später, nachdem der Gottesdienst bereits begonnen hatte. Die Ma­jestäten wurden an der Thür der Kirche vom Metropoliten von Petersburg und Nowgorod, umgeben von der gesammten hohen Geistlichkeit, empfangen. Der Metropolit ertheilte den Majestäten den Segen, welche dem greisen Prie­ster die Hand küßten und sich darauf, gefolgt von den übrigen Familienmit­gliedern, auf ihre Plätze zur rechten Seite des Sarges begaben. Zu gleicher Zett begann die Feierlichkeit der Todtenmeffe; nach Beendigung derselben traten die Majestäten an den Sarg heran, knieten dort nieder und verharrten lange Zett tm Gebet. Nachdem sich der Kaiser und die Kaiserin wieder erho­ben hatten, küßten sie die Stirn und die Hände des Todren; alle Anwesenden folgten ihrem Beispiel. Alsdann trugen die acht ältesten Generaladjutanten des Kaisers, an ihrer Spitze der greise Fürst Suwarow, den mit Blumen be­deckten Sargdeckel herbet. Der Kaiser legte den purpurnen Kaisermantel in den Sarg, welcher darauf geschloffen wurde. Hierauf hoben der Kaiser, btc Mitglieder der kaiserlichen Familie und die fremden Fürstlichkeiten den Sarg auf die Schultern und trugen denselben unter Vorantrttt des Metropolien mit der Geistlichkeit und gefolgt von den Anwesenden in feierlichem Zuge nach der Gruft. Der Metropolitan sprach das Einsegnungsgebet, das faieenb an­gehört wurde, und der Sarg wurde langsam in die Gruft hinabgesenkt. Eine vom Hofe der Festungsktrche aufsteigende Rakete verkündete diesen Moment den Truppen. Von den Wällen der Festung und anderen Punkten der Stadt erdröhnten Artilleriesalven, in welche sich das Feuer dec Infanterie mischte Die schwarze Trauerflagge am Flaggenstock auf der Festung senkte sich langsam nieder und die Fahne des Kaisers Alexander III. stieg empor. In der Kirche überreichte der Metropolit dem Kaiser, bevor derselbe die Gruft verließ, eine mit Erde gefüllte Schaale, der Kaiser nahm drei Mal eine Hand voll Erde und warf dieselbe auf den Sarg hinab. Die Kaiserin und alle Anwesenden folgten dem Beispiel. Hierauf verließen die Majestäten gebeugten Hauptes das Gotteshaus. Vor der Kirche empfing den Kaiser eine Ehrenwache von der Leibcompagnte des Preobraschenskffchen Leibregimcnts; zum ersten Male seit dem Tode des Kaisers Alexander II. wurde das Spiel gerührt, und der Kaiser mit den Klängen der Nationalhymne begrüßt, während die in der Festung aufgestellten Truppen Hurroh riesen und mit ihren Hurrahrufen den Kaiser bis zum Austritt aus der Festung begleiteten. Den Schluß der Bei- setzungsfeterlichkelt bildete der Rücktransport der Kron-Insignien, welche von einer halben Schwadron des Leibgarderegiments zu Pferde nach dem Winter­palais geleitet wurden, woselbst dieselben einstweilen bis zu ihrer Ueberführung nach Moskau verbleiben.

Telegraphische Depeschen.

Wolfes telegr. ®»nefppti>ettnu

Berlin, 28. März. Die Reichstagskommission für das Gesetz betreffend die Besteuerung der Dienstwohnungen hat den Bericht ihres Referenten genehmigt, wonach als der zu versteuernde Miethsbetrag fünfzehn Prozent des Dicnsteinkommens fest­gesetzt werden.

Der Reichstag begann unter Anwesenheit des sten Bismarck die Berathung der Brau-, Stempel- und Wehrsteu^rvorlage. Gegenüber dem Abg. Lasker, der tue Steuervorlagen bekämpfte und die beigegebene Denkschrift bemängelte, erklärt Fürst Bismarck, die Armenlast solle durch die beabsichtigte vom Staate zu dotirende Ver­sicherungsanstalt verringert werden, dazu seien die Mittel erforderlich. Die beigegebene Denkschrift solle lediglich die Rede zur Verteidigung der Regierungsvorlage ersetzen, für Form und Inhalt der Denkschrift übernehme er aber voll und ganz die Verant­wortung. Die Denkschrift enthalte das Programm, womit die Regierungen einverstanden seien, dessen Ausführung, wenn nicht mit Hülfe dieses Reichstags, so doch mit Hülfe des folgenden oder eines andern erfolgen würde. Die Tendenz desselben gehe nicht dahin, den armen Mann zu Gunsten des reichen zu belasten. Die Erhöhung der Branntweinsteuer würde den Armen schwerer treffen, der bei seiner schweren Arbeit den Branntwein nicht entbehren könne, die Reform der Erbschaftssteuer sei ohne Revision der Stempelsteuer nicht ausführbar. Die Zwecke, wozu die neuen Steuern bestimmt sind, gebe die Denkschrift an und die Wähler müßten, wer ihren Vortheil mehr im Auge habe, die Regierung oder jene, welche die wohlwollenden Absichten der Regierung hemmten und ihr opponirten. Die Wehrsteuer solle nur eine Ausgleichung einer Last sein, deren gleichmäßige Vertheilung bis jetzt noch fehle. Hinsichtlich des Tarifs sei er entschlossen, jeder Modifikation entgegenzutreten, wo es angehe, und die Einkünfte durch Ausnutzung der Grenzzölle zu erhöhen. Ich stehe für mein Programm ein, werde überall dafür eintreten und Anhänge für dasselbe werben. Das betrachte ich als mein Recht und meine Pflicht. (Beifall.) Finanzminister Bitter spricht

sein Einverftändniß mit den Ausführungen Bismarcks aus und erklärt, es bestehe keine Differenz zwischen der preußischen und deutschen Finanzverwaltung. Abg. v Maltzahn-GÜltz erklärt das Einvernehmen der Konservativen mit der Denkschrift und deren Bereitwilligkeit, die Vorlagen eingehend zu prüfen, v Benda bekämpit die Vorlagen als finanziell nicht nothwendig und als practisch unzweckmäßig, nur gegen eine Börsenfieuer auf Lombarddarlechen, auf Lotterieloose und Schlußzettel habe er nichts einzuwenden. Löwe (Bochum) bekämpft die Wehrsteuer und die Brausteuer. Wiggers wendet sich gegen die gesammte Wirthschaftspolitik des Reichskanzlers' v. Benda beantragt, die Stempel- und Brausteuervorlage an eine Commission zu ver. weisen. Fortsetzung morgen.

Petersburg, 28. März. Se. K. K. Hoheit der deutsche Kronprinz wohnte heute Vormittag der Investitur des Kaisers mit dem Hosenbandorden bei und nahm darauf mit den Majestäten das Frühstück ein. Gestern hatte der Kronprinz bei dem deutschen Botschafter dtnirt und war Abends einer Ein­ladung der Majestäten zum Thee gefolgt.

S. K. K. Hoheit der deutsche Kronprinz hat heute Nachmittag 4 Uhr mittelst Eltrazuges die Rückreise nach Berlin angetreten.

London, 28. März. Nachrichten aus Eapetown vom 27. d. zufolge machte eine Äbtheilung von ca. 500 BasutoS einen Qinfdfl in Boleka im Basutoland und raubte eine große Anzahl Pferde, Rinder und anderes Vieh. Die Verluste der Colonialtruppen sind nur unbedeutend.

Lokales.

Gießen, 29. März. Schwurgerichtsverhandlung am 28. März d. I.

I. gegen Heinrich Friedrich Süßmuth von Frankfurt a. M., wegen Urkunden- fätjchung unv Betrugsversuchs.

Derselbe ist angektaqt:

1) daß er in der Absicht sick einen rechtswidrigen Vermögensvortheil zu verschaffen, die ihm am 6. September 1880 gewordene schriftliche Erklärung der Gütervtrection der Main Weser-Bahn, eine öffentliche Urkunde verfälscht und von derselben zum Zwecke der Täuschung G brauch gemacht habe.

2) daß er in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil zu verschaffen, das Vermögen der Georg Christian Eifers Wittwe zu Ulfa dadurch zu beschädigen versucht habe, raß er durch Vorlage der fälschlich angefertigten Geschäftsbücher, durch Vorspiegelung einer falschen Thatsache, bei Großh Landgericht der Provinz Oberheffen einen Jrrthum zu erregen suchte.

Die Geschworenen erkannten den Angeschuldigten der ihm zur Last gesetzten Verbrechen für überführt und sprachen dasSchuldig" aus, worauf der Gerichtshof denselben in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten und zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren und in die Kosten verurtheilte.

II gegen Elisa betha Hansel von Uvenhausen wegen KindeSmordS. Die Ang^ schuldigte wurde für schuldig erachtet und in eine Zuchthausstrafe von 3y2 Jahren verurtheilt.

Gießen, 29. März. Eine Extra-Ausgabe desMilitär-Wochenblatts" publieirt die Personal Veränderungen in der Armee, welche mit dem 1. April er. in Kraft treten. Wir reproduclren dieselben hier, -soweit sie auf das Großh. Heff. Infanterie Regiment Nr. 1|6 Bezug haben:

Infanterie-Regiment Nr. 129, Garnison Bromberg.

Scharch, bisher im 2. Großh. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116 in die 4. Premier- Lieutenants Stelle.

Füsilier-Bataillon Infanterie Regiments Nr. 116.

1) Es werden in das Regiment versetzt: Major v. Freyhold vom Jnf.-Regt. Nr. 6\ als etatsm. Stabsoffieicr, die Hauptleute und Compagnie-ChefS- v. Porembsky vom Inf. Regt. Nr. 48, Carsted vom Inf -Reg. 64; die Premier Lieutenants - Kühne vom 2. Garde-Repr. zu Fuß, unter Beförderung zum Hauptmann und Compagme-Cbef mit Patent vom 18. Juni 1880 Fulda, vom Jnf.-Regt. Nr. 26, Müblcnfeld vom Inf. Regt. Nr. 56, Ritsert vom Inf -Regt. Nr. 115, v. Sckeven vom Eisenbahn Regt., die See. -Lts. Clausius vom Eisenbahn-Re. , Kaul vom Jnf.-Regt. Nr. 32, Becker, vom Jnf.-Regt. Nr. 45, Michaeli« vom Jnf.-Regt. Nr. 26

2) Im Regiment werven befördert: Prem.Lt. Frhr. Röder v. Diersburg zum Haupt­mann und Compagnie Chef, die See.-Lls. Hessig, eommandtrt bei der Unterofficier-Schule in Biebrich, und Tarnogrocki I. zu Premrer-Lieutenants.

Bei der gestern stattgehabten Prüfung der Abiturienten in der Realschule hab n sämmtliche 11 Abiturienten das Zeugniß der Reife erhalten.

- Die Schüler der 4 oberen Klaffen der Realschule brachten gestern Abend ihrem aus dem Dienste scheidenden wohlbewährten Lehrer Herrn Prof.ffor Dr. Tasche einen solennen Fackelzug.

Handel und Verkehr.

Gießen, 29 März. Auf dem heutigen Wocdenmarkte kostete Butter per Pfd. 1.03 biß JL 1 10, Hühnereier 1 Stück 45 H, 2 St.H, Gänseerer 1 St. 10 11 H Käse per Srü.* 58 Kasematte per Strick 2-3 H, Erl <n 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben da. Pa JL 0.801.00, Hühner k. St. JL 1.301 50, Hahnen p. St. X 1.501 70, Gänse p». Stück 00 JL, Enten per Stück JL 0-0.00, Ocklmfleisw 66- oO H per Pfd., Kuh. ur r Rindfleisch. 46-50 H, Kalbfleisch 40-44 Hammelfleisch 60- 66 ^*toeinef!eOd 6800 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.50-5.00. Zwiebeln p Etr JL 1213 Milch yer Liter 16 und 18 5>, Weißkraut 100 Stück JL 0.000 00, Enteneier per 1 Stück 60 A Welsche JL 7-7.50.

Dom 1. April ab Befahren des Wochenmarktes Morgens 5 Uhr.

Frankfurt, 28. März, t Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 39, Nr. 2 JL 37, Nr. 3 JL 32, Nr. 4 JL 28, Nr 5 Jt 25, Roggenmehl % (Berliner Marke) 30 5031, do. I (Berliner Marke) JL 29.0000.00, do. II (Berliner Marke) .< 24.0000 00. Weizen effectiv hiesiger ab Bahnhof hier ji. 24.00 00.00, ab unserer Umgegend JL 23.5023.75 do fremder je nach Qualität ,4L 22.5023 50, Roggen, je nach Qualität JL 21.5000.00, Gerste JL 17.75 19.50, Hafer JL 14.7516.50, Koblsamen JL 00, Erbsen «X 1927, Wicken v4L 1718, Linsen JL 20-40, Bohnen, weiße, JL 2325, Roggenkleie <X - , Weizenkleie, grobe und feine JL, Rüböl, detail, JL 64. Stimmung ruhiger. Hauvt- sächlick gekragt war:. Dringend offerirt: französischer Roggen zu \>L 20.50 hübsche bayerische ^.alzgerste zu JL 15. (Die Preise verstehen sich sämmtlieh per 200 Pfd. Zoll- gewicht = 100 Kilo.)

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