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Nr. 104.

Samstag den 7. Mai

1881.

Kießener 'Swiger

APeige- Bit) Amisbkit für btn Kreis Gietzen.

8VIMW! echulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Preis vierteljährlich 1 Warf 20 Pf. mit Vringerlvdn.

Durch bi« Post bezogen vierfeljLhrlech 3 Mark 50 Pt.

Amtlicher Hfl eil. Bekanntmachung.

In Folge Ermächtigung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen kündigen wir hiermit den Rest beS au- dem Aaufschilling für die Main-Weser« Eisenbahn von dem Oberhejsifchen Etsenbahnanlehrn vom 1. Juni 1876 zu tilgenden Betrag-, und zwar die Obligationen:

Nr. 128350 ü 2000 JL Nr. 72597680 L 1000 JL Nr. 15503-16351 ä 500 Nr. 46152-48000 und 66001-66323 ä 200 JL,

zur Nückzahlung auf den 13. November 1881

Wir fordern demgemäß die Inhaber der gekündigten Obligationen auf, den Nominalbetrag mit Zinsen bi- incl. 14. November 1881 zwischen dem 10. und 15. November 1881 gegen Rückgabe der Obligationen und der dazu gehörigen nicht zahlbaren Zivscoupon- nebst Talon- bei der Haupt» flaattfaffr dahier um so gewister zu erheben, al- dieselben vom 15. November 1881 an nicht mebr verztenst werden und der Bettag der fehlenden ZinscoupoiS von den zur Rückzahlung berufenen Obligationen an dem Kapitalbetrag derselben in Abzug gebracht wird.

Die auf den Namen von Kirchen, Schulen unv milden Stiftungen ic. eingeschriebenen Obligationen können nur nach Vorlage der nach Verfügung Großherzoglichen Ministeriums de- Innern vom 28. November 1873, zu Nr M. d. I. 12391, erforderlichtn Ermächtigungen gegen Empfangsbescheinigung der Rechner dieser Fond- zurückbezahlt werben.

Wir erwähnen hierbei, daß durch Bekanntmachung vom 14. December 1880 die Obligationen obigen Anlehen- :

Nr. 1 127 1 2000 JL Nr. 70017258 & 1000 JL Nr. 15001 15502 i 500 JL Nr. 4490146151 a 200 JL zur Rückzahlung auf den 15. Juni 1881 berufen sind, und machen zur Vermeidung von wetteren ZinSoerlusten darauf aufmerksam, daß von den durch unsere Bekanntmachung vom 29. Februar 1880 gekündigten Obligationen diese- Anlehen-, und zwar der Stücke.

Nr. 24897 44900 ä 200 JL,

eine größere Zahl noch nicht zur Einlösung gekommen ist.

Darmstadt, den 28. April 1881. Großherzoglich Hessische StaatSschulden-Eommission.

Micheli- I- Möllinger.Best.

Deutschland.

Darmstadt, 5. Mai. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben LllerguLbigst geruht:

Am 30. Aprü dem Regierung-rath Mazmilian Frhrn. v. Wägern das Ritterkreuz 1. Klasse de- Verdienstorden- Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht:

Am 4. Mai den früheren Landgerichtsass.stor Hugo v. Grolman au- Gießen zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Wald-M.chelbach und den Ge> richiSaccesflsten August Fabricius aus ÄrnSburg zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Oppenheim zu ernennen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog find mit Sr. Königlichen Hcheit dem Srbgroßherzog und Ihren Großherzoglichen Hoheiten den Prin- zeffinnen-Töchtern heute Nachmittag 3 Uhr 20 Miu. nach Mainz abgereist.

Die Vorträge unb Audienzen im Gioßh. Neuen PalarS cefftren bi- zur Rückku, ft Sr. Königl. Hoheit des Eroßderzogs.

Main), 5. Mai. Für den heute Nachmittag 4 Uhr bevorsteher.ben Empfang Sr. Königl. Hoheit deS GroßherzogS und der Großherzoglichen Fam.lie find von Seiten deS Königl. Gouverneur-, des Großh. Territorial. commistärS und de- Großh. Oberbürgermeisters nachstehende Anordnungen ge­troffen woiden: Sobald der E^trczug, mit welchem die Allerhöchsten Herrschaften fahren, sich der Rheinbrücke bet der Gustarsburg nähert, werden in den nächst« gelegenen Fort- 33 Salutschüsse gelöst. Dom Bahnhof bis zu dem Grcßh. Palm-, die Rheinftraße entlar g. bilden die hier garmfomnnten Großherzog- lichen Infanterie-Bataillone Spalier. Am Großh. Palais, woselbst die Aller, höchsten Herrschaften den Zug verlafien, ist feierlicher Empfang durch die Spitzen der E'.vll- und Militärbehörden. Da- gefammle OffictercorpS der Garnison wird zugegen sein. Dor dem Pala'.s nimmt eine Ehrencompagnie mit sämmtlichen Fahren Aufstellung. Am Abend findet großer Zapfenstreich, sowie ein Fackelzug statt.

Berlin, 4. Mai. Die Königl. Eisenbahn-Directlon (rechtsrheinische) zu Köln ist mit der Anfertigung genereller Vorarbeiten für Eifenbahnen unter- geordneter Bedeutung einerseits von Altenkirchen, andererseits von einem zwi- schen Westerburg und Hachenburg belegenen Punkte zum Anschluß an die Deutz-Gießener Bahn beauftragt worden.

Bockenheim, 4. Mai. In Bockenheirn bei Frankfurt a. M. ,st es zu einem Eonstict zwischen den Gemeindebehörden und dem EulruSmiwster v. Puttkamer wegen der Simultanlchulfrage gefommen. Ter Minister hat auf das Betreiben der Klerikalen des Ortes da- Fortbestehen oonsesfioneller Schulen cngeordnet, während die Gemeindebehörden eine Simultanschule ein- richten wollten. In Folge deffen haben von den 24 Mitgliedern 23, etnschließ- lich deS Vorsteher-, ihre Mandate alS Stadtverordnete niedergelegt.

Arankreich.

Pari-, 3. Mai. Nach auS Tuns vorliegenden Nachrichten find weh- rere Schecks, welche den heiligen Krieg predigten, verhaftet un2 nach TuniS gebracht worden. Der Dey hat ferne gewöhnliche Residenz in welcher er fich nicht sicher genug glaubte, verlafien und fich nach Bardo begeben.

Paris, 3. Mai. Das uliramontaneUnisers" schließt heute einen Bericht über Algerien und die Uled-Grevy, wie die Araber bie Gebrüder Grevy als Gebieter Algeriens und Frankreichs nennen, mit dem Satze, daß die jetzige Wirthschaft in Afrika die Armee cor ihrer Bekehrung zum Garn-

LettiSmuS bewahren werde. Allerdings zeigt fich Diele- als faul in der alge- rischen Verwaltung. Luch die Sriegsführung entwickelt Bräuche, die einer großen civilifirten Nat'vn unwürdig und einem so ohnmächtigen Feit de gegen­über kleinlich find. So schre bt der Berichterstatter deSTempS" au- Kes. Scheraga, 29. April, ganz unbefangen, als sei das vollständig in der Ordnung: ^Die Brigade Gallaud hat eine Bewegung nach Bab-Usch gemacht, wo ein Dutzend GurbiS flehen, die nicht vertheidigt wurden und die man in Brand gesteckt hat; die Feigenbäume in der Umgegend wurden umgehauen.^ In einem anderen Berichte desTemps^ wird gleichfalls gemeldet: ,Einige zwanzig Gurben wurden angesteckt; man zerstörte Alle-, wa- Werth hatte.- Am 1. Mai wurden die Raubzüge fortgesetzt,He Husaren verbrannten 15 Gurben in Hanus'a Hegia- u. s. w.

Sidi Ali richtete an den Bev von TuniS solgendes^Schreiben: Die Schaiich Schaaba- und Reiter haben unS gemeldet, daß die Stämme von bin Franzosen in Folge ihrer Weigerung, Pferde und Getreide zu liefern, ange. griffen wurden. Mit besonderer Gewaltthättgkeit wurden die ScheikhiaS (SchiafiaS) behandelt. Man steckte ihre DuarS in Brand, indem man die Frauen wie die Männer tödtete. Die Verwundeten wurden zu dem Oberbe- fehl-haber geführt, der sie köpfen ließ. Die schwängern Frauen wurden selbst nicht geschont. Ich selbst sah in einem niedergebrannten DuarS zwei graue-, denen man den Bauch aufgefchlitzt, unb ihre Swber lagen neben ihnen. Ich mußte meinen Weg ändern, um solche Scheußlichkeiten nicht mit eigenen Augen zu sehen.

Die Tinge sollen fich beim Kampf btt Ben Bachir ereignet hahen. Der Dty erhob nach Erhalt bieseS Schreibens sofort Protest bei bem französischen GtschäitSträger Roustan. Dieser sandte das Schreiben an den General Loge­rot , der Folgendes erwiderte:

Suk-el Arba, 1. Mai, 4 Uhr Abends. Die von Si-Ali Bty behauptete Thatsache betreffs der von unseren Soldaten begangenen Grausamkeiten ist falsch. Niemals wird einem französischen Osficter einfallen, Verwundete tödten zu lasten, und ich, der Gereral, erbebe mit Er-tschloffenheit und Entrüpm g Protest gegen die von einem tunesischen Prinzen erhobene Anklage. Es .st gleichfalls falsch, daß schwangere oder nichtschwangere Frauen erwürgt wurden.

Daß der Krieg in Tunesien mit abscheulicher Grausamkeit geführt wird, geht jedoch zur Genüge auS den Ttpeichen deSTempS^ über die Razzias (Farre nenit eSReLvgnoscirungen") hervor, welche General 93incenbon'am 30. Apnl unb am 1. Mai gegen bie Shrumirs ausführen ließ. Der Bericht- et statt er schreibt:Der General Vincenbon fanbte am 29. April baS 40. Linien>Regiment unb daS Jäger Bataillon zu Fuß zu den Uled-Eedra, d.e im Thal Wed.Dfchenana wohnen und die Hauptschuldigen bet den Einfällen in Algerien find. ES ist schwer, fie zu Grunde zu richten, da fie ihr Vieh, daS ihren Hauptteichthum ausmacht, in die Berge geführt haben. Es bleiben die Ernte, die Geiste in Dlüihe, seltene Fruchtbäume, einige Zelte und einige Gurbis übrig. Unsere 700 Maultbiertreiber, welche die Eolonne begleiteten, aber, heimsten die Gerste ein. Ungefähr 20 Gurbis wurden niebergebTanrt urb 5 Zelte weggenommen. Man vernichtet mit einem Worte Alles, Wa­den germgfhn Werth hat. Tie Leute der Gums erbeuteten eine große Anzahl von Hühnern. Unter den verwüsteten Ländereien befinden fich auch die deS Scheck der Uled-Erbra. Am 1. Mai würben bie Razzias bei ben Uleb.Cerra fortgesetzt, 15 Gurb s verbrannt unb 3 Zelte meggerommen. Ein KhrumirS, den man in einem bet Gurbis oo.fanb, wurde getödtet." Da bie Franzosen von einer großen Anzahl ton Arabern begleitet finb, so ist keineswegs un.