Ausgabe 
23.10.1881 Erstes Blatt
 
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ohne besondere Genehmigung keine Hofnachrtchten bringen, die Reden des Kaisers nicht reproduciren, wenn solche Nachrichten oder Reden richt schon in öffentlichen Blättern gestanden. Endlich hat der Ukas vom 6. (18.) April 1865 gar lerne Anwendung auf Schuften oder Editionen, die die griechisch' russische Kirche berühren: solche Schriften unterliegen nach wie vor der geist. ltchen ßenfur.

Zu der ungewöhnlich starken Auswanderung, welche das laufende Jahr aus­zeichnet, hat, wie dieKöln. Ztg." berichtet, der nieberrheinlsch-wesisällsche Bergbau- und Hüttendistrict mit seiner starken Arbeiterbevölkerung einen nicht unerheblichen Theil geliefert. Namentlich war in den letzten Monaten bie Anzahl der Leute, welche ihre Arbeit aus den Zechen und Hüttenwerken verließen und nach Nordamerika und ander­wärts übersiedelten, eine sehr beträchtliche und auf die Stärke der Belegschaften empfindlich einwtrkende. Es gibt Bergwerke, deren Belegschaften im Laufe des Sommers um 2300 Mann zurückgegangen sind, und von der einzigen ZecheRheinpreußen" nahmen noch kürzlich ungefähr 80 Arbeiter Abschied, um sich in Antwerpen nach Amerika einschiffen zu lassen. Im Allgemeinen sind es die tüchtigeren und erfahreneren Leute, Häuer mit verhältnißmäßig gutem Lohn, welche den Entschluß zur Auswanderung fassen. Man greift kaum zu niedrig, wenn man die Anzahl der Arbeiter, welche die westfälische Steinkohlenindustrie, deren gefammte Arbeiterzahl etwa 80,000 Mann zu betragen pflegt, im Laufe des verflossenen Sommers auf diese Weise verloren hat, aus 56000 Mann veranschlagt.

Nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts reicht es nicht aus, daß ein Gewerbe­treibender, um sich von der persönlichen Haftbarkeit für seine Gewerbsgehilfen, so weit sie nicht Stellvertreter sind, h nsichtlich Beobachtung d.r Vorschriften über Beschäftigung jugendlicher Arbeiter zu befreien, bündige Weisungen und Jnnructionen, v rbunden mit Strafandrohungen für den Uebertretungssall, an die Gehilfen erläßt, sondern es muß auch eine persönliche Beaufsichtigung derselben hinsichtlich Beobachtung der bestehenden gewerbepolizeilichen Vorschriften und überhaupt diejenige Diligenz auch m der Auswahl des Personals hinzutreten, welche den Erfolg erwarten läßt, daß diese Vorschriften in der Fabrik zur Durchführung gelangen.

Aus England wird berichtet, daß nach dreimonatlichem Streik die Schiffbau­arbeiter in Sunderland endlich nachgegeben haben; leider sind fast sämmtliche Stellen besetzt, so daß die Notb unter den Arbeitern entschlich ist.

Magdeburg. Wir möchten aus eine Folge des Tabaksmonopols aufmerksam machen, nämlich auf die Unmöglichkeit, die eventuellen Staatsfabriken in die Gegenden und Plätze zu legen, in welchen jetzt der Hauptsitz der Fabrikation sich befindet.

Von den in der Tabaksindustrie thätigen Arbeitern werden gut 9/10 von der Cigarrenfabrikation beschäftigt. Diese hat nun zumeist ihren Sitz in ganz kleinen Städten und Flecken, wo der Lebensunterhalt sich für die Arbeiter billig stellt. Von dem Augenblick an, wo die Tabaksindustrie monopolisirt wird, hat der Staat sein Augenmerk darauf zu richten, daß die enormen Werthe, bie in beu Gebäuden, Maschinen und Tabaksvorräthen intabulirt sind, in die Festungen hineingelegt werden, denn er darf fick für den Fall eines Krieges nicht der Gefahr aussetzen, daß solche bei einem unglücklichen Verlaufe des Feldzugs von dem Feinde vernichtet werden, was unbedingt stattfinden würde, wenn sie in offenen Städten den Händen desselben preisgegeben wären. Es stehen eben Hunderte von Millionen des Nationalvermögens in Frage, denn ebenfo wie wir in Straßburg die Kaiser!. Tabaks-Manufactur mit allen ihren Vorräthen im Werthe von vielen Millionen als angenehme Kriegsbeute mit gutem Rechte betrachteten, ebenso würde es eventuell der Feind machen. Was nicht zu con- fumiren oder sortzuschaffen wäre, würde er einfach vernichten, denn es ist ja Staats- und nicht Privateigenthum.

Für diesen Fall muß also Vorsorge getroffen werden und dies kann einzig dadurch geschehen, daß die Staatsfabriken in den Festungen errichtet werden.

Da das Monopol in Frankreich nur 16 große Fabriken mit ca. 18,000 Arbeitern beschäftigt, würden wir in Deutschland bei der viel schwächeren Rauchkrast der Be­völkerung sicher keiner größeren Zahl bedürfen und Festungen dafür sind genügend in allen Theilen des Reiches vorhanden. Wo bleiben dann die Aussichten für die mehr als 100,000 Köpfe betragenden Cigarrenarbeiter, in ihrer alten Hcimath Be­schäftigung zu finden?

Laut Enquete waren in den Festungen des Reiches im Ganzen nur ca. 4000 Tabaksarbeiter beschäftigt, während 116,000 Arbeiter in offenen, zumeist ganz kleinen Plätzen ihr Brod verdienten. Es zeigt sich für diese Leute unter dem Monopol absolut keinerlei Aussicht, in ihrer Heimath durch den Staat beschäftigt zu werden. Der große Segen der Privatindustrie, gerade der Bevölkerung armer Gegenden Lohn und Brod zu geben, wäre damit vernichtet.

Je weiter man in bie Materie eindringt, je mehr häufen sich die Beweisgründe, die gegen das Monopol sprechen, und man fragt sich, wie es nur möglich ist, daß überhaupt eine solche Idee hat jemals aufgestellt werden können. Hunderttausende von Staatsbürgern aus ihrer Existenz getrieben, Tausenden von kleinen Orten ihre Industrie fortgenommen und Concentration derselben in ein paar schon bevorzugte größere Städte, im Kriegsfall das Risiko der Vernichtung eines großen Tbeils des Nationalvermögens und das alles in der Hoffnung, vielleicht in Jahrzehnten 2030 Millionen mehr ans dem Tabak herauszupressen, als eine freie Industrie bereits in wenigen Jahren durch die erhöhte Tabaksteuer liefern wird. Sieht man dieses mög­liche Plus noch genauer an. so schmilzt es durch die vernichtete Steuerkraft von Hunderttaufenden von Staatsbürgern gänzlich dahin. (T. C.)

Amerika.

Uorktown, 19. Oktober. Bet der heutigen Feier zur Erinnerung an den vor hundert Jahren erfochtenen Sieg hielt Präsident Arthur eine Rede, in welcher es heißt: Vor hundert Jahren hat hier der Kampf um unsere Unabhängigkeit sein Ende gefunden und ist das Prtncip unserer Regierung, die Souveränetät deS Volkes festgestellt worden. Alle Rachsucht, die aus jenem Kampfe herrühren könnte, ist seit langer Zeit verschwunden. Es ist unmöglich, daß wir uns heute des Triumphes über unseren besiegten Feind rühmen, ange- meßen aber ist es, daß wir uns des Patriotismus und der Treue unserer Vorfahren erinnern und daß wir unsere Söhne in die Erbschaft der Liebe zu der durch das Gesetz geschützten Freiheit einsetzen. Ich heiße die D-leginen Deutschlands und Frankreichs willkommen und erinnere an die Freundschaft dieser beiden Rationen, welche die Wandlungen, die sich innerhalb eines Jahr­hunderts vollzogen, übeilebt haben. Ich hoffe, daß diese Freundsckaft auch fernerhin andauern werde und daß das Land, im Innern wie nach Außen, Frieden haben werde. (Beifall).

Yorktown, 20. Oktober. Der Präsident der Republik hat besohlen, daß am Schluffe der lOOjäbrigen Jubelfeier die englische Flagge von den Ge- sckützen der amerikanischen Truppen und der amerikanischen Kriegsschiffe mit einem Salut begrüßt werde. In dem bezüglichen Befehle heißt es, daß diese, als ein Zeugniß der zwischen England und den Vereinigten Staaten bestehen­den freundschaftlichen Beziehungen anzusehende, Ehrenbezeigung zugleich das Vertrauen ausdrücken solle, daß der Friede und das gute Einvernehmen zwi- {dien beiden Ländern Jahrhunderte lang dauern werde. Insbesondere aber wünsche der Präsident damit Zeugniß abzulegen von der großen Hochachtung, welche das amerikanische Volk für die Königin von England hege.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr- Correspondenz-Bureau.

Berlin, 21. Oktober. DasMilitär-Wochenblatt" meldet die Er» Nennung des Generals Pope zum commandirenden General des dritten und des Generals Stiehle zum commandirenden General des

Baden-Baden, 21. Oktober. Se. Mas. t

fünften Armee-Corps. ?r Kaiser unternahm

Herwarth v. Bittenfeld, welcher gestern hier eingetroffen war, wurde von Ihren Maj. dem Kaiser und der Kaiserin uub Sr. König!. Hoheit dem Groß. Herzog in Audienz empfangen. Heute hatte der Gouverneur von Straßburg, General v. Gottberg, Audienz bei Sr. Majestät.

Karlsruhe, 21. Oktober. Als Geheimrath Bluntschli, welcher heute die badische Generalsynode in vollstem Wohlsein mit einer Rede geschloffen hatte, sich zu einer Audienz bet dem Großherzoz begeben wollte, wurde er aus dem Schloßplatze vom Schlage getroffen und starb alsbald.

Stuttgart, 21. Oktober. Berthold Auerbach ist im Hotel Achtel' stetter in Cannstatt an einer Langenentzündung schwer erkrankt.

Leipzig, 21. Oktober. In dem Hochverrathsproceß gegen Breuder und Genoffen wurde heute das Urtheil verkündet. Daffelbe lautet gegen Braun auf 2 Jahre 7 Monate Zuchthaus, gegen Breuder und Dave auf je 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, gegen Jakobi auf 2 Jahre 3 Monate Zucht. Haus, gegen Kristupeit und Peschmann auf je 2 Jahre Zuchthaus, gegen Lich- tensteiger auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, gegen Boll und Dtllich auf je 1 Jahr Zuchthaus. Mahr wurde zu 3 Monaten und Metzkow zu 2 Jahren Gesängniß verurtheilt; Baum, Christ, Waterstraat und die Legel wurden sreigesprochen.

In den Entscheidungsgründen zu dem Urtheil des RetchsgerichtS gegen Breuder und Genoffen ist ausgeführt, daß die Bildung von Gruppen tu Frankfurt a. M., Darmstadt und anderen Orten dazu bestimmt gewesen sei, einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsord« nung vorzubereiten und daß die Theilnahme der Berurtheilten an diesen Grup­pen in Verbindung mit der planmäßigen Verbreitung verbotener soctaldemokra- tischer Schriften erwiesen und dadurch der Thatbestand des § 86 des Straft gesetzbuchs erbracht sei. Die Handlungen der Berurtheilten seien kein politi­sches Vergehen, hervorgegangen aus einer idealen Gesinnung, sondern sie seien entsprungen aus Neid, Haß und Bosheit, welche selbst vor einer Glorificirung des Meuchelmordes nicht zurückscheute, und deshalb sei ihnen das Merkmal der ehrlosen That in Gestalt von Zuchthausstrafe aufzudrücken.

Wien, 21. Oktober. Dem angekündtgten Besuche deS König- von Italien in Wien wird verläßlichen Informationen zufolge für den 27. Oktbr. entgegengesehen. Graf Robilant hat die Geschäfte der italienischen Botschaft wieder übernommen.

Wien, 21. Oktober. Die Hterherkunft des König- Humbert von Ita­lien ist definitiv auf den 27. Oktober festgesetzt.

Paris, 21. Oktober. DieAgence Havas" meldet aus Alexandrien DiePanzerschiffeAlma" undJnvincible" sind gestern Abeild von hier wieder abgesegelt.

Lokales.

Gießen, 22. Oktober. Freiherr A. v. Rabenau wird morgen Nachmittag zu den Wählern in Echzell sprechen.

Heute Abend spricht Herr Dr. G utf leis ch zu den Wählern in Kesselbach und morgen Nachmittag in Ortenberg, sowie Abends in Gedern.

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Handel und Verkehr.

i3iet;en, 22. Oktbr. Auf dem heutigen Wochenmarkti kostete - Butter p,r Pft>. 1.00 bis vM 1 10 Hühnereier 1 Stück 67 \ 2 Stück 0 , Enteneier per Stück 0 4»

2 Stück 00 H; ver Stück 4 0 H. Kösrmatt« bn Stü^r 3- 0 Erb',en 1 Liter 22 ' 8itr-. 26 Taud-N rnt Pei Jt 0.500.60, Hühner p. Se. X 0.55-0 8 ,

Hahnen p. St 0.50 0.80, Enten per Sttlck 1 50 1.90 Gänse per Pfund 4660

Welsche pci Stück JL 0.0, Och'mfirnch 64 On per Pf. Ku^- un> RmdiTetsch 46 bie 50 5ralbft7i>,ch 44 48 Hammelsieiich 5060 Schvetm'ft-i^ch 6264 Sartoffe per ICO jHJa? 2 404.00, Zv-iebeln ; ct X 7 8, Mllch per Liter 16 und 18 4,,

Weißk.auc 1 St. 512 H

Frankfurt, 19. Oktober. ^Frankfurt-Mannheim-Straßburgs. Während auf der kürzcften Route Frankfurt-Mannheim durch daß Ried schon seither ein Schnellzug Morgens von Frankfurt abging, wurde ein solcher Abends in umgekehrter Richtung vermißt. Durch den Winterfahrplan ist dem abgeholfen, indem man Morgens 7 Uhr 25 Min. mit Schnellzug una 8 Uhr mit beschleunigtem Zug, ad Westbabnhof und Ludwigsbahn, nach Mannheim fahrm kann und Abends ein Schnellzug um 8 Uhr 36 Mm. von Mannheim nach Frankfurt abqeht, der um 10 Uhr 15 Mm. eintrtfft und was besonders <u beachten ist, direct in den Mam Weser-Bahnhof eintährt. Durch den erstgedachten (ab 7 Uhr 25 Mir.) ist auch die kürzeste Verbindung Frankfurt Straßburg geschaffen, indem man jetzt beinahe 51/? Stürmten in Straßburg verweilen kann und Hin und Rückfahrt doch in einem Tag bewerkstelligen kann.

Frankfurt a. M., den 22. Oktbr., Nachmittags 2 Uhr 10 Min. iTelegr. CourSbench!- Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen-) Grcbib actten3173/g, Staatsb.-Actten 299'/^. Galizier 275^, Oest. etlberrente 663 4, 4u/o Ungo" Goldrente Tivn, 4% 1880er Russen 74%, 2. Otient-Anleihc GO3,^, 5% Rumanisäe Rente 905/g, Lombarden 1325/8- Tendenz matt

Aus;uff aus den Standesauitsregistern des Standesamts Gießen.

Vom 14. bis 21. Oktober 1881.

Aufgebote.

Den 20 Oktober. Leinweber Heinrich Seibert mit Karoline Kramer, Tochter des verst- Landwirtbs Heinnch Krämer von (5ifa. 20. Schiffscapitän Peter Rabemakrr von Oldmkoff mit Christiane Lou.se Ottmann, Tochter deS Buchdiuckireibcsitzers Peter Eduard Onmaim von Gießen.

Eheschließungen.

Den 15. Oktober. Kaufmann Otto Emü Balzer von BraunfelS mit Antoni: Eüsa- bethe Becker, Tochter des Rentners Heinrich Becker von Gießen.

Geborene.

Den 10. Oktober. Dem Schneider Johannes Müller von Schwalheim eine Tochter, Margarethe Franziska. 11. Dem Oktonomen Rudolf Güngirich -in Sobn, Willy. 12. Dem Rar.girer Georg Dte^,l eine Tochter, Eliie Marie. 12 Dem Sch'_'hmachermkister Georg Todt rbe Tockt r. 13. Dem Kaufmann Karl Sckeid in Wusbaden eine Tochter, Anna Ehrifime- 13. Dem Babnarbnter Heinrich Benner eine Tochter. 13. Dem Schmied Peter Harvt ein Sohn. 14. Dkm Magozmarbeiter Christoph Hahn Zwillmgstöchter, Elisabethe und Katharine. 15. Dem Profeffor F-lix Jacob Ma-chand ein Sohn. 15. Dem Schloffer Karl Braun ein Sohn, Wilhelm Heinrich. 16. Eine Tochter von auswärts, Clisabethe. 16. Dem Kaufmann Karl Schlüter eine Tochter, Anna Marie. 17. Ein Sohn von auöwärts, Jacob. 18. Dem Sattlermeister Karl Bender eine Tochter.

Gestorbene.

Den 14. Oktober. Wilhelm, 11 Jahre alt, Sohn des Friedrich Gilbert von Duden­hofen. 16. Marie Veirh, geb. Steinmeier, 32 Jahre alt, Eh frau des Schreiners Georg Beith. 17. Univerfitätsgärtner Heinrich Weiß, 79 Jahre alt. 18. Oeconom Heinrich Gernand I , 41 Jahre alt, von Hermannstein. 18. Sattler August Walz, 6i> Jahre alt. 18. Rentner Moses Holbkrg, 75 Jahr alt. 19. Ferdinand Eduard Karl, 10 Monate alt, Sohn des Bter- brauereibesitzers August Pöschel- 19. Sophi», 6 Jahre alt, Tochter des Taglöhners Peter I »hm _ÄL

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