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Donnerstag den 17. Februar

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Kichener Anzeiger

AHtige- nni Amtsblatt für dni Kreis Kieken.

RedacttoaObnreau r

Oxpediliontzbureau:

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit vringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Amtlicher P 6 eil. Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium deS Innern und der Justiz bat dem GeflügelzuchtvereinEintracht in Darmstadt die Erlaubniß zur Vornahme einer mit einem Vogel- und Geflügelmarkt in den Tagen vom 26. Februar bi- 1. März zu verbindenden Verloosung und den Vertrieb der Loose in Heften unter der Bedingung ertheilt, daß höchsten- 10,000 Loose ö 20 H ausgegrben und mindestens 60% de- Brutto-Erlöses hieran- zum Ankäufe der in Vögeln und Geflügel bestehenden Gewinn-Gegenstände verwendet werden.

Gießen, am 14. Februar 1881. GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Z>eAtschland.

Au- dem Großherzogthum Hessen, 13. Februar. Das neueste .Regierungsblatt- veröffentlicht ein Gesetz, welche- in wetteren Kreisen Jntereffe erregt. ES wird danach die Pfändung in dem nicht gerichtlichen Beitreibungs- Verfahren, insbesondere in dem Steuerexecution-- und in dem administrativen Beitreibungsverfahren, der Pfändung im gerichtlichen Verfahren in ihren Wir­kungen ganz gleichgestellt. Auch die Voraussetzungen find wesentlich gleich ge­regelt, insbesondere soll auch im nicht gerichtlichen Beitreibung-verfahren die Pfändung von Frückten, welche noch nicht vom Boden getrennt find, nicht früher als einen Monat vor der genöhnlichen Zeit der Reife erfolgen. Wenn eine mehrfach Pfändung desselben Gegenstandes im nicht gericht­lichen oder in dem gerichtlichen Zwangsvollstreckung-- Verfahren stattgefunden bat, so begründlt dte erste Pfändung die Zuständigkeit zur Ausführung der Versteigerung. Die Versteigerung erfolgt jedoch für alle betheiligten Gläu- biger auf Betreiben eine- jeden derselben. Ist der ErlöS zur Deckung der Forderungen nicht ausreichend, und verlangt der Gläubiger, für welchen die zwei.'e oder eine spätere Pfändung erfolgt ist, obne Zustimmung der übrigen Betbeiligten eine andere VertheUung al- noch der Reihenfolge der Pfändungen, |o ist die Sachlage unter Hinterlegung deS Erlöse- dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Pfändung stattgefunden bat, anznzeigen. Tie DertHeilung erfolgt nach den Vorschriften der Eirilprocrßordnung.

Darmstadt, 14. Februar. Wie ein hiefige- Localblatt einem ihm zugekommenen Privatbriefe entnimmt, soll der Gesundheitszustand de- hessischen Bunde-rath-.Bevollmächtigten Geh. Legationsraths Dr. Neiddardt in Berlin tin solcher sein, daß derselbe ihn nöthigt, fich auf mehrere Monate gänzlich von den Geschäften zutückzozlhen. Ein Urlaub für mehrere Monate ist tbm bereit- ertheilt; er wird denselben im südlichen Italien zubringen. Als Stell­vertreter des Genannten nennt man den Ministerialrath beim Auswärtigen, r. Werner, dahier.

Berlin, 14. Fcbr. DerEongreß deutscher Landwirthe" wird am 22. uiib 23. Februar d. IS. seine 12. Hauptversammlung in Berlin imEentral- Hotel" abhalten. Die Tagesordnung ist folgende: 1) Die Production Ame rckaS als grüßte Gefahr für die deutsche Landwirtbschaft. 2) Ueber SpirituS- Besteuerung. 3) Ueber Arbeiterverflcherung. 4) Die Währungsfrage. Jeder Landwirth und Freund der Landwirtbschaft kann Mitglied werden. Mit­gliedskarten find an den VersammlungStagen beim Bureau zu haben.

Der zehnte Eongreß der deutschen Gesellschaft für Ehirurgie findet vom 6. bi- 9. April d. IS. statt, und sind von dem Vorsitzenden, Herrn Geheimen Rath v. Langrnbeck, jetzt die Einladungs-Eirculare rrlaffen worden. Die wissenschaftlichen Sitzungen werden am 6. April, Mittag- von 12 bis 4 Ubr, an den anderen Tagen von 2 bis 4 Uhr in der Aula der königl. Universität, die für Demonstration von Präparaten und Krankenvorstellung bestimmten Morgensitzungen von 10 bts 1 Uhr im königl. Universität- Klinikum und in der königl. Charit^ abgehalten. Dark der Initiative des Profeffor v. Langen- beck wird nun in diesem Jahre der zehnte Ehirurgen-Eongreß hier fich per- sammeln, und verdient hervorgehoben zu werden, daß der deutschen Gesellschaft für Ebirurgie keine medicinische Vereinigung der Welt zur Seite gestellt wer- den kann, und ihre Mitglirderzahl fich nicht nur aus Deutschland und Oester­reich, sondern auch aus dem fernen Auslände trcä^t. Diese Gesellschaft hat 278 Mitglieder, und zwar 240 Mitglieder aus Deutschland und Oesterreich- Ungarn mit den hervorragendsten Namen, ferner aedören derselben an aus Egypten 1, Amerika 5, Belgien 3, Enaland 4, Holland 5 Japan 1, Ruß. land 12, Rumänien 2, Schweiz 5 Mitglieder. Eine solche Betheiligunq spricht für die Bedeutung der deutschen Chirurgie und chrer Vertreter, und muß im In- und Auslande der deutschen Wiffenschaft zur Ehre gereichen.

Eine Vergleichung der Bevölkerungszunabme in den Vereinigten Staaten und Deutschland giebt einem New Iorker Correspondent terVoff. Kg." Veranlassung zu folgender Auslastung:Deutschland bleibt in dieser Aeziehung hinter den Vereinigten Staaten zurück. Die nordamerikaaische Union Hut eben den ungeheuren Vortheil, noch immer im Stande zu sein, allen Europamüden eine Heimath und eine verhältnißmäßig sorgenfreie Epstenz bieten zu können, wenn sie anders hier mit Fleiß, Umsicht und Beharrlichkeit zu Werke gehen. Die stehenden Heere machen in der alten Welt gewaltige Aus- ü-aben nothwendig, welche den Ackerwirth und den fleißigen Handwerker in Gestalt von allerlei Steuern hart bedrücken. Außerdem wüsten die besten Kräfte in vielen europäischen Staaten dem Nährstande zu Gunsten des Wehr-

standeS entzogen werden. Dieser Uebelstand fällt hier fort. Die Steuern sind mäßig (die Schutzzölle jedoch nicht. D. R) und unsere ganze stehende Ärmer übersteigt die Zahl von 25,000 Mann nicht. (NB. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten übersteigt diejenige des deutschen Reiches um circa 5 Millionen). Bekanntlich ist hier Niemand in FrdrnSzeiten verpflichtet, Militärdienste zu thun, weshalb denn auch der Industrie und dem Ackerbau nicht die rüstigsten Arme entzogen werden." DaS ist der Segen oder Unsegen deS europäischen Nationalitäten Corglomerates, das sich noch nicht einmal zu einem europäischen Schiedsgerichte emporschwingen kann, während die Sühne der verschiedensten europäischen Nationen In den Vereinigten Staaten ganz ge- müthlich sich neben ui b unter einander vertragen und in den Künsten deS Friedens ml einander wetteifern.

Kassel, 13. Februar. Die Theilstrecke der Hanau-Friedberger Eisen­bahn von Windecken bis Friedberg soll dem Vernehmen nach im Sommer dieses Jahres eröffnet werden, so daß damit die Fertigstellung der genannten Dahn beendet ist. Die Stationen dieser Bahn, welche von dem Betriebsamt für die Main-Weser-Babn verwaltet werden wird, sind Hanau, Bruchköbel, Heldenbergen - Windecken, Erbstadt - Kaichen (Haltestelle), Aftenheim und Fried­berg. Die Betriebsleitung der Strecke von Hanau biS Heldenbergen-Win- decken, welche schon im vorigen Jahre dem Betriebe übergeben wurde, führt zur Zeit die Frankfurt-Bebraer Eisenbahn.

England.

London, 12. Februar. Der Engländer ist patriotischer als der Fran­zose, und in Folge deffen erzeugt eine Niederlage, wie die Sir George Eollev'S am Eaps keineswegs eine solche Maffe gegense tiger Beschuldigungen, wie wir sie in Frankreich gelegentlich deö Kampfes bei Saarbrücken erlebten. Im Uebrigen aber hat LangS'Nek mit Saarbrücken manche Familien-Aehnlichkeit; fügen wir : och hinzu, daß Sir George Eolley mit seinem blinden Vertrauen in die Uebermachk der englischen Waffen dem General Leboeuf nicht ganz un­ähnlich ist, so gewinnt der Vergleich an Vollständigkeit. Den Engländern find gestern und heute die Augen aufgegangen; was ihnen festländische Blätter von dem Murhe der BoerS und ihrer Kamosweise schon seit einem Monate vorge­kaut hatten, das wird ihnen jetzt erst kl. r, nachdem fie eine handgreifliche Lection erhalten haben. Einstimmig wird heute erklärt, daß die holländischen Boers gute Schützen find, daß fie vorzugsweise die Officiere nirderschießen, daß fie rnuthig und ausdauernd sind und daß fie gewiffcr strategischer Kennt- niffe nicht entbehren. Man giebt selbst zu, daß Sir George Colley'k Lage nicht ungesäbrlich ist und er leicht von den Verstärkungen abgeschnitten werden könnte. Nur E nS folgert man nicht aus dieser Schlappe und es wäre doch das einzig Vernünscige, daß der Krieg gegen die Boers ein Unsinn und ein Unrecht war und England je eher desto lieber davon abstehen sollte. Kein Einzigtr roaat den alten S^tz des englischen Gedicktes zu verfechten, daß dort, wo der Brite hinkomme, die Sclaoenseffeln zu fallen pflegen. In Transvaal hat der Br te ste tm Gegentheil angelegt, und jetzt, da der Eclave Miene mackt, sie abzuschütteln, wird die Macht und Majestät deS ganzen britischen Reiche- angrrufen, um fich bei der Wieder-Niederwerfung des jungen kriegeri­schen Dölkckers auf's Neue zu bethätigen und zu bejahen.

London, 14. Februar. Nach auS Paris eingegangenen Informationen hätte die Reise Parnell's dahin den Zweck, im Jntereffe der Landliga gewiffe finanzielle Arrangements zu treffen und den Sitz der Centralleitung der Liga in Paris aufzuscklagen. Zu diesem Schritte fei Parnell durch die Wahrnrh. munfl veranlaßt worden, daß die englischen Behörden die Briefe der Häupter der Liga öffnen und durchiehen ließen. Parnell habe fich auch nach Frank­furt o. M. begeben, um den Fonds der Liga dorr unterzubringen. Die Ab- ficht, nach Amerika zu reifen, Hobe Parnell zur Zeit aufgegeben, werde viel- mehr in einigen Tagen nach London zurückkehren.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff's teltflr. EOrres»orr»errz-Bnreau.

Berlin, 15. Februar. Der Reichstag wurde heute durch den Grafen zu Stol- berg-Wernigerove mit folgender Thronrede eröffnet:

G-ehrte Herren! Seme Majestät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu ertbeilen geruht, die Sitzungen des Reichstags zu eröffnen.

Ter Reichshaushalisetar, welcher Ihnen unverweilt vorgelegt werden soll, wird Sie in den Stand setzen, die Ergebnisse zu übersehen, welche d'e vor zwei Zähren begonnene Reform der Reichsabgaben seither gewährt hat und ferner zu gewähren verspricht.

In den bisher erreichten witthschaftlichen und finanziellen Resultaten erblicken