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auf die volle Summe von 174,000 x anwachsen würde. Von den vorhandenen Be­amten könne der Pächter selbstverständlich nur die Zahl übernehmen, welche ihm für seinen Betrieb geeignet erscheine. Wenn er aber die Verwendbaren unter gleichen Bedingungen übernehme, unter welchen dieselben jetzt dienen, so scheine kein Grund vorhanden zu sein, daß den Angestellten die Wahl gelassen werden müßte, ob sie fort; dienen ober pensionjrt sein wollen.

Gegenüber der Bemerkung des Regierungsschreibens, daß die finanziellen Vor­theile der Proposition in sehr zweifelhaftem Lichte erscheinen, sagt der Antragsteller, die Pachtsumme würde nun allerdings für den Anfang sich als Staats-Einnahme um den Betrag der zu bezahlenden Pensionen vermindern; derselbe Fall werde aber auch früher oder später emtreten müssen, wenn die Regierung, anstatt den Betrieb zu verpachten, selbst den ^ecundärbetrteb etnsühren wollte. In dieser Richtung sei daher bie Offerte der Pächter nicht ungünstiger, als im Falle des Staatsbetriebs. Auch würde die Großh. Regierung überhaupt schwerlich mit so geringem Personal betreiben können, wie ein Privatpächter, weil die üblichen Formen und Controlen bei Staatsverwaltung größeres Personal erfordern, als bet Prioatdrenst. Ob die Einnahmen der Bahn sich durch Einführung des Secundärbetriebs erhöhen werden, könne der Großh. Regierung dann ganz gleichgültig sein, wenn der Betrieb an einen Uebernehmer verpachtet werde. _ .. 5

Die Fahrplan-Angelegenheit betreffend, führt der Antragsteller aus, daß die Herien Krauß und Donner den von ihnen construirten Fahrplan keineswegs bedingungsweise, sondern nur auf besonderen Wunsch Großh. Regierung v or- ; schlagsweise vorlegten. Es werde für Sachverständige nicht schwer sein, auch für diese emgeleisigc Bahn einen den Bedürfnissen der oberhessischen Verkehrsinteressen ent­sprechenden Fahrplan zu construiren, wenn dafür die auf der Felda-Bahn zu Grunde s gelegten Grundsätze, namentlich die dort eingeführte Fahrgeschwindigkeit von durch- , schnittlich 25 Km. per Stunde, angenommen werden. Weiter sagen die Motive: »Auch ! für die Bevölkerung Oberhessens dürfte unter Umständen die Uebergabe des Betriebs j an Privatunternehmer eher vortheilhast als nachthetlig wirken. Im ersten Falle Der« - tritt die Regierung nur die Interessen der Bevölkerung dem Pächter gegenüber; bei Selbstbetrieb durch die Regierung tritt für die Letztere die Erwägung hinzu die Rein- ! einnahmen der Effenbahnen möglichst zu steigern, auch wenn die deshalb zu machenden ; Einrich ungen mit dem Interesse der Bevölkerung nicht harmoniren. Der Betrieb der j Oberhessischen Bahnen hat dafür seitdem derselbe auf den Staat übergegangen ist em eclatantes Beispiel gegeben. Wenn der Betrieb in Händen der Actiengeseuschaft ? geblieben wäre, so hätte Großh. Regierung niemals zugegeben, daß der vierte Zug im t Winter weggelassen worden wäre. Da der Betrieb aber auf den Staat übergegangen > war, glaubte die Regierung gegen das Interesse der Oberh. Bevölkerung den | vierten Zug weglassen zu müssen, weil das finanzielle Interesse des Staates dadurch i besser gewahrt erschien."

Im Wetteren sucht der Antragsteller die von der Regierung gegen den Secun- c därbetrieb im Allgemeinen geltend gemachten Gründe zu widerlegen

m. Darmstadt, 27. December. Der Abgeordnete Schroeder hat unterm 21. I d. M. bei dem Bureau der zweiten Kammer folgende Interpellation übergeben:Wird ! Gr. Staatsregierung den Ständen bald eine Gesetzesvorlag- zugehen lassen, welche die Benutzung und Instandhaltung der Gewässer (Waflerrechts-Gesetz) regelt." Die beige­gebenen Motive sagen, ein solches Gesetz habe nicht blos zu bestimmen, wer die Lasten des Dammbaues und des Wasserbaues überhaupt zu tragen habe, sondern solle auch die Benutzungsrechte am fließenden Wasser regeln, die sich dafür bildenden Genoffenschasten fördern u. s. w. Ersichtlich sei ein solches Gesetz für unser Land von großer Bedeutung. Preußen, Bayern, Baden und andere Staaten seien bereits im werthvollen Besitz einer zusammenfassenden n?uen Gesetzgebung über diese Materie, während in Hessen bis jetzt nur Theile derselben, und diese nicht völlig genügend, vorhanden seien. Beide Kammern der Stände haben bereits auf dem vorigen Landtag den von dem Antragsteller einge­brachten Antrag angenommen : Gr. Regierung dringend zu ersuchen, bald eine Gesetzes­vorlage, die Benutzung und Instandhaltung der Gewässer betreffend (Wasserrechts-Gesetz), zu machen. Bei den dessallsigen Verhandlungen zweiter Kämmer habe ein Vertreter Gr- Regierung erklärt, bezüglich des betonten Mangels eines Wassergesetzes könne er sich mit den kundgegebenen Wünschen nur einverstanden erklären- Es sei früher schon ein Entwurf gefertigt worden, der in den Ministertalacten liege und der mit wenigen Umänderungen als Grundlage einer neuen Bearbeitung dienen könnte. Das Bedürfniß der Eodification dieses Gegenstandes sei also allseitig anerkannt und könne keineswegs als geringfügig an­gesehen werden. Auch fordere die Rücksicht auf vorliegende wirthschaftlich wichtige Ver­hältnisse die Beschleunigung der Sache.

Fulda, 26. December. Bischof Kopp ist heute Nachmittag um 2 Uhr mit großem Ehrengeleit hier ringet, offen und verrichtete alsbald am Grabe des heiligen Bontfacius ein Gebet.

Breslau, 24. December. Der zoologische Garten ist heute wegen Auftretens der Rindeip st unter den Graffen polizeilich geichloff n worden.

Karlsruhe, 24. December. Der Großhcrzog. dessen Genesung erfreu­liche Fortschritte macht, unternahm beute eine kurze A isfahn. Morgen wird der Großherzog zum ersten Male feit seiner Krankheit dem Gottrsoienste anwohnen.

August v. Bulmerincq in Wiesbaden, Mitglied der internationalen Affociation für die Eodification des Völkerrechts und früher Pcoseffor des Staats- und Völkerrechts zu Dorpat, ist an Stelle BluntschU's an die Uni­versität zu Heidelberg berufen worden.

Bremerhafen, 24. December. Der Dampfer des Norddeutschen LloydBraunschweig" ist im neuen Hafen gesunken.

Kesterreich.

Wien, 24. December. Nacd der nunmehr rectificirten Lste sind bei dem Brande des Ringtheaters 449 Personen verunglückt; bei 12 anderen Per­sonen ist dies zweifelhaft.

Wien, 25. December. DieWiener Ztg" veröffertl'cht ein kaiser­liches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe, in welchem der Kaiser kundgiebt, daß er, um se ner Tbellnahme an dem traurigen Schick­sale der am 8. December d. Is. beim Brande deö Ringtheatrrs Verunglückten einen dauernden Ausdruck zu geben, beschlossen habe an der Unglücköstälte aus seinen Prtvatmitteln ein Gebäude mit einer entsprechend ausgestattcten Gedächtniß-Capelle aufführen zu laffen, in welchem bie alljährliche Abhaltung eines TrauergotteSdienstes durch besondere Stiftung sich^rgest.-llt werde. Die Erträgniffe des Stistungsgebäudes sollen für immerwährende Zeiten den Wiener Wohlthätigkeits-Vereinen und -Anstalten zufließen.

Garantie für die Freiheit ihreS Oberhauptes verlangen. So sei es denn natürlich, fügte der Papst hinzu, daß.die nach Rom kommenden Bischöfe b-n gegenwärtigen Stand der Dinge unvereinbar halten mit der Würde deS heili gen Stuhles und daß die Gläubigen der ganzen Welt in dieser Bezi-pung ihre Besorgniffe für die Geg-nwrrt wie für die Zukunft ai den Tag l-aen.

Rom, 27. December. Das JvurnalPopolo Romano" schreibt: Obwohl die Regierung nicht versäumt, sich mit der Wahl des neuen Botschafters für Paris zu be schäftigen und mit der Ernennung nicht zögern kann, ist dennoch bisher fein Entschluß gefaßt worden. In einemDeutschland, Italien und das Papstthum" überschriebenen Artikel stellt derDiritto" folgende 3 Grundsätze auf: 1. Die weltliche Herrschaft des Papstes ist nicht werth, diskutirt zu werden, in welcher Form dies auch geschehen möge. 2. Der moderne Staat kann die Ueberlegenheit des kirchlichen Einflusses nicht anerkennen. 3. Jedes Uebereinfommen, welches eine mittelbare ober unmittelbare Eimmschung in unsere inneren Angelegenheiten in sich schließt, verletzt die Autonomie des Staates. Diese Prinzipien, heißt es in dem Artckel, gehören nicht Italien, sondern der allgemeinen Civilis fation an. Unsere Stellung ist politisch wie rechtlich unangreifbar; wir werden sie bis aufs Aeußerste vertheidigen. Was die Haltung der deutschen Regierung in dieser Ange legenheit angehe, die den Papst und seine Ansprüche zu unterstützen scheine, ohne früher gemachte Erfahrungen zu erwägen, so schreibt derDintto" : Auch wir müssen uns einen verantwortlichen Papst wünschen, denn wir vertheidigen in Italien tote Souveränität des weltlichen Staates, welche Fürst Bismarck in Deutschland vertheidigt. Es handelt sich darum, cm Mittel zu finden, um die Verantwortlichkeit des Papstes wirksam zu gestalten, ohne den Prinzipien unserer nationalen Existenz und unserer Unabhängigkeit Eintrag zu thun und um das wettere Prinzip, die Souveränität des weltlichen Staates sicher zu stellen. Es ist das wahrscheinlich eine schwierige, aber eine. des Fürsten

Bismarck und Italiens roüttoigfc Aufgabe. Die Losung berselbtzä wirb sich entroeber mit Ober gegen Italien vollziehen. ZwischefiAlles gefährden und Alles gewinnen" kann die Wahl nicht zweifelhäft fein.

Spanien.

Madrid, 25. December. Am 15. Mai k. Is. wird hier eine Aus­stellung für Gegenstände aus dem Gebiete der Mineralogie, Keramik und bet Glasfabrikation eröffnet werden. Zu derselben werden auch alle verwandten und fremden Industrien zugelaffen werden.

Nußrand.

Petersburg, 24. December. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen gestern den französischen Botschafter General Chanzy, welcher sein Abberuf ungs- Schreiben überreichte.

DerRegierungsbote" mach: bekannt, daß am 19. December, Mor­gens, in der Rentei von Sebastopol ein Diebstahl mittelst eines Minenganges ausgeführt worden ist. Ja der Rmteikaffe fehlten 47,000 Rubel. In Folge sofort angestellter energischer Nachforschungen im Innern des Reiches foiDobl wie in Konstantinoptl wurden in A'maenök 3 Personen mit 27,000 Rubel deS gestohlenen Geldes verhaftet.

Petersburg, 26. December. DerReg erungsbote" veröffentlicht einen Allerhöchsten Befehl, nach welchem 23 in letzter Zett verhaftete politische Verbrecher, welche die Regittung für Leiter oder maßgebende Mitglieder der Terroristenpartet hält, zusammen in einer besonderen Sitzung des Senats unter Hinzuzi-buna der Vertreter der Stände gerichtet werden sollen.

Warschau, 26. December. II der Kceuzkirche entstand gestern ein falscher Allarm, wodurch gegen 60 Personen zu Schaden, mehrere um'S Leben kamen.

DerNat.-Ztg." geht über den Vorsoll folgendes Privatschreiben zu:Warschau, 26. Decbr., Mittags In der heiligen Dre'.Kreuzrs-K.rche, die an der Straße Kalaa, Krakauer Vorstadt, einer unserer belebtesten Straßen liegt, erscholl gestern Mittag gegen 12 Uhr plötzlich der SLreckeusrufFever." Die Verstonen über Entstehung dieies Lärms schwanken. Die weitverbreitetste ist die, daß ein jüdischer Taschei.dieb einen Griff in die Tasche seiner Nach­barin versuchte. Er wurde auf frischer Thrt ertappt; cs entstand Lärm; oer RusFeuer" ertönte und unter dem Eindruck der Wiener Katastrophe, die überall die Einbildungkraft erregt hat, begannen die Besucher aus der vollge- füllten Kirche nach dem Ausgang in's Freie zu drängen. Der Ausgang mündet auf ein kleines Hochliegendes Plateau, von dem rechts und links Treppen auf daö Trottoir führen. Und namentlich auf diesem Plateau und auf den eisten Stufen der Treppe entwickelte sich ein fürchterliches Gedränge, u nsomebr, als auch Leute von der Straße in die Kirch? hinein wollten. Nach den Mitthei. lungen heutiger Zeitungen zählt man 26 Todte und etwa 30 Verwundete. Ma > trug die Beschädigten tu ersten Augenblick nach einer neben der Ki'ch; belegenen Volksküche und in das Hospital zum heiligen Rochus. Aerzt- liche Hülse war glücklicher Weise zur Stelle. Die Todten sind meistens j Frauen; unter ihnen befi iden sich Gräfin Alexandrowitsch und eine Deutsche, i die Bonne Maria Swarenko.

Afrika.

Kairo, 26. December. Der Khedive hat die Notabeln-Kammer mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er erklärte, daß die Jntereffen der Bevöl­kerung durch Gerechtigkeit für Alle gewahrt werden sollen. Er strebe nach Aufklärung und Fortentwickelung auf allen Gebieten. Die internationalen Verpflichtungen sollen erfüllt werden. Schließlich bat der Khedive bie Ver­sammlung um ihre Mitwirkung bei der civilisatortschen Umgestaltung des Lan­des. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Oran, 24 December. In der Hebra-Ebene find von den Opfern der UeberfcbHemmung 201 Leichname aufgefunden, von denen 163 Eingeborenen, 33 Spaniern und 4 Franzosen ang hören.

Italien.

Now, 25. December. Der Papst empfing gestern die Kardinäle, welche erschienen waren, um in herkömmlicher Weise durch den Kardinaldekan ihre Glückwünsche anläßlich des Weihnachts- und Neujahrsfestes darzubringen. Unter den 23 anwesenden Kardinä en befand sich auch Prinz Hohenlohe, welcher gestern von feiner Reise hierher zurück ekehrt ist.

Die Begrüßungsansprache des Kardinaldekans anläßlich d-.s gestr.gen Empfanges der Kardinäle erwiderte dcr Papst, demOffervatore Romano" zufolge, intern er zunächst auf die L?ge des heiligen Stuhles hinwies, welche sich immer schwieriger gestalte, und sodann bekiagte, daß er gezwungen gewesen fei, dir jüngste Kanonisation ohne den herkömmlichen Pomp zu vollziehen. Ebenso beklagte der Papst die A- schuldigungen, welch; jedes Mal erhoben würden, so oft er, um bie Unabhängigkeit seiner geistlichen Gewalt zu sichern, die Wiederherstellung seiner tausendjährigen weltlichen Herrschaft fordere. Re- bellcn nnd Unruhestifter nenne mau die Katholcken, wenn sie eine wirksame

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. (Korrespondenz-Burea«.

Berlin, 27. December. DerReichs-Anz." meldet die Vtrleihung des Kreuzes mit dem Stem der Großcomthurn des HauSordenS von Hohen- zollern an den Minister v. Puttkawe^.

DerReichs-Anz." veröffentlicht eine Verordnung vom 20 Decbr. über die Nachversteaerung der Waaretibestände in den an das deutsche Zoll­gebiet anschlleßendcn Gebi?tsthelleu der Unter-Elbe.

Fulda, 27. Decemb r. Die Consecration des Bischofs hat soeben stattgefunden. Consecrator war der Bischof von HildeSheim, Assistenten die Bischöfe von Tner und non Würzburg. Freiburg Limburg, Mainz und Pi- berborn waren ourch Domherrn vertreten. Es waren 169 Geistliche bei her Feier anwesend, weicher sowohl der Oberpräsivent wie d-r Regirungsprästdent anwobnten.