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Mittwoch den 4. Mai

Nr. 102

Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montags.

i Schulstrafee B. IT.

Deutschland.

rieten, welche dir üeuiDtgenoen tseaenauperung vor- . eine juristische Würdigung ihrer Qu. l ficatron als »weit thatsächlich zu berücksichtigen, als dadurch der I

Petersburg, frei geworden.

Angeklagte gereizt und, in Affekt versetzt, zu seiner beleidigenden Gegenäußerung forigeriffen wurde und deSbalL milder zu bestrafen oder, fall- dem Angeklagten § 193 Str.'G.'B. (die Wahrnehmung berechtigter Jntereffen) zur Seite steht, freizusprechen sei.

Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit vrmgerlc >n Durch bie Polt bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P.

Berlin, 1. Mai. Nach einer Entscheidung des Reichsgerichts. HL Straf« senats. vom 5. März d. Zs., kann eine Beleidigung, welche ein Abgeordneter In einer in Ausübung seines Berufs gehaltenen Rede gegen eine Privatperson ausjpricht, nicht rr.it einer von dieser Privatperson als Entgegnung rerübten Beleid'gung campenfirt werden, vielmehr ist die Gegenbrleidigung gegen den Abgeordneten zu bestrafen, ohne daß der Richter die von dem Abgeordneten gethane Aeußerung einer stralrechtlichen Würdigung u lerziehen darf. Dem Richter ist in einem solchen Falle der wechselseitigen Beleidigung nur gestattet, bie Aeußernng des Abgeordneten, welche dir beleidigenden Geaenäußerung vor« angegangen, ebne sich in t . . . _

Beleidigung einzul'ffen, insoweit thatsächlich zu berückfichtigen,

Die Nordpolar-l^xpeditionen.

Der Reichstag hat nahezu einfhu.mig Den Antrag Virchow und Genofftn angenommen, welcher den Reichskanzler ersucht, eine geeignete Betbeiligung Deutschland- an der Polarsorschung berbeizusühren. Es handelt stch bekannt« l,ch um die Errichtung von Stationen, an welchen die großen Eultur-Nationen Theil nehmen und die im Jntereffe der Naturwiffenschasten (Erdkunde. Erd« magnettsmuS. Meteorologie u. f. w.) Zusammenwirken und die Kenntruß des arktischen L mde- erweitern sollen. Die Reick sregierunq steht dem Anttage ebenda- sympathisch zur Seite, und nur die leidige Kostenfrage bietet kleine Bedenken. , ,, _

Der Ehef der Admiralität, v. Stosch. berichtete bereit- über Geldbe« w'lligungen de- dänischen Staate-. sowie österreichischer und norwegischer Gönner der Polirforschung, von dem Plane de- Grasen Wilczek, aus Nowaja« Semlja eine erste Station zu errichten, und über einen dtutschen Plan, der der Reicksregierung torliegl und etwa 600,000 Jt beansprucht. Voraussicht- I ch wird also, wie Dirckow wünschte, da- deutsche Reich unter allen Uu.stän« den an drm friedlichen Wettstreite der Nationen theilnehmen.

Unter diesen Nerhältniffen ersche nt em Ueber blick über die jüngsten Polar Expeditionen mcht uninter.ffank. Nach der berühmten Reise von Wey- preckt und Prayer, nach der Entdeckung des Franz«Josef«Landes, hatte die Entdeckungsfahrt deS Prof.siors Nordenskjöld die größte Bedeutung. Die Entdeckung der nordöstlichen Durchfahrt, die nördliche Umsegelung der Welt, von Engländern und Holländern schon ,m 16. Jahrhundert erstrebt, ist der Vega unter Nordenskjöld'- Führung gelungen; e- ist bekannt, m wie hohem Maße dabei die Geographie und die Naturwiffenschaften, wie auch die Völker« tunte gewonnen haben. Vm her hatte ein ei,.facher Fischer. Johanien, (1878) eire neue I, sei. die erEiniamkett" taufte, norkw.pltch vom Eap Taymir entdeckt. Die Sorge um Nordenskjöld, von dem man 1879 keine Nachricht halte, veranlaßte den reichen rusflschen Kaufmann Stbiriakow, einen Dampfer auszurüsten und Nordetskjöld entgegenzuschicken. Eapitän Sandpccke, vor. der deutschen Nordpol-Expedition bekannt, führte da- Schiff; seine Wissenschaft« licken Begleiter waren der deutsche Freiherr v. Danckelm.nn und der russische Prvs.ffor Grigoriew. Nack der Abfahrt von Zjoloharna (27. Jul,), erlitt ter Dampf.r am 5. August an der Jns.l Zcsio Sch ffbruch. Danckelmann krhte nach Yokohama zurück und traf daselbst Nordenskjöld im Januar 1880. In Amerika empfand man gleichfalls Besorgnisse um cen schwedische Retser.drn und ter Besitzer des New IorkerHerald-, Gordon Bennett, der Stanlay nach Afrika gesandt hatte, rüstete einen Dampfer au6, der zunächst Nordenskjöld Hülse bringen ui d eventuell eine Fvischu, gereise ärmeren sollte. Die Jeanette" sollte bi- zum Nordpol Vordringen, doch gelarg ,hr die- nicht. Unterweg- erhielt sie ton Wallfijchsänge.n Kunde von Norienskjöld's gclunge« ner Reise. Gleichzeitig war ein russisches Lriegrschiff ^Wffadmk" unter Lieutenant Opozewitsch nach Norden gegangen, wurde aber durch Eisrnoffen am Vordringen verhindert. Der Engländer Gartimor, der Norweger Bjerkan und der Rusie Tjagin, der Schwede Mohn befanden sich, als Nordenskjöld absegrlte. in den arktischen Gewäfjern, ohne andere als hydrographische Erfolge aufaeifen zu können, da sie trotz Ueberrolnlerung nicht weit vorzudringen ver« mochten. Eine holländische Exp.dition unter de Brujen drang dagegen über Nowaja.Sern'.ja hinaus bS in den Meridian von Franz»Joses-«Land. Der« schiedene Expeditionen wurden im Norden Grönländs ausgesührt; dem Marine- Lieutenant Jansen gelang die g<jährliche Wanderung durch tad Innere Grön« landS. C^p'tän Markharn auS Tromsö gelangte b S 78 24 Breite und 4< dpi. Länge. In den Vereinigten Staaten erweckte neuerdings Eapitän Howgate das Jntereffe für eine Station in der Lady Frankl n«Bay, die Führung ist Capiiän Tvson übergeben, bekannt durch die Expedition derPclariS." Da die Vereinigten Staaten aber nicht den erwarteten Zuschuß bewilligten, kehrte die Expedition bald zurück. E ne andere Frankl n« Expedition unter Eapitän Schwatka war nach King«Williams«Land aufgebrochen und wird nach der Ueberwinterung zurückerwartet. Wie man hört, soll auch Nordenskjöld eine neue Expedit on planen.

Sus Allem geht hervor, daß Deutschland in neuester Zeit feit dem Tode Peterman.n'S in Gotha, die Nordpolar-Forschung vernachlässigt hat, und es .st daher erfreulich, daß sich das Jmereff- dafür wieder regt. Der Reichs« tag und die Regierung dürsten neuen Unternehmungen ihre Sympathien nicht versagen.

Nuhland.

1. Mai. Die Newa ist heute von EiS vollständig

Arankreich.

Pare-, 1. Mai. Ein Telegramm des Generals Logerot aus Souk«el- Arba von gestern meldet: Eine au- einem Zuavenregiment bestehende leichte TruppenabtHeilung, welche zu den Ouled ben«Halen abgesendet worden war, um dieselben zu beruhigen, wurde von den Stämmen der Chiaja, Djcndaika u d den Khrumir- mit Gewehrschüssen empfangen, erwiderte da- Feuer und schlug, von herbeigeetlten, aus Scharfschützen und Husaren bestehenden Verstärkungen unterstützt, den Feind in die Flucht. Ter ge'nb verlor 40 Mann. Mehre,« feindliche Trupp-, die sich während des Rückzüge- wieder gesammelt hatten, wurden durch Artilleriefeuer zerstreut. Die Niederlage des Feindes hat in der ganzen Gegend einen großen moralischen Eindruck gemacht. Au- TuniS wud berichtet: Zaingai, Lehrer an dnem Kapuziner«Eollegium aus dem Be^ge Libanon, hat heute dem französischen Eonsul Roustan gegenüber wiederholt zugestanden, daß er von dem italienischen Eonsul Maccio ZeitungS«Artikel für das in arabischer Sprache in Eagltari erscheinende JournalQI Mostakel" erhalten habe nnd folgende hierauf bezügliche Einzelheiten angeführt: Pesta« lozza. der erste Dolmetscher des italienischen Consulat- und die rechte Hand des Eonsul- Macc-o, habe sich wegen Zuweisung von arabischen Redacteuren schriftlich nach Syrien gewendet. Bayos, Lehrer an einer Schule in Beirut, fei der an ihn ergangenen Aufforderung gefolgt und habe daraus auch ihn (Zaingai) veranlaßt zur Theilnahme an der Redaction beßEl Mostakel" nach Cagliari überzufiedeln. Der Redacteur beßAvvenir de Sardegna" de Francesco, ein intimer Freund Maccio -, habe die für denEl Mostakel" bestimmten Artikel in italienischer Sprache geliefert. Don Dayo- und von ckm seien diese Artikel in da- Arabische übersetzt worden. Die fraglichen Artikel habe de FranceSco zum Theil selbst aut dem italienischen Lonsulate in TuniS abgeholt, r Theil seien dieselben birect von Tunis durch den dortigen italienischen Con^ ..ach Eagltari geschickt morden. Bayos habe ihm durch ein Antwortschreiben Maccto'S auf einen Brief gezeigt, daß fich BayoS über ungenügende Bezahlung beschwert habe; in diesem Antwortschreiben habe Maccio erklärt, daß da- JournalEl Mostakel" Italien noch nicht die ent­sprechenden Dienste geleistet habe. Später habe er (Zaingai) fich selbst nach dem italienischen Co, sulat begeben und dort sei ihm für den Fall seine- Still­schweigen- von Pestalozza eine Anstellung zugesichert worden.

Zielgien.

Brüssel. König Leopold ist von zwei südamerikanischen Nepubl'ken als Sck'eds- rtdbter in ein-r Grenzstreitfroge ongenusen worben. Neu-Granada (vereinigte Staaten von Columbien) und (Softanca haben sich dahin geeinigt, daß fte die Convention vom 15. März 1825, welche die Grenze beider Staaten bestimmen sollte, dem Jtinige der Belgier zur Klarstellung vorleaen und tnffen (5nlsche'dung als endgültig anerkennen wollen. So meldet badTiar.o Osicial" von Bogota unterm ll. März. - Daß von dem Zuchtpolizeigerickt Cubenarbe Cflflanb.rny über 29 geistliche Schulbrüder ge­sprochene Strasurtbe'l bat den Bischof von Wem vermocht, dem Aergern'ß, daß stch m diesem Umsange denn doch nicht m-hr vertuschen liefe, traft seines gerstlrchen Amte- entgegenrutteten .Das Penstonat de St. Vincent de Paul, das in Rena,x von den ^reres des Bonnes OeuoerS gcleitet wurde, ist aufgehoben worden " Neunundzwanz'g geistliche Lehrer dieser Anstalt hatten ihre Zöglinge theils zur Unzucht verführt, theils aufs schwerste m'ßhandtlt. Ein solches Nest konnte die Kirche nickt länger bestehen lassen. Dos Bien Public" bemerkt dazu:Die Maferegel ist wichtig, xumal unter den gegenwärsgen Verhältnissen, und es kommt darauf an, bie Katholiken über bie Jutiarbe aufjutlären welcke dieselbe begründet haben; sie werden mit uns anerkennen, bafe, wenn M febräucke in irgend einer geistlichen Schule zu Tage treten, die Kircke selbst bas Gegenmittel anzuwenden und durch ihre Thoten den Hag und die Ver­leumdungen der Feinde des kathol icken Schulwesens zum Schweigen zu bringen ver­steht " Gan, rickstq. wenn bas Hcrflermfe so massenhaft zu Tage tritt, bafe e- mdbt mehr wie sonst üblich, vertuscht und dreist abgeleugnet werden kann, dann geschuht etwa** eS hat aber Jväüe genug gegeben, wo bie vom w-ltlichen Genickt wegen Unzucht bestraften Sünder keiner Kirchenduße unterworfen, sondern sogar als Märtyrer festlich emgebolt und bewTtbet worden sind. Denn man d m geistlichen Schulwesen den Glorienschein erhalten will, muß man in allen Fallen die unwürdigen Lehrer aus­merzen und nicht erst, wenn die Unthat zum Himmel schreit, ein Srempel statuinen, das ooraussick'.l cd die geheimen Sünder doch nicht schreckt (Köln. Ztg )

Kichemr Wnzeiger

Auxeize- unb Amiübluii sm i>tn Kreis Gießen.

Türkei.

Kouftantinopel. Die Commission, welche vom Sultan Abdul Hamid eingesetzt worden ist zur Cntdeckung der Mörder des Sultans Abdul Aziz, hat nut ihren Nach­forschungen Crsolg gehabt. Zur Zeit befinden sich die Schuldigen bereits rn sicherem Gewahrsam. Die Verbrecher wurden in ihrer Heimath, wohin sie sich nach Empfang ihres blutigen Lohnes zurückgezogen hatten, endlich entdeckt und nach Konstannnopel qeerackt, wo sie. einer M'ttheilung derPolit. Corresp.^ zufolge, alsbald ihre Tbat eingestanden Zwei der Hauptschuldigen waren ehemalige Palastdiener, der eine e n Aga Nuri Paschas, der andere ein sogenannterPschlioan", das iir ein Ringkämp'er von Beruf. Letzterer wurde für den Fall gedungen, bafe Abdul Aziz 'ich zur Wehre setzen sollte. Nach dem Geständnisse der Mörder wurde Abdul Aziz unter lemem Äopr- kiffen erstickt. Damit jedoch der Leichnam nicht die oorhergegangene Asphyxie und durch seine Schwärze das begangene Verbrechen verrathe, wurden dem Ermordeten an den Armen die Adern geöffnet und an seine Se te ein Paar Lcheeren gelegt, um zo