Freitag den 14. Oktober
1881
»r1<$emt täglich mit Ausnahme bri Montags
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i Baron Haymerle.
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ligtt. Am 8. Oktober 1879 übernahm Baron v. Haymerle an Stelle des Trafen JuliuS Andraffy das gemeinsame Ministerium deS Auswärtigen und I
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Großherrogliches KreiSamt Gießen.
Dr. Borkmann-
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Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstand d«S GewerbehallevrietnS zu Darmstadt die Lrlaubniß zur Adhaiiun, einer Derloosunq von Industrtegegenständrn ttn December l. I. erthetlt, sowie den Vertrieb der Loose in dem Großherzogthum £cficn unter den 4 evmguogen gestattet, daß höchsten- 10,000 Loose L 1 JL auSgegeben und mindesten- 75°/0 des Bruttoerlöse- hieraus zum Snkaus von SewmnqeqenflLnden verwendet
des kaiserlichen Hause-, welcher THLttgkeit er durch sein plötzliches -lblcben so unerwartet entrissen wurde. Baron v. Haymerle war mit Therese, geborene F^eitn v. BernuS. vermählt und läßt einen noch im zarten Kindr-altcr stehenden Sohn zurück. ____ _____
Preis 2 Warf 20 Pf. mit vemgerfohn.
Durch bte Post bezogen viertel jährlich 2 Warf 50 Pt.
en 9)lobe umgnorns können zu Tarne» rben.
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ben-t jeden -erv't t stets das Antt-m
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Deutschland.
Berlin, 11. Oktobrr. Dir Natioualltberalen haben einen lehr ,ahl. reich besuchten Parteitag In Magdeburg am 9. dS. abgehalten. Dir Rede hielt Herr v. Bennigsen. Er verwahrt sich g.'gen di« Insinuation, al« ob Wider,prüche zwischen seiner Rede in Hannover und der gemeinsam mit alt- preußischen Parteigenossen erlassenen Erklärung staltsänden. Sodann erörtert er seine Stellung zum Tabaksmonopol. Er bemerkt, daß an seiner Stellung zum Monopol die Eombination, welche der Reichskanzler selbst früher ernstlich wünschte, nämlich sein Eintreten und da« anderer liberaler Männer in da« Ministerium und in dir Reichsämter, scheiterte, weil er es abgelehnt habe, die Verantwortlichkeit für die Durchführung de« Monopols zu übernehmen. In Beeiehung auf die Socialreform lehnt er die staatliche Unfallversicherung und die staatliche JnvaliditälSanstalt ab und stellt sich auf den Standpunkt, daß der, Staat nur b-e Wege ebene, dir Privat-Unternehmung dieselben aber au«, zusühltn habt.
— Meine Herren I Wenn nun aber — und daS muß ich ausdrücklich hier auSsprechen — dir Masirn gegen die Juden fanatifirt werden, so Halle ich daS für verwerflich; und wenn gar Geistliche sich daran bithriligen, so prosauiren dieselben ih,en Beruf und prostituiren das Ehrtstenthum." (lieb- Hafter Beifall.). . . . Der da« sagte, war kein liberaler Geistlicher, w.e Pro- f-sior Baumgarten, kein FortschrittSmann wie Virchow, nicht einmal ein Rationalliberaler, — sondern em Mitglied de« bisherigen deutschen Bunde«, rath«, in welchen er von Preußen delegirt war, Herr Heinrich v. Kufferow. Die citirten Stellen finden sich in einer Wahlrede, welche der Oenanate am 7. Oktober im Casino zu Bremen hielt, um den Versuch zu machen, seimm liberalen Gegner, H. H- Me.er, einige Stimmen abzuwenden. ES ist diese Stelle der Rede von sebr gioßer Wichtigkeit, denn sie zeigt, daß man auch in Kreisen, die mit der Regierung durchaus Fühlung haben, davon überzeugt >st, daß eine strenge Durchführung des bekannten Erlasses des evang. Oberkirchen» rathes zu Bulin recht bald geboten erscheint-
— Aus der Mehrzahl der Wahlkreise hört man, daß aller Vorautficht nach eine engere Wahl nolhwendig fern werde; denn niemals haben sich die Stimmen auf so viele Kandidaten zersplittert. ES könnte leicht fein, daß schon aus diesem Grunde du Einberufung bet Reichstags sich über den biöher in
»erben.
Gießen, am 12. Oktober 1881.
Aussicht umoir.mtntn Termin verzögern wird-
— Ewem im letzten Monatsbeft lur Statistik deS deutschen Reichs cer. öffentlichten Aussatz über die SLiffsunsälle an der deutschen Küste und die $erunglütfu. g-n deutscher Seeschiffe entnehmen wir, daß die vielen orkanartigen Stürme, welcde im letzten Quartal des Jahres 1880 herrschten, dieses Jahr für die Seeschifffahrt ganz besonder« verlustbringend machten. Es find an ber beutschen Küste 235 Unfälle vorgekcrnmen, welche 271 Schiffe (bei 36 Kolli, [tonen) betrafen. Im vorigen Jahre traten nur 143 Unfälle unb 166 be> trcffer.e Schiffe zu verzeichnen, unb kein Jahr seit 1873 hat auch nur annähernd ähnliche Verluste, wie daS letzte Jahr. JBa« die Zahl ber auf das Jahr 1880 entfallenden Unglückksälle deutscher Seeschiffe (Totalverluste) be. trifft, so find 223 mit 1556 Mann Besatzung unb 49 Passagieren zu regt.
278 Mann der Besatzung unb 11 Passagiere kamen dabei um'S
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Leben. 25 Schiffe find qänzl ch verschollen. . .
— [5cnftcrüor65ngc in Eisenbahnwagen 3- Klasses Zu den vor einiger Zett in den Blmtcrn ftattgebabten Erörterungen in obiaem Betreff mag nn Hinweis auf die kürzlich in dem Berliner Bere n für Eisendahnkunde von einem Fachmann gemachten Darlegungen angfzeigt erscheinen. Der Eisenbahn - M i^chmen - ^Znipector sichert hielt nämlich daselbst einen Vortrag über Einrichtung und Ausstattung der Personenwagen, worin es heißt: „Bezüglich der Ausstattung ber venchiedenen Gatze^- klassen findet im Vergleich zu den betreffenden Billewrenen eine nicht ganz glelchmagige PeNbeilung statt. Nach den „stlttisttichen Nachnchten von den Preußischen Eisen- bahnen^ des Iahretz 1879 und einer annä&^nflSu$nun0
Besetzung der vorhandenen Plätze 1. Kl 1L7 vEt., 2. ÄL 23,2 pftt, 3 Ä
4. Kl 30,0 vCt. Damit die Eifenbadn^erwalmngen aus jedem Lagen der verschiedenen Klaffen gleiche Einnahme ziehen können, ^unen d'e Pre^e, welche gegenwärtig für die 4 Klaffen 8. bezw. 6, 4 und 2 H P^son nk.^meter brfragen, unter Zugrundelegung detz Satzes von 6 rur bu 2. Klaffe ur die 4 Klmsen 1., bezw. b, 4. 2,5 H betragen, soweit also lediglich dte Besordn-ung der ^on an ffch m Betracht kommt, trogen die Personen, welche die 2^und Kl. bemrtzten, m richtigem Verhältnis zur Bestreitung der Kosten bei, die Personen der 4. Klane zahlen iyren
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r, Kaplanstzaiic Arbeitet für eint gesucht.
ffhr. Haubach.
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10.60.
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Allleigk- unb Imtsblntt für btu Kreis Gießen.
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Am Montag Nachmittag um 3*/2 Uhr ist in Wien plötzlich ber Baron Haymerle am Herzschlage verschieben. Baron Haymerle war österrelchi- scher Minister be« Äeuhern, aber trotz bieser heevorragenben Stellung, welche rr beileibe,e, ist sein Name in nicht gerabe hochpolitischen Kreisen nur wenig genannt. Haymerle'« Name unb Person würben verdunkelt burch seinen gewiß lebtutenberen Vorgänger, den glänzenben unb bekannten Grafen Anbrassy, aber trotz dieser scheinbaren Zurückgezogenheit, bie sogar zur Folge halte, baß der Baron zeitweise für politisch tobt betrachtet würbe, hat er boch eifrig in einem deutschfreundlichen Sinne vorwärts gestrebt unb Deusckland ist ihm zu tiefem Danke verpflichtet. Haymerle ist in ber beutschseinblichen Strömung, welche gegenwärtig den österreichischen Kaiserthron umtost, ein echter wahrer gteunb be« deutschen Reiche- geblieben, er hat mit starkem Herzen unb großer Kraft alle an ihn herangetretenen Versuchungen, Verleumdungen unb gar Schmähungen, welche bezweckten, ihn als den Träger be« deutsch-österreichischen Vündmffe« au bi«crebititen, zur Abbankm g zu zwingen unb ihn wohl gar durch einen Ezechen rom reinsten Waffer zu ersetzen, widerstanden unb ist ruhig seiner Meinung treu geblieben. Haymerle hat, wie Ändrafly, die Allianz der beiden Kaiserreiche Devtschtonb und Oestetreick als den Grundstein des eure» pätschen Frieden« betrachtet, an bem alle Feindseligkeiten ober gar eigennützigen «bfichten anberer europäischer Großstaaten zerschellen müßten, unb bie Zeit bat gelehrt, baß seine Anstcht bie richtige gewesen ist. Da« brutsch > österreichische Bündniß hat ben Frie.en nach Kräften geschützt ur.b gewahrt, ja es hat an Rußland, wenn auch nicht einen sicheren Bundesgenossen, so boch zum mtnbe ften einen gleichgesinnten Freund sich erworben, unb giebt zusammen nut diesem m Europa unbedingt in allen wichtigen Fragen ber> Ausschlag. Gras Andraffy bat zusammen mit dem Fürstin Biematck die Verbindung zwischen ben beiden »aiserstaaten errichtet, Baron Haymerle ist an Änbraffy'S Stelle getreten, unb et hat treulich dem demschen Reiche bie versprochene unb zugeficherte Freund- schäft bewahrt. Wie wird e« jetzt nach s.inrm Tobe werden, ber so über lachend schnell uno plötzlich einqetreten ? Wir dürf-n es ui s in Deutschland durchaus nicht verhehlet,, daß Gras Taaffe, ber eii.fiußretche, aber völlig den Bierihlen unb Demschfeinden in bte Hände gefallene Premierminister, alles Mögliche aufbieten wirb, am auch den wichtigen Posten eine« Ministers be« Auswärtigen, der ei. zig unb allein bisher noch von keinem gleichgesinnten, d. h. antudeutschen Mixister, besetzt war, auch mit einer Person fei er Gefolgschaft zu besetze. Daß ihm dus Beste-ben gelingen wird, bezweifeln wir scht, immerhin dürfen wir unS aber nicht allzu sicheren Hoffnungen auch für dte Folge hingeben Die Zusammenkünfte zwischen den Kaisern h-ben ben Bund zwar aufs Neue ernstlich gefestigt unb vorläufig sicher gestellt, aber bem wieberholien Aiflurm ber czechisch-n Clique könnte es boch enbfch einmal reicht«, wenn nicht ba« Ministerium beS Seußern al« Nachfolger Havmerle's einen Mann erhält, bei burch und burch frieblich gefinnt ist, und von vorn- herein sich offen für eine dem beutschen Reiche freundliche Politik erklätt. Ge- lugt eS dem Grafen Taaffe, einen Minister feines Schlages burLzusetzen, so wird zwar kein öffentlicher Bruch, boch aber eine mehr ober weniger fühlbare Wallung zwischen Oesterreich unb Deutschland» stattfinden, die am meisten Oesterreich, daS auf einen sicheren Freund angewiesen ist, schaden würbe. 6m । großer Gewinn wäre eS, wenn sich Graf Andraffy entschlöffe, wieder fern t„__ I früheres Ministerium, wenn auch nur provisorisch, zu übernehmen, b s der 1 rechte Mann gefunden; «ndraffy's politische Ansichten find bekannt, rr hat I jubem am Kaiser Franz Joseph selbst eine gute Stütze gegen bie klerikalen Umtriebe, die ihm bie Leitung ber Geschäsie wefentltch erleichtern wirb. Wir ir ollen also hoffen, baß auch bieser plötzliche unb betrübenbe Tob eines wahren Kreunbes des deutschen Reiches durchaus t-ine Störungen zwischen ben beiten Staaten Hervorrufen, baß im Gegenteil barauS ein immer festeres Zusammen- dalfen erwachsen wird. Uebet ben Verblichenen geben wir zum Schluß noch fdgenbe biographische Notizen: Heinrich Karl Baron v. Havmerle war am 7. December 1828 in Wien geboten unb nach Absolvirung seiner Stubien unverweilt in b:e biplomatrsche Laufbahn eingetreten. Im Jahre 1866 i ahm Ötir v. Havmerle an ben Friedensverhanblungen in Prag Theil, ging bann cU Botschaftsrath nach Konstantinopel, bekleidete bann hintereinanber die ®e- laubtschaftsposten in Athen, im Haag und wurde hierauf österreichisch-ungarischer Botschafter am italienischen Hofe, in welcher Eigenschaft er auch als zweiter Bevollmächtigter Oesterreich-Ungarns am Berliner Kongreß sich bethei-
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