Ausgabe 
13.6.1881 Zweites Blatt
 
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Ät. 133. Zweites Blatt. Sonntag bell 12. Jnttl

1881

Ki eße ii e r MnMger

Aaikige- uh) Amtslilult für öcn Kreis Gießen.

Bureau t Schulfiraßc B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme de» Montag».

Prei» vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit vrmg^rlohir.

Durch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pj.

Amtlicher Hljeil.

B c k a u n t in a ch u n g.

Betreffend: Das Lwer-6?rsatz (Hefckäft für 1881.

DaS Obek-Ersah-GeschLfl für ISöi wird im »reife Gießen

Montag den 4. Juli, im Rathhause zu Lich, Vormittags 9'/r llhr,

Dienstag den 5. Juli, in dem alten Ratbbausc zu Gießen, Vormittags 8 Uhr,

Mittwoch den 6. Juli, daselbst, Vormittags 8 Uhr,

Donnerstag den 7. Juli, im Gasthaus zum Rappen zu Grünberg, Vormittags 9 Uhr,

»« «M" $em otme*,

a. die zur Ersatz-Rtserve I. Klaffe tn Vorschlag gebracht .. Mtlitärpflichtigen -

d. die von der Ersatzcommission alS tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtige

c. die von den Truppenteilen zur Disposition der Ersatz Bebölden entlaffenen Soldaten;

d. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen;

©«Wcrjofllidun SBüraermafkrrirn werben besondere t-obmigen für bie Militärpflichtigen f. K. zugeben, welche ben Betreffe,>ben unvenüa.

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lur VeurtKeilung von Sicclamationen in Bctracbt kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.

^oate eme Übung »ich! vollzogen werben können, so ift der Grund hiervon berichtlich onuizeiaen und ist, wenn ein Mititarnstichtiaee von seltnem bisherigen Wohnorte weggezog.n ist, zuftleicb anzuüeben, wohin derselbe verzogen ist. """rarpfnmng.r gen rechtzeiti^g ^nr Ue sind" ®UtflttnKlfier l,aB,n bel tem Ober Srsatzgeschäsle selbst anwefenb zu sein und sich barum zu bemühen, boß bie Militärpflich,,.

en, einschließlich berjenigen aus früheren Jahrgängen.

Gießen, am 10. Juni 1881.

Der Ctvilvorsitzcnde der Großberzoglichen Ersatzcommisfion des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, RegierungSrath.

Politische Ueberficbt.

JDer deutsche Äaifrr empfing am Mittwoch in Berlin den Fürsten Jon ©nMea, 11an IV. Obrenowitsch, einen jugendlichen Herrn von 27 Lenzen, der bekanntlich für sein Ländchen mit wenig mehr Emwohnern als Berlin den Rang ein« 6 Königreiches erwerben will. Die Rundreise des Für. sten schetr.t einer bescheidenen Anfrage bei den Höfen zu gelten, ob sie wider bie mut KöngSkror.e etwas einzuwenden haben.

Fürst BrSmarck ist sehr leidend; er arbeitet im Bttt liegend. Hielte er eS nicht für nöthig, bis zum Schluß der Reichstagssession an brr Spree auSzuh^rren, so hätte er dem Rathe seines Arztes, nach Klssingen oder zunächst nach Friedrichsruhe zu geben, 'än.st Folie geleistet.

Die deutsche Fortschrittspartei feierte am 8. ds. das Jubiläum des zwanzigjährigen Bestehens.

Die spanische Presse hat einen Angriff auf Deutschland, den ein junger klerikaler Profeffor be, dem EUderonfeste ractlos machte, energisch zu> rückgewiesen. Der berühmte Lastelar schloß einen Aufsatz, in welchem er die Nation eines Reuchlin und Luther, Kant und Leibniz, Schiller und Göthe preist, mit den Worten:Wir bitten urfrt deutschen Freunde, sowie die in ihrer Nationalität und Race bclerdigten Profefforen, die Duldung, Freiheits­liebe und Gesittung der Spanier nicht nach der Unduldsamkeit und Ungewgen- heit der Neukatholiken beurtbeilen zu wollen. -

Jn der belgischen Sammer gab es eine htftige Scene bei-Berathung des großen Naturalisation-. Gesetzes. Die Slenkalen behaupten, das Gesetz habe nur den Zweck, den zablreichen Deutschen (besonder- in Antwerpen) den Aufenthalt zu gestatten, um die Zahl der liberalen Wähler zu verstärken.

Das Listenscrutinium hatte im französischen Senat schlechte Auf- nähme. Es wurde mit 148 gegen 114 Stimmen abgelehnt. Einen solchen Ausgang erwartete Niemand urd erregt derselbe allgemeines Aufsehen.

Der Fürst von Bulgarien, für den Rußland osficiell eintritt, wird zunächst sein Land bereisen. Ende dieses Monats sollen die Wahlen zur Nattonalversammlung stattfinden.

Die griechisch-türkische Frage scheint derartig geregelt zu sein, daß em ernstlich störender Zwischenfall für auSgeschloffen gilt. Daß man in Berlin der Anficht ist, der Streit sei erledigt, beweist die Verleihung des Rotheu Adlerordens 1. Klaffe mit Eichenlaub an den Grafen Hatzfeld, dessen Umficht und Elfer der rasche Abschluß zu danken ist.

In Irland mehren sich die agrarischen Morde. More to be murderedes muß mehr gemordet werden" lautet der Wahlspruch der irischen Aufständischen.

BermifchteS.

, E*. Pfingsttage baden für die Frankfurter Ausstellung nicht allein

einen m jeder Beziehung durchaus befriedigenden, sondern einen wahrhaft brillanten Verlauf genommen. Am frühen Morgen des ersten Pfingsttages prangte der Garten mit srinen zahl- reichen Annexbauten und nicht minder der Ausstellungspalast selbst mit seinen Schätzen und Sehenswurdlgknten un vollendeten Festschmuck, und wer an jenem Tage die Ausstellung zum erstenmale besuchte, muß jedenfalls in hohem Grabe überrascht und erfreut gewesen sein. Dazu kam das prächtige Wetter, ein wahres Pfingstwetter, wodurch alsdann dieses Fest unstreitig

zum schönsten aller Feste des ganzen Jahre- wird. «16 die Hitze gegen Mittag allzu stark wurde, stellke sich mit einem leichten Gewitter tin kleiner Regenguß ein, von kaum etntt «tertel- stunde, wirklich wie auf Bestellung, und dn dadurch erfrischte Garten war nun doppelt schön geworren. Und Nachmittags, 0I6 Ne Hitze von Neuem überhand zu nehmen drohte, kam ein zwener fluchiig« Guß, wodurch der «tend ,o staubfrei und kühl und zugleich so sternklar wurde wie wir einen ähnlichen auf der Ausstellung noch nicht gehabt. '

Am Morgen war bttettS die elektrische Sisenbadn eröffnet worden und der Hudrana der FabrlusNg.n war ein so großer, daß die klein, bekränzte Maichine in den ersten Stunden auch nicht emk Minute pausiren fmntr. Die Fahrt war ab« auch amüsant genug, durch a'Uünd6 unb nun "man ischen Berg und Felspart,en vorüber, natürlich en miniature, "tvhalb auch die meisten Poffagiere der Klnderweli angebörten, obwohl auch die Erwachsenen c,ne Rundfabrt nicht verschmähten. Dabn tröstete man sich leicht üb« den noch immer un- rollenden n Aussick,Stdurm, der sich seinerseits wieder mit dem gleichfalls nickt fertig geworbenen gurstenxavillon nosten konnte: ab« auf tem Thurm flatterten lustige Fahnen, und die goldene Krone ouf der Kuprel de» Pavillons leuchtete weithin man 'ah also, taß beide ihr Mög. lickstes gerhon batten und gab sich gern zufrieden. Die besten Geschäfte machte ab« unstreitig c« am Fuß, des Ausücktstlurms rostirte kleine Schinken- und Äursttempel, wohl das am meisten prosaische, aber auch rtelleickt nützlichste iLtablisiement d« ganzen Ausstellung, « ist g.ucklicherwiise sebr iolide gebaut sonst hätte er am Ende dem Andrange nicht widerstanden. Uebtthaurt Neben wir derÄIrnm Schweiz- eine sehr günstige Prognoie, denn auch d« auf . romantischen Hobe liegende Bierpavillvn ließ fast olle Brertelftunbe sein belle- Glöckchen «tonen, als Sianal, daß wieder e,n nrues Faß angestocken wurde.

« l, , ^ckmittaze bot die breite Tnasie vor dem »usstellung-palaste einen hnrlicken Anblick fi, war von vielen Tausend auf- und abwandrlnden Svozi«gang«n bedeckt, kanint« unzablige Damen tn den elegantesten Toiletten, von allttlrebst kostümireen Kindern begleitet- mit einig« Bbontasie konnte man sich wirklich in die irlysericken Feld« nach Pari- v«sent glauben. Diese Terrasie gebört ab« auch zu den schönsten Punkten des «usstellungsfelde- sowobl wegen deS weiten Umblicks, d,r sich von dort aus bietet, alS auch wegen d« prächttgen Gart nanlagen, von denen wir bneits gesprochen. D« Name Siesmayn war auf allen Lippen denn '«n franzofiickes Parterre erntete allgemeine Bewundnung; ab« auch die Anlagen on and«en Konstgartner (Llauer, W'tzel k Ibach, Braungarct und Schultheis) wurdnr nickt mind« bewund«t, und wir haben mebr alS tin« Ditcussion -ugebört. wo sich die Kenn« und Liedhab« stritten, welchen tn PreiS gebühre, und wob« die Meinungen stets getbeilt waren, was gewiß als d« beste BeweiS gelten kann, daß sie alle gleich schön gelungen find.

Dn zweite Psingsttag vnlief nicht mtnb« günstig und «treulich , er war (um e,ne litnoriscke Redenzur iu gebrauchen) die vnmehrte und verbefierte Auflage deS «sten, welch« Vngleich schon detzbalb zotrenend sein dürfte, weil diesmal die Litnatur spetiell zur Geltuna kam. denn d« 15. Deutsche Journalistentag hatte sich zum Besuch c« Ausstellung nnqefunden z« Smriang ».« Hnren war von Seiten deS Vorstandes ein ebenso würdiger wie herzlich« und d.e Degrußungsrece des H«rn Direktor- Simon Schiele fand nicht nut den allseitigsten SStirafl, sondern ver'ktzte die Gäste auch sofort in eine sehr sympathische Stimmung. D« darauf moiate »untqang wo die einzelnen Gruppenvorsteh« d,e bedeutendsten Graenstände sachgrmatz erk.arten (Alles zu besehen und zu «klären, wäre in den kurzen Stunden natürlich unmöglich gewesen lieferte jedenfalls den BeweiS, sowohl von cn Großartigkeit als auch von (fc<lJTOnf^ÜTttl Ausstellung, und das war die Haupt-acke unb d« eigentliche 3®,<f W,8ef*J t^nTrn Vertreter d« Prefie wnden unleugbar einen sehr günstiaen und n mehr alS einer Beziehung einen sehr bedeutenden Sindruck ton dem ganzen Untttnehmm erhalten babe« dies .onnte man wnuastens aus den zahlreichen Reden und Toasten vernehmen die bet dem solerwen und ausgezeichneten Frühstück tn der großen Bauer'schen Restauration laut wurden, vorzuglick als am Schluß deffelden b« vortreffliche Lhampagner dn Gebr. Höhl m ^nd R5b^ n7chi?E vesondne weotion hononable »«bttnt, denn er gibt wirklich dem Clicguot ^"Zungen und Herzen loste. D« beschränkte Raum unsnes Blaties gestattet uns nicht, einzelne Namen zu nennen, sowohl der Redner als auch dn übrigen Gäste denn dre lrtztnen mochten wir alsdann gern alle nennen und nicht einen vngeffen, denn Alle waren uns gleich wnth und willkommen.

, n ttTr aI,D ^lht zu viel gesagt, wenn wir für unsne Ausstellung ein

brillantes Pftngttfest prophezeihten, denn es ist so brillant ausgefallen, wie Frankfurt wohl leiten ein ähnliches erlebt hat; die Ausstellung ist gewifi«matzrn zum zweiten Male «öffnet

° ® nun a^eT ^uhe den kommenden Tagen entgegen-