Nr. 301. Drittes Blatt. Sonntag den 25. December 188».
Aichener Mnzeiger
Auikizc- and Amtsblatt für brn Kreis Gieße».
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e,rt«af Schulst-,s- B. 18. «rftjeint „glich mtt «»«nahm- brt Montag,. Durch bi, v°st b-,°g-n mrrl-lstchrilch , M-r! 50 Pi.
Amtlicher Hheil.
B e k a n n t m a ch u n g.
GroßberzoalickeS Ministerium deS Innern und der Justiz hat dem Do,stand der allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz-«usst-llunq in «rar.ksurt a. M- die E laubmß ertdeilt. Loose ä 1 bei durch die Söntgl. Preuß. Regierung concesstomrten, mtt der Ausstellung verbundenen Lerloosung (Serie II) im Großherzogtbum Heffen zu vertreiben.
Gießen, am 23. December 1881. DroßherzoglickeS Srei-amt Gießen.
Dr. Boekmann.
B e k a n n t m a ch u n g.
GroßherzogltcheS Ministtrium deS Innern und der Justiz hat der Norddeutschen FeuerverficherungS-Grsellschast in Hamburg die Erlaubntß zu« Ge- schäst-betriebe im Großherzoglbu". Hessen erthetlt.
Gießen, deu 23. December 1881. Großherzogliche- Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. ______________________
Gefundene Gegenstände:
1 Taschentuch, 1 Halstuch. 1 wollener Handschuh, 1 Leine, 1 Kinderjäckchen 1 Pelzkragen, 1 Portemonnaie mtt Inhalt, 2 Regenschirme, 1 Herrenhemd, ein Metermaß, mehrere Schlüffe!.
Gießen, den 24. December 1881. Großherzogliche Polizetrerwaltung Gießen.
FreseniuS. .
m Darmftadt, 23. December. Die Estoßb. Regie«ung bat tbre Stellung in der Materie des Itu a le r'schen -lntrage« auf alSda rdlge Einführung deS Secun- därdetriedü bei den Ober hessischen Etsendahnen, abgesehen von den Erläuterungen zu den deSfallsigen Posten dcS Hauptvoranschlags der außerordentlichen Ausgaben, weiter in einem unterm 22. November d. Z an dm Finanzausschutz der zweiten Kammer gerichteten Schreiben gekennzeichnet, mit welchem dem Ausschuß eine Anzahl den Gegenstand betrefftnber Bctenstücke mitgethe'lt wurde. Zunächst wird darauf hingewiesen, daß nach den landständischen Perhandlurgen d-e Frage der kuntt'gen BcUiedSeinrichtungeu auf den Oberyessischen Bahnen eine offene 'st, weßhalb auch die durch die Antragsteller bi3 jetzt nicht wieder in Anregung gebrachte Offerte von Krauß und Donner definitive Erledigung noch n'cht gefunden habe. Bezüglich der in dieser Offerte enthaltenen Präpositionen macht die Regierung auf einige Punkte besonder» aufmerksam. Pos. 10 der Propositionen besagt: „Die Aufbewahrung und Unterhaltung oeS mit der Zeit überflüssig werdenden Lheiles des rollenden HauptdabnmattnalS wäre den Betriedspächtern nicht anfzuerlegen Dieses Material wäre rm Einvernehmen mit der Regierung zu verkaufen, dessen Ertrag in die Staatskasse emzuzahlcn und das Arquivalent der zu 4Vi°/o berechneten Zinsen des gelösten Kapitals von der iShrlich durch die BetriebSpachtcr zu entrichtenden Pachtsumme abzuztehen."
Hiernach hätte — wie die Regierung ausführt — wohl der Pächter ein Interesse daran, daß daS rollende Material möglichst tbeuer v:i kauft wird- Dasselbe, destebend aus 23 Lokomotiven, 18 Tendern, 55 Personenwagen. 82 gedeckten unb 272 onenen Güterwagen, dürfte jetzt noch einen Eapitalwerth von etwa 2,MO,000 r^vrosenttre^
Würde bei dem Berkaus Vi, also die Summe von 60O,E^ erlöst, so betrüge der Zinsenaewinn 36,000 X und der Staat würde pro Jade statt «0,000) x nur 244,010 x von den Pächtern erhalten. Um nach Ablaus der Pachtper'obe den Bestand des rollenden Materials wieder beriufleUen, würden wiederum 2,400,000 X ertoiber. lieb werben; disponibel wären 800,000 X -r 540,000 X Zinsenvon fün'zebn Zähren i 36,000 X. zusammen 1,340.000 X es blieben m tbm zu decken h^.OiO ober
pro Jahr ca. 70,000 X. Bon den empfangenen 244000 X waren also 11/4, X
disponibel. — Weiter wild in d m Reg-c ungsschreiben auSgeführt, die Gehalte der Beamten betragen 348OOO X- Die Pensionen, nur zu >/,<) berechnet würden ctrca 174,000 X betragen, und wenn auch nicht diese ganze Summe ^orberl ch wrd so dürste doch auf einen Pensionsaufwand von circa 110,000 X iu rechnen ' • verbleiben bann als Einnahme aus dem Pachtgeschäft nur tt®a ’ A.’«;
wäbrenb in den Rechnungsjahren 1879-80 und 1880-81 h b r aladjr
Betriebsüberschüsie von 98,000 und 93,000 X ergeben habrn. Nach Pofi 8 dr Pacht- Proposit'on soll dem Pächter die Wahl gelassen sein, die vorhandenen Beamten zu übernehmen. Es müßte aber auch - sagt dasRegterungSschrelben - den Beamten in freie Wahl gestellt werben, ob sie in Pension ober in Lenste des Pachtes treten wollen, und mit Rücksicht hierauf und weil der Pachter das ^b"unterbaltungs. personal keinen Fall«, bas Fahr- und Maschinenpersonal sowie auch d« Beamten der Eentralvcrwaltung nur zum geringen Theil wurde udernebmev woll .
bezeichnete Pensionsaufwand sicher zu erwarten sein. D'e nnanziellen ^orthnle der Proposition erscheine der Regierung deßbalb in sehr zwenelhastem ».cht -
Dagegen glaubt dieselbe als sicher enrebmen zu können, daß der Uebergang zum SecunbärbefriebÖweber bas Publikum befrebiacr. no* die P^onenfi rauen 4^ de Einnahme daraus vermehren wird Das <7chreib^n lagt. ® J 1 *f V'
bervorgeboben werden, daß der Bcrkehr. 'nsbeionbcre ber Personrnve^ehr, au den Oberbefsischen Bahn.n, obwohl feiner ^U6bfbnu^a .raAJ™ J Ta^miü iaaen schließlicher Localverkehr im der Personenverkehr auf den Oberhessischen Bahnen bewegt nch nicht au»,chließ^ch inneibalb der iAieuren her Oberhessischen Bahnlinien zem entgegengesetzt sind wiederum die vielerle Beziehungen der Stativ:.Sorte zur Prooinzial-Hauptstabt ( -eßen m beiüSfiätiflen^JJerfiiShbr kann also die Anschlüsse an die,Nachbaroahnen km Osten und Mesten nicht entbehren, er erfordert aber auch bte Berücksichtigung der Verkehrsbeziehungen der Stationsonc unter sich, und wenn auch nachweisbar der $er= febr rS. bev^tatioSorte ber Theilstrecke GießcnR,dda. und der StattonSorte der Tbeilstrecke Gelnbaufen-Nidda unteres-ander em verbaltn ymaßig sehr geringer m, o hat doch bei ber versuchsweisen Einführung von 3 statt 4 Zügen nicht dle vollstandige Störung, sondern! nur die Beeinträchtigung der ^glichen ^erb.ndungen bie,eS Verkehrs eine so entschiedene Opvosition hervorgeruren, daß m den süngst-n Dinter^Fabr- vlan wieder 4 'Irüae eingestellt worben sind- Dabei ut die Dichtigkeit des Verkehrs auf den Oberhmifchen Bahnen eine io geringe, daß aus eme Belebung des Verkehrs durch Vermehrung der Züge gar nicht zu rechnen tu.
Ilm nach tu weifen, daß bte Wünsche ber Bevölkerung, bezw. die Anforderungen an den FahrvIan^ sich in vortheilhafter Weise bei dem Uebergang zum eecunbar= betrieb ohne Vermehrung ber gegenwärtigen fahrplanmäßigen Zuge nicht betrieb.ge lassen, conftruirt die Regierung den bestehenden Fahrplan mit 4 Zügen unter Annahme
von 20 Kilometer Gefchw nbigkeit. Hiernach verlieren alle Zuge, mit Ausnahme eine« e'nrgen, bnm FesthalNn der Anschlüsse, bezw. ber Absahrzeiten am AuSgangSpunkt b'e Anschlüsse am Endpunkt. Die Regierung sagt in ihrem Schreiben: ^,Die Früh- und Spätzüge kommen so tief in bte Nacht, baß eS auch bei ber auf 20 Äilomder Derminbtrten Fahrgeichw.nbigkeit mißlich erscheint, bie Bahn unbewacht zu lasten de: n bie Bahnpol'ze.oibnung gestattet zwar baS Unbewachtlassen bet Geschwinbigkeit von höchstens 20 Kilometer, befreit aber nicht von ben Bestimmungen bes Haft-
T-m Jabtplan mtt »ter Zügen bet Secunbärbetrieb werben oUe Nach,heile betz FahtPlans mit btei Zügen bei Vollbetrteb in verMNem Maße anhaften
Auch stellen sich ber Ausführung eines Fahrplan- mit vermehrten Zügen, abgesehen davon, bau ein solcher Fahrplan eine verhaltnißmaßig große Anzahl bumsichuender Ma- schm, n mit Personal beansprucht, betriebstechnische Schwierigkeiten ,n ben Weg, weil man auf einer eingleisigen Bahn zu opertren hat unb nur wenige Stationen berfeiben Gelei» anlagen für Kreuzungen besitzen. Aus allen diesen Gründen bürste der Uebergang zum Secunbärbetried auf ben Dberhessischen Bahnen, sei es, ber Bahnbetrieb wirb pachtweiie an einen ILbcrnebmer überlasten, sei es, ber Staat richtet denselben em keineswegs zu- friebenftellmb für bte Bevölkerung ausfallend Rachbem weiter erwähnt ist, baß nach dem Angeführten auch ber von ben Herrn «rauh unb Donner oorgelegte Betriebsplan bte Bevölkerung nicht befriebtgen kann, schließt bas Schreiben mit ben Worten: ,Tem gegenüber wird e- bet Fortführung beS Betrieb- in Selbstverwaltung mit thellwetser Berwend. una leichterer Betriebsmittel unb Anwenbunq ber Geschwinbigkeit von 40—50 Kilometer thunkd), den Fahrplan mit 4 Zügen aufrecht zu erhalten unb boch günstigere fmanjwlle Aesultate zu erzielen. Die Bewachung ber Bahn fällt hierbei allerbtngs nicht weg. »et Befahrung der Bahn mit nicht mehr al- 4 Zügen bleibt es aber thunlich, wie bisher, dieses Personal zur Bahnunterhaltung heranzuziehen unb baburdi an Arbeitern zu sparen. Eine R.duetion der Bahnwärterposten mit Ueberlragung bes Barrierenbienfte- an Frauen ist fortwäbrenb ins Auge gefaßt unb sinb bereits 12 Bahnwärterposten eingezogen worden. Da bte Ausnutzung der jetzt oerroenbeten Maschinen eine sehr geringe ist, dagegen ber Aoblenverbrauch ber leichteren Maschinen unb ber Aufwanb für beten Unterhaltung erheb heb mäßiger wird, so ergibt sich schon hieraus, daß durch Berwenbung leichterer Maschinen wesentlich gespart wird. Eine weitere Erfpamiß tritt aber auch be, der GeleiSunterhaltung ein Ter Uebergang tu leichteren Betriebsmitteln kann nach unb nach bewerkstelligt unb so Die Verwaltung vor Verlusten burch Berfchleuderung bes jetzigen Betriebsmaterials bewabrt werben, wobei immer bie Möglichkeit verbleibt, zum Secunbätbetrieb uberzugchen, wenn solches in ber Folge den Verhältnissen nach geboten ober räthlich erscheinen sollte.
Der Abgesrbnete Kugler geht in ben Motiven 'eines Antrag- betailirt auf eine Erörterung der einzelnen Punkte bes Regierungsschreibens ein unb behalten wir uns hierüber weitere Mittheilung vor.
Literarisches.
— [Ter Brand de« Äinqtfceater« in Wien am 8. Dezember 1881.] Eine wahrheir«- flttrtut ELstdervna der Satastrorh». nach authentiseben Quellen bearbeitet ten E- Th. Fockt. 5 Beqen. Cetan, öil 5 Abdstduogen. Prei« 30 Ät. = 60 = 80 Ei«. (Dir Hälfte
de« $e«ne:trage* fliest dem HilfSscnd« zur Unterstützung dtt Hintttbliekenen der Verunglückten xe.) S Hartleben« Verlag in Dien.
$i±t mtt grellen, gravid)en Pbrafen sSildert fcn Bcrfaffer dieser Broscküre das furchtbare Ende einer ahnungslosen Menge von 6-800 verunglückten Besuchern ve« Ringtheater« in Di-n. auch nickt die Eonlequenzen, t>ie diese entsetzliche Satakrophe über Huncette von Famil en bnaufbeftacren; er will keine Sccapitulation ber Schrecken jener Sckaunnacht und der daraus folgenden Tage mit diesem Bucke bieten; wer bie TageSblätter gelesen und von Fall zu Fall dem Sause ber ©e:ebenbeiten gefotzt ist, dem find gewiß ber aufregenden Eindrücke so viele geworden, bat ihm für feine Person die Satastrovhe stet« eingedenk fein und bleiben wird Unb wie ke n P nlel vermögend kerne Farbe zu grell, kein Ton zu schreiend ist, all' da« un'äg'.'ck Schreckliche wiednzugeben fo ,st auch bst« Buck nur ein schwacher Abglanz besten, wa« fick in tte<cr Unglücksnacht am denkwürdigen 8. Dezember des Jahre« 1881 vollzogen.
Die Absicht de« »erfaster« ist einzig diejenige, größeren Kreisen ein Wahrzeichen »u übermitteln, »um bbibtneen «needenken an da' furchtbare Sretgoiß, gleickzeitia aber auch rin Mene tekel für alle Jene auszuftellen, denen vermöge ihrn Stellung ber Gesellschaft, da« Wohl unb Webe der großen Menge in die Hand gegeben, beziehungsweise anverttaut ist.
Wir empfehlen die Anschaffung biefer wohlfeilen, trotzdem aber schon ausgestatteien Broschüre um ''o dringender an. a'6 sich mit derselben glrichzestig ein wohlthötiger Zweck für bie Hinterbliebenen ber atmen Verunglückten verknüpft.
Der Mittelrheinfsche DerßandSkalender für Landwirthe unb landwirth- schäftliche Genostenschaften auf das Jabr 1882 ist erschienen und wirb in ben Kreisen, für welche er zunächst bestimmt ist, ebenso mit Freuben begrüßt werben, wie bie früheren
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